Samstag, 18. November 2017

Was Schönes und die Schönsten

GA

Endlich gibt es auch mal gute Nachrichten:

Sowohl der Kopfschutzhelm als auch die vier Schutzpolster wurden von der KK genehmigt – die Mitarbeiterin, die sich des Ganzen letztlich angenommen hatte, hat es wirklich durchgezogen wie angekündigt und sich schnell und zuverlässig darum gekümmert.

Der absolute Oberabschuss (im positivsten Sinne!) war allerdings der Besitzer des Sanitätshauses: Nachdem er ein aktuelles Foto des alten Helms gesehen hatte, dessen Kinngurt mittlerweile bedrohlich dünn ist, haben er und seine Mitarbeiterin die Polster, die eigentlich bis Freitag fertig sein sollten, schon am Mittwoch fertiggestellt. Danach hat er sich ins Auto gesetzt und alles noch am selben Tag persönlich bei uns vorbeigebracht. Er sagte zwar, er wäre sowieso an unserem Ort vorbeigefahren (das Sanitätshaus ist in Ulm; unser örtliches bietet eine solche Maßanfertigung leider nicht an), aber das ist trotzdem alles andere als selbstverständlich für uns.

Das ist richtig, richtig gut gelaufen. ♡

Und da der Post recht kurz ist, gibt es zum Abschluss noch etwas über eines unserer Lieblingsthemen: Insekten. :D

Was sagt das jetzt wieder über uns aus, dass wir einen eigenen Ordner namens »Insekten 2017« auf dem Rechner haben? Na, wie auch immer, hier kommen unsere schönsten bzw. liebsten Insektenfotos aus diesem Jahr – mehr dürften angesichts der Temperatur leider nicht mehr hinzukommen:







Sonntag, 5. November 2017

Dokumentationshilfe und Neuigkeiten

AD

Hallo!

Wie im Mai versprochen, gibt es hier nach unserer leicht chaotischen Internetumstellung die Info, wie es nun weitergeht mit Beziehungstat. :)

Um es kurz zu machen: Weder Georg noch ich bringen es übers Herz, den Blog vollständig einzustampfen. Wir haben nach wie vor nicht übermäßig viele Themen, über die wir noch leichten Herzens öffentlich schreiben können, und nach wie vor steht auch Georgs Entscheidung, sich schreiberisch mehr auf kreativere Tätigkeiten zu konzentrieren als Blog-Posts, aber wir hängen zu sehr an der Seite, um einen endgültigen Schlusspunkt zu setzen.

Nicht zuletzt auch deshalb, weil wir aktuell wieder viel bürokratisches Chaos mit unserer Krankenkasse haben (als ob das mit den Behörden nicht ausreichen würde) und Beziehungstat uns in den letzten Wochen sehr dabei geholfen hat, ähnliche Fälle aus der Vergangenheit lückenlos zu rekonstruieren. Hätten wir die entsprechenden Unterlagen bloß in einem Ordner abgelegt, wären wir garantiert nicht so schnell damit gewesen.

Mitte Oktober habe ich nach knapp vier Jahren einen neuen Kopfschutzhelm plus vier neue Schutzpolster für Georg beantragt. 2013/2014 hatten wir mit der gleichen Verordnung massiven Ärger mit der KK, die letzten Endes aber doch einlenken und die Kosten übernehmen musste. Darum konnte ich der KK folgendes Schreiben zusätzlich zu den Verordnungen zukommen lassen (bis auf unsere eigenen Namen, die inzwischen eh jeder Blog-Leser kennt, anonymisiert):

Sehr geehrter Herr X,

anbei erhalten Sie vom Sanitätshaus XY Verordnungen für einen neuen Kopfschutzhelm und vier neue Schutzpolster für den Helm für meinen Mann Georg Dichtler.

Zur Begründung: Nach knapp vier Jahren des Dauertragens haben der Kopfschutzhelm wie auch die bisherigen Schutzpolster einen starken unangenehmen Geruch entwickelt, der auch durch gründliche regelmäßige Reinigung nicht zu verhindern war.
Vergleichbar ist dies am ehesten mit dem Dauertragen von Kleidung und Schuhen: Wenn man vier Jahre lang täglich im Wechsel nur vier Shirts sowie täglich dieselben Lederschuhe trägt, und das von morgens bis abends, ist das Material letztlich so abgetragen und geruchsintensiv, dass ein weiteres Tragen nicht zumutbar ist.
Mein Mann ist nach wie vor darauf angewiesen, die Hilfsmittel täglich von morgens bis abends zu tragen. Darum halten wir und unsere Hausärztin Frau Dr. Z eine Neuverordnung für angemessen.

Als Betreuerin meines Mannes im Bereich Gesundheitsfürsorge bitte ich Sie, die verordneten Hilfsmittel rasch und unkompliziert zu genehmigen, auch im Namen von Herrn RA Y, dem Betreuer meines Mannes in Rechtsangelegenheiten.

Als Anlage erhalten Sie von mir eine Kopie Ihres Schreibens vom 09.01.2014. Die Verordnung von Schutzpolstern für den Helm durch Frau Dr. Z aus dem Herbst 2013 wurde damals zunächst von der KK abgelehnt, nach erneuter Fallbesprechung mit dem MDK jedoch später genehmigt, da sich bei meinem Mann ohne das Tragen von Schutzpolstern starke Druck- und Scheuerstellen an der Stirn bildeten, was auch durch Fotos belegt wurde.
Auf Wunsch maile ich Ihnen das Bildmaterial von damals gern noch einmal zu – verbunden mit der Bitte, es nicht erneut so weit kommen zu lassen, dass diese wunden Stellen sich bilden. Aktuelles Bildmaterial zu fordern, würde bedeuten, willentlich in Kauf zu nehmen, dass die Haut meines Mannes durch das Tragen des Hilfsmittels ohne Schutzpolster verletzt wird.

Für Rückfragen stehe ich Ihnen unter XXXXX YYYY gern zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Alexandra Dichtler

Anlage
Kopie Ihres Schreibens vom 09.01.2014

Die verwirrende Überraschung: Elf Tage, nachdem ich dieses Schreiben verfasst hatte, wurde der Kopfschutzhelm bereits von der KK genehmigt. Allerdings teilte das Sanitätshaus mir mit, dass bezüglich der Schutzpolster noch keine Rückmeldung dabei gewesen sei.

Am Freitag habe ich bei der KK angerufen, um abzuklären, wie es damit aussieht, denn am sinnvollsten ist es, Helm und Polster zugleich zu erhalten.

Die nächste verwirrende Überraschung: Die Kostenübernahme, welche die KK mir bestätigt hatte, war nur fälschlicherweise für den Helm ausgestellt worden. Gemeint waren in Wahrheit die Schutzpolster. Laut der KK ist für einen neuen Helm kein Kostenvoranschlag des Sanitätshauses eingegangen und es wurde davon ausgegangen, die Polster bezögen sich auf den vorhandenen Helm.

Die dritte, nicht sooo verwirrende Überraschung, da das leider schon mehrmals so abgelaufen ist: Die Mitarbeiterin der KK, die das Ganze diesmal bearbeitet und mir die falsche Genehmigung zugesendet hat, ist nun erst mal eine ganze Weile im Urlaub, und zuerst wollte deren Vertretung mich auf übernächste Woche vertrösten. Sie hat sich dann aber doch darum gekümmert, sich mein Schreiben noch mal per Mail zusenden lassen und das Sanitätshaus kontaktiert. Dieses hatte aber sehr wohl beide Kostenvoranschläge versendet, allerdings einen davon per Fax, weil die elektronische Variante nicht funktionierte. Ihren Faxeingang hatte die eigentlich zuständige Mitarbeiterin vor ihrem Urlaub offenbar nicht gecheckt.

Jetzt in jedem Fall wurde alles erneut an die KK geschickt und die Bearbeitungsmaschinerie läuft ein weiteres Mal an, diesmal hoffentlich erfolgreicher.

Wir sind gespannt.

Hm, was gibt es sonst noch Neues, was man in einen ersten Post nach fast einem halben Jahr packen kann?

Wir haben immer noch jede Menge bürokratischen Stress und keinerlei Hoffnung mehr, dass sich das jemals ändern wird, solange wir leben. Eine Veränderung könnte allein durch eine ECHTE Reform der Pflegesituation in Deutschland bewirkt werden, und an eine solche glauben wir nicht mehr, zumindest nicht zu unseren Lebzeiten. Wenn der Großteil der Bevölkerung durch eine Überalterung der Gesellschaft eines Tages wirklich auf Pflege angewiesen ist, ändert sich hoffentlich das allgemeine Wahlverhalten. Vielleicht wird es dann in Deutschland häuslich Pflegende geben, die ein Einkommen und eine Krankenversicherung haben wie jeder andere in Vollzeit arbeitende Mensch auch, statt in den Sozialleistungsbezug gezwungen zu werden. Und vielleicht werden Pflegebedürftige selbst dann in Deutschland nicht mehr behandelt wie wertloser Müll. Aber wie gesagt – wir haben keinerlei Hoffnung mehr, das mitzuerleben.

Ich besitze inzwischen endlich wieder eine »normale« gesetzliche Krankenversicherung, mangels Alternativen erneut im Rahmen des Sozialleistungsbezugs, als wäre ich arbeitslos – aber damit wir uns nicht zu früh freuen, hat die KK nun Georg aus der Familienversicherung gekickt, weil er durch seine leicht erhöhte Halbwaisenrente ein paar Euro zu viel hat, um ein Recht auf Familienversicherung zu haben. Also musste nun ER sich freiwillig versichern wie zuvor ich; wir sind demnach nicht mehr gemeinsam krankenversichert. Die Kosten hierfür muss zwar das Landratsamt tragen, aber das Ganze ist trotzdem großer Unsinn in unseren Augen, obwohl es rechtens ist. Einziger Vorteil: Wenn mich morgen ein Laster plattfährt, bleibt Georgs Versicherung unangetastet und er muss diesbezüglich nichts ummelden.

Hm, was noch alles?

Georgs letzte Kontroll-MRT zeigte keine Veränderungen, was uns gleichermaßen beruhigt und verwirrt. Es ist beruhigend, weil jede Veränderung eine OP notwendig machen könnte, was wir natürlich auf keinen Fall möchten. Wer will das schon? Verwirrend ist es aber dennoch, weil Georgs Motorik sich trotzdem immer weiter verschlechtert. Als einzige eventuelle Begründung haben seine Behandler diejenige geäußert, dass das Gehirn ein so komplexes Organ ist, dass kleinste Veränderungen womöglich nicht in der Bildgebung erkennbar sind. In jedem Fall müssen die Kontrollen weiterhin zuverlässig stattfinden.

Meine eigenen Behandler haben es geschafft, mich trotz Hashimoto-Thyreoiditis medikamentös in die Schilddrüsenüberfunktion zu bomben. Überfunktion mit Hashimoto, das ist echt – schräg. Meist kommt man mit dieser Erkrankung nicht mehr aus der Unterfunktion raus. Zeitweise hatte ich einen Puls von bis zu 170. Anfang Dezember ist die nächste Kontrolle, die Medikation wurde nun natürlich angepasst. Na, immerhin ist meine Lungenfunktion momentan super, so zum Ausgleich.

Dieses Jahr glich es gefühlt einem Psychothriller, an meine Abrechnungen und Honorare für SGBAS und die Einhorn-Büchlein zu kommen. Nach wie vor kann ich kaum fassen, wie das abgelaufen ist. Zwar verdiene ich nur wenig mit diesen Sachen (etwa 20 bis 50 Euro pro Halbjahr), aber natürlich muss ich mich trotzdem darum kümmern, dass alles ordentlich eingeht und abgerechnet wird. Mir ist niemals zuvor so viel Gleichgültigkeit und Unzuverlässigkeit begegnet, und gemessen an unseren Erfahrungen mit Ämtern und der KK ist das richtig, richtig heftig.

Ich kann nicht in Worte fassen, wie sehr ich es bereue, 2015 auf das Veröffentlichungsangebot eingegangen zu sein. Ursprünglich habe ich mal gesagt, dass ich es zwar bereue, jedoch vermutlich wieder so entscheiden würde, weil ich sonst niemals erfahren hätte, ob ich nicht vielleicht doch Erfolg mit dem Schreiben haben kann – aber heute sehe ich das nicht mehr so. Lieber Zweifel bis in alle Ewigkeit als DAS. Finanziell hat es sich nicht annähernd gelohnt, und der Stress, der da jetzt dranhängt – das wünsche ich keinem. Echt nicht. Obwohl ich vielen Menschen Übles wünsche, das ist meine persönliche Grenze. Besonders eben im Zusammenspiel mit permanenter Behördenwillkür.

Trotzdem: Sowohl von Georg als auch von mir gibt es eine neue Geschichte. Georg schreibt noch an seiner – das Tippen fällt ihm inzwischen sehr schwer, aber er ist beharrlich und hat im vergangenen halben Jahr knapp 10.000 Wörter geschrieben. Meine ist in Rohversion abgeschlossen. Das Ganze sollte maximal eine Novelle werden, wollte dann aber lieber ein Roman sein, der ein bisschen länger ist als Puls. Auch ansonsten hab ich irgendwie ziemlich viel geschrieben in den letzten Monaten, einfach so nebenbei als schönen mentalen Ausgleich. (Allerdings nicht an dem, worauf immer noch ein paar tapfere Menschen warten aka Löwenherzen und Mail-Antworten. *hust*)

Unser Beziehungstat-Gedichtband ist inzwischen nur noch privat erhältlich (also nicht mehr käuflich), dafür haben wir aber Elemente des Covers für einen neuen Header wiederverwenden können, der von Ka&Jott aus den bisherigen Grafiken erstellt wurde. Die Website, von der unser bisheriges Blog-Design stammte, scheint nicht mehr zu existieren und der Credits-Link führte zuletzt immer auf eine seltsame militärische Seite, was wir so natürlich nicht behalten konnten/wollten.

Falls jemand sich anschauen mag, was wir in der letzten Zeit so gesehen haben – hier und hier habe ich unseren gesamten Sommer und bisherigen Herbst dokumentiert, zumindest auf optischer Ebene. Für die allermeisten Menschen dürften diese Accounts allerdings öde sein, das ist eher so ein »Für uns selber sammeln«-Ding. Der Twitter-Account war bislang ein geschlossener Account, aber vor ein paar Tagen hat Karo uns einen so tollen, lieben Brief geschrieben, in dem unter anderem stand, dass sie uns auf Twitter vermisst – da dachte ich, mach ich ihn eben doch auf. ♡ (Ich hoffe, meine Brief-Antwort kam heil an; ich frage mich die ganze Zeit, ob das Porto ausgereicht hat. D:) Eine große Bitte hab ich hierzu aber: Bitte folgt mir auf diesen Accounts nur dann, wenn euch die Sachen dort wirklich interessieren, nicht aus Gefälligkeit oder weil »man sich halt kennt«. So etwas möchte ich definitiv nicht mehr haben.

Und noch eine für mich ziemlich tolle Info: Ich habe den Ka&Jott-Verlag darum gebeten, die Rechte an »Sein Artist« zurückzubekommen (ich verdiene seit über einem Jahr keinen Cent mehr damit), und das war völlig problemlos möglich. Zum Ende des Jahres beenden wir den Vertrag, und ab Januar gehört die Novelle wieder ganz mir. Das freut mich echt sehr, und vielleicht webe ich sie noch als zusätzliche Zeitebene in die Löwenherzen ein.

Mir fehlt nun noch ein einziger Testleserbogen (eigentlich mehrere, aber nur noch einer, auf den ich warte, weil ich definitiv weiß, dass ich ihn noch bekomme), und eines fernen Tages werde ich das Teil hoffentlich endgültig fertigstellen. Die Testleser (die alle eine Mail von mir haben müssten) bekommen dann wie versprochen sofort Bescheid, doch ich habe leider keine Ahnung, wann genau das sein wird. Meine Motivation für diese Geschichte ist tot; momentan gehört mein Autorenherz vorrangig anderen Dingen, mit denen ich keinerlei Negativerfahrungen verbinde.

Zum Schluss noch was ganz anderes, das *dramatische Musik einfügen* mich einfach nicht loslassen will: Wir haben jetzt durch die Komplettumstellung HD-TV von der T-Com. Das funktionierte zuerst, dann ging gar nichts mehr, nun funktioniert es wieder, und was sah Georg sich an, um das Ganze für eine Weile zu testen? Eine Folge einer seltsamen Zeichentrickserie namens »Die Brotpiloten«, in der ein Typ in Entengestalt sich mit seinem Hintern zerstreitet, worauf der Hintern ihn verlässt, sich mit Furzantrieb durch die Luft bewegt und ein neues Leben als Kellner beginnt.

Der Protagonist hat also nun kein Gesäß mehr, sitzt auf einem irgendwie zerfleddert aussehenden Dingens und trifft seinen Hintern in einem Lokal wieder, wo dieser seine Bestellung aufnimmt. Er möchte nun Kenneth genannt werden. Also, der Hintern. Nein, ich denke mir das nicht aus. Der Hintern macht seinem Exbesitzer jede Menge Vorwürfe, dass er ihn schlecht behandelt hat (ich will die Details eventuell nicht wissen). Dieser ist tief deprimiert und singt seinem Exhintern zuletzt sogar ein Abschiedslied namens »Bye-bye, Popo« vor. Daraufhin ist der Hintern so gerührt, dass er zu seinem Besitzer zurückkehrt, der ihn immer noch höflich mit Kenneth anspricht. Der Arsch antwortet voller Enthusiasmus: »Bitte, nenn mich Popo.«

Sie vereinigen sich also wieder und … was?! Ich meine, das ist eindeutig eine Serie für Kinder, und was?! Für volltrunkene Erwachsene mag das ja vielleicht ganz unterhaltsam sein, aber wer lässt seine Kinder so einen Mist anschauen? Ich komm darauf nicht klar. Ich bin wahrscheinlich einfach alt inzwischen. Aber hey, dann wiederum regt es ja auch irgendwie die Fantasie, das abstrakte Denken und den Glauben an das Unmögliche an, und so viel geistreicher sind wir ja auch nicht. *hust*

Bonus-Info: Georg hat sich glucksend dreimal hintereinander die Stelle angeschaut, als der Arsch mit Furzantrieb davonfliegt. Er ist also noch jung, wenn man meine Theorie ernst nimmt. Und der »Bye-bye, Popo«-Song ist leider ein schrecklicher Ohrwurm, den wir beide jetzt nicht mehr loswerden. Es ist ein großes Drama.

Liebe Grüße von Georg und mir – wir hoffen, wir finden ab und an etwas halbwegs Interessantes, worüber wir künftig bloggen können (also nichts mit erzürnten Hintern). ♡

Montag, 29. Mai 2017

Sommerpause mit Verlängerung

GA

In unseren Gesprächen miteinander hat der Gedanke bereits Platz gefunden, und nun haben wir uns dafür entschieden: Unser Blog verabschiedet sich in eine Sommerpause, die eigentlich »Sommer- und Herbstpause« heißen müsste. Am 2. November wird unser Internet auf einen Glasfaseranschluss umgestellt, und bis danach wieder alles funktioniert, lassen wir Beziehungstat erst einmal ruhen.

In den kommenden Monaten überlegen wir uns gründlich, auf welche Weise wir hier weitermachen möchten – und ob wir das überhaupt wirklich wollen, so wie die Dinge stehen. In jedem Fall würden sich der Blog und unser Umgang damit verändern müssen, und wir müssen uns nun darüber klarwerden, ob wir das wollen und können oder ob ein Ende dieses gemeinsamen Projekts sich richtiger für uns anfühlt.

In jedem Fall bedeutet uns Beziehungstat zu viel, um diese Entscheidung leichtfertig zu treffen, darum die wirklich lange Pause. Sollte in der Zwischenzeit etwas geschehen, das so gravierend ist, dass wir es zwingend teilen wollen, können wir ja zur Not auch mal Pause von der Pause machen, aber im Augenblick sieht es nicht danach aus. Uns passiert seit Monaten etwa zu 90% Scheiße, und das wenige Schöne, das es momentan noch gibt, wollen wir gar nicht schriftlich festhalten, sondern es einfach annehmen und genießen, wie es kommt. Darum ist anzunehmen, dass der Blog in den nächsten Wochen und Monaten auch ohne offizielle Pause brachgelegen wäre, sodass uns diese Variante besser gefällt – einfach, weil sie ehrlicher ist.

Falls jemand Fragen dazu haben sollte, darf er_sie uns diese natürlich gern stellen. Viele potenzielle Fragen, welche die Einträge des letzten halben Jahres aufgeworfen haben, können wir allerdings nach wie vor nicht beantworten, weil wir bislang selbst keine endgültigen Antworten darauf bekommen haben. Die bürokratischen Probleme mit all ihrem menschenverachtenden Chaos bleiben bestehen und werden (wenn auch hoffentlich nicht in dieser Intensität) vermutlich ein Teil unseres gemeinsamen Lebens bleiben, solange es andauert.

Darum: Bis irgendwann Ende des Jahres. :) Da werden wir auf jeden Fall hier Bescheid geben, wie wir uns entschieden haben, auch wenn es das Aufhören ist. In diesem Fall möchten wir uns natürlich verabschieden und nicht einfach so verschwinden. :)

Samstag, 6. Mai 2017

Die Fünfkannenoper

GD

Liebe Leser_innen,

dies hier ist für lange Zeit (womöglich auch für immer) der letzte vollständig von mir selbst getippte Post. Für mich ist das Tippen am Computer mittlerweile so anstrengend geworden, dass ich mich aus dem Blog-Bereich ein wenig zurückziehen werde. Teils ist es für mich sogar schon schwierig, ein Passwort korrekt einzugeben, weil ich mich so häufig vertippe.

Ob wir uns künftig mehr auf GA-Einträge konzentrieren werden oder ob ich Alex eigene Posts diktieren werde, wissen wir momentan noch nicht sicher. Die Energie, die ich noch fürs Tippen aufbringen kann, möchte ich in jedem Fall lieber in kreativere Dinge stecken als Alltagsbetrachtungen.

Hier kommt zum »Abschied« eine kleine Erzählung, die ich Alex schon vor langer Zeit versprochen habe. Sie war auch bereits seit Dezember 2016 fertig, jedoch noch nicht korrigiert. Die Protagonistin dieser Geschichte ist unsere Teekanne Kuni, welche aus irgendeinem Grund immer dann zu pfeifen beginnt, wenn ein Lied von Bon Jovi im Radio läuft. (Ich habe mehrfach versucht, dieses Pfeifen aufzunehmen, aber man hört es leider nicht richtig, zumindest ist es nicht als das originale Pfeifen erkennbar. :D)

Kurze Geschichten wie diese werden vermutlich auch weiterhin ab und zu entstehen und dann hier auf Beziehungstat landen, wenn ich auch das erklärende Drumherum dann nicht mehr eigenhändig tippen werde. :-)

♪ ♫ Die Fünfkannenoper ♫ ♪


Die nun folgende Erzählung nahm mit Kuni der Ersten ihren Anfang, die bereits 2007 als unsere Tee- und Kaffeekanne fungierte und unverkennbar musikalisches Talent mitbrachte. Vorzugsweise begann sie mit ihrem zweifelsfrei melodischen Konzert, wenn ein Song von Bon Jovi im Radio lief, was mich zu der Theorie verleitete, dass sie Bon-Jovi-Fan sein müsse.

Als der Deckel dieser Kanne nach einigen Jahren seine Gummidichtung verlor, war es sowohl mit ihrer tonalen Sangesleistung als auch mit ihrer angedachten Funktion vorbei. Wir trennten uns schweren Herzens von der ausgedienten Kuni, allerdings nur, weil wir zuvor eine baugleiche Kanne gekauft und beschlossen hatten, dass das Wesen Kunis in der neuen Kanne weiterlebt.

Kuni die Zweite wiederum lebt bis heute und wird uns hoffentlich noch etliche Jahre treue Dienste leisten. Ein wesentlicher Unterschied ist, dass die inkarnierte Kuni ausschließlich als Teekanne agiert. Optisch ist sie nicht von Kuni der Ersten zu unterscheiden; es handelt sich um eine bauchige Kanne aus Edelstahl mit einem schwarzen Deckel, die eineinhalb Liter fasst.

Der schweigsame lilafarbene Toni ist unsere Kanne für Kräutertees, und er kann die Musikalität seiner Schwester so gar nicht nachfühlen. Er hat aus dem Grund ausschließlich mit Kräutertees zu tun, weil selbige der Kanne immer so einen intensiven Geruch verleihen, der auch durch gründliche Reinigung niemals zur Gänze verschwindet.

Die tiefblaue Ruth ist unsere kleine Kaffeekanne, fasst wie Toni einen Liter und ist die Mutter der beiden Geschwister. Sie war lange Zeit abgetaucht, lebte im Untergrund und überließ ihre Kinder ihrem Schicksal; per Zufall fand die ganze Familie hier bei uns wieder zusammen. Allerdings geht von Ruth eine Art distanziertes Schamgefühl aus, weswegen auch sie vornehmlich schweigt.

Der große Eugen ist eine wuchtige Pumpkanne aus Edelstahl, in die 1,7 Liter passen. Darum birgt er mittlerweile unseren täglichen Kaffee; Ruth ist uns einfach ein wenig zu klein und wird deshalb eher als zusätzliche Kanne verwendet, wenn Besuch kommt. Eugen ist der Vater von Ruth und somit Kunis und Tonis Opa. Seiner Meinung nach hat Kuni Talent, und er bestärkt seine Enkeltochter seit Jahren darin, ihre Träume und Ziele weiterzuverfolgen.

Über zahlreiche Berichte und Erzählungen in der Welt der Alltagsgegenstände kam Kunis musikalische Leistung einem der bekanntesten Can-Talentscouts zu Ohren. In diesem, dem Smartphone Horst-Ewald, keimte sogleich die Hoffnung auf, er könne, sollten sich diese Informationen bewahrheiten, mit dieser ominösen Kanne an seine alten Erfolge anknüpfen. Schließlich hätte es ohne sein Zutun nie eine aufstrebende Can- und Whistlemusic-Szene gegeben, und so großartige Künstler wie Billy the Can wären der breiten Öffentlichkeit verborgen geblieben.

Kuni spielte also vor, und ihr Auditor war wahrhaftig kein Geringerer als der berühmte Horst-Ewald persönlich, der wichtigste Wegbereiter der Kannenmusik. Obwohl sie angesichts dieser Tatsache vor Aufregung fast zu zerplatzen drohte, schaffte sie es, sich so lange zu konzentrieren und so eindringlich und facettenreich zu musizieren, dass sich Horst-Ewald bereits nach wenigen Minuten bei Kuni nach ihrem größten Traum erkundigte. Als Kuni ihm daraufhin ihren Traum anvertraute, antwortete er, er habe kürzlich ein komplett eigenes Label für Can-Music gegründet und wäre sehr stolz, sie seine erste Kannistin nennen zu dürfen.

Glücklicherweise haben sich Horst-Ewald und Kuni bereit erklärt, diesen hochtrabenden Aktivitäten ausschließlich nachts nachzugehen. Ansonsten hätten wir hier wohl bald ein organisatorisches Problem.

♪ ♫ Ende ♫ ♪

Mittwoch, 3. Mai 2017

Uniklinik und Botanischer Garten

GA

Heute fand nach der halbjährlichen Kontroll-MRT im April auch Georgs jährlicher Kontrolltermin im Huntington-Zentrum der Uniklinik Ulm statt. Es gibt ein paar geringgradige Verschlechterungen bezüglich Motorik und spontaner Eloquenz in direkten verbalen Gesprächen, jedoch keinen akuten Handlungsbedarf. Die MRT-Bilder weisen im Vergleich zum Vorbefund keine Veränderungen auf.

Bevor uns der Fahrdienst wieder abgeholt hat, waren wir trotz des anfangs extrem düsteren Wetters endlich mal wieder im Botanischen Garten, wo wir außer nach Neurologie-Terminen gar nicht mehr hinkommen, weil das ohne Rolli nicht mehr funktioniert. Jetzt, wo wir die Brems- und Schiebehilfe haben, war es dort aber genauso cool wie früher, als wir regelmäßig im Botanischen Garten für die Berufsschule gelernt haben. Das Gelände ist leider SEHR hügelig, lohnt sich aber wirklich – wenn man es denn irgendwie schafft, vorwärtszukommen. Ohne Schiebehilfe war das schwer.

Oh, und! Das hatten wir total vergessen, zu erzählen: Schuld an der Beschädigung des Rollis im Februar war eine ortsansässige Handwerksfirma. Die Sache hat sich dadurch geklärt, dass unser Sanitätshaus so kulant war und den Schaden gratis repariert hat, nachdem der zuständige Mitarbeiter wusste, wer dafür verantwortlich war – mit der Begründung, dass sich das sonst wahrscheinlich über Monate hinzieht. Unheimlich lieb vom Sanitätshaus, aber es hat uns dennoch geärgert, dass die Schuldigen rein gar keinen Beitrag leisten mussten.

Zum Abschluss gibt es noch ein paar Fotos, die Alex im Botanischen Garten mit dem Horst gemacht hat, ausnahmsweise allerdings nicht vordergründig von Pflanzen, sondern von den Bänken, auf denen wir früher so viel Zeit verbracht haben:




Freitag, 21. April 2017

Auf der Suche nach dem Funken

AD

Irgendwann im letzten Jahr hat Georg mich zur Teilnahme an einem Schreibwettbewerb überredet. Also, zumindest in der Theorie. In der Praxis sah das Ganze so aus, dass ich zwar durchaus einen Text für den Wettbewerb verfasst, ihn dann aber vergessen habe. Den Text. Und den Wettbewerb. Und als Georg mich letztlich daran erinnert hat, war die Frist seit einem Tag abgelaufen. Wir sind ein Dreamteam.

Letztes Wochenende habe ich ein wenig auf meinen USB-Sticks aufgeräumt (ja, solche Dinge tue ich manchmal) und bin dabei auf diesen Text gestoßen. Das Thema des Wettbewerbs war »Ist Schreiben ein Handwerk oder eine Begabung?«, und ich stelle meine Ergüsse nun einfach hier ein; vielleicht interessiert sich ja der Eine oder die Andere dafür. :)

Warnungen:

★ Der Text ist unlektoriert; diese Arbeit machen wir uns jetzt definitiv nicht mehr damit.

★ Der Text enthält Spoiler zu Antonia Michaelis’ Roman »Der Märchenerzähler« und kann im Grunde sogar als Buchempfehlung betrachtet werden. Allerdings halt als eine, die einige Details bereits verrät. Daher weiß ich gar nicht, ob der Text so überhaupt zugelassen worden wäre; es waren einfach meine ersten Gedanken zum Thema.

Auf der Suche nach dem Funken


Manchmal, da sehe ich Abel noch immer fallen. Sehe vor mir, wie er sich erschießt, vor den Augen seiner kleinen Schwester Micha und seiner Freundin Anna. In die Enge getrieben und ohne ein Quantum Hoffnung. Manchmal, da kann ich es noch immer nicht fassen, dass ich vor fünf Jahren Zeugin dieses tragischen Todes wurde, der mich für einige Zeit an jeder Gerechtigkeit in der Welt hat zweifeln lassen. Ich habe um Abel getrauert wie um ein verstorbenes Familienmitglied. Abel ist eine fiktive Figur aus Antonia Michaelis’ Jugendroman »Der Märchenerzähler«.

Ich habe ein Faible für Bücher, die schwierige Schicksale beleuchten. Darum ist »Der Märchenerzähler« längst nicht der einzige mir bekannte Roman, in dem ein junger Mensch missbraucht wird, seelisch wie körperlich. Im Gegenteil, ich habe viele solcher Bücher gelesen, und teils haben mich diese Geschichten tief berührt.

Und doch: Obwohl sich Werke darunter tummeln, deren Konzept mich mehr überzeugte als das des Märchenerzählers, die ich als glaubwürdiger empfand als Abels schreckliche Geschichte, hat mich kein einziges dieser Bücher jemals so mitgenommen wie Michaelis’ Roman, der für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2012 nominiert wurde.

Tatsächlich kann ich heute kaum noch ein realistisches Jugendbuch lesen, ohne es unterschwellig mit dem Märchenerzähler zu vergleichen. Ähnlich wie ich Bachs Suiten für Violoncello solo kaum noch von einem anderen Cellisten als Yo-Yo Ma hören kann, ohne zu denken: Mas Interpretation berührt mich stärker, tiefer, allumfassender.

Dabei ist doch beides, das Spielen eines Instruments wie das kreative Schreiben, ein Handwerk, das erlernt werden kann – oder etwa nicht?

In meiner Kindheit beschloss eine Freundin meiner Mutter, das Klavierspielen zu lernen. Dummerweise war sie gänzlich unmusikalisch: Sie hatte kein Gespür dafür, wann in einem Musikstück eine Pause anstand, und so hielt sie sich starr an ihre Notenblätter und den Rat ihres Lehrers: Jede Pause in den einfachen Stücken, die sie zu Beginn lernte, sollte so lange dauern wie das Wort »Uff«, das sie beim Üben auch noch laut aussprach.

Eine Katastrophe, sollte man meinen und sich fragen: Warum hat sie sich nicht einfach ein anderes Hobby gesucht? Die Antwort ist simpel: Sie liebte die Musik und sie liebte es, Schritt für Schritt ein Teil von ihr zu werden. Beharrlich übte sie weiter, arbeitete hart an sich – und letztlich beherrschte sie ihr Instrument, ohne dass wir Außenstehenden ihr anmerkten, wie viel Mühe und Konzentration ihr das Spiel abverlangte.

Eine gefeierte Pianistin wäre aus ihr allerdings auch dann nicht geworden, wenn sie diesen Weg angestrebt hätte. Dafür, das weiß sie selbst, fehlt ihr der entscheidende Funke – jenes Etwas, das Musiker dazu bringt, nahezu mit ihrem Instrument zu verschmelzen und Menschen zu Tränen zu rühren. Jenes Etwas, das der amerikanische Cellist Yo-Yo Ma besitzt und mich damit derart fesselt, dass andere Cellisten sich in meinem Kopf grundsätzlich mit ihm messen müssen. Ma begann bereits als Vierjähriger mit dem Cellospiel – in den Schoß gefallen ist ihm sein Erfolg nicht. Und doch umgibt ihn eine besondere Ausstrahlung, wenn er spielt, die ich in Ermangelung eines besseren Wortes Begabung nenne.

Ich bin überzeugt, dass auch im Bereich des kreativen Schreibens viel mit harter Arbeit erreicht werden kann. Ausdruck, Charakterisierung, Spannungsaufbau: All das kann man lernen, und mit Beharrlichkeit kann dank dieser Grundlagen nahezu jeder Mensch Texte erschaffen, die lesenswert sind. Die berühren. Die theoretisch das Zeug haben, sich zu verkaufen. Ob Letzteres tatsächlich passiert, hängt natürlich von viel mehr ab als von der Leistung des Autors. Doch ja, ich bin sicher: Übung zahlt sich aus. Zumal Begabung und Leidenschaft in einer engen Beziehung zueinander stehen: Wer für etwas brennt, hat gute Chancen, sich in seinem Tun weiterzuentwickeln, und wer Erfolge erlebt, kann damit die eigene Leidenschaft weiter anfachen.

Was aber ist mit Abel? Was ist mit diesem gequälten jungen Mann, der im Suizid den einzigen Ausweg aus seinem katastrophalen Leben sieht und dessen letzte Minuten ich einfach nicht vergessen kann?

Ich glaube, einen Charakter, einen Menschen wie diesen kann man nicht durch reine Übung erschaffen. Wo derart tiefe Gefühle im Spiel sind, ist das Erlernbare allein meist nicht genug. Man kann schließlich auch nicht üben, sich zu verlieben, Mitleid zu empfinden oder einen Menschen zu hassen. Dies sind menschliche Gefühlsregungen, die sich in einem auftun oder eben nicht. Und diese Empfindungen mit einer Intensität in die schriftstellerische Arbeit einfließen zu lassen, die fast zwanghaft auf den Leser überspringt – nein, ich kann mir nicht vorstellen, dass das zur Gänze erlernbar ist.

Man kann lernen, einen psychologisch dichten Charakter zu entwickeln, den der Leser als glaubwürdig empfindet. Ihn jedoch auf so tiefgreifende Weise zum Leben zu erwecken, dass der Leser sich ihm kaum entziehen kann – das kann einem niemand vollständig beibringen. Ebenso wenig die Fähigkeit, überhaupt erst kreative Ideen hervorzubringen.

Kunst birgt immer auch ein Geheimnis in sich, das sich nicht bis auf die Knochen abschaben, entschlüsseln und definieren lässt. Wäre es anders, gäbe es den Begriff Kunst nicht – in diesem Fall wären Schriftsteller, Maler, Tänzer, Schauspieler und Musiker allesamt ausschließlich Handwerker; in diesem Fall könnte man all diese Berufe zu klassischen Ausbildungsberufen machen, für die man außer Lernbereitschaft nichts mitbringen muss.

Nichtsdestotrotz lässt sich nicht leugnen: So fieberhaft fesselnd ein Autor auch zu schreiben vermag, so lebendig seine Figuren sein mögen – das allein macht keine tragfähige Geschichte aus. Hätte ich Abel nicht erst Schritt für Schritt kennenlernen dürfen, hätte ich nicht im Rahmen einer geschickt konstruierten Geschichte immer weiter mit ihm gehofft und gebangt, hätte mich sein Tod niemals derart tief treffen können. Doch verbunden mit gründlicher Arbeit, mit dem erlernbaren Teil, ist diese fieberhaft-realistische Art der Charakterisierung vielleicht jener Funke, den man Begabung nennen kann und der ein gutes Buch erst wahrhaftig zu einem herausragenden Buch macht.

Nachtrag, der nicht mehr zum eigentlichen Text gehört:

Übrigens breche ich mittlerweile regelmäßig Bücher ab, die nicht über derart mitreißende Charaktere verfügen. Vor Kurzem waren es zwei Bücher aus dem Science-Fantasy-Bereich, obwohl das nun seit etwa zwei Jahren mein liebstes Genre ist. Ein Buch kann noch so toll konstruiert sein und einen wunderschönen Stil besitzen – ohne echte, lebendige Charaktere packt es mich nicht, und dafür ist mir meine Lebenszeit inzwischen zu schade. Klar ist es deprimierend, umsonst Geld für ein Buch ausgegeben zu haben, doch Zeit ist mir unterm Strich dann einfach noch wichtiger.

Falls jemand den Siegertext des Wettbewerbs lesen möchte: Klick!

Mir hat er recht gut gefallen; am unterhaltsamsten fand ich allerdings die teils extrem missgünstigen Kommentare darunter. »Autoren und ihr Ego« wäre doch auch mal ein spannendes Thema für einen Wettbewerb. :D