Sonntag, 31. März 2013

Rückblick: März 2013

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Trüb und kalt hat er angefangen, unser März – und dementsprechend war in den ersten drei Tagen nicht wirklich viel los bei uns, was Unternehmungen betrifft. Der 4. März brachte dann aber endlich die ersehnte Sonne!

Zudem fing der Tag mit einem genialen Gespräch an: Georg und ich haben beim Frühstück ein Kreuzworträtsel gelöst (Lösungswort: Narzisse, es gab einen total teuren Designerkühlschrank zu gewinnen), und ...

Ich (vorlesend): »Raubfisch der Arktis?«

Georg (im Brustton der Überzeugung): »Eisbär!«

Hinterher meinte er, sein Gehirn habe auf dem Weg zur Antwort schon wieder vergessen, dass es ein Fisch sein müsse. Eine der herrlichsten Ausreden aller Zeiten, finde ich, und zumindest der Anfang hat gestimmt: Gesucht war der Eishai.

Am selben Tag hat Georg unseren Beitritt zum Bund behinderter Blogger e.V. verkündet, und kurz darauf haben wir unseren ersten echten Sonnenspaziergang 2013 erlebt. Zuvor war es immer nur ein Der-Sonne-Hinterherlaufen, um ein paar spärliche Strahlen abzubekommen, diesmal aber gab es Sonne satt.

Bereits am 31. Januar hatten wir unsere ersten Schneeglöckchen 2013 fotografiert, nun konnten wir uns in den Gärten sowie am Waldrand ganze Teppiche davon anschauen; dazu viele Winterlinge und die allerersten Märzenbecher – und eine schräge Zufallsentdeckung gab es auch:






Der tote Vogel, der kopfüber im Schnee steckte, tat uns wahnsinnig leid, musste aber natürlich trotzdem sofort fotografiert werden. Ich mag das Morbide ja sehr, schon allein deshalb, weil es mich an einen meiner Protagonisten erinnert.

Am Abend haben wir noch gemeinsam gekocht, was dann insgesamt doch zu viel für Georg war: Er ist in der Küche gestürzt und hat sich den Rücken geprellt, der total rot war. Todesmutig hat er aber die Tomate, die er in der linken Hand hatte, nach oben gehalten, damit sie nicht kaputt geht – mir wäre es zwar lieber gewesen, die Tomate wäre Matsch gewesen und ihm selbst wäre nichts passiert, aber cool war die Aktion schon.

Das war für mich wieder mal so ein Moment, wo ich mit dem Gefühl zu kämpfen hatte, Georg keine Minute aus den Augen lassen zu dürfen. Ich war nicht einmal eine Minute weg, habe nur Mineralwasser aus dem Nebenzimmer geholt, und Georg stand eigentlich sicher vor der Arbeitsplatte und hat sich an dieser festgehalten.

Und das war kein Einzelfall, an dem das Stehen schuld war: Auch vom Sofa ist er ataxiebedingt bereits mehrmals gefallen. Um das ganz zu verhindern, müsste man ihn fixieren, oder aber ich dürfte wirklich nicht mal mehr aufs Klo gehen, wenn er dadurch unbeaufsichtigt ist. Das eine kommt für uns nicht infrage, das andere ist nicht immer realisierbar. Somit müssen wir uns einfach mit der Situation arrangieren, so vorsichtig wie möglich sein, uns aber dennoch nicht zu sehr absichtlich einschränken – sonst stecken wir vermutlich schnell in einem Gedankenkarussell aus Ängsten, was alles passieren könnte, aus dem wir nicht mehr herausfinden.

Natürlich gab es auch einige schöne Erlebnisse: Wir haben trotz Terminstress viele Stunden im Freien verbracht, haben 3096 Tage im Kino geschaut (die Entführungsgeschichte von Natascha Kampusch: empfehlenswert, aber düster und beklemmend), waren einmal abends essen (in einem Lokal, das verschiedene Flammkuchenspezialitäten und Antipasti anbietet, zum Dessert gab’s Crème brûlée) und haben insgesamt viermal gemeinsam gekocht.

Wettertechnisch war es die meiste Zeit über trüb und kalt, ab und zu schneite es sogar, und auch heute, am Ostersonntag, ist unsere Stadt von einer stattlichen Schneeschicht bedeckt. An einzelnen Tagen durften wir aber doch die Sonne genießen, was wir ausgiebig getan haben.

Kurz vor Ostern gab es extrem viele schöne Dinge für uns, sei es in Form von E-Mails, SMS, Postkarten, Bildern, Briefen oder Päckchen. Tausend Dank an (bis auf die Pärchen alphabetisch geordnet) agent, Cathleen und Helge, Jade und Sven, Julia, Lara, Lexi, Tasha sowie alle Familienmitglieder, die uns mit Osteraufmerksamkeiten bedacht haben!

Ein kleiner Blick in die Päckchen (und auf den weiteren Süßkram) gefällig?

Diesmal nach Ankunftsdatum sortiert:

Von Julia

Von Cathleen und Helge

Von agent

Gesammelte Leckereien von Freunden und Verwandten

Wir selbst haben natürlich auch Osterpost versendet (Inhalt: selbst gebastelte Lesezeichen, Tee und/oder Süßigkeiten sowie sonstige Kleinigkeiten); hier noch weitgehend ohne Adress- und sonstige Aufkleber:

Bunt gestapelte Osterpost

Ein weiteres absolutes Monatshighlight: Am 24. März hatten wir Besuch von Lexi! Eines der absolut epischsten ersten realen Treffen, die wir je erlebt haben. Vereinbart hatten wir den Besuch schon einige Zeit zuvor, sodass beide Seiten ausgiebig Gelegenheit hatten, innerlich in Panik auszubrechen. Wobei das ausschließlich für Lexi und mich gilt – Georg war gewohnt gechillt und hat sich einfach nur gefreut.

Oh Mann – ich hatte so dermaßen viel Schiss, mich vor Lexi zu blamieren. Wenn man mit einem Menschen über längere Zeit ausschließlich per Internet Kontakt hat, fühlt es sich anfangs schon unheimlich an, wenn das erste Treffen immer näher rückt. Das ging mir bei früheren ersten Treffen mit lieben FF.de-Freunden genauso.

Die Sorge war jedoch total unbegründet: Wir fanden uns auch »in echt« von Anfang an sympathisch. Georg und ich haben Lexi zwar mit allerlei Blödsinn zugetextet, aber ich glaube, das fand sie nicht schlimm, und wir haben uns alle schon bald total ausführlich unterhalten, obwohl die Anspannung am Anfang noch groß war.

So, was haben wir alles gemacht?

Zuallererst fast zwei Stunden gequatscht – und da ich zwar gut in Small Talk, aber eher mies in (mündlichen) gehaltvollen Gesprächen bin, habe ich mich darüber total gefreut.

Anschließend waren wir im ultimativen Bonzenlokal unserer Stadt essen – Einrichtung, Essen, Personal und sogar die Toiletten sind dort überedel, und wir hatten von Anfang an Angst, uns da total zu blamieren. Georg und ich waren bis zu diesem Tag auch noch nie dort, aber einer unserer Vorsätze für 2013 war ja, sämtliche Restaurants in unserer Stadt auszuprobieren, also hat sich das einfach angeboten, zumal sich das Lokal keine zwei Gehminuten von uns entfernt befindet.

Jaah. Wie sag ich es bloß? Blamiert haben wir uns zwar schon (dazu gleich mehr), was aber als Retourkutsche auf die Reaktion der Kellnerin auf Georg durchgehen könnte, die sofort an unseren Tisch geeilt kam und mich ernsthaft fragte: »Bekommt er auch eine Karte oder lesen Sie ihm vor?« Georg konnte sie kaum ins Gesicht schauen, so kam es mir zumindest vor.

Ich bin – gerade in solchen Situationen – eigentlich relativ schlagfertig, aber in diesem Moment war ich so platt, dass ich nichts außer »Selbstverständlich!« entgegnen konnte, was glücklicherweise als »Selbstverständlich bekommt er eine Karte!«, nicht als »Selbstverständlich lese ich vor!« verstanden wurde.

Meine Fresse. Jeder McDonald’s-Mitarbeiter, bei dem wir bislang bestellt haben, hat es hingekriegt, Georg erst mal selbst nach seiner Bestellung zu fragen. Und wir setzen uns in den edelsten Schuppen, den unsere Stadt zu bieten hat, und die Kellnerin bringt nach dieser Äußerung nicht mal eine Entschuldigung über die Lippen, auch nicht nach der Bestellung, als ihr längst klar sein musste, dass mit Georgs kognitiven Fähigkeiten alles in Ordnung ist.

Puh. Vielleicht erwarten wir da zu viel von unseren Mitmenschen. Mir persönlich wäre es extrem unangenehm, jemanden so falsch eingeschätzt und das auch noch verbal deutlich gemacht zu haben, und ich hätte das Bedürfnis, mich dafür zu entschuldigen.

So etwas kann passieren, ja. Passiert bestimmt auch häufig. Aber in so einem edlen Ambiente, wo jedes Staubkorn von vornherein freiwillig kapituliert, nicht einmal eine Entschuldigung zu hören, nachdem ein Mensch lautstark brüskiert wurde – das hat mich schon sehr irritiert. Georg nimmt’s gelassener, wie ihr euch wahrscheinlich schon gedacht habt. Dafür hat sich Lexi darauf gefreut, dass ich gehässig über die Kellnerin blogge, und jetzt bin ich mir nicht sicher, ob das gehässig genug ist, hihi.

Ähm, nein, im Ernst: Wirklich sauer war keiner von uns. Nur ziemlich baff.

Im Gegenzug durfte die Kellnerin sich dann auch unser peinliches Verhalten ansehen und anhören. Ähem.

Mal davon abgesehen, dass wir alle irgendwie Angst hatten, unsere Tischmanieren könnten nicht bonzengerecht genug sein, haben wir uns über das Kantinenessen der Uni Tübingen unterhalten, wo Lexi studiert und Georg früher ebenfalls studiert hat, und auf meine Nachfrage, wie das dort denn sei, meinte Georg laut und vernehmlich: »Das Essen ist scheiße!«, was, da der Rest des Gesprächs etwas leiser vonstattenging, vermutlich falsch auf das Personal (insgesamt gab es drei Kellnerinnen) gewirkt hat. Oh Mann.

Zudem musste Georg unbedingt eine halbe Ente bestellen und hat mit der Soße, die separat serviert und von mir über das Gericht gegossen wurde, eine unvorstellbare Sauerei veranstaltet, als ihm ataxiebedingt der Arm wegzuckte.

Kurz vor Schluss haben wir bei der Dessertkarte nicht so ganz durchgeblickt und uns höchst erstaunt über die Möglichkeit gezeigt, ein Gruppendessert zu bestellen.

Und um noch eins draufzusetzen, war ich mit der Bezahlung per Geldmappe (von so etwas hatte ich zuvor noch nie gehört!) komplett überfordert. Glücklicherweise haben Lexi und Georg mir erklärt, wie das funktioniert, ohne dass die Kellnerin das mitbekommen hat.

Unterm Strich musste die arme Frau also mehr unter unserem Verhalten leiden als wir unter ihrem dämlichen Kommentar. Trotzdem finden wir, dass sie das ein bisschen verdient hat.

Nach dem Restaurantbesuch (immerhin war das Essen sehr lecker!) sind wir eine kleine Runde spazieren gegangen, waren auf einem Spielplatz ganz in der Nähe unseres Wohnhauses und haben eine übers Wasser gehende (bzw. auf irgendeinem Gitter im Wasser stehende) Jesus-Ente (O-Ton Lexi) im Stadtweiher gesehen.

Anschließend waren wir wieder bei uns zu Hause, haben Tee getrunken und Schokokuchen gegessen (den ich in der Nacht zuvor noch gebacken hatte, weil ich plötzlich befunden hatte, dass das Osterlämmchen, das wir hatten, doch nicht reichen würde) und uns erneut ausgiebig unterhalten.

Irgendwie würde ich am liebsten unsere ganzen Gespräche bloggen, aber dann würde ich wahrscheinlich an Weihnachten noch am Märzrückblick sitzen. Deshalb sage ich jetzt einfach nur noch, dass das Treffen sehr, sehr toll war und Lexi im Mai wieder herkommen möchte, worauf wir uns schon total freuen!

Überraschenderweise können Georg und ich im März des verflixten siebten Jahres mit keinem einzigen auch nur annähernd epischen Streit aufwarten. Daher:

Aktuelle Trennungswahrscheinlichkeit: 0%

Zum krönenden Monatsabschluss ist Georg heute Nachmittag (schon wieder) extrem schwer gestürzt und hat sich dabei a) die Nase geprellt und b) ein kleines Stückchen der Oberlippe abgebissen. Zum Teil war das meine Schuld; ich konnte ihn im Sturz nicht mehr fest genug halten. Mir ist schon klar, dass Schuld ein relativer Begriff ist; wenn 86 Kilogramm umstürzen, ist manchmal einfach nichts mehr zu machen. Und so zeigt sich, dass nicht mal meine Anwesenheit ausreicht, um Stürze ganz zu verhindern.

Uns ist schon mehrfach geraten worden, er solle doch einfach permanent im Rollstuhl bleiben, am besten noch mit einem Gurt um den Bauch fixiert, damit er nicht rausfallen kann. Ein anderer uns bekannter LCH-ZNS-Patient, der drei Jahre jünger ist als Georg, bewegt sich seit Jahren ausschließlich im Rollstuhl fort, bzw. wird ausschließlich im Rollstuhl fortbewegt. Wir finden aber, dass das, was noch an Mobilität vorhanden ist, auch erhalten bleiben sollte. Die Entwicklung der Krankheit ist so unberechenbar, dass wir zumindest versuchen wollen, nicht auch noch zu einer Verringerung der Mobilität beizutragen. Dass das mitunter in derartigen Verletzungen wie heute ausartet, frustriert und verängstigt uns natürlich trotzdem.

Das war also unser März 2013.

Was ich noch nicht erwähnt, aber nicht vergessen habe: Meine angekündigte MRT-Untersuchung lief im Grunde gut. Es ist nichts ernsthaft Besorgniserregendes dabei herausgekommen. Allerdings doch eine Sache, die schon mein ganzes Leben lang besteht, auf deren Hintergrund mich jedoch bislang (ich hatte schon früher vereinzelt MRT-Untersuchungen) kein Mediziner aufmerksam gemacht hat. Ich bin mir momentan noch nicht sicher, wie detailliert ich das auf dem Blog ausführen werde (das auszuformulieren, wird schnarchlangweilig), die Geschichte kommt aber in jedem Fall eines Tages in einen eigenen Post, weil sie hier den Rahmen sprengen würde.

Wie schon gesagt: Wirklich schlimm ist es nicht! Gedächtnisprobleme aller Art, die ich immer noch reichlich habe, sind wahrscheinlich auf den SD-geschredderten Stoffwechsel zurückzuführen, doch die Schilddrüsenwerte sind ja auf dem Weg der Besserung.

So: Jetzt habe ich einen Großteil des Ostersonntags damit verbracht, diesen Rückblick zu schreiben – der ultimative Zeitfresser! Mal schauen, ob ich das im April (ein kleines bisschen) kompakter hinbekomme.

Wir wünschen euch einen wunderschönen neuen Monat und endlich mehr Sonne!

Und zum Abschluss gibt es noch etwas Kerzenlicht und noch mehr Süßkram für euch:

 

Samstag, 30. März 2013

Ostergrüße, Häschenküsse und ein Stückchen Frühling

GA

Ihr Lieben,

wir wünschen euch allen frohe, entspannte, wunderschöne Ostertage!

Und weil unser Märzrückblick ohnehin schon fotolastig wird, kommen hier ein paar österlich-frühlingshafte Impressionen aus unserer Heimatstadt, aufgenommen gestern am frühen Nachmittag.

Vor allem die Häschenküsse haben es uns angetan – was wir leicht inkonsequent finden, denn die insgesamt drei Häschen (bzw. Kaninchen) hoppeln derzeit durch ein jedes Jahr zu Ostern aufgestelltes Gehege vor unserem Rathaus.

Zwar leben wir in einer Kleinstadt, wo insbesondere an Feiertagen wenig Verkehr herrscht, aber wir finden es trotzdem nicht in Ordnung, die oft noch sehr jungen Tiere dem Lärm (und der dieses Jahr ziemlich unwirtlichen Witterung) auszusetzen. Dazu kommt, dass das Gehege offen ist und theoretisch jeder die Tierchen stehlen könnte – oder sie vergiften, wovor wir am meisten Angst haben, weshalb wir den Rathausangestellten vermutlich schon als Verrückte bekannt sind. Wir haben uns wegen der Gehege (zu Weihnachten gibt es sogar mehrere, dann mit noch wesentlich mehr Tieren) schon mehrfach im Rathaus beschwert; ergebnislos. Vielleicht sehen wir das ein bisschen zu eng – Zoohaltung ist letztlich ja auch nichts anderes –, doch die Sorge bleibt trotzdem. (Unterdrückte Elterngefühle?)

Daher fühlen wir uns fast ein wenig mies, weil wir so verliebt in die Häschen (sorry, Kaninchen) sind und so viele Fotos von ihnen gemacht haben. Sie haben sich nicht von uns stören lassen, sondern munter weitergefressen und gekuschelt – erst als eine Frau mit einem Hund vorbeikam, sind sie flugs in ihr Ställchen gehoppelt.

Ansonsten gibt es viele, viele Blumen, einen weißen Katzenpo und die ersten grünen Triebe zu sehen. In all dem matschigen Grau, das der März uns bislang beschert hat, durften wir gestern tatsächlich noch einmal reichlich Sonne tanken.

Alles Liebe und bis zum Märzrückblick – feiert schön! (Äh, Ostern. Nicht den Märzrückblick.)















  

Freitag, 29. März 2013

Georg sprach: »Es werde Impressum!«, und es ward Impressum ...

GD

Wie der Titel des Eintrags schon sagt: Wir haben ein Impressum!

Bei näherem Hinsehen bzw. Durchlesen werdet ihr feststellen, dass es sich dabei nicht um ein klassisches Impressum handelt – wir geben darin weder unseren realen Nachnamen noch unsere Anschrift an, sondern lediglich meinen Nicknamen, Georg Rehauge. Dafür beinhaltet das Impressum Adresse und Telefonnummer des Bunds behinderter Blogger, der seinen aktiven Mitgliedern einen Impressumsservice bietet und bei dem unsere realen Kontaktdaten selbstverständlich hinterlegt sind. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass wir über den Impressumsservice im Bedarfsfall ebenso erreichbar sind, als stünden unser Realname und unsere Anschrift im Netz.

Es ist nicht übermäßig schwierig, herauszufinden, welchen Nachnamen Alex und ich im wahren Leben tragen, aber man muss es potenziellen Stalkern und sonstigen Idioten im Netz ja nicht einfacher machen als zwingend notwendig. Das bedeutet nicht, dass wir unseren Lesern etwas Übles zutrauen oder gar unterstellen; wir leben hier einfach nach der Maxime: Sicher ist sicher, und erreichbar sind wir so oder so. Und da Alex einen klassischen Nicknamen trägt, mein Google-Nickname aber ein Fantasiename aus zwei Wörtern ist, haben wir uns für Georg Rehauge entschieden.

Das Impressum ersetzt ab heute unseren bisherigen Kontaktbereich; Nachrichten werden von der angegebenen an unsere private Blog-Mail-Adresse weitergeleitet. Im Grunde bleibt also alles wie bisher.

Bitte lasst euch von dem Satz »Aus dem Fehlen meiner E-Mail-Adresse zwischen den individuellen persönlichen Angaben außerhalb dieses gesetzlich geforderten Impressums kann in aller Regel geschlossen werden, dass ich eine persönliche Kontaktaufnahme für Smalltalk, Werbung und aus ähnlichen Beweggründen nicht wünsche.« im Impressum nicht irritieren – ernst zu nehmende Mails, die nicht bloß aus einem »Hey, wie geht’s?«, zwielichtigen Fragen etc. bestehen, werden weiterhin ganz normal von uns beantwortet.

Der Post-Titel ist übrigens nicht nur einseitig blasphemisch: Bis wir es mal endlich geschafft hatten, das Impressum auf dem Blog zu verlinken, hat es eine ganze Woche gedauert. Technikidioten!

Mittwoch, 20. März 2013

Fetzen des Irrsinns

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Ein Modehaus. Bunte Frühlingskleidung, wohin das Auge reicht. Und enge Gänge, durch die sich selbst ein aufrecht gehender, gesunder Mensch vorsichtig zwängen muss, weil auch das letzte Eckchen Platz mit einem Extraständer voller Gürtel, Schals oder Schmuck versehen werden musste.

»Whoa, das ist ja der reinste Hindernisparcours«, flüsterte ich Georg zu, als wir uns gestern Abend durch die Reihen zwängten. »Wenn wir mit dem Rolli da wären, würden wir gar nicht durchkommen.« Der Kleidung konnte ich kaum Beachtung schenken, weil ich permanent aufpassen musste, dass Georg sich nirgends verhedderte.

Ich bestelle meine Kleidung – eben wegen solcher Zustände – eigentlich lieber online, aber gestern hatte ich ein tolles Shirt im Schaufenster gesehen, und da ich selten Kleidung finde, die mir ohne Einschränkung gefällt, wollte ich es gern anprobieren.

Eine Verkäuferin mit Luchsohren, die ich bis dahin für eine in den Regalen kramende Kundin gehalten hatte, wandte sich zu uns um, starrte Georg an und meinte leicht vorwurfsfoll: »Das ist ja auch die Damenabteilung!«

Ich schüttelte den Kopf. »Und Damen sind grundsätzlich nicht behindert und kommen hier alle problemlos durch?«

Mir ist klar, dass eine nicht allzu große Verkaufsfläche genutzt werden muss, und ohne diesen Kommentar hätte ich mich nicht weiter über die Platzsituation aufgeregt. So aber konnte ich den Mund nicht halten, und statt einer Antwort drehte sich die Verkäuferin um und nestelte weiter geschäftig an der Ware herum.

Augenrollend gingen wir ebenfalls weiter und erreichten schließlich den Umkleidebereich, wo ich Georg mangels anderer Sitzgelegenheiten in eine freie Kabine brachte, die mit einem Hocker ausgestattet war. Mich stört es nicht, wenn er mit mir in der Kabine ist, und die Verkäuferin, die in diesem Bereich Ware zusammenlegte, war sehr freundlich und meinte auf meine Rückfrage, dass das in Ordnung ginge. Ein paar junge Mädchen, die sich auf den Weg zu anderen Kabinen machten, schauten pikiert, aber solange es sonst keine Probleme gibt, ist uns so etwas weitgehend egal.

Nachdem ich das gewünschte Shirt mit Hilfe der netten Verkäuferin endlich gefunden hatte, stellte ich fest, dass es in meiner eigentlichen Größe ausfiel wie ein Unterhemd für eine halbierte Barbiepuppe. Ich trage normalerweise Größe L – zwar kann ich mich auch in M quetschen, aber ich mag es nicht, wenn Kleidung eng anliegt, egal wie oft man mir sagt, das würde gut aussehen. Und nachdem ich vor Kurzem schilddrüsenbedingt ohnehin fünf Kilo zugenommen habe, ist mir L auf jeden Fall lieber, schließlich weiß ich nicht, ob mir da irgendwann noch mehr blüht. Jedenfalls: L war im Fall dieses Shirts zur Hungerhakengröße mutiert, und ich musste eines in XXL nehmen, um überhaupt in das Teil reinzupassen.

»So, wie das Shirt ausfällt, fühlt man sich ja wie ein Walross«, meinte ich an der Kasse eher scherzhaft zur Kassiererin.

»Das ist eben junge Mode!«, verteidigte sie sofort mit bissigem Gesicht ihre Ware. »Da muss man doch damit rechnen, dass alles sehr schmal ausfällt!«

Urghs. Schon wieder. Hätte sie in ganz normalem Ton geantwortet, dass die Sachen wirklich klein ausfallen oder meinen Kommentar schlichtweg ignoriert, hätte ich mich kein bisschen aufgeregt. So aber packte mich das Bedürfnis, die Dame ein wenig zu ärgern:

»Umso schlimmer. Ich kann mir mit 30 sagen, dass die Kleidung unverhältnismäßig klein ausfällt und das Problem nicht bei mir liegt. Meine Nichte ist im heftigsten Teenageralter, etwas kräftiger als ich und würde nach einer Anproberunde hier wahrscheinlich erst mal ein paar Wochen hungern.«

Perplex blinzelte die Frau mich an. »Das ist ja dann wohl die eigene Verantwortung, ob man sich von so was beeinflussen lässt oder nicht. Jeder kann sich ja dann selber sagen, dass die Kleidung einfach schmal ausfällt und man nicht zu dick ist.«

»Wenn das tatsächlich Ihre Meinung ist, kennen Sie vielleicht keine jungen Mädchen persönlich«, antwortete ich, nur um die gleiche Reaktion wie die der ersten Verkäuferin zu ernten: Schweigen.

Georg und ich verdrehten synchron die Augen.

»Nächstes Mal bestell ich wieder online«, meinte ich, als wir uns durch die vollgestellten Gänge den Weg zum Ausgang bahnten – und diesmal nicht im Flüsterton.

Mir gefällt der Fetzen, den ich gekauft habe, immer noch gut – mir dafür derartigen Irrsinn anzutun, gehört jedoch nicht zu meinen Königsdisziplinen. Schon klar: Das Personal des Modehauses kann weder etwas für die Platzsituation, noch dafür, dass Größen gravierend kleiner ausfallen, als man es gewohnt ist. Aber dass derartige Zustände auch noch mit bissig-hohlen Aussagen verteidigt werden, können wir nicht nachvollziehen.

Und da ich ja vor Kurzem von dem Schilddrüsenproblem berichtet hatte: Die Werte sind zum Glück wieder auf dem Weg in den Normbereich! Besonders fit fühle ich mich nach wie vor nicht, normal essen kann ich auch noch nicht, aber zumindest habe ich seither nicht noch weiter zugenommen. Wäre das der Fall gewesen, hätte ich mir in einem gewissen Modehaus vermutlich ein paar Shirts aneinandernähen lassen müssen, um dort irgendein passendes Kleidungsstück zu finden. Ich habe mir auch einige andere Sachen angeschaut, die alle ebenfalls nach Barbiehälftenmaßstab genäht worden zu sein scheinen – Fetzen des Irrsinns.

Sonntag, 10. März 2013

Jurij auf Leinwand

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Damit Lottas Bild nicht ganz allein hier auf dem Blog herumhängt (zumindest, was das SGBAS-Team betrifft), hat Jurij sich bereit erklärt, mir Modell zu sitzen. Ich muss wirklich sagen: Einen derart lieben, motivierten und immer hilfsbereiten Charakter hatte ich selten.

Mein SGBAS-Liebling

Jurij freut sich und findet sich gelungen – »und ich hab echt voll die Russennase«, meint er. Macht nichts, Jurij, Perfektion ist öde!

Samstag, 9. März 2013

Lottas Weg in den Wald

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Im Gegensatz zur Stadt Waidbronn existiert Lottas Weg in den Wald tatsächlich, nur dass er in Wahrheit zu einem anderen Ort gehört. Waidbronns Wald ist dafür wesentlich größer, tiefer und dunkler als der, der sich an den realen Weg anschließt. Die folgenden Fotos sind zur selben Zeit entstanden, zu der Schwester golden, Bruder aus Stein spielt – im Frühling 2011:












Freitag, 8. März 2013

Frühling für euch!

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Hier kommen ein paar kleine Eindrücke aus unserem Garten für euch. Wir sind gerade von einem Termin gekommen, haben jetzt gute zwei Stunden Pause und müssen dann noch mal los; die Bilder wollten wir aber unbedingt noch machen, ehe es am Wochenende wieder kälter wird.

Unser Garten – das sind eigentlich bloß zwei schmale, ziemlich ungepflegte Rasenstreifen seitlich der gekiesten Einfahrt und des Hofes. Aber wie man sieht, reicht das fürs Frühlingserwachen aus:




Dienstag, 5. März 2013

»Arbeitest du jetzt eigentlich wieder?«

AD

Bevor wir terminstressbedingt für diese Woche weitgehend abtauchen, möchte ich noch von einer Begebenheit erzählen, die sich gestern Nachmittag zugetragen hat. Nachdem ich Georg von der Geräte-KG abgeholt hatte, haben wir auf der Straße eine Freundin aus meiner Erzieherausbildung getroffen. (Freundin ist fast zu viel gesagt, weil wir in absolut verschiedenen Lebenswelten zu Hause sind und privat kaum noch Kontakt haben. Wir haben in der Ausbildungszeit aber so viel zusammen erlebt, dass ich sie nicht als bloße Bekannte abtun möchte.)

Wir haben uns kurz unterhalten, einander gefragt, wie es uns geht, was wir so machen, was es Neues gibt. Und plötzlich kam von ihr die Frage, die mich umgehauen hat: »Arbeitest du jetzt eigentlich wieder?«

Für eine Sekunde war ich platt. Dann erst konnte ich antworten: »Klassisch berufstätig bin ich nicht. Ich pflege und assistiere Georg.«

Darauf meinte sie in aufmunterndem Tonfall, als wäre die häusliche Pflege eines Angehörigen etwas, wofür man sich rechtfertigen muss: »Ist doch okay!«

Ja. Finde ich auch. Warum dann eine solche Frage? Mir ist klar, dass sie das in keiner Weise böse gemeint hat. Sie ist ein wahnsinnig lieber, hilfsbereiter Mensch, der immer ein offenes Ohr für andere hat, und ich glaube auch nicht, dass sie bei näherer Überlegung die Leistung, die eine Pflegeperson erbringen muss, anzweifelt. Trotzdem hat mich diese Frage schockiert. Weil sie überdeutlich das Bild widerspiegelt, das unsere Gesellschaft von häuslichen Pflegepersonen hat: »Du bist ja zu Hause«, »Du hast ja Zeit« oder »Du kannst ja bestimmt ausschlafen.«

Ja. Ganz bestimmt.

Hätte eine fremde Person mir diese Frage gestellt, hätte ich vermutlich prompt zurückgefragt, ob sie allen Ernstes glaubt, dass häusliche Pflege keine Arbeit darstellt. Bei meiner »Freundin aus der alten Zeit« jedoch habe ich das nicht über mich gebracht, und im Nachhinein denke ich, dass das ein Fehler war. Ich wollte sie nicht bloßstellen, ihr nicht das Gefühl geben, keine Ahnung zu haben – doch durch diese Sichtweise werden Menschen herabgewürdigt, und manche gehen daran kaputt.

Es gibt so viele Leute, die ihre Angehörigen nicht deshalb pflegen, weil sie sich bewusst dafür entschieden haben, sondern weil für alles andere das Geld fehlt. Oftmals sind es die Eltern, die gepflegt werden müssen, und plötzlich sehen sich viele Pflegende mit der Situation konfrontiert, kaum noch das Haus verlassen zu können, weil die Mutter oder der Vater nicht mehr allein gelassen werden darf. Nicht in allen, aber in vielen Fällen wird das Geld knapp: Wer jemanden dauerhaft pflegt, muss in der Regel seinen Beruf aufgeben, und je nachdem, wie das Leben vor der Pflege aussah, muss er sich vielfach einschränken.

Und dann sind da Außenstehende, die das, was Pflegende tun, noch nicht einmal als Arbeit betrachten. Kaum Freizeit, keine freien Wochenenden, eventuell eigene körperliche Probleme durch die Pflege – und plötzlich kommt von anderen, die diese Situation nicht kennen, so etwas wie: »Du bist ja eh zu Hause.«

Ich habe das Glück, den Menschen zu pflegen, den ich über alles liebe. Ich weiß, was ich tue, und ich weiß, warum ich es tue. Diese allgemeine abwertende Haltung gegenüber Pflegenden empfinde ich dennoch als Schlag ins Gesicht aller, die ihr Möglichstes tun, damit ihre Angehörigen nicht ins Heim müssen. Oder die einfach kein Geld für ein gutes Heim aufbringen können.

Wir sind meiner Freundin nicht böse, weil ihre Frage ebenfalls nicht böse gemeint war, und weil wir für uns entschieden haben, dass es nichts gibt, wofür wir uns rechtfertigen müssen. Aber wir fragen uns, woher diese weitverbreitete Sichtweise kommt. Und was getan werden könnte und müsste, um ein allgemeines Umdenken zu bewirken.

Sonntag, 3. März 2013

Beziehungstat

GD

Es ist ja bereits dick und fett in der Sidebar zu sehen: Alex und ich sind Mitglieder im Bund behinderter Blogger e.V.! Eigentlich schon seit dem 27. Februar, aber wir haben die Mitgliedsbescheinigungen »erst« (in Anführungszeichen, weil der Verein sehr schnell arbeitet) am 1. März erhalten, sodass dieser Punkt es nicht mehr in unseren Februarrückblick geschafft hat.

Der Bund behinderter Blogger ist ein eingetragener Verein, der sich als Zusammenschluss freier Bloggerinnen und Blogger versteht, die langfristige körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, sowie ihrer Freunde und Förderer. Detaillierte Informationen rund um den Verein findet ihr hier. Momentan befindet sich der BBB noch in der Startphase, im Lauf der Zeit wird die Lesezeichenliste bestimmt wesentlich länger.

Wie bereits erwähnt: Der Verein arbeitet richtig schnell. Vor wenigen Tagen haben wir erstmals Kontakt mit dem Verein aufgenommen, und schon sind wir mittendrin! Wir sind noch ein wenig geflasht und freuen uns sehr.

Was wir uns von der Mitgliedschaft versprechen? In erster Linie sind wir neugierig auf die anderen Mitglieder, auf ihre Blogs und Lebensgeschichten. Nicht jeder teilnehmende Blog beschäftigt sich ausschließlich mit dem Thema Behinderung, unserer hat ja auch meist andere Schwerpunkte – doch wir glauben (und erleben regelmäßig), dass der Blickwinkel auf viele Erlebnisse ein anderer ist, sobald man sich regelmäßig mit (s)einer Behinderung auseinandersetzt (unabhängig davon, ob man selbst betroffen oder Angehöriger ist).

An unserer Blog-Gestaltung wird sich durch die Mitgliedschaft nichts ändern: Wir werden ihn weiterhin gemeinsam führen, und Alex wird weiterhin den Großteil aller Einträge schreiben, schon allein deshalb, weil ich dazu körperlich gar nicht in der Lage wäre. Der Blog (wie auch der Beitritt zum BBB) ist also eine Beziehungstat; es werden weiterhin auch ganz allgemeine Themen aufgegriffen, die uns wichtig sind.

Und jetzt fällt mir auf, dass Beziehungstat auch ein hübscher Blog-Titel gewesen wäre. Aber ganz ursprünglich sollte der Blog ja mal als reiner Schreib-Blog fungieren, ehe Alex sich entschieden hat, dass ihr das allein zu wenig ist, und sie mich gebeten hat, mit am Blog zu arbeiten. Ihre Einschätzung zum potenziellen Blog-Titel Beziehungstat: »Eigentlich total cool, aber am Ende halten uns dann alle für kriminell!«

Nun ja, und weil wir ohnehin zu faul für eine Änderung sind (die jetzt ja auch auf der Mitgliederseite des BBB erfolgen müsste), bleibt erst mal alles so, wie es ist.

Wir wünschen euch einen schönen, sonnigen Sonntag!

Freitag, 1. März 2013

Zeigt her eure Brillen!

AD

Mir ist vonseiten meines Gemahls die Klage übermittelt worden, dass Julia schon ungeduldig auf Fotos unserer Brillensammlung wartet. Und, ähem – wenn ich mich richtig erinnere, habe ich diese schon vor etwa zwei Monaten per E-Mail und Twitter angekündigt, sodass es jetzt wirklich Zeit dafür wird.

Hier seht ihr ...

Georgs Brillen

Gekauft 2012
Gekauft 2010
Gekauft 2008

Meine Brillen

Gekauft 2012
Gekauft 2010
Gekauft 2008

Die Fotos sind leider nicht besonders gut geworden (und die Gläser sehen irgendwie ungeputzt aus, obwohl ich sie vor dem Shooting total gründlich poliert habe), aber immerhin erkennt man, wie unser Nasenschmuck aussieht. Wie die Kaufjahre verraten, haben wir den Spleen, uns alle zwei Jahre jeweils eine neue Brille zuzulegen – wir sind schon gespannt, ob wir diese Tradition 2014 fortsetzen werden. Das hängt natürlich immer mit unserer Finanzlage und aktuellen Angeboten unseres Optikers zusammen.

Georg trägt seine Brillen alle regelmäßig, ich bloß die beiden neueren, da die Gläser meiner Brille von 2008 a) nicht mehr stark genug sind und b) immer mal wieder aus dem Gestell fallen, was mich davon abhält, einfach neue Gläser für die Brille zu kaufen. Ab und zu setze ich sie aber noch auf, als Erinnerung und weil ich die Farbkombination so gern mag.