Dienstag, 24. Juni 2014

Icon, Icon

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Lexi hat mir ein Icon zu Bittersüß ist süß genug gebastelt! ♥ Icons zu Geschichten sind auf Poolys sehr beliebt; man kann sie sich ins Profil stellen, um zu zeigen, welche Geschichten man aktuell mitverfolgt (ich stelle es in Originalgröße ein, weil es größer unscharf wird, und herze es nahezu unentwegt an):


Danke! ♥

Donnerstag, 19. Juni 2014

Newsflash

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Das wird jetzt ein relativ kurzer und wirrer Eintrag, fürchte ich. Ähm:

• Nach einem unendlich nervigen und seltsamen Telefonat mit einem Mitarbeiter unseres Pflegedienstes, der sich anfangs auf die Haltung »Keine Ahnung« und »Da kann ich Ihnen nicht weiterhelfen« festlegte, konnte ich die Angelegenheit um den geplatzten Besuch zum Glück klären und wir haben einen gerade noch rechtzeitigen neuen Termin bekommen. Ohne Drohungen (schriftliche Beschwerde bei der KK, VDK, blabla) ging es leider nicht, aber immerhin ging es schließlich. Unsere KK ist extrem streng, was die Pflegedienstbesuche betrifft, also sind wir jetzt mal einfach nur froh darüber.

• Ich habe eine vielleicht coole Idee, was ich mit Bittersüß ist süß genug machen könnte. Ganz sicher bin ich mir da aber noch nicht. Und zwar habe ich mir überlegt, ob es vielleicht eine schöne Sache wäre, die Geschichte innerhalb einer auf privat gestellten Leserunde auf einem eigenen Blog erst mal nur mit befreundeten Autoren zu teilen, und wenn sie dann zu Ende gepostet ist, die Posts in die richtige Reihenfolge zu bringen und dann auch der »Öffentlichkeit« (hahaha) zugänglich zu machen. »Befreundete Autoren« im Sinne von »man kennt und liest sich auf Blogger und diversen anderen Seiten«; man muss mich nicht privat dazu kennen oder so. Aber wie gesagt, darüber, ob das wirklich eine gute Idee ist, bin ich mir noch nicht ganz im Klaren. An diejenigen, von denen ich weiß, dass sie auf die Geschichte warten: Hättet ihr an so etwas Interesse oder wäre das eher doof?

So, das war es schon. Kurz und wirr, wie versprochen!

Dienstag, 17. Juni 2014

Versetzt

GD

Heute wurden wir erstmals, seit ich Pflegestufe III habe, von unserem Pflegedienst versetzt. Dieser muss einmal pro Quartal zu uns nach Hause kommen, um zu prüfen, ob meine Pflege bei uns zu Hause gesichert ist. Häufig nervig, jedoch einfach nötig.

Der Pflegedienst bietet an, von sich aus an die Kontrolltermine zu erinnern und sie zu vereinbaren, und diesen Dienst haben wir bislang gerne in Anspruch genommen – leider war es aber in den letzten Quartalen so, dass sich der Pflegedienst immer erst auf den letzten Drücker gemeldet hat, also erst zum Ende des Quartals hin. So auch diesmal. Im Grunde genommen ist das ja kein Problem, nur dass wir jetzt eben die Situation haben, womöglich in diesem Quartal keinen Termin mehr und somit Ärger mit der Krankenkasse zu bekommen.

Der Pflegedienst ist momentan unter keiner der uns bekannten Nummern (Festnetz und Mobilfunk) erreichbar. Wäre ich gemein, würde ich sagen, er wurde von einer gewissen Agentur infiltriert. Selbstredend bin ich das nicht. Wir ärgern uns natürlich dennoch; ums Pflegegeld bangen zu müssen, weil der Pflegedienst unzuverlässig ist, ist keine schöne Situation.

Bei der Krankenkasse ist nun auch kein Ansprechpartner für solche Fälle mehr im Haus; da müssen wir uns leider bis morgen gedulden.

Montag, 16. Juni 2014

Bittersüß ist süß genug, Pneumologenbesuch und jede Menge Eis

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Uff, Bittersüß – wo fange ich da an und wo höre ich auf? Bittersüß ist süß genug ist die erste Geschichte in Romanlänge, die ich jemals geschrieben habe. Zudem war es nach Vom fahrenden Volk die zweite Geschichte, die ich je auf FanFiktion.de hochgeladen habe. Von 2010 bis 2011 gab es sie vollständig dort zu lesen, dann habe ich sie, wie schon früher erwähnt (allerdings ohne Titel), zu Überarbeitungszwecken offline genommen.

Die eigentliche Mammutüberarbeitung fand dann jedoch erst 2012 statt, früher bin ich einfach nicht richtig dazu gekommen, und war eine rein stilistische. Die Bezeichnung Mammutüberarbeitungpasst trotzdem, denn geschrieben habe ich Bittersüß von 2003 bis 2010 (ja => Schreibschnecke; nicht alles fluppt so wie LdE), und der Geschichte war stilistisch deutlich anzumerken, dass die ersten Kapitel ... na, eben uralt waren. Mein Stil hatte sich merklich weiterentwickelt seitdem, und 2012 habe ich nach Kräften versucht, diese Unebenheiten auszugleichen. Auch 2010 gab es vor dem Hochladen eine Überarbeitung, diese Ausmaße hatte sie jedoch nicht, und ein Jahr später war ich eben doch nicht mehr zufrieden damit. Vergleichbar war der anfängliche Stil mit dem in Vom fahrenden Volk – zwar nicht total grottig, aber halt auch nicht mehr dem späteren Stil entsprechend.

Ich glaube, ich kann sagen, dass uns (= Georg und mir; er hat Bittersüß 2012 zum zweiten Mal betagelesen) die stilistische Überarbeitung so gelungen ist, wie wir uns das vorgestellt haben. Eine inhaltliche Überarbeitung kam für mich nie infrage, nicht bei dieser speziellen Geschichte. Da geht es mir ganz ähnlich wie mit LdE: der emotionale Wert überwiegt jede objektive Betrachtungsweise.

Daher muss ich in Bezug auf ein Wiederhochladen sagen: Kritik am Stil: immer gern! Ich würde nahezu jeden Satz in dieser Geschichte noch verändern, wenn er dadurch besser, passender und schöner wird. Georg hätte da als Beta auch nicht das Geringste dagegen; man kann einfach nicht alles sehen. Kritik am Inhalt: ebenfalls gern, sie wird aber innerhalb von Bittersüß nicht mehr umgesetzt, sondern lediglich für eventuelle spätere Geschichten im Hinterkopf behalten. Fehler muss man ja nicht mehrfach machen. ;)

So, und hier kommt schon mal die ...

Kurzbeschreibung:

Der Außenseiter Albert Levi ist vierzehn Jahre alt, als er den ein Jahr älteren Youki kennenlernt. Youki heißt in Wahrheit Kizuki Kawabata, wurde seit frühester Kindheit gemobbt und ist alles, was Albert will: ein Freund; sein bester Freund, der ihn braucht. Mit Youki kann Albert alles teilen: die Einsamkeit, die Leidenschaft für morbide Fotografie, das Anderssein. In krankhaft schnellem Tempo entspinnt sich eine innige Freundschaft zwischen den verzweifelten Jungen, die in einer geheimen homosexuellen Beziehung gipfelt. Doch Youkis Andersartigkeit greift tiefer, als Albert es nachvollziehen kann. Der Halbjapaner trägt schwer an einem Geheimnis, das Alberts Leben in jedweder Hinsicht in ungeahnte Bahnen treibt – und ihn im Alter von achtzehn Jahren ins Gefängnis bringt.

Ja, das wäre das.

Die Geschichte ist 91.922 Wörter (380 Seiten) lang, verteilt auf einen Prolog, dreißig Kapitel und einen Epilog. Sie ist vorrangig ein Drama, hat aber ganz klar auch einen tragikomischen Touch. Ich liebe es einfach, meine Charaktere durch den Kakao zu ziehen, und gerade Albert eignet sich dafür trotz aller Dramatik so wunderbar wie kaum ein anderer.

Meine Altersempfehlung für Bittersüß ist FSK 16 bzw. P16 Slash. Ursprünglich hatte ich es mit dem Rating P18 Slash gepostet – damals war ich im FF.de-Prosabereich noch ganz neu und übervorsichtig, aber wenn ich heute betrachte, was Verlage ab sechzehn oder gar ab vierzehn empfehlen, reicht der Stempel »ab sechzehn« definitiv auch für Bittersüß aus. Die Geschichte ist in vielerlei Hinsicht das Traurigste, Härteste, was ich je geschrieben habe, doch mit blutiger Gewalt, übermäßig »schmutziger« Sprache oder gar grafisch beschriebenem Sex hat das nichts zu tun. Es gibt eine Szene, die blutig ist – aber da Albert diese selbst als Sechzehnjähriger erlebt und als solcher (re)agiert, ist »ab sechzehn« in Ordnung, finde ich.

An dieser Stelle muss ich mal gestehen, dass ich Teenagergeschichten inzwischen eigentlich leid bin – da Bittersüß aber gegen Ende auch den späteren, erwachsenen Albert Levi zeigt, macht mir sein anfängliches Alter innerhalb dieser Geschichte nichts aus. Es ist keine typische Teenie-Geschichte mit einem Teenie-Ende, sondern eher ein Entwicklungsroman. Älter als zwanzig wird Albert körperlich innerhalb der Geschichte zwar nicht, aber geistig-emotional macht das Leben aus ihm jemanden, der wesentlich weiter ist als »normale« junge Erwachsene in diesem Alter.

Geplant war bislang ganz grob, dass die Geschichte irgendwann im Lauf dieses Sommers oder Frühherbstes zurück in die Online-Landschaft kommt – ich weiß nur noch nicht genau, wie und wo. Ob ich sie erneut auf FanFiktion.de hochlade oder auf Poolys oder auf beiden Plattformen. Oder auf einem eigenen Blog wie AURA und LdE. Sie liegt nun bereits seit zwei Jahren fertig und unberührt auf meiner Festplatte und diversen USB-Sticks – es wird Zeit, dass ich mir endgültig überlege, was ich damit anfangen möchte.

Ja, und warum ich gerade jetzt auf den Trichter gekommen bin, darüber zu bloggen – ich hatte heute meinen halbjährlichen Kontrolltermin beim Pneumologen. Und dessen Praxis wiederum befindet sich in der Stadt, in der Albert Levi geboren und aufgewachsen ist. Wann immer ich mich dort für längere Zeit aufhalte, ist Herr Levi übermäßig präsent in meinem Kopf.

Die Untersuchung war gut – zwar muss ich die zweimalige Dosis Symbicort täglich beibehalten, aber die Lungenfunktion an sich ist in Ordnung. Total irritiert hat mich diesmal jedoch, dass der Arzt mein Heft mit meinen Peak-Flow-Werten sichten wollte; das wollte er in den letzten drei Jahren nie, wenn der Funktionstest in Ordnung war, weshalb ich es nicht dabei hatte. Solange mein persönlicher Peak-Flow-Wert bei 450 oder nur unwesentlich darunter liegt, mache ich mir nicht mal mehr Notizen dazu – jetzt muss ich wohl wieder damit anfangen. *hust* 

Nach dem Termin waren Georg und ich noch mit meiner Ma und meiner Tante Eis essen – die Beweisfotos:




Samstag, 14. Juni 2014

Himmelsvolk

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[Ich soll an dieser Stelle von Georg ausrichten, dass es mit seinem Erste-Schreibversuche-Post noch etwas dauert. :D Und wir kommen uns ein bisschen doof vor, wenn wir unseren Namen immer noch mal unter den Titel setzen, aber wir opfern uns für die Leserfreundlichkeit. ;D Die Fotos hier sind insgesamt im Zeitraum von über einem Jahr entstanden; hierfür bearbeitet habe ich sie gestern Abend und heute Nachmittag. Einige davon gab es hier bereits in anderer Aufmachung zu sehen. Und ganz wichtig: Der Titel Himmelsvolk stammt ursprünglich von Waldemar Bonsels, dem Schöpfer der Biene Maja.]















Donnerstag, 12. Juni 2014

Der Fan

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Der Fan ist der Vater einer Kindheitsfreundin von mir und ein großer Anhänger des FC Bayern München, an den ich aufgrund des momentan allumfassenden WM-Wahnsinns zurzeit oft denken muss. Also, an den Fan, nicht an den FC Bayern München. An letzteren denke ich nie, außer eben in Verbindung mit dem Fan. Der Fan ist nämlich zudem für eine meiner mit Abstand lustigsten Kindheitserinnerungen verantwortlich, die ich hoffentlich nie vergessen werde.

Der Fan, ein recht kleiner, untersetzter Mann mit beginnender Halbglatze und kleinem Bierbauch, verfolgte in meiner Kindheit möglichst jedes Spiel »seiner« Mannschaft. Am liebsten direkt im Stadion, wofür er einiges an Geld ausgab; wenn es gar nicht anders ging, jedoch auch vor dem heimischen Fernseher.

Eines schönen Geburtstages seiner Tochter ging es gar nicht anders, was dazu führte, dass die kleine Kindergeburtstagsgesellschaft den Fan in voller Aktion erleben durfte.

Der Fan saß ganz allein auf dem Sofa, ein Bier auf dem Tisch, und trug eine FC-Bayern-Mütze, einen FC-Bayern-Schal sowie ein FC-Bayern-Trikot. Zur Krönung hielt er den Stiel einer kleinen FC-Bayern-Flagge in der Hand, die er abwechselnd zu begeistertem Wedeln oder erzürntem Auf-den-Tisch-Klopfen verwendete. Das begeisterte Wedeln wiederum wurde von lautstarken Anfeuerungsrufen Richtung Fernseher begleitet, das erzürnte Auf-den-Tisch-Klopfen von noch lauteren Flüchen und Beschimpfungen der Spieler.

Ich habe seltsamerweise keine Ahnung mehr, wie das betreffende Spiel ausging, womöglich waren wir da gerade im Garten – aber das Gebaren des Fans hat mich als Kind (mit ungefähr acht oder neun Jahren) gleichermaßen fasziniert und erschreckt. Die Mutter der Kindheitsfreundin versuchte gelegentlich, ihren Mann mit »W., jetzt reg di halt ned a so auf« etc. zu mäßigen, allerdings zu einhundert Prozent vergeblich.

Wenn ich heute daran denke und mir das Bild des Fans ins Gedächtnis rufe, breche ich aber einfach jedes Mal ab vor Lachen. Ich liebe das Bild des Fans in meinem Kopf, wie er begeistert wedelt, jubelt, klopft und brüllt. Vielleicht auch deshalb, weil es nicht bekloppter ist, »seine« Mannschaft durch den Fernseher anzufeuern, als mit den Charakteren aus eigenen Geschichten zu plaudern, und Bekloppte ja irgendwie zusammenhalten müssen. Und dem Fan (... und seiner ansonsten gemarterten Familie) zuliebe hoffe ich, dass Deutschland bei der WM halbwegs weit kommt.

Mittwoch, 11. Juni 2014

Vom Glück, (mit) erwachsene(n) Protagonisten zu schreiben

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Georg und ich haben gerade das vierzehnte Kapitel von Los und Lassen, dem sechsten LdE-Teil, überarbeitet. (Das heißt, ich lese es ihm vor und er sagt, wenn irgendwas komisch klingt – es ist anders als früher das »normale« Betalesen, aber es klappt ganz gut und ist vor allem zum Teil sehr lustig.)

Dieses Kapitel ist das erste Perspektivkapitel von Emil Kurt-Keppler (AURA-Lesern bekannt aus Straßenkötersinfonie und Zeitlos und Akelei), der eine große Rolle in LuL spielt – und beim Vorlesen ist mir, allerdings erst gegen Ende des Kapitels, etwas aufgefallen: Ich habe mich bei Emil kein einziges Mal gefragt, ob er glaubwürdig rüberkommt. Das ist – innerhalb von LdE – eine echte Premiere für mich.

Okay: So etwas frage ich mich auch bei anderen LdE-Protagonisten nur temporär. LdE ist die Reinform von »Für sich selbst schreiben«, und auch wenn Lexi und ich uns immer wahnsinnig darüber freuen, wenn es jemandem gefällt – an erster, zweiter, dritter oder sonstiger vorderer Stelle steht das einfach nicht innerhalb dieses Universums.

Dennoch: In den bisherigen LdE-Geschichten habe ich ausnahmslos alle Charaktere, deren Kapitel ich geschrieben habe, zwar angeherzt ohne Ende, konnte mich aber nie zu einhundert Prozent mit ihnen identifizieren. Einfach, weil es entweder (zumindest emotional) sehr, sehr junge Personen sind wie Dian, Fleik und Joe, die teilweise auch mal total zum Kind werden wie in Seelenbrüder, oder aber Giganten der Jahrtausende. Emil dagegen ... ist einfach ein ganz normaler Mensch Mitte zwanzig. Ein teils ziemlich kaputter Mensch, der sich auf jeden Fall eine kindliche Seite bewahrt hat, aber zugleich jemand, der mit beiden Beinen auf der Erde steht, (wie auch immer) für sich zu sorgen weiß – und auch darauf bedacht ist, einigermaßen seine eigenen Interessen zu wahren. Das ist beim Schreiben und Überarbeiten einfach unglaublich ... wohltuend. Ja. Emil macht Spaß. Da er aber einer jener plauderlustigen Kopfgäste ist, die ihr Schicksal lieber selber in die Hand nehmen, als es gänzlich der Autorin bzw. den Autoren zu überlassen, käme es mir fast gemein vor, »Es macht Spaß, ihn zu schreiben« zu schreiben. (»Es macht Spaß, ihn zu schreiben« zu schreiben – das mit der Eloquenz üben wir noch mal.)

Lia hat auf Poolysneulich etwas aus meiner Sicht sehr Treffendes geschrieben: Als Autor verliert man oft das realistische Gespür dafür, wie eine Geschichte auf den Leser wirkt. Ob der Erstleser wirklich das herausliest, was man selbst gemeint und empfunden hat. (Ähm, das ist total aus dem Gedächtnis zitiert, und ich finde es gerade nicht mehr, aber ich glaube bzw. hoffe, den Kern der Aussage trifft es.)

Und obwohl mir das bei LdE nie vordergründig wichtig war und immer noch nicht ist, glaube ich, sagen zu können, dass Emil der erste »meiner« LdE-Charaktere ist, bei dem ich mir einigermaßen sicher bin, dass potenzielle Leser ihn so oder zumindest sehr ähnlich wahrnehmen werden wie Lexi und ich als Autorinnen. (Ja, das ist ein SEHR schwammiger Satz, und ganz sicher kann ich es ja auch nicht wissen. *gg*)

Auch bei Chris(tian) Rein (Grenzwandler-Lesern aus Todes Sehnsucht bekannt und bereits die Hauptperson des fünften LdE-Teils Der Klang von Hoffnung) kann ich mir das sehr gut so vorstellen, und ich darf hier nun schon mal spoilern, dass Chris und Emil die beiden Hauptperspektiven in LuL innehaben (allerdings in zwei weitgehend voneinander unabhängigen Handlungssträngen). Deshalb habe ich bei LuL die bislang geringsten Zweifel daran, dass wir die Anliegen der zwei absoluten Hauptpersonen (es gibt noch ein paar weitere Perspektiven) wirklich so transportieren können, wie wir sie selbst empfinden.

Und nicht nur auf dieser »Transport-Ebene« ist das toll, sondern auch vor allem deshalb, weil es eben einfach Spaß macht – auf einer noch einmal anderen Ebene, als das mit Charakteren der Fall ist, deren geistig-emotionaler Entwicklungsstand ein ganz anderer ist als der eigene, zumindest geht es mir so. Ich schreibe alle unsere LdE-Charaktere gern, und »fremde« Entwicklungsstände sind natürlich wahnsinnig spannend, aber das mit Emil ist unter all dem Besonderen noch mal etwas speziell Besonderes für mich. (Hilfe, ich stell mir grad vor, wie unsere beiden Leserinnen den Kerl dann eigentlich total doof finden, sich aber nicht trauen, es offen zu sagen, weil ich so begeistert von ihm bin. *gg* Ähm, nein, falls es so sein sollte: Das wäre total okay, Emil ist da nicht empfindlich, und seine Tippse deshalb auch nicht. :D)

Gezeichnet hab ich ihn auch schon – über den Erfolg darf gestritten werden (aber er ist kein so unbequemes imaginäres Model wie ... jemand anders):


Und noch ein LuL-Spoiler
















„Warten Sie bitte noch mal kurz. Ich klär das, versprochen.“ Die Dürre sieht aus, als würde sie gleich losheulen, und spurtet nach unserem kollektiven Nicken zurück ins Haus.

„Jetzt holt sie ihren fliegenden Teppich“, flüstert Til, und wir brechen in heilloses Gelächter aus. Die Sache hier ist zwar ärgerlich, aber gleichzeitig doch auch ein Riesenspaß. Es ist immer ein Riesenspaß, wenn man nach niemandes Pfeife tanzen muss.

Und das ... hätte ich nicht denken sollen.

„Sie brauchen einen fliegenden Teppich?“, erklingt hinter uns eine Stimme, und ich glaube, mir bleibt jetzt nichts anders übrig, als endgültig zu Eis zu erstarren. Es ist eine männliche Stimme. Eine tiefe, klangvolle Stimme. Eine schöne Stimme. Die ich nie wieder hören wollte, verflucht noch mal. Was zur Hölle sucht Montinari hier?

„Wir brauchen jemanden, der einen Elektrorollstuhl in den achten Stock eines Gebäudes befördern kann“, antwortet Carlo freundlich und wendet den Stuhl. Das Ding zu bedienen, fällt ihm jetzt viel schwerer als früher, aber Zeus hat das Teil so was von perfekt generalüberholt, dass einem Außenstehenden nicht auffallen dürfte, dass es für Carlo trotzdem nicht ganz leicht ist.

Auch Til und ich drehen uns um. Langsam. Ich glaube, Til sieht mir an, wer das ist. Ich habe in den letzten Monaten fast verlernt, wie meine Maske funktioniert. Definitiv ein Fehler an Tagen wie diesen.

Donnerstag, 5. Juni 2014

Sind Autoren die besseren Faker? Und wie sind die, die besser mit ihnen umgehen können (als ich)?

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Tausend Dank an F., H., R. und J. fürs Vorab-Lesen. ♥

Eigentlich sollte der folgende Text ein Essay werden. Aber allein die Definition des Begriffs Essay – eine geistreiche Abhandlung, in der wissenschaftliche, kulturelle oder gesellschaftliche Phänomene betrachtet werden – zeigt mir, dass das nicht funktionieren wird. Ich kann bei diesem Thema nicht geistreich sein. Und erst recht nicht objektiv, wobei letzteres in einem Essay ja gar nicht nötig wäre. Wie auch immer: Ich habe mich gegen den Essay und für einen Blog-Eintrag entschieden, weil ich glaube und hoffe, dass meine alles andere als professionelle Herangehensweise an das Thema und die Fragestellung hier einfach besser aufgehoben ist.

Zuallererst: Ich nutze das Internet nun seit zwölf Jahren aktiv. Nicht immer regelmäßig, zeitweise hatte ich auch überhaupt keinen eigenen Anschluss – aber ausreichend, um online einige Menschen näher kennenzulernen. Im Hinblick auf diese Zeitspanne ist die Anzahl der Faker – in diesem Zusammenhang: Menschen, die das Internet dazu missbrauchen, sich für jemanden auszugeben, der sie nicht sind –, mit denen ich oder Freunde/Bekannte persönlich zu tun hatten, relativ gering. Mir geht es hier aber nicht um die Anzahl solcher Fälle, sondern um die Art und Weise, auf die diese Faker ihre Opfer getäuscht haben – und die Fragestellung, ob Autoren so etwas tendenziell besser beherrschen als Nicht-Autoren.

Hier kommen die Faker-Fälle, die mir in meiner bisherigen Internetnutzerzeit begegnet sind – allesamt verfremdet, aber im Kern nicht verfälscht. Zwei habe ich persönlich erlebt, die anderen wurden mir von Freunden und Bekannten geschildert. Die Namen sämtlicher Betroffener, auch die der Faker, wurden von mir geändert; Nicknames oder gar reale Namen werden von mir nicht weitergegeben. Hier soll es nicht vorrangig um die Einzelfälle gehen, diese sollen nur der Verdeutlichung dienen, wie so etwas ablaufen kann.

• Ellen und einige ihrer Online-Freundinnen lernen über ein Autorenforum den alleinerziehenden Vater Bruno kennen. Bruno beeindruckt sie alle tief mit seiner Offenheit und dem Lebensmut, mit dem er sich um seine kleine Tochter kümmert – und ist eines Tages einfach von der Bildfläche verschwunden. Alle sorgen sich um ihn, doch es besteht keine Kontaktmöglichkeit, da Bruno sich diesbezüglich immer sehr bedeckt gehalten hat. Zu einem späteren Zeitpunkt erfährt Ellen, dass es sich bei Bruno in Wahrheit um eine junge Frau gehandelt hat, die hinter den Kulissen als Faker enttarnt wurde.

• Tanja lernt über ein Buchforum den Studenten Sandro kennen. Sie teilen zahlreiche Interessen und freunden sich rasch an, und Sandro vertraut Tanja viel über sein Privatleben an, so zum Beispiel, dass er an einer schweren Sozialphobie leidet und ihm ein realer Kontakt daher derzeit unmöglich ist. Zumindest auf einen Foto- und Adressaustausch lässt Sandro sich jedoch nach einiger Zeit ein, weswegen sich die im Internet noch unerfahrene Tanja bezüglich seiner »Echtheit« sicher fühlt. Nach über zwei Jahren Freundschaft möchte sie sich jedoch auf realer Ebene nicht mehr abwimmeln lassen und setzt Sandro diesbezüglich unter Druck. Dieser knickt schließlich ein und gesteht Tanja, in Wahrheit eine junge Frau zu sein, die ihren Fake-Namen sogar auf ihren Briefkasten klebte, um für Tanja postalisch erreichbar zu sein, ohne die falsche Identität aufgeben zu müssen. Die Fotos, die Tanja von »Sandro« erhielt, zeigten einen Bekannten der jungen Frau.

• Natascha lernt über ein Autorenforum André, einen sterbenskranken Jungen kennen. Der Mut, mit dem der Jugendliche sein Schicksal öffentlich macht und darüber schreibt, rührt Natascha, die selbst Mutter ist, zutiefst, und rasch entsteht auch ein postalischer Kontakt zwischen ihnen. Auch zu erwachsenen Angehörigen Andrés hat die verantwortungsbewusste Natascha Mailkontakt, ein reales Treffen ergibt sich jedoch aufgrund der schwierigen Gesamtsituation nie. Bis sich herausstellt, dass die schwierige Gesamtsituation folgende ist: André hat nie existiert. Es handelt sich bei seiner Person um einen Erwachsenen, der sowohl die Rolle des todgeweihten Jugendlichen als auch die seiner Angehörigen gespielt hat – jeweils mit einer eigenen E-Mail-Adresse und einer anderen »Erzählstimme«.

• Mareike lernt über ein Autorenforum die gleichaltrige Eva kennen. Rasch entspinnt sich eine intensive Mailfreundschaft zwischen den beiden, sie tauschen sich über vielfältige Themen aus und auch die jeweilige reale Identität wird zügig preisgegeben. Der Kontakt weitet sich aus, es werden Briefe und Karten versendet, gelegentlich telefoniert, einige Male treffen sich die beiden sogar persönlich. Doch im persönlichen Bereich gibt sich Eva wesentlich reservierter als auf schriftlicher Ebene. Anfangs hält Mareike das für normal, ticken nicht alle Autoren ein wenig so? Doch schließlich stellt sich heraus, dass der Großteil dessen, was Mareike in Mails und Briefen über Eva erfahren hat, erfunden war. Eva existiert tatsächlich, lebt aber größtenteils ein völlig anderes Leben, als sie Mareike immer berichtet hat.

• Tina lernt über ein Autorenforum den wesentlich jüngeren Maik kennen. Der Jugendliche vertraut ihr nach einiger Zeit an, dass er zu Hause körperlich misshandelt wird. Auch von sexuellen Übergriffen ist die Rede. Jemandem aus dem Internet seinen realen Namen oder gar seine Adresse zu nennen, sei ihm verboten worden, meint Maik. Dennoch forscht Tina nach, um dem Jungen zu helfen – doch plötzlich bricht der Kontakt abrupt ab. Tina setzt alles Erdenkliche in Bewegung, um herauszufinden, was passiert ist, und es gelingt ihr, über das Internet eine junge Frau ausfindig zu machen, die sich als Maiks Verwandte ausgibt – mit eigener E-Mail-Adresse und einem völlig anderen »Erzählton«, als es der von Maik war. Dennoch stellt sich auf Tinas hartnäckiges Nachbohren letztlich heraus, dass Maik niemals existiert hat. Die junge Frau hat ihr beide Rollen nur vorgespielt: die Maiks ebenso wie die seiner Verwandten.

• Silke lernt über ein Autorenforum den schwulen Henri kennen. Er ist aufgeschlossen und humorvoll, und sein Profilbild zeigt regelmäßig neue Fotos desselben jungen Mannes. Dennoch, etwas an Henris Auftreten macht Silke im Lauf der Zeit misstrauisch. Sie bohrt nach – und erhält das Geständnis einer Jugendlichen, Henri nur gespielt und dafür Fotos eines Bekannten der Familie benutzt zu haben.

Sechs Fälle, von denen ich weiß. Zwei Fälle, die ich persönlich erlebt habe. Manche mehr, manche weniger schwerwiegend. Manche, die eher nach Zeitvertreib und Verarsche riechen, und einige, die schwerwiegende psychische Probleme der Faker erahnen lassen.

Zwei gemeinsame Nenner jedoch gibt es bei allen: Einmal die tiefe Verunsicherung derer, die auf die jeweiligen Faker hereingefallen sind, auch dann, wenn es eine vergleichsweise »harmlose« Geschichte war – und dann noch eine andere Tatsache: Ausnahmslos alle der hier aufgeführten Faker waren oder sind aktive (Hobby-)Autoren. (Es dürfte unschwer zu erraten sein, welches Autorenforum gemeint ist; ich war ja bis vor Kurzem ausschließlich in einem einzigen angemeldet. Was mir hierzu wichtig ist: Die Seite FanFiktion.de kann nichts dafür, dass solche Menschen sich darauf tummeln. Das ist einfach nur ein hässliches »Nebenprodukt« der Größe des Archivs, denke ich.)

Klar kann man nun sagen: »He, du bist ja selber (Hobby-)Autorin, da triffst du halt einfach meistens auf Leute, denen das über einen Bereich passiert ist, in dem du selber aktiv bist.«

Stimmt, ja. Und ich bezweifle nicht, dass es auch in anderen Online-Bereichen (vor allem in Partnerbörsen) extrem heftige Faker-Fälle gibt. Aber ich kenne ja nicht ausschließlich Autoren, weder online noch im realen Leben. Die Nicht-Autoren unter den Menschen, die ich kenne, hatten durchaus auch schon Online-Zusammenstöße mit anderen Nicht-Autoren, die »nicht ganz koscher« zu sein schienen. Der große Unterschied: Sie haben es frühzeitig gemerkt. Haben an der Ausdrucksweise und Selbstpräsentation des Betreffenden erkannt, dass irgendetwas faul ist, nicht stimmen kann, einfach nicht passt. Im schlimmsten Fall ging so etwas dann mal zwei, drei Wochen – nicht etwa Monate oder gar Jahre.

Und hier setzt meine Überlegung an.

Als Autorin, die nahezu ständig irgendetwas schreibt, bevorzugt Tragikomödien mit sichtbarer Entwicklung der Protagonisten (und himmelschreienden LdE-Kitsch, ja ♥), fällt es mir wahnsinnig leicht, meine »schriftliche Stimme« zu verstellen. Ich schreibe gern in der Ich-Perspektive und wurde schon häufig lobend darauf hingewiesen, dass nahezu jeder meiner Ich-Protagonisten eine andere Erzählstimme hat.

Und wer so etwas kann und es auf fiktiver Ebene regelmäßig tut, verliert diese Fähigkeit im zwar realen, aber immer noch schriftlichen Bereich ja nicht einfach. Wer als aktiver Autor das Bedürfnis hat, in einem anderen Ton mit seinen Online-Freunden in Kontakt zu treten, als er das im persönlichen Aufeinandertreffen über einen wirklich langen Zeitraum bewerkstelligen könnte, hat auch das Zeug dazu. Die Fähigkeit und den Spaß daran, sich spannende, dramatische Schicksale auszudenken, bringt er ohnehin schon mit.

Klar, es gibt auch von Angesicht zu Angesicht sehr gute Schauspieler. Aber das erstreckt sich meist nur auf oberflächliche Kontakte. Sich innerhalb einer innigen Freundschaft, in der man fast täglich miteinander Umgang hat, permanent gänzlich anders zu geben, als man ist – das dürften die wenigsten Menschen schaffen. Nicht auf Dauer.

Vielleicht sind diese Überlegungen zu sehr von dem geleitet, was ich erlebt und erfahren habe. Die meisten Mitglieder von Autorenforen, die womöglich hier mitlesen, werden entsetzt den Kopf schütteln und sind weit von solchen Absichten entfernt. Aber prinzipiell macht das innerhalb meiner momentanen Gedankenwelt Sinn.

Auch deshalb, weil ich – Geständnis! – sogar selbst schon einmal »Faker für einen Tag« war. Das war im zweiten Jahr von Georgs und meiner gemeinsamen Ausbildung. Ein Mitauszubildender hatte uns anvertraut, frustriert darüber zu sein, dass es ihm nicht gelang, Mädchen näher kennenzulernen, sowohl real als auch online. Real konnte ich mir das vorstellen, er war in seinem Auftreten teils recht unsicher und überspielte das mit Überheblichkeit, aber online? Das verstand ich nicht. Ich hatte schon damals viele Online-Kontakte, und gerade das wäre eine Möglichkeit für ihn gewesen, erst mal mit Charakter zu überzeugen. Dann schaute ich mir seine Online-Profile an und sah sofort klarer: Fußballparolen, sonstige sinnfreie Sprüche (dabei war der Kerl selber nicht doof), Fotos von Fußballern als Profilbilder – dass da keine Frau drauf ansprang, war mir schon klar. Also erstellte ich ihm mit seinem Einverständnis ein neues Profil bei einem regionalen sozialen Netzwerk, befragte ihn zu Hobbys und Interessen, schrieb ihm entsprechende Texte dazu – und fertig. Mit diesem Profil schrieb ich dann einmalig eine junge Frau an und unterhielt mich mit ihr, und zwar in dem Ton, den ich – wenn er sich »normal« verhielt – von unserem Kollegen kannte. Sie mochte ihn bzw. mich und fügte ihn sofort in ihre Freundesliste ein, worauf ich ihm das Profil übergab und er das Passwort änderte.

Wirklich nähergekommen sind sich diese beiden dann nicht, und ich denke, das hat in einem so begrenzten Rahmen stattgefunden, dass ich es nicht verwerflich finden müsste – nach all diesen »richtigen« Faker-Geschichten fühlt es sich für mich inzwischen aber dennoch so an.

Und ihr seht sicher, worauf ich hinauswill: Es fiel mir leicht, auf schriftlicher Ebene so zu tun, als wäre ich er. Seine Ausdrucksweise zu imitieren. Auf die junge Frau nicht automatisch wie eine andere Frau zu wirken. Wie sich das hätte entwickeln können, wenn ich vorgehabt hätte, längerfristig die Rolle unseres Kollegen zu spielen, weiß ich nicht. Ob ich »gut« genug dafür geschrieben hätte. Aber vorstellen kann ich es mir, auch wenn ich mir definitiv nicht vorstellen kann, jemanden so zu verarschen.

Garantiert gibt es auch Nicht-Autoren, die so etwas beherrschen. Aber Menschen, die ohnehin regelmäßig schreibenderweise in andere Köpfe und Identitäten schlüpfen, haben es vermutlich leichter – und wer zu einem gravierenden, realistisch gestalteten Fake-Auftritt in der Lage ist, wäre wahrscheinlich auch kein übler Autor.

So viel dazu. Ich möchte mich hier nun weder in Analysen verlieren, warum Menschen zu Fakern werden, noch will ich auf »meinen« Fakern herumhacken – das führt zu nichts. Nachtreten verschafft weder den Opfern nachträglich Gerechtigkeit, noch wird es Faker, deren Unrechtsbewusstsein quasi nicht vorhanden ist, läutern. Klar, das Bedürfnis, so jemanden an den Pranger zu stellen, ist oft groß. Aber wem würde es helfen? So würde lediglich neuer psychischer Stress entstehen, auch und gerade für die ehemaligen Opfer.

Was für mich nun aber ein wirklich gravierendes Problem darstellt, ist das Weitermachen. Ganz gleich, wie viel Zeit vergeht – das Misstrauen, das diese Erlebnisse (und jedes Mitbekommen ähnlicher Erlebnisse) in mir geschürt haben, lässt sich nicht mehr vollständig abschütteln.

Natürlich gibt es auch andere unschöne Erfahrungen, die man online machen kann. Von Lästereien über Shitstorms bis hin zu handfestem Stalking – das Internet macht solche Dinge erschreckend leicht. Aber: Probleme dieser Art können ebenso gut aus dem realen Leben heraus entstehen. Man muss einen Menschen nicht online kennengelernt haben, um in so etwas verstrickt zu werden; auch Kontakte, die man von Angesicht zu Angesicht geknüpft hat, können irgendwann auf solch einer Ebene landen. Daher haben sie mit der vorrangigen Fragestellung hier nichts zu tun. Man muss kein Faker sein, um sich so zu verhalten. Auch wenn das Internet vielen Leuten diesbezüglich mehr (Pseudo-)Mut verleiht, als sie ihn im wahren Leben jemals hätten, ist das ein Bereich, den ich mit diesem Text nicht meine.

Alles in allem habe ich inzwischen, denke ich, eine ziemlich verzerrte Wahrnehmung von Online-Kontakten.

Georg schreibt schon allein behinderungsbedingt nicht annähernd so viel wie ich und kommt daher selten in Situationen, wo sich ausschließlich auf schriftlicher Ebene intensive neue Kontakte entwickeln könnten. Bei mir sieht es durch all meine Geschichten etc. natürlich anders aus. Einzelne meiner liebsten Freunde habe ich so kennengelernt.

Aber Fakt ist: Ich werde – nein, ich bin es längst, es wird nur im Lauf der Zeit extremer – paranoid. Zutiefst misstrauisch. Ich habe keinen echten Spaß mehr daran, irgendwo online näheren Kontakt mit Menschen zu haben. Ich versuche es, weil das lange Zeit ein wichtiger Teil meines Lebens war, aber wirklich gut klappt es nicht. Ich habe u.a. einen fertigen Roman auf der Festplatte herumliegen (nicht der hier, sondern mein allererster, der schon mal auf FF.de online war und nach seiner Überarbeitung wieder eingestellt werden sollte), aber allein bei der Vorstellung, dass mir darauf vollkommen fremde Menschen Feedback geben und diese dann erwarten könnten, dass wir unseren Kontakt vertiefen, bekomme ich ein wahnsinnig schlechtes Gefühl. Ich kann mir nicht vorstellen, in absehbarer Zeit jemandem völlig Neuem etwas Persönlicheres von mir zu erzählen oder dergleichen. Adressaustausch zum momentanen Zeitpunkt? Keine Chance. Und im Umkehrschluss frage ich mich, ob ich bei so einem Verhalten dann womöglich selber für einen Faker gehalten werden würde.

Das ist, gemessen an allem hier Geschilderten, vielleicht sogar eine normale Reaktion. Was die Gedanken an sich aber nicht weniger paranoid macht.

Und hier kommt der zweite Teil des Titels ins Spiel. Wie sind die, die besser mit Fakern etc. umgehen können (als ich)? Wie sind die Menschen, die besser mit hässlichen Interneterlebnissen umgehen können (als ich)? Wie bleibt man offen für neue Menschen, wenn selbst Fotos, Adressaustausch, Telefonate und reale Treffen keine Garantie mehr dafür sind, es mit einem wahren Menschen zu tun zu haben, nicht mit einer ganz oder teilweise erfundenen Kunstfigur?

Bitte nicht falsch verstehen: Es gibt durchaus Menschen im Internet, bei denen ich davon ausgehe, dass sie selbst auch sie selbst sind. Davon dürfen sich jetzt einfach mal alle angesprochen fühlen, die Post, Reviews, Blog-Kommentare etc. von mir bekommen oder mit denen ich regelmäßig telefoniere.

Aber offen für gänzlich neue Freundschaften bin ich nicht mehr. Ganz und gar nicht. Und ich habe keine Ahnung, ob man daran etwas ändern kann oder es überhaupt sollte. Die geschilderten Fragestellungen werden mich wohl noch lange begleiten.

Was ich versuchenmöchte, ist, irgendwann (...) in absehbarer Zeit wieder mehr auf Seiten online zu kommen, die ich lange weitgehend gemieden habe wegen des Großen Ganzen. Weil ich zumindest genug von Psychologie verstehe, um zu wissen, dass eine Vermeidungshaltung langfristig alles nur noch schlimmer macht, auch wenn ein Teil von mir manchmal am liebsten gar nichts mehr im Internet tun würde.

Falls sich jemand fragt, ob unser plötzliches Abtauchen im Januar etwas mit dieser ganzen Problematik zu tun hat: Auch, weil ich durch all das ohnehin schon paranoid war. Aber da ging es um mehr, was Georg und mich als Privatpersonen betrifft. Doch auch hier haben wir nach einer Weile entschieden, dass das Vermeiden langfristig nichts bringt. Wir sind nur noch vorsichtiger geworden mit dem, was wir hier auf dem Blog und allgemein von uns preisgeben.

Es gibt Menschen, die ich wirklich bewundere. Die abgrundtief ekelhafte Sachen im Internet erlebt haben und anderen – mir zum Beispiel – dennoch freundlich und aufgeschlossen begegnen. Obwohl ich offen sage, dass ich im Augenblick keine wirklich intensiven neuen Kontakte haben möchte. Ich wünschte, ich könnte so sein. Ich schätze, ich war es mal – aber ich bin durch. Ich mache nichts mehr, was ich online tue, mit reiner Freude. Ob ich blogge, lese, kommentiere, chatte, nahezu schmerzhaft kitschiges (aber geliebtes) Zeug hochlade oder auf Twitter unterwegs bin – ein fahler Beigeschmack bleibt, obwohl ich all das gerne tue. Obwohl es mir immer noch Spaß macht.

Ich gebe mich der Vielleicht-Illusion hin, dass ein kleines Kunst- und Schreibforum wie Poolys, wo ich seit einem Monat angemeldet bin, für Faker weniger reizvoll ist als z.B. ein riesiges Archiv wie FanFiktion.de – wäre ich ein Faker, würde ich mir wohl Seiten aussuchen, auf denen ein Auffliegen unwahrscheinlich ist und, falls es doch so weit kommt, nicht gleich die ganze Community Bescheid wüsste. Aber Spekulationen darüber sind leider müßig. Wer absolute Sicherheit braucht, bleibt dem Internet besser komplett fern.

So. Für einen Essay ist das hier jetzt echt zu mies geworden, aber für den Blog finde ich es okay.

Falls das hier von jemandem gelesen wird, der Ähnliches erlebt hat wie die hier beschriebenen Faker-Fälle: Wie geht ihr damit um? Wart ihr danach ähnlich misstrauisch wie ich? Wenn ja, wann seid ihr darüber hinweggekommen? Seid ihr es überhaupt?

Ob ich jemals wieder mit einem ganz und gar guten Gefühl online unterwegs sein werde, weiß ich nicht. Es gibt viele Dinge, die mir definitiv noch Spaß machen, aber wie bereits geschrieben: ein fahler Beigeschmack bleibt.

Dienstag, 3. Juni 2014

Erste Schreibversuche ~ ^A

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[Ja, der Zusatz ^A im Titel darf so verstanden werden, dass Georg demnächst ebenfalls einen Eintrag dieser Art posten wird. *gg*]

[Blamage Anfang] Meine allererste Geschichte war eine winzig kleine FanFiction, auch wenn ich zu der Zeit den Begriff FanFiction noch nicht kannte. Sie handelte von Sonic, dem blauen Sega-Igel – damals war ich circa zehn Jahre alt, und die Haupthandlung bestand darin, dass Dr. Robotnik Sonic im Wald allerlei Fallen stellt und er (ja, ja, du blauer Gary) schon aus der Ferne immer spürt, dass ihn Unheil erwartet. Außerdem führt er jede Menge Selbstgespräche über Robotniks Dummheit und seine eigene Klugheit, und darüber, woran man den Unterschied erkennen kann. Leider besitze ich die Geschichte heute aber nicht mehr, was auch deshalb schade ist, weil da ein paar Zeichnungen der Sega-Figuren (Sonic, Tails, Knuckles) dabei waren, die gemessen an meinem Alter ziemlich niedlich aussahen.

Ernsthaft mit dem Schreiben angefangen habe ich aber erst in meiner Realschulzeit – mit Lehrer-Fopp-Geschichten, die tatsächlich auch so etwas wie Plots hatten und in denen ich mich auf fiktive Weise für Ungerechtigkeiten aller Art rächte, ganz nach dem Motto: Wenn dir das Leben eine Zitrone gibt, brat ihm einen Entsafter über, und wenn das auf realer Ebene nicht möglich ist, tust du es eben auf fiktiver. Durch den Kakao gezogen wurden z.B. eine extrem übergewichtige Lehrerin, die auf einer Klassenfahrt in der Bustür steckenbleibt, oder ein extrem ungepflegter Lehrer, der (Mowgli-Style) im Wald bei einer Stinktierfamilie aufgewachsen ist und nun immer noch glaubt, ein solches zu sein. Den prall gefüllten Ordner mit meinen »Lehrergeschichten« besitze ich noch heute.

Je gemeiner die betreffenden Lehrer zu mir (bzw. uns, meine beste Schulfreundin machte nach kurzer Zeit auch mit *gg*) waren, desto schlimmere Dinge stießen ihnen innerhalb der Geschichten zu. Teils haben wir sogar Gedichte und Lieder (!) über unsere Lehrer geschrieben, die aber niemals das Tageslicht erblicken sollten.

Meine Spezialfreundin unter den Lehrkräften war die bereits erwähnte extrem übergewichtige Dame – auf ihrem Übergewicht bin ich in den Geschichten ziemlich herumgeritten; nicht etwa, weil ich dickenfeindlich wäre (ich bin selber definitiv nicht schlank *hust*), sondern weil das einfach ihre offensichtlichste Schwachstelle war. Dieser Frau ist etwas gelungen, was weder vor noch nach ihr jemals jemand geschafft hat: Sie hat mich in der Öffentlichkeit (in dem Fall vor der Klasse) zum Heulen gebracht. Demnach wurde sie zu einem meiner absoluten Lieblingsopfer innerhalb der »Lehrerliteratur«.

Frau P., ein unübersehbares Wesen
Ihr Magen ist voll mit Würsten und Käsen

[Ein harmloses Beispiel in Reimform]

In Geschichtenform gab es noch viel mehr über die gute Frau P.; zwei (ebenfalls harmlose, die schlimmeren Sachen kann ich auf keinen Fall irgendwo einstellen) Geschichtenanfänge gibt es hier nun mal zu lesen:

Fiasko auf dem Lehrertanzball

[Geschrieben mit circa dreizehn Jahren]

Eines schönen Tages war es so weit: Die Lehrer der Name-der-Schule wollten einen Tanzball veranstalten.

Diese Idee stammte ursprünglich von Frau P., die in ihrer Lieblingszeitschrift »Besser essen« gelesen hatte, dass das A&O eines perfekten Tanzballs ein reichliches Buffet war. Von diesem Einfall fasziniert, rief sie sofort ihre beste Freundin Frau B. an, die genauso gerne aß wie sie. Jedoch blieb die erwartete Begeisterung aus.

»Aber M.«, sagte Frau B. am anderen Ende der Leitung, »du weißt doch, dass du auf dein Gewicht achten musst.«

»Meinst du wirklich?«, stöhnte Frau P. enttäuscht.

»Na ja«, lenkte Frau B. ein, »etwas mollig zu sein ist ja keine Schande.« Dies sagte sie nur, um Frau P. nicht zu verletzen. Für jemanden, der seine Brille verlegt hatte, war es ausgesprochen schwierig, Frau P. von einem Elefanten zu unterscheiden.

»Dann machst du also mit?«, japste Frau P. erfreut und hüpfte glücklich auf und ab. Die Leute, die zur selben Zeit an ihrem Haus vorbeigingen, kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus, denn ein wackelndes Haus hatten sie noch nie zuvor gesehen.

»Natürlich«, antwortete Frau B. würdevoll.

»Jetzt gleich?«, fragte Frau P., die sich im Geiste schon ausmalte, wie herrlich das Buffet ihr schmecken würde. »Wir müssen noch so viel besprechen ...«

»Na gut«, meinte Frau B., ebenfalls von der Vorfreude ihrer Kollegin angesteckt. »Aber erst muss ich meine Haare fertigmachen.« Sie war nämlich gerade dabei, sich eine neue ihrer berühmten »Superlilaflashlight-Tönungen« aufzutragen, die zu 40% aus lilafarbener Ölfarbe, zu 10% aus auberginefarbenem Farbkonzentrat und zu 50% aus Pflaumenmus bestanden.

Eine Stunde später war sie bei Frau P. Auch Frau J. wurde alarmiert, und zu dritt beschlossen die Lehrerinnen, den Tanzball zu einer schulischen Veranstaltung zu machen. »Dann kostet’s für uns weniger«, meinte Frau P., die sich von dem gesparten Geld einen Schweinebraten kaufen wollte ...

[...]

Der wahre zweite Untergang der Titanic

[Geschrieben mit circa vierzehn Jahren]

Es war ein wunderschöner Herbsttag im Jahr 1997, als Frau P. in ihrer Lieblingszeitschrift »Besser essen« einen riesigen, über zwei Seiten langen Artikel über einen neuen Film namens »Titanic« entdeckte. Dieser sollte die Schiffskatastrophe von 1912 noch einmal von ihrer romantischsten und doch dramatischsten Seite zeigen und neue Informationen über das alte Drama bringen.

In diesem Bericht stand unter anderem auch, dass die Verköstigung auf dem Luxusdampfer überaus reichlich und sehr schmackhaft gewesen war und dass auch die Dreharbeiten zu diesem gigantischen Film in diesem Sinne weitergeführt werden sollten.

Als Frau P. das las, war sie sofort begeistert von der Geschichte und schmökerte alle Seiten komplett durch. »Ohhh«, seufzte sie, »das Essen ist dort bestimmt außerordentlich lecker! Und ... ooohhhhh ... was sehen meine entzückten Augen?! Was für ein süßes kleines Zuckerschnütchen, dieser Leonardo DiCaprio!!! Ach, schade, dass ich ihn nicht einmal persönlich kennenlernen kann. Mit so einem Mann kann man sich die erlesensten Speisen leisten ...«

Doch plötzlich hielt sie inne. »Moment!«, rief sie. »Das ist ja ...« Ja, tatsächlich, Frau P. hatte am Ende des Artikels einen kleinen Abschnitt entdeckt, der sie brennend interessierte: MITMACHEN UND GEWINNEN!!!, stand da. ERLEBEN SIE EINE WOCHE LIVE AM SET ZU DEN DREHARBEITEN VON »TITANIC« UND LERNEN SIE HOLLYWOOD SOWIE ZAHLREICHE SUPERSTARS BEI PERFEKTEM SERVICE UND VORZÜGLICHEM ESSEN GANZ HAUTNAH KENNEN!!! JETZT MITMACHEN: BEANTWORTEN SIE NUR FOLGENDE FRAGE: WIE HEISST DER HAUPTDARSTELLER AUS DEM MEGASTREIFEN »TITANIC«?

Nun war Frau P. nicht mehr zu halten. Sofort kritzelte sie – in Gedanken schon bei dem vorzüglichen Mahl und bei Leonardo DiCaprio, den sie nun insgeheim ihr »kleines Zuckerschnütchen« nannte – den Namen ihres Lieblings auf eine Postkarte, warf diese in den Briefkasten ... und vergaß die Sache ziemlich bald wieder, weil ihre Freundin Frau B. sie zum Essen einlud und sie selbst in der Eile ganz vergessen hatte, einen Schweinebraten einzukaufen.

[...]

Tjaaaah. *hust* Die Tanzball-Geschichte geht so aus, dass der vorab erwähnte extrem ungepflegte Lehrer mit dem ihm eigenen Gestank dafür sorgt, dass die komplette Tanzgesellschaft zusammenbricht und diverse Krankenwagen anrücken müssen. Die Titanic-Geschichte endet damit, dass die Lehrertruppe die Dreharbeiten mit ihrer bloßen Anwesenheit sabotiert und letztlich sogar den Titanic-Nachbau zum Untergang bringt, da Frau P. Leonardo DiCaprio auf dem Schiff verfolgt, worauf es wie das Original auseinanderbricht. (»Hilfeee!«, schrie Leonardo DiCaprio. »Ich bin zu jung zum Sterben!!! Ich dachte, das soll ich nur so im Film spielen!!! Hilfeeeeeeeeee!!!«)

Großartige Unterhaltung. Fand ich damals. [/Blamage Ende]
 
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