Freitag, 30. Januar 2015

Wir in der WIR

GD

Bereits im Oktober 2014 hat uns die liebe Helga Hofinger von der Fürst Donnersmarck-Stiftung in Berlin angeschrieben und gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, einen Beitrag für das Stiftungsmagazin WIR zu schreiben, das zweimal jährlich erscheint. Die Redaktion des Magazins setzt sich aus haupt- und ehrenamtlichen, behinderten und nichtbehinderten Redakteuren zusammen, und da das Magazin sofort sympathisch auf uns wirkte, haben wir direkt zugesagt.

Der Themenschwerpunkt der Ausgabe 1/2015 ist Unbehindert bloggen – unsere Präsenz im Netz, und in dieser könnt ihr unseren Beitrag finden: Einen Artikel von mir (fragt mich nicht, wie lange ich dafür gebraucht habe ...) und jeweils ein Gedicht von Alex und mir; dazu zwei Fotos, die es auch hier im Blog zu finden gibt.

Die digitale Ausgabe des Magazins findet ihr hier: Klick!

Weitere Infos und die PDF-Datei gibt es hier: Klick!

Die gedruckte Version könnt ihr bei der Stiftung kostenlos bestellen:

Fürst Donnersmarck-Stiftung
Dalandweg 19
12167 Berlin
Tel.: 030-769 700 27

Vielen lieben Dank an Helga Hofinger und Ursula Rebenstorf, die uns zuletzt »betreut« hat, für ihr Interesse an unserem Blog und die gute Zusammenarbeit!

Montag, 26. Januar 2015

Herzen

GA

Wofür wir unseren Weg (und unser Frühstück) gern mal unterbrechen ...

Steinherz

Walnussherz

Marmorherz

Marmeladenherz

Blattherz

Schneeherz

Sonntag, 25. Januar 2015

Ein bisschen außerirdisch

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In diesem Sinne:

Dieser Eintrag beginnt mit einer (hoffentlich) seriösen Buchempfehlung, mündet dann in semiseriöse Neuigkeiten bezüglich einer eigenen Geschichte (mit starker Betonung auf semi) und endet in grenzdebil-dilettantischem Bilder-Spam.

Das Buch, um das es heute geht, ist Ich und die Menschen von Matt Haig.

Gelesen habe ich es schon im Herbst 2014, und darauf aufmerksam gemacht hat mich (ebenso wie auf Letztendlich sind wir dem Universum egal) Lexi – Ich und die Menschen hatte ich dann allerdings zuerst, und jetzt liegt es gerade bei ihr. Sie hat es aber vorhin für mich abfotografiert, damit ich hier ein Bild davon zeigen kann, vielen Dank dafür!

Cover: © dtv

Der Klappentext:

In einer regnerischen Freitagnacht wird Andrew Martin, Professor für Mathematik in Cambridge, aufgegriffen, als er nackt eine Autobahn entlangwandert. Professor Martin ist nicht mehr er selbst. Ein Wesen mit überlegener Intelligenz und von einem weit entfernten Stern hat von ihm Besitz ergriffen. Dieser neue Andrew ist nicht begeistert von seiner neuen Existenz. Er hat eine denkbar negative Meinung von den Menschen. Jeder weiß schließlich, dass sie zu Egoismus, übermäßigem Ehrgeiz und Gewalttätigkeit neigen. Doch andererseits: Kann eine Lebensform, die Dinge wie Weißwein und Erdnussbutter erfunden hat, wirklich grundschlecht und böse sein? Und was sind das für seltsame Gefühle, die ihn überkommen, wenn er Debussy hört oder Isobel, der Frau des Professors, in die Augen blickt?

© dtv

Der Buchtrailer von dtv: Klick!

Und falls ihr nach diesem Trailer glauben solltet, Ich und die Menschen sei vorrangig ein Ratschläge-Buch für idealistische Gutmenschen: Nein. Wirklich, dem ist nicht so. Das Buch besitzt von Anfang bis Ende einen wundervoll grotesken und dabei trotzdem wahnsinnig niedlichen Humor. Ich empfehle dieses Buch allen Menschen, die gern mal wieder vor Lachen fast vom Sofa fallen möchten – und die nichts gegen eine Prise Science-Fantasy haben.

Und irgendwie bin ich wahnsinnig froh, dass ich selber der Science-Fantasy seit einiger Zeit so verfallen bin, weil ich mich sonst für dieses Buch vermutlich gar nicht übermäßig interessiert hätte. Vielleicht hätte ich es irgendwann gelesen, aber so ein Muss-ich-haben-Ding wäre es wahrscheinlich nicht geworden.

Schon schräg, wie man sich da verändern kann. Noch vor knapp eineinhalb Jahren war ich regelrecht geschockt, als die Protagonisten von Codewort: Puls sich erstmals in meinen Kopf geschlichen hatten. Ich wollte keine Science-Fiction-Geschichte schreiben, absolut nicht. Damals kannte ich allerdings noch nicht mal wirklich den Unterschied zwischen klassischer Science-Fiction und Science-Fantasy und dachte, da müssten zwingend irgendwelche ausgefeilten technischen Erklärungen rein. War dann aber gar nicht so. Und weil Douglas und Suey (inzwischen eingebürgerte Kurzform für Su'e-Vid) sich beharrlich geweigert haben, zu verschwinden, habe ich die Geschichte dann letzten Endes doch geschrieben.

Anfang November hatte ich den ultimativen Schreibflash dazu, Ende November dachte ich dann, der ganz große Rausch wäre vorbei – und Ende Dezember kam der noch größere Rausch und ich konnte die Geschichte in Rohversion schon fertigstellen. Bislang war ich bloß zu faul, das zu bloggen. Stilistisch ist das, glaube ich, die beste Rohversion, die ich je zustande gebracht habe; ich lasse die Geschichte jetzt aber trotzdem noch eine Weile ruhen, ehe ich mich an die Überarbeitung mache.

Ein Bild der beiden Hauptcharaktere mag ich aber gern schon mal hier haben, weil ich das (bzw. die, eigentlich sind es zwei) ziemlich gelungen finde (auch wenn das rechte Auge bei beiden nicht hundertprozentig passt):

SUEGLAS! \o/

Auch da habe ich mich verändert. Früher mochte ich es überhaupt nicht, Bilder von Charakteren herzuzeigen, solange die Geschichte selbst nicht zugänglich war. Im Moment weiß ich aber noch gar nicht, was ich mit der Geschichte später mache – den allermeisten Leuten dürfte sie zu schräg sein, und wem sie nicht zu schräg ist, der stört sich wahrscheinlich auch an vorherigen Bildern nicht.

Ähm, das war jetzt aber noch nicht der grenzdebile, dilettantische Bilder-Spam (hoffe ich). Der kommt erst jetzt. Denn irgendwie bin ich momentan durch das alles allgemein ein bisschen außerirdisch und musste darum, als meine Ma mir neulich ein Ü-Ei schenkte und ich ein Alien rausbekam, das hier produzieren (ich hoffe, es wird nicht noch schlimmer):



Dienstag, 20. Januar 2015

Klimawandel im Zeitraffer

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Letzte Nacht habe ich geträumt, Lexi wäre bei uns zu Besuch. Soweit noch nicht ungewöhnlich, das soll ja vorkommen. *gg* Sie war allerdings früh morgens beim Aufstehen schon da, obwohl ich mich im Traum an keinen gemeinsam verbrachten Vortag oder -abend erinnern konnte.

Nach dem Aufstehen öffnete ich unser Schlafzimmerfenster, und direkt unter dem Fensterbrett befand sich inmitten von kristallin durchbrochenem Schnee ein noch halb geschlossenes Schneeglöckchen. Das war schon ungewöhnlicher, denn direkt unter dem Fensterbrett geht es in Wahrheit erst mal ein Stück nach unten; wir wohnen im Hochparterre und darunter ist unser Garagentor.

Ich sagte zu Lexi und Georg: »Blöd, jetzt haben wir den Fotoapparat vergessen.«

Ja, blöd. Fanden sie auch. Und so liefen wir einfach ohne ein Foto weiter, die Straße zu unserem Stadtweiher hinunter. Die Sonne schien, und selbst Lexi fand es heiß (obwohl es ihr sonst kaum warm genug sein kann), weil sie unbedingt Georgs Rollstuhl hatte schieben wollen. So ein richtig heller, (für Georg und mich viel zu) heißer Sommertag.

Hier war der Traum zu Ende, zumindest kann ich mich an mehr nicht erinnern. Ich mag Georgs Idee aber sehr, hier ab und zu Träume zu posten.

Die beiden Aufnahmen stammen vom 15. Februar 2014.

Montag, 19. Januar 2015

Irren und Wirren und WOW

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Ich glaube, ich fange mit dem WOW an. Weil manchmal Dinge passieren, mit denen man schon gar nicht mehr rechnet. Und weil das wichtiger ist als das Chaos drum herum.

Heute hat mich tatsächlich der für mich zuständige Mitarbeiter des Jobcenters bezüglich meiner Veröffentlichungen zurückgerufen. Und ... hat so ziemlich alles, was die Mitarbeiterin vom Servicecenter letzte Woche gesagt hat, richtiggestellt und entkräftet.

Es ist nicht wahr, dass ich im Voraus eine Schätzung bezüglich des Einkommens abgeben muss, wenn der Verlag mitteilt, dass das derzeit nicht möglich ist.

Mir wird auch jetzt nichts gekürzt und vor allem nicht die Krankenversicherung gestrichen, solange ich kein Einkommen durch die Veröffentlichungen habe.

Sobald ich die erste Honorarabrechnung erhalte, muss ich diese natürlich angeben und das potenzielle Einkommen wird rückverrechnet. Sollte ich in einem Monat gravierende Einkünfte haben und es zu einer Überzahlung gekommen sein, muss ich das halt zurückbezahlen, aber das ist ja auch vollkommen nachvollziehbar und gerechtfertigt.

Kurz:

Servicecenter: 0 - Persönlicher Ansprechpartner: 1

Oder so.

Leider ist es beim Jobcenter grundsätzlich so, dass man telefonisch nur das Servicecenter erreicht; die Rufnummern der persönlichen Ansprechpartner werden nicht weitergegeben. Ich kann/darf/muss ihm jetzt aber alles an Unterlagen schicken, was ich habe (und hier ohnehin schon fertig bereitliegt), und gehe davon aus, dass die weitere Bearbeitung korrekt ablaufen wird.

Für das Servicecenter ... hab ich gar keine Worte mehr. Die Mitarbeiterin hat zwar alles, was ich ihr gesagt hatte, korrekt an meinen persönlichen Ansprechpartner weitergegeben, aber Menschen dermaßen zu verunsichern, ist für mich einfach unterste Schublade. Ganz besonders eben dann, wenn ein pflegebedürftiger Mensch im Spiel ist, für den auch ein kurzfristiger Wegfall der Krankenversicherung einer Katastrophe gleichkäme.

Der Ausweichvorschlag des Verlags wäre gewesen, mir für das Jahr 2015 als absolutem Ausnahmefall monatlich ein pauschales winziges Einkommen zu bezahlen, statt die Einkünfte von den Verkäufen abhängig zu machen. Das hätte ich zwar toll gefunden, aber wenn ich die Möglichkeit habe, ohne Einschnitte den regulären Weg zu gehen, ist mir das Ganze ohne Extrawurst lieber.

Nuuuun. Hoffen wir weiterhin das Beste.

Im Moment bin ich trotz aller Irren und Wirren einfach nur froh, davon berichten zu können, dass es auch im Jobcenter Menschen gibt, die ihre Kunden verständnisvoll und nicht von oben herab behandeln.

Samstag, 17. Januar 2015

»Komm, Schnullerbacke!«

GD

Hilfe! Obwohl ich es gar nicht schaue, geht die überall grassierende Dschungelcamp-Manie offenbar nicht ganz spurlos an mir vorbei.

So schleichen sich mysteriöse Begebenheiten klammheimlich in meine Träume. Beziehungsweise in meinen Traum von letzter Nacht, welcher der ausführlichste ist, an den ich mich je erinnert habe. In diesem Traum waren die beteiligten Wesen aber um ein Vielfaches putziger als im RTL-Dschungel, glaube ich, zumindest gab es keinerlei Hoden zu essen.

Ich befand mich im Traum auf einer Lichtung in einem dschungelartig anmutenden Wald und erblickte ein Eichhörnchen.

Es schaute mich kurz an, kam ein paar Schritte näher heran und buddelte. An exakt diesem Platz sah der Boden aus, als würde er aus feinem Rindenmulch bestehen. Als es knapp einen Zentimeter gegraben hatte, blickte es mich abermals an, als wollte es sagen: »Buddel doch selber weiter, ich bin doch nicht dein Horst!«

Verduzt sah ich ihm nach, bewegte mich an jene Stelle und scharrte mit den Füßen.

Und jetzt wird es wirklich strange.

Bereits nach zweimaligem Scharren brach der Untergrund auf. Zuerst erblickte ich einen Maulwurf, dessen Grabschaufeln ich in aller Deutlichkeit sehen konnte. Ich streckte die Hände nach ihm aus, um ihn hochzuheben, ein Loch mit ungefähr 30 cm Durchmesser bildete sich um ihn herum und der Maulwurf verwandelte sich in einen jungen Pfeilschwanzkrebs. Ich glaube, in diesem Moment realisierte ich, dass es ein Traum war, denn was dann geschah, entbehrte erst recht jeglicher Logik, was mir auch klar war.

Die Negativlogik von einem berechnenden Eichhörnchen, innerhalb von Sekunden wandelbarem Erdreich und einem Gestaltwandler-Maulwurf-Pfeilschwanzkrebs wurde noch von der Tatsache getoppt, dass sich in dem Loch drei Finger hoch Wasser, ein Haufen Spielzeug und ein Schnuller befanden.

Anstatt mich jedoch längerfristig über all das zu wundern, hielt ich meine Hand an den Wasserrand.

»Komm, Schnullerbacke!«, sagte ich, und der Pfeilschwanzkrebs schien Gesellschaft zu vermissen, denn er vollführte so etwas wie eine Acht um den Schnuller herum und krabbelte auf meine Hand.

An dieser Stelle endete mein Traum, was schade ist, weil die Schnullerbacke den Anschein machte, handzahm zu sein. Ich erkläre mir das Aufwachen so, dass ich durch den Knall der geborstenen Negativlogikskala geweckt wurde.

Jetzt weiß ich irgendwie gar nicht, ob dieses Erlebnis eher zum Label Reales oder Fiktives passt. Ich nehme daher einfach beides und erweitere es um das Label Träume.

Freitag, 16. Januar 2015

Alle guten Dinge

GA

Gestern ist es zum dritten Mal passiert: Wir sind für den Liebster(-Blog-)Award nominiert worden, und zwar von Echolotta, auf Twitter sowohl als Echolotta als auch als Pimpernellchen zu finden.


Inzwischen haben wir unseren inneren Protest gegen solche Kettenaktionen fast komplett abgestreift – vorrangig deshalb, weil es immer so tolle Leute sind, die uns dafür nominieren. Unsere bisherigen Beiträge zum Liebster(-Blog-)Award findet ihr hier und hier.

Diesmal ist allerdings etwas neu: Wir haben endlich begriffen, was eigentlich hinter dieser Aktion steckt. Der Sinn des Ganzen ist es, weniger bekannte Blogs bekannter zu machen.

Ob das klappt? Da sind wir uns nicht ganz sicher; wir fühlen uns seit der ersten Nominierung im Oktober 2014 nicht bekannter als zuvor und unsere Statistiken sind auch nicht in die Höhe geschossen. Aber Spaß am Bloggen ist uns sowieso wichtiger als Bekanntheit, und wenn die Fragen von netten, wirklich interessierten Menschen kommen, lohnt es sich schon allein dafür.

Noch mal jemanden nominieren werden wir wie beim zweiten Mal nicht, da wir uns das beim ersten Mal schon kaum getraut haben. Viele unserer Lieblingsblogger kennen wir gar nicht näher (oder wissen, dass sie solche Challenges nicht mögen), daran hat sich nichts geändert, und wir sind feige. *gg*

Hier kommen aber unsere Antworten auf die Fragen – diesmal unabhängig voneinander aufgeschrieben statt gemeinsam (ja, es darf gelacht werden, uns ging es auch so):

1. Was denkst du über Menschen, die einen Apfel mit Stumpf und Stiel, also samt Kerngehäuse essen?

Alex: Hmm, nichts Spezielles eigentlich. Georg hat das früher relativ oft gemacht und es hat mich erstaunt, weil ich das Gehäuse im Leben nicht runterbekäme, aber sonst hatte ich dazu keine speziellen Gedanken.
Georg: Na ja, eigentlich gehöre ich auch zu dieser verschlagenen Truppe. Zumindest früher war das so.

2. Ich habe so einige Wochen meines Lebens auf der Suche nach meinem Schlüssel verbracht. Kennst du das?
Alex: Ja, gerne sogar mit selbigem in der Hand.
Georg: Ja, aber nicht von mir! Meine Mutter ist eine chronische Schlüsselverlegerin – das ging so weit, dass meine Schwester und ich ihr einen Schlüsselfinder geschenkt haben. Jedoch war das wohl eher als Scherzartikel denn als echte Hilfe gedacht; laut Produktinformation genügt ein Pfiff zum Auffinden des stählernen Gesellen, Fakt war aber, dass der Finder bei jedem höheren Geräusch durch einen nervenden Piepton auf sich aufmerksam gemacht hat.

3. Wie bekommt man unsportliche Menschen von der Couch?
Alex: Je nachdem, wie lange sie schon unsportlich sind, vielleicht mit einem Kran. *gg* (Ich möchte mich hiervon übrigens mit aller Entschiedenheit ausschließen. Ich hasse zwar Sport wie Kaugummi im Haar [außer Crosstrainerlaufen, Crosstrainerlaufen ist giga!], aber wenn ich mich nicht ausreichend bewege, weiß ich ehrlich nicht mehr weiter.)
Georg: Kein Sport (oder KG-Übungen für zu Hause) = kein Essen. Ich bin zwar auch nicht die Sportskanone schlechthin, aber ja, so was macht Alex tatsächlich mit mir.

4. Von Katzen lernen heißt: Egal, wie viel Spielzeug herum liegt, am spannendsten ist der neue Karton. Aber was genau lernt man davon?
Alex: Vielleicht, dass neue Erfahrungen wertvoller sind als Besitz. Oder dass man sich gar nicht so sehr darum kümmern muss, immer alles parat zu haben, weil das Wichtigste gar nicht so schwer zu bekommen ist, wenn man es braucht.
Georg: Keine Ahnung – von Katzenpädagogik versteh ich leider nichts (= ich bin zu faul, mir gerade wirklich tiefgreifende Gedanken zu machen).

5. Hast du eine Strategie zur Bewältigung von Angst?
Alex: Nicht wirklich, nein. Bloß weiterleben.
Georg: Wenn man immer von der schlimmstmöglichen Konsequenz ausgeht, gibt es keine Angst, nur Überraschungen. (Nein, ganz so schlimm ist es nicht, aber chronischer Pessimismus [und das Hinnehmen dessen, was passieren könnte] hilft mir manchmal schon weiter.)

6. Hast du Kollegen schon einmal einen Streich gespielt?
Alex: Ich glaube nicht, zumindest erinnere ich mich an keinen bewusst. Aber ich bin einmal minutenlang abgebrochen vor Lachen, als ein gehbehinderter Kollege im Archiv auf den Boden gefallen ist (er hat sich nicht verletzt) und wie ein Käfer mit Armen und Beinen gezappelt hat, und er schimpfte die ganze Zeit, der dritte Kollege im Bunde und ich sollten ihm hochhelfen, aber wir konnten einfach nicht, weil wir kaum Luft bekamen vor Lachen. Mit diesen beiden Kollegen haben Georg und ich während der Büroausbildung auch privat öfter mal was unternommen, und zum Käferkollegen hat Georg einmal im Halbschlaf »Ich liebe dich« gesagt. Wenn das nur auch Gregor Samsa passiert wäre!
Georg: Klassische Streiche nicht, aber Aufziehen schon. »Ohne Ö fehlt dir was!« (Im Nachhinein eingefügt: Das ging an den Käferkollegen. Warum, wird nicht verraten. *gg*)

7. Warum klingelt der Wecker immer zu früh?
Alex: Ich glaube, weil Nächte oft zu schlaflos sind. (Oder weil Menschen oft am liebsten das haben wollen, was sie nicht haben können, und das beim Weckerklingeln eben der Schlaf ist.)
Georg: Weil ich leider keine Ahnung habe, hier ein hochgestochen klingender Satz, der davon auf pompöse Weise ablenken soll: Wenn man ihn nicht vergisst zu stellen, ist man selbst schuld, wenn durch ein lieblich-romantisches Piepsen, Rattern oder sonstiges nervtötendes Getön die schlaftrunkene Nachtruhe von der Pflicht durchbrochen wird. (Äh?)

8. Was ist schlimmer als zwei Blockflöten?
Alex: ... Drei Blockflöten? (Im Nachhinein eingefügt: Dann würde in dem Fall aber das Alle-guten-Dinge-Ding nicht passen, vermutlich ist es doch etwas anderes.)
Georg: Eine Blockflöte. ^^ (Im Nachhinein eingefügt: Ich hatte recht! Hoffe ich.)

9. Was ist das früheste Erlebnis deiner Kindheit, an das du dich erinnern kannst?
Alex: Meine erste echte Erinnerung ist von massiver körperlicher Gewalt geprägt, die möchte ich hier nicht schildern. Ich gleiche das mit einer anderen Erinnerung aus: In meiner frühen Kindergartenzeit besaß ich ein helltürkisblaues T-Shirt, auf dessen Brustteil mit winzigen Perlen (außen waren sie transparent, innen türkis) ein Schmetterling gestickt war. Als ich es zum ersten Mal im Kindergarten trug, sagte meine Erzieherin zu mir, dass es überall glitzert, wo ich hinkomme. Als wenig später Kinderfest im Kindergarten war, durfte ich das T-Shirt wieder tragen und bekam Plastikbänder in fast der gleichen Farbe in die Haare gebunden. Das ist eine der schönsten Erinnerungen, die ich habe.
Georg: Da gibt’s zu viel Unerfreuliches bezüglich Chemo, an das ich mich nicht gern ausführlich erinnern möchte.

10. Kaffee oder Tee?
Alex: Kaffee am Morgen, Tee am frühen Nachmittag, Kaffee noch mal am späten Nachmittag. Komischerweise hatte ich 2012 mal eine Phase, in der ich kaum Kaffee trinken konnte und mir sogar von Tchibo-Spezialitäten schlecht wurde; die hat zum Glück aber nicht arg lange angehalten.
Georg: Beides – und viel davon!

11. Wünschst du dir was, wenn du eine Sternschnuppe siehst?
Alex: Ich hab leider noch nie eine live gesehen. Manchmal wünsch ich mir spaßeshalber aber was, wenn ich Georg eine Wimper von der Wange pflücke und er mir den Wimpernwunsch schenkt.
Georg: Nein, bzw. ich habe eigentlich noch nie eine live gesehen. Wir haben bloß manchmal den einen oder anderen Wimpernwunsch.

Donnerstag, 15. Januar 2015

Freie Entscheidungen

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Hmm, es ist tatsächlich eingetreten, worüber ich gestern schon nachgedacht hatte: Einige Menschen raten mir nun dazu, von den Veröffentlichungen abzusehen, weil »es den Ärger nicht wert ist«. Lustigerweise sind darunter auch welche, die mich zuvor schon zigmal gedrängt hatten, endlich mal ernsthaft zu versuchen, etwas zu veröffentlichen, weil »das Schreiben doch sonst keinen Sinn macht«.

Ähm. Also. Nur, um es noch mal ganz deutlich zu machen: Ich hatte nicht vor, irgendetwas rückgängig zu machen. Es ist mir nicht vordergründig wichtig, ob »es den Ärger wert ist«. He, ich werd weder reich noch bekannt dadurch, und ich hatte nie einen großen Traum, den ich unbedingt verwirklicht haben muss. Darum geht es nicht. Mir ist in Bezug auf diese Sache nur wirklich wichtig, ein Mensch zu sein und zu bleiben, der freie Entscheidungen treffen kann und von diesem Recht auch Gebrauch macht.

Wer ganz knallhart sagt: »Mach es auf jeden Fall trotzdem«, ist Georg. Weil wir bezüglich solcher Dinge einfach sehr ähnlich ticken.

Als Mensch, der Vollzeit arbeitet, Sozialleistungen zu brauchen, um überhaupt krankenversichert zu sein, reicht mir an Demütigung schon aus – anderweitig einschüchtern lasse ich mich nicht.

Und: Schon gestern habe ich einen Lösungsvorschlag vom iFuB Verlag bekommen, den ich persönlich toll finde. Und noch toller finde ich das Team dort, das sich ernsthaft Gedanken um die Probleme einer einzelnen, komplett unbekannten Autorin macht und versucht, zu helfen. Jetzt hoffe ich, dass das Jobcenter damit dann zufrieden ist – Konkreteres blogge ich diesbezüglich, wenn alles geklärt ist; bislang hat mich leider niemand zurückgerufen.

Euch tausend Dank für eure gestrigen Kommentare und Mails! ♥

Mittwoch, 14. Januar 2015

Hallo, Würde. Du kommst wieder nicht zum Kaffee, was?

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Nach zahlreichen vergeblichen Versuchen habe ich heute endlich das Jobcenter telefonisch erreicht. Von diesem bin ich im Rahmen meiner Pflegetätigkeit existenziell abhängig, da häusliche Pflegepersonen in Deutschland für ihre Arbeit weder ein Gehalt noch eine Krankenversicherung bekommen.

Es ging vorrangig um meine geplanten Veröffentlichungen beim Verlag in Farbe und Bunt. Konkreter: um die Frage, wie sich ein potenzielles Einkommen (dessen Höhe derzeit nicht abschätzbar ist, da der Verlag ein Start Up ist und selbst noch nicht weiß, wie die Verkaufszahlen aussehen werden) auf meine Leistungen und vor allem unsere Krankenversicherung auswirken wird. Letztere ist leider an diese Leistungen gekoppelt; »nur Krankenversicherung« gibt es nicht, selbst wann man so zurechtkäme.

Ich sollte mich eigentlich gar nicht mehr wundern, tue es aber trotzdem: Womöglich falle ich aus dem Leistungsbezug, nur weil ich überhaupt ein Einkommen in Aussicht habe.

Eine Möglichkeit, das zu umgehen, wäre, wenn ich vom Verlag eine Prognose bekäme, wie viel ich monatlich verdienen werde. Was vermutlich überhaupt nicht machbar ist, die Veröffentlichung eines Buches ist schließlich nicht mit einem Festgehalt gleichzusetzen. Ich bin aber gesetzlich verpflichtet dazu, dem Jobcenter diese Prognose mitzuteilen, und müsste das ansonsten selber schätzen. In dem Fall würden sie mit einem fiktiven Einkommen rechnen, und die Seite, die bei der endgültigen Abrechnung zu viel Geld hat (also zu viel erhalten oder zu viel einbehalten), müsste das ausgleichen. Sollte ich dann auch nur in einem einzigen Monat mehr durch die Bücher eingenommen haben, als mir an Leistung zusteht, wird auch die Krankenversicherung für diesen Monat gestrichen. Unabhängig davon, dass das kein Dauereinkommen ist.

Wenn ich keine Schätzung abgeben kann, fliege ich vorsorglich aus der Leistung und habe ab dem Zeitpunkt der ersten Veröffentlichung auch keine Krankenversicherung mehr, und Georg als Familienversicherter damit auch nicht. Dass ich gar nicht arbeitslos bin, er schwer pflegebedürftig ist und wir auch vom Pflegegeld leben (das nur fließt, wenn die Krankenversicherung nahtlos weiterläuft), lassen sie als Argument nicht gelten; das ist unser Problem.

Ich habe darauf bestanden, dass mich ein Mitarbeiter der zuständigen Abteilung persönlich zurückruft; bislang habe ich ausschließlich mit einer Mitarbeiterin aus dem Service-Center gesprochen. Das wird zwar nichts an den Tatsachen ändern, aber ich möchte schlichtweg wissen, wer konkret in diesem ganzen Fall mein Ansprechpartner ist.

Ich kann verstehen, wenn Menschen mir jetzt raten, einen Rückzieher zu machen. Der Verlag ist so neu und klein; ich werde mit den Büchern keine Reichtümer verdienen. Schon gar nicht dauerhaft. Ich bin in erster Linie Pflegeperson, keine Berufsautorin (weshalb die Künstlersozialkasse mich nicht aufnehmen wird). Und einfacher wäre es garantiert, dem Verlag zu sagen, dass ich unter diesen Umständen nicht veröffentlichen kann – die Leute da sind so nett und verständnisvoll, dass sie die Verträge annullieren würden, da bin ich mir sehr sicher.

Ich weiß natürlich, dass ich eine Verantwortung habe. Ich bin dafür verantwortlich, dass Georg dauerhaft krankenversichert ist, und mir ist bewusst, dass es eine halbe Ewigkeit dauern würde, ihn anderweitig zu versichern, wenn ich aus der KV rausfliege. Es wäre klüger, zu sagen: Das kann ich SO nicht machen.

Aber wir beide, Georg ebenso wie ich, sind der Meinung: Wenn wir uns von diesem Staat derart einschränken und unter Druck setzen lassen, können wir uns auch gleich umbringen.

Es geht nicht um etwas Großes. Es geht nicht um gigantische Auflagen. Keiner wird mich als bekannte deutsche Autorin sehen und wir werden auch nicht reich dadurch.

Aber es geht darum, etwas tun zu können.

Nicht vor einem Staat in die Knie zu gehen, dem eigentlich vor die Füße gekotzt gehört. Weil er Menschen, statt sie in ihrer Selbstständigkeit zu unterstützen, bereits im Vorfeld so sehr einschüchtert, dass sie sich fragen müssen, ob ihre eigene Leistung all diese Schwierigkeiten überhaupt wert ist. Ob sie nicht lieber reglos verharren sollten, wo sie sind, weil alles andere ihre Existenz gefährdet.

Vielleicht kriegen wir es ja hin, ein Einkommen durch die Bücher zu schätzen. Ob und wie lange das überhaupt fließen wird, kann im Moment aber wirklich keiner mit Sicherheit sagen.

Zum Kaffeetrinken kommt die Würde sicher nicht zu uns. Aber wenn wir uns ab und zu zufällig begegnen, lassen wir sie zumindest nicht so tun, als würde sie uns nicht kennen.

Freitag, 9. Januar 2015

Jeder Blick

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Die Welt schaut auf Paris, und jeder Blick schmerzt. Was seit der Ermordung der Journalisten von Charlie Hebdo und der Polizisten in den Medien und in den sozialen Netzwerken los ist, ist unbeschreiblich – aber zu weiten Teilen gut so. Wichtig so. Und ehrlich gemeint.

Was mich gerade aber (nicht zum ersten Mal) total mitnimmt und verstört, ist, dass Menschen immer dort ganz besonders betroffen und solidarisch auftreten, wo etwas ihre eigene Komfortzone bedroht – während ähnliche, dem Umfang nach größere Gräueltaten weitgehend unbeachtet im Informationsstrom versickern.

Paris? Überall wird brandaktuell berichtet, was sich tut. LIVETICKER. Hetze und Instrumentalisierung, wohin man schaut. Aber in all dem Taumel tatsächlich auch echte, ehrliche Trauer.

Nigeria? Heute schon kein Thema in der Tagesschau mehr.

Klar könnte man sagen: »Es geschieht so viel Schlimmes auf der Welt; wenn man da alles an sich heranließe, würde man doch verrückt werden.« Und natürlich stimmt das ein Stück weit. Natürlich stumpft man ab, wenn man täglich mit grausamen Nachrichten konfrontiert wird, das geht vermutlich nahezu jedem Menschen so, und wäre das anders, wären die Folgen für die eigene Psyche gravierend.

Aber was mich so mitnimmt und verstört, ist die Selbstverständlichkeit, mit der die Welt ihren Blick auf eine Einzeltat richtet und so himmelschreiend empört ist, dass es LIVETICKER braucht, während vergleichbare Ereignisse zur selben Zeit nahezu ignoriert werden. Selbst von seriösen Medien.

Weil das (vermute ich) ja so weit weg ist. Weil zweitausend Tote in Nigeria ja weder unserem Leben noch unserem Verständnis von Freiheit wirklich nahekommen können und unser eigenes Wohlbefinden damit nicht gefährden. Da schalten die Leute womöglich ab.

Ebola? Furchtbar, darüber muss man berichten, und ohne einen Schuss Panik geht gar nichts. (Weil, ist ansteckend.)

Hunger? Verseuchtes Trinkwasser? Das kann man doch nicht nach Europa einschleppen, oder? Wozu also aufregen?

Ich bin in vielerlei Hinsicht auch abgestumpft. Und genau deshalb haben mich die Ereignisse rund um Charlie Hebdo nicht dermaßen mitgenommen wie so viele andere. Es ist furchtbar, es ist grausam, es ist durch nichts zu rechtfertigen – aber das ist für mich jeder Blick auf jeden Terrorakt auf der Welt. Auf jeden Krieg, auf jeden Tod durch solche Ereignisse.

Vielleicht, weil ich mich den Menschen und Rechten in meiner Nähe nicht wesentlich näher fühle als denen anderswo. Weil ich die Menschen und Ideale, denen ich mich wirklich und uneingeschränkt nahe fühle, an einer Hand abzählen kann.

Das ist wahrscheinlich nicht gesund. Aber ich kann es nicht ändern. Mir ist klar, dass vereinzelte prominente Tote, die für eine wichtige Sache standen und ein klares Profil hatten, mehr Aufmerksamkeit erregen als Tausende anonyme Tote in einem Land, in dem es kaum eine vernünftige Telefonverbindung gibt. Aber ich fühle es nicht.

Ich lasse gerade in zwei Tabs auf Twitter die neuesten Ergebnisse für #Nigeria und #CharlieHebdo laufen. Wir sind nach knappen zehn Minuten bei:


Das sehe ich und fühle ich und könnte deswegen heulen, aber wenn ich heule, sehe ich überhaupt nichts mehr, also lasse ich das. (Ich bin tatsächlich ein Mensch, der in den meisten aller Fälle bewusst entscheiden kann, ob er sich erlaubt zu weinen oder nicht. Auch nicht gesund, schätze ich, aber da bin ich eigentlich ganz froh drum.)

Was ich mit diesem Post konkret ausdrücken möchte, weiß ich eigentlich selbst nicht. Vielleicht, dass ich glaube, dass sich niemals irgendetwas nennenswert ändern kann, solange Solidarität etwas ist, das vorrangig dann entsteht, wenn die eigene Welt ins Wanken gerät, während der Rest der Erde hinter einem Schleier verschwindet, den zu lüften zu viel Kraft kosten würde.

Es ist okay, wenn hier nun heftiger Gegenwind kommt (außer Antworten von rechten Arschlöchern, die werden kommentarlos gelöscht). Und es ist okay, wenn überhaupt nichts kommt. Abgestumpft bin ich so oder so.

PS: Extremistischer Terror trifft auch jene, denen die mentalen Einzeller von Pegida, Front National und Co. ihn gern in die Schuhe schieben möchten.

PPS: Ich bin übrigens gläubig. Religiös war ich nie.

Donnerstag, 8. Januar 2015

Letztendlich sind wir dem Universum egal

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Gestern habe ich ein Buch zu Ende gelesen, das mich auf ganz merkwürdige Weise bewegt zurückgelassen hat. Und schon da dachte ich: Das ist so toll, das will ich unbedingt auf dem Blog vorstellen. Un-be-dingt.

Darum haben wir uns überlegt, hier ein neues Label anderer Art einzuführen: Empfehlungen.

Empfehlen werden wir allerdings nicht ausschließlich veröffentlichte Bücher, sondern auch Online-Juwelen, die aus unserer Sicht problemlos mit ihren gedruckten Kollegen mithalten können. Auch Filme, die uns auf besondere Weise überzeugt haben, möchten wir kurz hier vorstellen, vielleicht auch Musik – alles, was uns eben wirklich, wirklich gut gefallen hat und uns nachhaltig beschäftigt.

Alles in allem wird es solche Einträge aber vermutlich nicht allzu oft geben, denn es braucht schon einiges, um uns SO vom Hocker zu reißen (... stellt euch jetzt Georgs Gesicht vor), wie dieses spezielle Buch es bei mir geschafft hat.

Es geht um Letztendlich sind wir dem Universum egal von David Levithan.

Cover: © Fischer FJB

Darauf aufmerksam wurde ich, weil Lexi so begeistert davon war, und als sie über Silvester und Neujahr bei uns war, hat sie es mir mitgebracht und ich habe es innerhalb weniger Tage gelesen – obwohl ich für gewöhnlich eine grottenlahme Leserin bin.

An Der Circle von Dave Eggers kaue ich schon seit Wochen rum und komme nicht nennenswert weiter – das Buch wird zwar als regelrechte Offenbarung und absoluter Pageturner gehypt, aber auch nach über 100 Seiten bleibt die Hauptfigur ziemlich blass und öde für mich, sodass ich kaum motiviert bin, ihr weiter durch ihre (zugegebenermaßen krassen und leider beängstigend realitätsnahen) Erlebnisse zu folgen.

Ob eine Geschichte mich berührt, hängt im Wesentlichen davon ab, wie nahe ich mich der Hauptfigur fühle. Wie sehr ich die Hauptfigur mag und ... ja, auch als Person schätze. Das muss kein netter Mensch sein (haha, wie sehr ich mich sonst selber hassen müsste), aber ein emotional für mich zugänglicher. Und das ist der Grund, warum Letztendlich sind wir dem Universum egal mich dermaßen umgehauen hat.

Der Klappentext:

»Jeden Tag bin ich jemand anders. Ich bin ich – so viel weiß ich – und zugleich jemand anders. Das war schon immer so.«

Jeden Morgen wacht A in einem anderen Körper auf, in einem anderen Leben. Nie weiß er vorher, wer er heute ist. A hat sich an dieses Leben gewöhnt, und er hat Regeln aufgestellt: Lass dich niemals zu sehr darauf ein. Falle nicht auf. Hinterlasse keine Spuren. Doch dann verliebt A sich unsterblich in Rhiannon. Kann sie jemanden lieben, dessen Schicksal es ist, jeden Tag ein anderer zu sein?



A ist um die 16 Jahre alt und eigentlich kein Er (oder besser: nicht ausschließlich ein Er), wird hier aber in Ermangelung eines Unisex-Personalpronomens als Er bezeichnet.

Die Geschichte selbst ist in der Ich-Form geschrieben, und man merkt schnell, dass A sich selbst tatsächlich keinem der Geschlechter mehr zuordnet als dem anderen. Auch, als er_sie einmal im Körper eines transidenten Jugendlichen steckt, haut ihn_sie das nicht um, im Gegenteil.

Was (bzw. wer) A umhaut, ist Rhiannon – und die heftigen Gefühle für sie werfen As bisherigen Umgang mit all den verschiedenen Leben völlig über den Haufen. Durch sie werden die Umstände, die A im Lauf seiner_ihrer Existenz irgendwann als unveränderbar hingenommen hat, zu etwas, das plötzlich (wieder) Druck erzeugt, positiven wie negativen. A wird in vielerlei Hinsicht »jünger«, teenagerhafter, als er_sie es sich bislang erlauben konnte. Und bleibt in sich, für sich selbst doch beständiger als die meisten anderen Menschen das jemals von sich behaupten könnten. Heftige Leistung für einen 16-jährigen Menschen, klar, aber angesichts As bisheriger Existenz durchaus realistisch.

Letztendlich sind wir dem Universum egal ist eine leise Geschichte, weil A ein leiser Charakter ist. Dramatisches Getöse oder Gefahr für Leib und Leben existieren nicht in diesem Buch. Selbst das Ende ist, genau wie A als Person, sehr still und tief. Ich liebe es.

Mein einziger kleiner Kritikpunkt: Ich habe nicht vollständig begriffen, warum es nach As bisherigem Leben ausgerechnet Rhiannon war, die ihn_sie derart bewegt hat. Rhiannon ist sympathisch und vor allem nicht zu glatt und perfekt, aber niemand, der sich gravierend von anderen Menschen unterscheidet und damit einen solchen Umbruch »rechtfertigt«. Aber rechtfertigen muss A sich auch für nichts, finde ich. Gefühle halten sich nicht an Regeln, und genau darum geht es ja. Insofern passt das eigentlich auch wieder. Wir suchen uns nicht aus, in wen wir uns verlieben.

Wem ich dieses Buch besonders empfehle? Allen, die ungewöhnliche Lebens- und Liebesgeschichten mögen. Allen, die meine Geschichten mögen. Ich glaube, ich kann fast sagen, das Buch ist ein bisschen wie meine Sachen – nur in besser.

Das Ende bietet ausreichend Raum für eine potenzielle Fortsetzung, braucht aber nicht zwingend eine. Ich bin einfach nur begeistert.

(Und jetzt sehr glücklich, dass ich das Buch unversehrt in eine Plastikhülle [= Gefrierbeutel] packen kann, bis Lexi im April wieder herkommt. Sie hat mir nämlich mal geschrieben, dass sie Bücher wegen schlechter Erfahrungen diesbezüglich nur noch ohne Schutzumschlag verleiht, und das ist jetzt schon das zweite Buch, das sie mir mit Umschlag gegeben hat, und ich stehe große Ängste aus, irgendwie, irgendwo, irgendwann mal einem Buch von ihr an irgendeiner Stelle einen Knick oder so zu verpassen.)

Mittwoch, 7. Januar 2015

Herzlos (...) ins neue Jahr

(Ja, das klingt falsch ...)

GD

Inzwischen haben wir Silvester und unseren 8. Jahrestag (Neujahr) heil überstanden, waren glättebedingt (und ich zusätzlich erkältungsbedingt) in der ersten Woche 2015 aber so gut wie gar nicht draußen, im Grunde bloß zum Lebensmittelkauf.

Gestern dachten wir uns dann, wir nutzen die Zeit mal, um dem Blog ein komplett neues Design zu verpassen. Kleine Änderungen gab es ja schon im Herbst 2014, aber wir wollten gern mal wieder etwas komplett anderes. Selbst unser Icon haben wir nach einiger Überlegung gegen ein neues getauscht – unser Herz, an dem wir extrem hängen, musste dem blauen Schneckenhaus aus Abandoned weichen, das wir nun auch auf Twitter als Ava verwenden, weil das Herz einfach (leider) eine so miese Bildqualität hat und wir mal Lust auf etwas ganz Frisches hatten.

Wir hoffen, euch gefällt das Design (und dass wir in den alten Posts nicht allzu viel Unleserliches editieren müssen; der Hintergrund war zuvor ja dunkel. Das meiste müsste aber gehen).


Unsere diesjährige Hyazinthe; wir bekommen fast jährlich eine von einer lieben Bekannten geschenkt.