Dienstag, 31. März 2015

Husten, Schokolade und Co.


Georg:

Ich habe es diese Woche sehr zu schätzen gewusst, dass ich nicht allein bin und Alex wegen meines Hustens eine Nacht durchgemacht hat.

Ich esse am Liebsten weiße, Kokos- und Nougat-Schokolade.

Mein Smartphone benutze ich am Meisten zum Nichtbesitzen.

Ich trinke meinen Kaffee/Tee immer mit Milch, aber ohne Zucker.

Wenn ich morgens kein Frühstück bekomme, kann ich das gar nicht leiden.

• • •

Alex:

Ich habe es diese Woche sehr zu schätzen gewusst, dass mein Körper trotz allem doch irgendwie eine coole Sau ist und sich einfach weigert, sich bei Georg anzustecken.

Ich esse am Liebsten Schokolade in Form von Smarties.

Mein Smartphone benutze ich am Meisten zum (siehe bei Georg).

Ich trinke meinen Kaffee/Tee (siehe bei Georg, ich nehme allerdings viel mehr Milch als er).

Wenn ich morgens ausgiebig zugetextet werde, kann ich das gar nicht leiden. Ich fühle mich eigentlich nicht als Morgenmuffel; ich bin sogar gern früh wach – aber ausführliches Gequatsche schätze ich früh am Morgen einfach noch weniger als sowieso schon.

Samstag, 28. März 2015

Eis-Picknick und Uniklinik

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Am Dienstag hatte ich ja geschrieben, dass wir nach der Uniklinik am Mittwoch in eine Konditorei nahe unserer letzten Ulmer Wohnung gehen wollen – da wir aber unerwartet total tolles Wetter hatten (angekündigt war Regen), haben wir den Plan noch mal umgeworfen.

Falls ihr mal was leicht Beklopptes machen wollt:

Packt zu Hause Esslöffel und eine Rolle Küchenpapier ein, kauft euch im Supermarkt eures Vertrauens (= in unserem Fall der, der fast immer alle Häagen-Dazs-Sorten hat) Eis und ein paar Getränke, nehmt das alles mit in einen nahe gelegenen Park (= Wiese mit Bank) und macht ein Eis-Picknick:




Raus kam beim vorherigen Termin in der Neurologie nichts anderes, als wir auch schon beim MRT-Termin erfahren hatten: Irgendwo auf dem Weg von 2006 bis heute ist Georgs Kleinhirn weiter geschrumpft. Uns wurde nach jeder Aufnahme gesagt, es habe sich nichts verändert, weil immer nur der Vergleich zu den jeweils vorherigen Bildern gezogen wurde – die Veränderungen waren aber wohl so minimal, dass sie auf diese Weise gar nicht wahrgenommen wurden. Nur im Direktvergleich zwischen den jetzigen Bildern und denen von 2006 ist ein kleiner Unterschied erkennbar. Fragt uns nicht, wie das möglich ist, das verstehen wir selber nicht.

Fakt ist aber, dass wir aufgrund der massiven Verschlechterungen in der Motorik und teils auch der Merkfähigkeit und Aufmerksamkeit fast erleichtert sind, dass man irgendetwas sieht – weil uns derartige Veränderungen mehr Angst machen, wenn wir keinen Grund dafür kennen. Da das Kleinhirn gravierend am Funktionieren motorischer Abläufe wie auch an der Kognition beteiligt ist, reicht eine minimale weitere Schrumpfung schon aus, um die gegebene Verschlechterung zu erklären.

Eis hilft dagegen zwar nicht, wirkt sich aber positiv auf das Allgemeinbefinden aus. Probiert es mal aus, doch bedenkt, dass so ein großes Eis nicht in jeden Magen passt und dass sich das Nichtschaffen der Portion in freier Wildbahn (... Park ... Wiese ...) schwierig gestaltet – es sei denn, man hat Georg dabei.

Freitag, 27. März 2015

Es gibt Leben, in denen geht jeden Tag die Welt unter

GA

Blogideekasten-Thema Was ich noch zu sagen hätte (eh hier alles untergeht)

Es gibt Leben, in denen geht jeden Tag die Welt unter. Ganz ohne Armeen von Charlies, ganz ohne Flugzeugabstürze, ja, sogar ganz ohne Terror und Flucht. Es gibt Leben, in denen geht jeden Tag die Welt unter, und würden wir es überhaupt bemerken, wenn eines dieser Leben sich in der Parallelstraße, um die Ecke, in der Nachbarwohnung abspielen würde?

Es ist unwahrscheinlich, denn das wäre unbequem. Dann müssten wir nämlich etwas tun, um weiter ruhig schlafen zu können, zumindest, wenn wir unsere in alle Welt hinausposaunte Betroffenheit bezüglich anderer Unglücke ernst meinen. Etwas, das über besagte hinausposaunte Betroffenheit und ein paar Tränchen vorm Fernseher hinausgeht.

Wir riefen in Ulm einmal den Notarzt, weil unser alter russischer Nachbar uns den Tränen nah im Treppenhaus aufhielt und auf sein Herz deutete. Er verstand kein Deutsch, wir kein Russisch, aber was er meinte, war durch seine Gestik klar. Wir kamen mit in seine Wohnung, Notarzt und der Sohn des Mannes trafen ein, der Mann schien letztlich doch nichts Körperliches zu haben, aber zur Sicherheit musste er natürlich dennoch weiter untersucht werden, und fast alle Anwesenden machten uns Vorwürfe, das medizinische Team mit Blicken, der Sohn verbal: »Der ist nur verrückt.«

Vielleicht bist du ja verrückt, Welt, weil du alles und doch nichts siehst.

Es ist leicht, betroffen zu sein, wenn man es in Wahrheit nicht ist. Wäre jeder von uns im Alltag derart interessiert an anderen, wie wir es in medial aufgebauschten Katastrophenfällen sind, wäre die Welt eines Einzelnen natürlich nicht automatisch gerettet, das wäre utopisch – aber vielleicht würde sie ab und zu mal nur straucheln, statt unterzugehen.

Dienstag, 24. März 2015

Dienstagsfüller

GA

Wir haben letzte Woche schon beschlossen, dass wir in dieser Woche gern bei Sallys Dienstagsfüller mitmachen möchten. Womit wir aber nicht gerechnet hatten, war, dass wir ... ähm ... so wenig vom Füller füllen würden. *hust* Aber seht selbst:

Alex:

Ich habe mich diese Woche sehr über die Tatsache geärgert, dass meine Mutter krank zur Arbeit geht, während eine ihrer Kolleginnen wegen jedem quer sitzenden Furz zu Hause bleibt.

Meinen nächsten (Kurz-)Urlaub werde ich in ---- verbringen. (Bislang war ich noch gar nie im Urlaub, außer ein paar Tage in einer Herberge im Allgäu – ich glaub, daran ändert sich auch so schnell nichts.)

Ich habe mir diese Woche ---- gegönnt. (Das kommt erst morgen, da gehen wir nach der Uniklinik in eine Konditorei nahe unserer letzten Ulmer Wohnung.)

Diese Woche habe ich ... zählen Salate? ... gekocht.
Georg:

Ich habe mich diese Woche sehr über mein langsames Schreibtempo geärgert.

Meinen nächsten (Kurz-)Urlaub werde ich in ---- verbringen. (Die Art von Urlaub, die für uns nicht eher Stress bedeuten würde, bzw. Urlaub allgemein ist zu teuer für uns.)

Ich habe mir diese Woche ---- gegönnt. (Siehe bei Alex. *gg*)

Diese Woche habe ich ---- gekocht. (...)

Hm, ja, also. Sehr leer, irgendwie. He, aber wir haben immerhin guten Willen bewiesen. *gg*

Montag, 23. März 2015

Was wir noch zu sagen haben (eh die Reihen offline geh’n)

Ein Lexi-und-Alex-Post

Liebe Menschen,

dieser Post ist stark inspiriert vom am Samstag gezogenen Blogideekasten-Thema Was ich noch zu sagen hätte (eh hier alles untergeht). Als wirkliche Einsendung dazu gilt er wahrscheinlich nicht (oder?), weil es ein Doppel-Post ist, also in der gleichen Form auf zwei Blogs steht, aber wir werden hoffentlich auch noch richtige (= jeweils eigene) Einträge für das Thema hinkriegen.

In erster Linie ist dies hier ein Dankes-Post an alle, die Grenzwandler, AURAund Lichtpunkte der Ewigkeit mitverfolgt haben. In zweiter Linie ist es ein Erklär-Post, was wir eigentlich vorhaben.

Der Titel sagt es bereits zum Teil: Die Reihen werden im Lauf dieser Woche (wahrscheinlich schon morgen) offline gehen bzw. in Blog-Form privatisiert werden.

Warum?

In Bezug auf LdE ist der Grund schneller und leichter erklärt: Diese Serie war ja von Anfang an die Reinform von Für-uns-selbst-Schreiben, und nun, wo sie über ein halbes Jahr öffentlich zur Verfügung stand, fühlen wir uns letzten Endes doch wohler damit, sie wieder in den privaten Unser-Schatz-Bereich zu verfrachten. Das fühlt sich einfach besser, richtiger an. Weiterhin gilt aber natürlich, dass alle, die (uns bekannt sind und) das möchten, die Reihe gern als PDF von uns bekommen können.

Bezüglich der Wurzeln (haha, Wurzeln!) der Lichtpunkte ist es etwas komplizierter und soll momentan auch noch gar nicht detailliert durchgekaut werden. Nur so viel: Der Entschluss, auch diese Reihen offline zu nehmen, hat etwas mit diesem Traum zu tun – und damit, dass wir aus allen bisherigen Geschichten etwas noch Größeres, Komplexeres, aber auch noch Tolleres machen möchten. Am Inhalt wird sich nichts Nennenswertes verändern, wodurch das Crossover unangetastet bleibt, nur an der Form und ... dem Titel bzw. den Titeln.

Dazu gibt es natürlich Neuigkeiten, sobald es endgültig so weit ist – das kann allerdings noch eine gute Weile dauern, da wir momentan noch an Seth und Puls arbeiten (da aber weiterhin getrennt voneinander, ein neues Crossover ist mit diesen Welten definitiv nicht von uns geplant).

Für alles Betroffene gilt ebenfalls: Natürlich bekommen uns bekannte Leser von uns gern die bisherigen Geschichten als PDF. Wir möchten euch nichts wegnehmen und uns selbst erst recht nicht – (Pathos!!) diese Welten gehen nur unter, um eines Tages wieder aufzuerstehen. Neu und funkelnd, wie ein mit Gold übergossenes Atlantis aus Worten oder so. Und jeder, der dort zuvor schon einmal gewesen ist, wird es sofort wiedererkennen, weil jede Gasse im Grunde dieselbe bleibt.

Und nun: Ein großes abschließendes Danke an alle, die unsere verknüpfte Geschichtenwelt gelesen haben! Wir möchten euch nicht enttäuschen oder vor den Kopf stoßen – das PDF-Versprechen gegenüber uns bekannten Lesern gilt in jedem Fall. ♥

Donnerstag, 19. März 2015

Backen: Osterlamm und Osterhase aus Eierlikörteig

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Irgendwie fasse ich es kaum, dass Weihnachten nun schon wieder fast drei Monate her ist und Ostern vor der Tür steht. Dennoch habe ich mich gestern mal an vorösterlichem Backen versucht – ein Osterlamm und einen Osterhasen aus Eierlikörteig.


Es war damit einverstanden, ehrlich!

Auf den Gedanken gekommen bin ich wegen Lexis Post Etwas von meinen Kinderwurzeln, in dem sie auch von ihrer Oma mütterlicherseits erzählt hat. Diese hat Lexi im September 2013 besucht, nachdem sie ihren Geburtstag bei uns verbracht hatte, und mit ihr etwas von dem Geburtstagskuchen gegessen, den ich gemacht hatte und der aus dem gleichen Teig war.

Wenige Monate später ist Lexis Oma gestorben, und irgendwie war es »schön«, zu wissen, dass sie noch zusammen »meinen« Kuchen gegessen haben und die Oma ihn total gern mochte.

Nach dem Lesen des Posts dachte ich jedenfalls: Diesen Kuchen hab ich ja schon ewig nicht mehr gebacken – den Teig könnte ich aber auch mal in die Oster-Backformen füllen. Und das habe ich dann eben gestern gemacht, und das Ergebnis ist sehr lecker.

Falls sich jemand daran versuchen möchte, kommt hier das Rezept:

Backformen für Oster-Figuren gibt es zurzeit in vielen Geschäften (das Lamm fasst 1 Liter, der Hase ½ Liter) oder auch online. Unsere sehen so aus:


Die aus den folgenden Zutaten entstehende Teigmenge könnt ihr aber auch problemlos in eine ganz normale Napfkuchenform füllen:

Zutaten für den Teig:

- 400 Gramm Mehl
- 200 Gramm Zucker
- 1 Prise Salz
- 1 Päckchen Vanillezucker
- ½ Päckchen Backpulver
- ¼ Liter Öl
- ¼ Liter Eierlikör
- 3 mittelgroße Eier

Falls ihr die Figuren backen und dekorieren wollt:

- 400 Gramm Schokolade oder Kuvertüre nach Wahl
- Kleine Schokolinsen oder Lebensmittelfarbe
- Puderzucker für das Lamm
- Oder eine andere Glasur und Deko eurer Wahl

Zum Vorbereiten der Form(en):

- Etwas Butter
- Etwas Mehl

Zubereitung:

Die Figuren-Formen (oder die Napfkuchenform) einfetten, leicht bemehlen und auf einem Backblech bereitstellen.

Den Backofen auf 170 °C vorheizen.

Sämtliche Teig-Zutaten in eine hohe Schüssel geben und erst sachte verrühren, ohne das Rührmixgerät anzuschalten. Dann erst das Gerät anschalten und die Zutaten einige Minuten lang gründlich durchrühren (dabei zwischendurch auch immer mal wieder den Teig von den Schüsselwänden schaben und unterrühren), bis der Teig glatt ist. Er sollte eine zarte, puddingartige Konsistenz haben – ist er zu dick, bitte noch etwas Öl und Eierlikör dazugeben; ist er zu flüssig, stattdessen etwas Mehl.

Den Teig in die Figuren-Formen oder die Napfkuchenform gießen, jedoch zu maximal ¾ befüllen.

Das Backblech auf der mittleren Schiene in den Ofen schieben. Die Figuren 30 bis 40 Minuten lang backen (bitte Teig im Auge behalten und Stichprobe machen), den Napfkuchen 50 bis 60 Minuten (hier gilt Selbiges).

Die Backzeit gebe ich deshalb so ungenau an, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass sie je nach Ofen und Teigkonsistenz variiert – ein Teelöffel Mehl mehr oder weniger entscheidet manchmal über ein paar Minuten Backzeit. Daher am besten wirklich in der Nähe bleiben und den Teig beobachten.

Fertig ist der Teig dann, wenn seine Oberfläche eine leicht goldbraune Färbung hat und bei der Stichprobe nichts mehr am Spieß klebt. Sollte noch Teig am Spieß kleben, der Teig oben aber bereits braun sein, für die weitere Backzeit ein Stück Alufolie über die Form(en) legen.

Witzig ist: Obwohl in die Hasen-Form nur halb so viel Teig passt wie in die Lamm-Form, war der Hase mit diesem Teig befüllt nicht schneller fertig. Beide Formen habe ich nach knapp 35 Minuten aus dem Ofen geholt.

Sowohl die Figuren als auch der Napfkuchen sollte(n) in der jeweiligen Form vor dem Herausnehmen/-stürzen auskühlen. Glasur und Deko sind ganz eurer Laune und Kreativität überlassen.

Ich habe die Schokolade im Wasserbad geschmolzen, die Figuren erst auf der einen Seite liegend ringsum bestrichen, Schokolinsen (und beim Lamm Puderzucker) darauf gegeben, das Ganze fest werden lassen und es dann auf der anderen Seite wiederholt.


Schlicht mit Puderzucker bestreut sehen die Figuren aber ebenfalls sehr hübsch aus, finde ich.

Viel Spaß, falls es jemand versucht!

Dienstag, 17. März 2015

Wurzeln #4 – »Durchschreite den magischen Riesenpenis!« und andere packende Wurzelschicksale

GA

[ ~ Ja, das musste sein. Alles heute nach der Neuro-KG fotografiert. ~ ]

An einem sonnigen Märzmorgen erwachte Karl-Otto aus dem Koma.

Mein neues Leben – Wurzeln berichten ...

Meredith: »Danke an alle, die immer an mich geglaubt haben!«

»Durchschreite den magischen Riesenpenis!« – Ihr Friseurbesuch brachte Edelgard eine Psychose ein.

»Alle haben mich angestarrt!« – Tamara-Jacqueline brachte Trieb Justin-Dustin in aller Öffentlichkeit zur Welt.

Lene wurden sämtliche Ressourcen gekürzt, doch sie will weiterkämpfen.

Meike und Tim, Freunde von Lene, sind aufgrund der prekären Bodenlage bereits umgezogen.

»Ein Schicksalsbericht über meine Wurzeln? Leckt mich am Arsch!«

»Der zeigt uns an, wenn wir weitersenden!«

»Dann blenden wir zum Abschluss einfach ein paar niedliche Tierbilder ein ...«






Montag, 16. März 2015

Wurzeln #3 – In hohem Bogen

GD

Zum Thema Wurzeln schießen mir viele verschiedene Ideen durch den Kopf, und es ist nicht leicht, ohne qualifizierte Entscheidungshilfe einer davon den Vorzug zu gewähren.

[Pathos]Jede davon drängt sich energisch in den Vordergrund, jede möchte genannt werden, Gehör finden, sodass es mir wohl nicht erspart bleiben wird, noch einige Beiträge zu diesem großartigen Projekt zu schreiben. *gg* Ob mir dies in den wenigen Tagen bis zur Deadline noch gelingen mag, sei dahingestellt. *hust* Aber theoretisch passen die meisten dieser Geschichten auch zum Label Erinnerungen, auch wenn Wurzeln darin vorkommen. Bestimmt wird es mir möglich sein, einer jeden von ihnen eines Tages die nötige Aufmerksamkeit angedeihen zu lassen.[/Pathos]

Die Geschichte, für die ich mich nun entschieden habe, liegt nahezu vierzehn Jahre zurück:

Ich hatte mich gegenüber unseren Nachbarn bereit erklärt, in deren »Holzlädle« Spalier zu sitzen, das heißt anwesend zu sein und gegebenenfalls zu kassieren. Das Holzlädle ist ein sehr, sehr kleiner Ein-Raum-Verkaufsstand für kunstvolle Holzfiguren, Stifthalter und sonstige hölzerne Accessoires.

Damals war ich noch in wesentlich besserer Verfassung als heute. Und ich konnte sogar Fahrrad fahren – das wäre heute undenkbar. Ich gehe davon aus, dass das Folgende nicht passiert wäre, wenn ich mich schon früher an das ausschließliche Lesen von Büchern gewöhnt und nicht noch eine Zusatzunterhaltung gebraucht hätte.

Jedenfalls war es so, dass ich sowohl einen Weltempfänger als auch Stephen Kings Es dabei hatte. Beides hatte ich auf bzw. unter den Gepäckträger geklemmt. Hätte ich ein dünneres Buch und nicht diesen fetten Wälzer mitgenommen, wäre das ebenfalls nicht passiert, aber meine Haltung diesbezüglich habe ich ja bereits dargelegt: möglichst viel Unterhaltung.

Also fuhr ich vollbepackt los. Nach etwa zwei Dritteln des Weges knallte die Stofftüte, in der ich die unbeugsame Fracht gelagert hatte, auf den Boden, und der Weltempfänger schlitterte über den asphaltierten Feldweg. Ich dachte, bevor mir das nochmals passiert, nehme ich die Tüte lieber an den Lenker.

Anstatt das letzte Drittel des Weges zu schieben – was mir das Folgende ebenfalls erspart hätte –, stieg ich wieder aufs Rad und beschwor mich, langsam zu fahren.

Dieser Vorsatz klappte … nicht. Gut 120 Meter weiter knallte meine Last gegen die Radgabel, brachte mich ins Schlingern und ich stürzte. Das Fallmuster beschert mir immer noch große Zweifel. Demnach müsste ich die Vorderradbremse noch gedrückt haben, denn ich fiel kopfüber auf den Weg, aber daran kann ich mich nicht erinnern.

Leider war ich so leichtsinnig, keinen Helm zu tragen. Ich habe mir eine Platzwunde an der Nase, die mit fünf Stichen genäht werden musste, sowie eine gewaltige Schürfwunde über die ganze Stirn zugezogen, zudem eine Stauchung der Halswirbelsäule, weswegen ich eine Halskrause verpasst bekam. Insgesamt hatte ich aber trotzdem noch Glück.

Warum nun aber diese Geschichte?

Was hat das mit Wurzeln zu tun?

Vor dem Nähen habe ich eine Betäubungsspritze erhalten, und zwar in die Nasenwurzel. War nicht unbedingt angenehm, aber inmitten der sonstigen Schmerzen auch nicht schlimm.

Und für alle, die nach dieser seeeeeeehr aufwühlenden Story einen humoristischen Ausgleich benötigen: Ich finde es immer immens witzig, wenn sich Mediziner denken: Der Patient ist sediert, also bekommt er auch nichts mit. So auch in diesem Fall: Es wurde sich angeregt über die letzten Urlaubserlebnisse unterhalten, als wäre ich gar nicht da. Als Gesprächspartner schien ich wohl nicht besonders reizvoll zu wirken.

Sonntag, 15. März 2015

Wurzeln #2 – Von Wurzeln und Wurzellosen

AD

Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen Schwester golden, Bruder aus Stein und Codewort: Puls habe ich gestern noch für mich behalten, um heute einen ausführlicheren Post darüber einstellen zu können: Das Thema Wurzeln, derzeitiges Stichwort des Blogideekastens, spielt für beide bisherigen Waidbronn-Geschichten eine gravierende, tiefgreifende Rolle. Anstatt selbst viel darüber zu erzählen, möchte ich euch heute aber lieber jeweils einen Auszug aus den beiden Werken zeigen.

Das Zitat aus SGBAS ist sehr, sehr kurz – meine Stammleser von FanFiktion.de kennen den Text ja bereits, und potenzielle Käufer des Buches möchte ich nicht mit riesigen Spoilern abschrecken. Aus Puls gibt es eine etwas längere Leseprobe, die einen Hinweis darauf liefert, was Außerirdische auf der Erde wollen könnten, und die zudem schon einen winzigen Blick hinter Douglas’ anfangs abweisende Fassade gewährt.

Kurz vor zwei zeigte Herr Kupfer offenere Züge. »So, genug geschwitzt«, sagte er, als er unsere Bewerbungen zur Kontrolle einsammelte. »Zum Schluss möchte ich heute ein kleines Projekt mit Ihnen starten.«
Gespanntes Tuscheln erfüllte den Raum. Projekte waren immer gut. Ein lockerer Zeitvertreib.
Meine Wurzeln, schrieb er auf das Flipchart. Woher komme ich? Wem sehe und bin ich ähnlich? Wie sehr hat meine Familie mich geprägt? Ein Bericht – Stillarbeit in vier Stunden der nächsten Unterrichtstage.

Schwester golden, Bruder aus Stein | Berichte
Su'e-Vid seufzt schwer. »So was gibt’s bei uns auch, ja. Vor allem in der Wurzellosenpolitik.«
»In der was?« Ich nehme einen großen Schluck Kaffee und verbrenne mir fast die Zunge. Zu wenig Milch.
»Ähm, in der Wurzellosenpolitik«, wiederholt er. Fahrig streicht er sich durch sein wirres Haar, als wäre es ihm peinlich, darüber zu sprechen. »Wurzellos ist, wer als Kind aus Platzgründen anonym von seinem Elter oder seinen Eltern weggegeben wurde. Und wer dadurch eben keine Chance hat, später mal Wohnraum zu erben. Wer nicht zufällig einen Lebenspartner findet, bei dem das anders aussieht, muss es im Erwachsenenalter irgendwie schaffen, eine Wohnung zu finden, die er auch bezahlen kann. Na ja, und da tut der Staat abartig großzügig, weil Wurzellose seit ein paar Jahren einen gesetzlichen Anspruch auf ein Loch von der Größe eines Schildkrötenpanzers haben. Also, metaphorisch, mein ich, ein bisschen größer war meine Wohnung schon. Sechs Quadratmeter ungefähr, hab ich ja gesagt.«
Elter. Allein dieses Wort. Kein Mensch benutzt diesen Ausdruck im Alltag, doch Su'e-Vid scheint er zugeflogen zu sein. Wie so vieles andere. »Warum zeugen Leute Kinder, wenn sie keinen Platz für sie haben?«, hake ich nach.
Er zuckt die Schultern und starrt in seine Müslischüssel. »Manchmal aus Leichtsinn. Oder aus einer falschen Wir-schaffen-das-schon-Haltung heraus. Oder die Leute verlieren ihren Job, können die Miete nicht mehr bezahlen, oder die Raten fürs Eigentum, oder ... es gibt viele Möglichkeiten.«
Ich nicke. »Ja. Das zumindest ist bei uns nicht nennenswert anders, obwohl wir kein solches Platzproblem haben. Entschuldige. War eine idiotische Frage.« Und verflucht unsensibel, wenn man bedenkt, was er mir da gerade erzählt hat.
Su'e-Vid blickt auf und mir direkt in die Augen. Im trüben Novemberlicht wirkt es, als wären seine himmelblauen Iriden von innen beleuchtet. Er lächelt. »Ist nicht schlimm. Als ich jung war – also, jünger als jetzt, jugendlich –, hab ich mich manchmal gefragt, warum ich bitte überhaupt gezeugt wurde. Aber ich kannte meine Eltern nicht. Oder meinen Elter. Siehst du, ich weiß nicht mal, ob es zwei oder einer waren. Bei vielen ist das anders. Viele erinnern sich. Das ist schlimm.«
Ich schlucke gegen den Kloß in meinem Hals an. Obwohl ich nicht annähernd träume, sehe ich den Silberfaden auf dem Dachboden glänzen. Sehe, wie er im Luftzug ihre nackten Zehen streichelt. Ich habe nicht sofort verstanden, dass sie tot war. Das Bewusstsein drang langsam in meinen Kopf. Spielte mit der Dunkelheit. Wie das Poltern vorhin.

Codewort: Puls | 7

Das waren sie also, die Textauszüge. Eventuelle Fragen dazu beantworte ich sehr gern, sofern die Antworten nicht spoilern. Der Auszug aus Puls stammt natürlich noch aus der Rohversion, noch habe ich ja nicht mit der Überarbeitung begonnen – da kann es also passieren, dass ich die eine oder andere Formulierung später noch ändere oder zurechtfeile.

Whee, und damit bin ich Erste! Georg, Lexi und ich haben heute nämlich parallel Beiträge zum Blogideekasten geschrieben, beziehungsweise tun es die beiden immer noch. Lexis Post gibt es nachher (= gleich, während ich das hier geschrieben habe, ist sie auch fertig geworden *gg*) auf ihrem Blog Kingdom of Chaos zu lesen, und Georgs Eintrag kommt im Laufe des morgigen Tages hier auf Beziehungstat online.

Ich wünsche euch schon mal viel Spaß damit!

Samstag, 14. März 2015

Wurzeln #1 – Geliebter Kosmos

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Es ist schon wieder passiert: Sally hat mich zu einem Blog-Post inspiriert, bzw. hat ihr Post Wurzeln im Rahmen des Projekts Blogideekasten mir den nötigen Arschtritt verpasst, diesem Eintrag hier endlich Gestalt zu geben.

Zum Thema Wurzeln habe ich so viel zu erzählen, dass ich unbedingt auch an dieser Blogideekasten-Runde teilnehmen wollte, und Georg findet das Projekt ebenfalls toll. Dass wir zu jedem künftig ausgelosten Thema etwas schreiben können, ist zwar nicht sicher, aber garantiert wird uns (einzeln oder gemeinsam) zu einigen was einfallen, weshalb wir uns nun auch beim Blogideekasten angemeldet haben.

Das diesmalige Stichwort (Deadline: 20.03.2015) lautet nun also Wurzeln.

Wurzeln ... das wäre auch auf realer und persönlicher Ebene ein interessantes Thema für mich, würde mir in ausführlicher Form aber schwerfallen, denn um das aufrichtig durchzuziehen, müsste ich auch über einige Angehörige detailliert berichten. Und das ist etwas, was ich niemals tun werde: Details über Angehörige posten.

Ich versuche es daher mit einer Kurzversion, ehe ich zum eigentlichen Thema dieses Eintrags komme: Ich bin in dem Bewusstsein aufgewachsen, dass die Tatsache, dass es Menschen gibt, die mich lieben, nicht automatisch bedeutet, dass es auch Menschen gibt, die sich unter allen Umständen um mich kümmern (können). Liebe und Halt haben für mich niemals zwangsläufig zusammengehört. Das macht mich zu einem Menschen, der Brüche im zwischenmenschlichen Bereich relativ gut wegstecken kann. Ich habe gelernt, weiterzumachen, immer, gerade auch dann, wenn keiner da war, der mich unterstützte. Mein Bindungsverhalten ist ziemlich komplex. Manche würden es als gestört bezeichnen (oder haben es bereits getan), aber für mich fühlt es sich wie eine gute Eigenschaft an. Beziehungen und Menschen loszulassen, die mir nicht guttun, fällt mir überdurchschnittlich leicht. Menschen, deren plötzliches Fehlen ein riesiges Loch in meine Gefühlswelt reißen würde, gibt es nur sehr wenige. Natürlich gab es schon riesige Löcher in meiner Gefühlswelt. Aber ich kann sie an einer Hand abzählen. Und irgendwie, da muss ich ehrlich sein, mag ich das.

Meine Wurzeln, das sind neben diesen wenigen Menschen und meiner eigenen Gedankenwelt vor allem Orte. Die vielen von mir geliebten Plätze, aus denen sich meine Heimatstadt zusammensetzt – die Stadt, in der ich geboren wurde und in der ich seit vier Jahren auch wieder lebe. Als Georg diese Stadt 2007 zum ersten Mal »richtig« sah, sagte er: »Hier ziehen wir irgendwann her.« Und so kam es im März 2011.

Im Geheimen und anfangs nur für mich selbst habe ich »meiner« Stadt sogar ein fiktives Abbild und Denkmal geschaffen: die Stadt Waidbronn, den Hauptschauplatz von Schwester golden, Bruder aus Stein wie inzwischen auch von Codewort: Puls. Der Aufbau und die Geschichte Waidbronns sind ein fiktives Spiegelbild meiner eigenen Herzstadt, manche Straßen heißen sogar gleich – zum Beispiel die Mozartstraße, in der Jurij aus SGBAS mit seiner Familie wohnt:

Die dritte Anschrift ließ mich schlucken. Sie lag in der Mozartstraße, wo die heruntergekommensten Blöcke Waidbronns standen. Oma und Opa hatten in ihrer Jugend dort gelebt, und die Stadt war stolz auf die modernen Wohnanlagen gewesen. Heute verfiel alles, ohne dass sich jemand darum kümmerte.

Diese Wohnblöcke gibt es in wesentlich kleinerer Form in »meiner« Stadt tatsächlich, und meine Mutter hat in ihrer Kindheit, als die Häuser noch neu waren, für kurze Zeit mit ihrer Familie dort gewohnt, ehe sie sich die Miete nicht mehr leisten konnten und zurück in die Baracke ziehen mussten, die ihnen als heimatvertriebenen Flüchtlingen aus dem Egerland schon zuvor zugeteilt worden war. (Ihrer Wurzeln beraubt, auch das passt hierher, und Lottas Opa Clemens ist ebenfalls ein Heimatvertriebener aus Böhmen, was für die Geschichte allerdings keine Rolle spielt.) Anders als in Waidbronn lebt bei uns derzeit aber niemand mehr dort, die Häuser sind in einem zu schlechten Zustand – daher denke ich, dass es okay ist, wenn ich euch ein Foto von ihnen zeige:


Als SGBAS entstand, hatte ich freilich keine Ahnung, dass mein Gehirn zu einem späteren Zeitpunkt noch weitere Geschichten kreieren würde, deren Hauptschauplatz Waidbronn sein sollte. Neben Codewort: Puls wird es mindestens noch eine weitere Geschichte geben, die im Waidbronn-Kosmos spielt. Und ich mag das. Ich mag es sehr. Diese Welt wachsen zu lassen, immer wieder auf bekannte Orte zurückgreifen zu können, diese aber aufgrund ihrer Fiktionalität trotz der realen Vorbilder jederzeit auch nach meinem Gutdünken formen und weiterentwickeln zu können.

Als Ende 2014 das Verlagsangebot für SGBAS kam, schrieb ich gerade an Codewort: Puls und musste daher erst mal schlucken, weil ich mich sofort fragte: Darf ich überhaupt weitere Geschichten aus Waidbronn schreiben, wenn die Rechte an SGBAS an den Verlag übergehen? Da ich mich im Rechtsbereich absolut nicht auskenne, machte ich mich schon mal darauf gefasst, den Stadtnamen in späteren Werken vielleicht ändern zu müssen – so ist es zum Glück aber nicht, zumal der iFuB-Verlag sehr offen und unkompliziert ist. Womöglich haben sie sogar an späteren Waidbronn-Werken Interesse, das steht aber noch in den Sternen. Und von dieser Option möchte ich mich auch nicht leiten lassen. Das wäre sonst einfach nicht mehr meine Welt.

Im Waidbronn-Kosmos werden künftig all meine Geschichten landen, die phantastische Elemente enthalten (egal ob Fantasy-Wesen, Science-Fiction, imaginäre Freunde oder surreale Einschübe) und die nicht bereits einem anderen Universum angehören.

Ich mag das grundsätzlich sehr gern, dieses Mehrere-Geschichten-aus-demselben-Universum-Ding, und habe so etwas ja auch schon häufiger gemacht.

Den Waidbronn-Kosmos gibt es nun wie gesagt seit Codewort: Puls, und dazu die immer fester in meinem Kopf verankerte Idee, alle meine künftigen phantastischen Geschichten dort anzusiedeln. (Ausnahmen von diesem Plan gibt es allerdings dann, wenn die Naturgesetze einer bestimmten Geschichte nicht in diesen Kosmos passen. Die Lebensbedingungen auf der Phantastik-Ebene sollen trotz der voneinander unabhängigen Werke aufeinander abgestimmt sein und sich nicht widersprechen.) Waidbronn soll der Grund und Boden sein, in dem meine Phantastik-Geschichten Wurzeln schlagen dürfen.

Hier kommen zur Übersicht noch einmal die Kurzbeschreibungen der zwei Geschichten, die dort bereits spielen, welche sich seit ihrer jeweiligen Urversion beide leicht verändert haben:

Schwester golden, Bruder aus Stein
Ist Lotta krank, weil sie von einem Mädchen gerufen wird, für dessen Existenz es keinerlei Belege gibt? Krank wie der schizophrene Stas, der ältere Bruder des chaotischen Jurij? Je tiefer die Beziehung zwischen Lotta und Jurij wird, desto mehr scheinen Wahn und Realität zu verschwimmen. Die junge Frau ahnt nicht, dass sie Jurij durch ihre Nähe in Gefahr bringt – und mit ihm alle, die sie lieben. Denn Lottas Leben ist nicht, was es zu sein scheint ...


(Über diesen Klappentext bin ich wahnsinnig glücklich, weil er meiner ursprünglichen Kurzbeschreibung auf FF.de sehr nahekommt. Anfangs wollte der Verlag im Klappentext bereits auf Lottas Kleinwüchsigkeit eingehen, doch das wollte ich nicht. SGBAS ist nicht die Geschichte der kleinwüchsigen Lotta, sondern Lottas Geschichte, und Lotta ist eben kleinwüchsig. Dass das so ist, merkt der Leser dann bereits im Prolog von allein, und innerhalb der Geschichte kommen natürlich auch ein paar Probleme dazu, die Lotta dadurch hat. Diese Argumentation hat das Team sofort aufgegriffen und unterstützt. Bei Stas gab es komplexere Überlegungen, denn seine Erkrankung spielt eine andere Art von Rolle, sodass ich die jetzige Erwähnung im Klappentext absolut okay finde. Dass das Wort schizophren mitunter auch abstempelnd und fehlerhaft verwendet wird, heißt ja nicht, dass es generell nicht genutzt werden darf.)

Codewort: Puls
2120: Nachdem Douglas während eines Sahara-Urlaubs verlorengegangen und zwei Tage lang hilflos umhergeirrt ist, hält er ihn zunächst für eine Fata Morgana: den hübschen jungen Mann mit der graublauen Haut, der in einer fremden Sprache zu ihm spricht, die seine dann jedoch beängstigend schnell erlernt. Doch Douglas halluziniert nicht. Su'e-Vid ist ein Außerirdischer. Ein redseliger, nervtötender Außerirdischer noch dazu – und er bringt Douglas, der ihn nach ihrer unerwarteten Rettung vorübergehend bei sich aufnimmt, unwissentlich in Gefahr. Denn Su'e-Vid trägt etwas bei sich, in dessen Besitz verschiedene mächtige Personengruppen gelangen wollen – und das sich direkt in seinem Gehirn befindet. Dieses dient ihm zugleich als Herz und gerät zunehmend durcheinander, wenn es um Douglas geht ...


Hier sieht man eines bereits sehr deutlich: Die beiden Geschichten haben neben ihrem Hauptschauplatz noch eine andere Gemeinsamkeit. Einen Charakter, der seinen Gegenpart unwissentlich in Gefahr bringt, während sie sich näherkommen. Das war ursprünglich gar nicht so beabsichtigt – also, ich hatte während des Schreibens von Puls gar nicht auf dem Schirm, dass ich da eine weitere große Gemeinsamkeit erschaffe. Und es gibt noch mehr Ähnlichkeiten: Lotta und Douglas, denen jeweils die Hauptperspektive gehört, sind beide Vollwaisen und recht kratzbürstig, wenn man sie nur oberflächlich kennt. Jurij und Su'e-Vid aka Sue oder Suey, ihre Gegenparts, sind beide hochgradig verpeilt, aber enorm zugewandt und interessiert an anderen. Während Lotta und Jurij trotz aller Schwierigkeiten aber über intensive familiäre Bindungen verfügen, waren Douglas und Suey von klein auf weitgehend auf sich allein gestellt. In Puls prallen keine Teenager, sondern erwachsene Menschen aufeinander, 28 und 24 Jahre alt und dennoch alles andere als gefestigt.

Leider gibt es keine Chance, dass Lotta und Jurij in meinem Kopf jemals auf Douglas und Suey treffen – SGBAS spielt im Jahr 2011, Puls über hundert Jahre später. Die Figuren der dritten anvisierten Waidbronn-Geschichte leben allerdings im Hier und Jetzt und könnten den SGBASlern theoretisch durchaus mal über die Füße stolpern, wenn auch nur kopfintern.

Das dritte Werk ist aber sowieso noch Zukunftsmusik – jetzt geht es in meinem Hirn erst mal weiter vorrangig um Puls. Ich hätte die Überarbeitung am liebsten noch etwas hinausgezögert – je mehr Abstand zur Geschichte, desto objektiver erfolgt meine Auseinandersetzung damit –, aber ich kann nicht. Es verlangt mich danach, mich mit Douglas und Suey zu beschäftigen, und auch wenn ich in den nächsten zwei Wochen nicht soooo viel Zeit für sie freischaufeln kann, möchte ich die Überarbeitung in den kommenden Tagen starten, um inmitten der ohnehin stets präsenten Begeisterung auch mal was Sinnvolles für die Story zu tun.

Das also ist mein geliebter Kosmos – der Waidbronn-Kosmos, der auf meinen eigenen Wurzeln aufbaut und meinen Phantastik-Geschichten Platz für die ihren schenkt.

Freitag, 13. März 2015

Kopfinhalt – entrahmt, bedauernd und verstörend

AD

Es folgt ein extrem bekloppter Post. Wer sein Gehirn heute noch in heilem Zustand benötigt, möge ihn bitte ignorieren und mit zugekniffenen Augen von dannen ziehen. Obwohl, einen ernsten Teil beinhaltet er auch. Über jemanden, der wiederum ein Meister des Humors war. Ungefähr in der Post-Mitte.

Also:

Gestern standen Georg und ich im Feneberg vor der frischen Rohmilch aus der Region, hätten sie wahnsinnig gern gekauft, haben es aber dann doch gelassen, weil wir zu Hause schon so viele andere Lebensmittel haben, die zeitnah aufgebraucht werden müssen. Abends hatten wir dann dummerweise sehr, sehr große Lust auf die frische Rohmilch aus der Region und bedauerten unsere Entscheidung zutiefst, denn die fettarme Milch pur zu trinken, die wir für den Kaffee nehmen, ist halt nicht soooo toll.

Soweit der alltägliche Teil des Eintrags.

Der weniger alltägliche beginnt jetzt, denn Georg begann daraufhin zu singen:

»Unsere Milch hat sich verändert
Unsere Milch ist jetzt entrahmt
Unsere Milch ist jetzt fettarm!
Wa-a-ah!«

Dummerweise fiel mir dann auch noch ein weiterführender Text ein:

»Die war uns mal sympathisch, doch dann
Im Topf ganz verbrannt
Nicht Sahne, nicht Schmand
Dünnste Milch hier im Land!«

Und das sangen wir dann, im Bad, wohlgemerkt, ehe wir ins Wohnzimmer gingen und uns auf N-TV eine Dokumentation über Bionik anschauten – ein Thema, das ich zurzeit extrem spannend finde; warum, kommt aber in einem späteren Post.

Sorry, Kraftklub!

Das war aber (natürlich) noch nicht alles.

Hier wird es jetzt wie angekündigt ernst, ehe der Post endgültig in Wirrnis und Verstörung übergleitet: Während der Doku wurde die Nachricht eingeblendet, dass Terry Pratchett gestorben ist. Und das war irgendwie ... BÄÄM für mich.

Auf Sallys Blog-Post Mach’s gut, Terry habe ich geantwortet:

Terry Pratchett ist einer dieser großen Autoren, die mir immer wieder empfohlen wurden, und er steht schon SO lange auf meiner To-Read-Liste, und irgendwie hab ich anderen Werken bislang dann doch immer den Vorzug gegeben. Das war richtig krass, diese Nachricht gestern Abend zu erfahren.

Ja. Und, Scheiße – jemand, der ein ganz Großer war und plötzlich fort ist, das gab es in den letzten Monaten so wahnsinnig häufig. Getwittert haben wir dazu:


So ist das, ja. Und es fühlt sich ganz, ganz merkwürdig für mich an, dass jemand, den ich zu seinen Lebzeiten hätte lesen können, nun tot ist. So viele Leute haben mir schon gesagt: »Du hast das Schöpfertum geschrieben, dir MUSS der Humor von Terry Pratchett einfach gefallen.« Dass man diese Geschichten annähernd mit ihm vergleichen kann, möchte ich mal derbe anzweifeln, aber ich bin mir sicher, dass mir sein Humor wirklich, wirklich zusagen wird. Gelesen habe ich ihn bislang leider trotzdem nicht. Für ihn dürfte es keinen Unterschied gemacht haben, ob da ein paar Verkäufe mehr oder weniger verzeichnet wurden, aber trotzdem. Es bleibt seltsam.

Und seltsam ging es weiter, denn in der darauf folgenden Nacht hatte ich den ultimativ beklopptesten Traum meines bisherigen Lebens.

In diesem Traum gingen Georg und ich stundenlang zu Fuß (ja) durch den Regen, um einen Arzttermin von mir wahrzunehmen. Der Arzt war uns bislang unbekannt, und als wir seine Praxis erreichten, waren wir nass bis auf die Haut.

Die Untersuchung (es ging um die Lunge – und bei dem Thema: Hatte ich eigentlich erzählt, dass mein letzter Lungenfunktionstest so gut war, dass ich jetzt nur noch einmal jährlich zur Kontrolle kommen muss?) war schnell vorbei. Danach führte der Arzt uns in ein größeres Zimmer, in dem ein mittelgroßer Käfig stand, in welchem wir Hamster mit ihren winzigen Jungen erblickten.

Ich beugte mich zu den winzigen Hamsterjungen und pfiff ihnen entgegen, als wären sie Wellensittiche – und ein paar der Hamsterjungen verwandelten sich daraufhin in ebenso winzige Wellensittichküken.

Der Arzt führte uns weiter, und auf dem Boden des Zimmers sahen wir plötzlich mehrere tote Hamsterjunge und Wellensittichküken. Bestürzt schauten wir den Arzt an, und er erklärte uns deprimiert, seine Arzthelferin möge die Tiere nicht und würde sie deshalb immer auf den Boden werfen. Wir folgten ihm in einen Aufzug, wo er uns in Trauer um die Jungtiere innig umarmte. Wir erwiderten die Umarmung beide.

Als wir aus dem Aufzug ausstiegen, waren plötzlich nur noch der Arzt und ich da. Und dann auf einmal auch die garstige tierhassende Arzthelferin, die umgehend ein Streitgespräch mit dem Arzt vom Zaun brach. Dieser zog mich beiseite, tat so, als würde er etwas Wichtiges notieren und schob mir das betreffende Blatt Papier zu. Auf diesem bat er mich, ich möge Georg bitte von zu Hause holen, damit er so tun könne, als müsse Georg einer komplexen, langwierigen Untersuchung unterzogen werden, um dem Gezanke seiner Arzthelferin zu entgehen.

Ende.

An alle, die hier unten angekommen sind: Ich hoffe, euren Gehirnen geht’s gut!

[Falls sich jemand an einer Deutung versuchen möchte ... äh, ähm ... gerne ...]

Donnerstag, 12. März 2015

Tausend Tode und ein extrem lebendiger Moment

GA

Gestern Morgen hatten wir beide jeweils eine Mail im Postfach (das heißt, da war sie schon am Vortag, an dem wir zwecks MRT aber nicht am PC waren). Konkreter war es eine Mail der lieben Frau Frohmann vom Frohmann Verlag, die das gigantische E-Book-Projekt Tausend Tode schreiben ins Leben gerufen hat und es in ihrem Verlag selbst veröffentlicht.

Sie schrieb uns beiden, dass die Texte, die wir vor Kurzem bei ihr eingereicht haben, in das E-Book aufgenommen werden, und wir saßen ein Weilchen dumm in unserem Arbeitszimmer und waren einfach nur platt. Zu lesen, dass wir beide in dieses großartige Projekt aufgenommen werden – sogar mit den Textnummern 406 (Alex) und 407 (Georg), direkt hintereinander –, war etwas sehr, sehr Besonderes und dadurch trotz aller Stille auch ein extrem lebendiger Moment für uns.

Denn: Die Texte, die wir eingereicht haben, sind sehr persönlich.

Georgs Beitrag ist das bei unseren langjährigen Lesern bereits bekannte Gedicht Sterben auf Raten, im Buch dann allerdings ohne Titel, da die Texte dort durchnummeriert werden, um den unterschiedlichen (von den Autoren frei wählbaren) Stilarten möglichst gerecht zu werden. Der Titel wird in dieser Form aber nicht fehlen, es geht einzig um den Inhalt.

Alex’ Beitrag ist ein kurzer Text, den sie am 11. April 2014 geschrieben hat. An diesem Tag wäre ihre 1999 verstorbene Tante Heidi zweiundsechzig Jahre alt geworden. Den Text gibt es außerhalb von Tausend Tode schreiben bislang nirgendwo zu lesen.

Version 3.1 von Tausend Tode schreiben (in der auch unsere Texte schon drin sind) wird am 13. März 2015 zur Leipziger Buchmesse erscheinen (morgen, genau), die finale Version mit allen tausend Toden dann im Oktober 2015 zur Frankfurter Buchmesse.

Käufer_innen älterer Versionen des E-Books bekommen die jeweils neuen Versionen gratis, und die Autor- und Herausgeberanteile am Erlös gehen als Spende an das Kinderhospiz Sonnenhof in Berlin-Pankow.

Es lohnt sich also aus vielerlei Gründen, sich mit diesem E-Book zu beschäftigen – und vielleicht möchtet ihr ja sogar mitmachen? Die Deadline für die finale Version ist der 30. August 2015. Es ist ein absolut einzigartiges Projekt mit wundervollen Gedanken dahinter. Auf minimore.de gibt es unter der Buchbeschreibung eine Leseprobe. Eine verdiente Empfehlung. Ein Buch dieser Art gibt es schlichtweg kein zweites Mal.

Reinschauen, ja? Wäre toll!

Mittwoch, 11. März 2015

Murmeltiertag, Post vom Verlag und Überschlag

GD

Gestern war mein persönlicher Murmeltiertag: die halbjährliche Kontroll-MRT meines Schädels, die uns traditionsgemäß mehrere Stunden Aufenthalt in der radiologischen Praxis beschert.

Die Beweisfotos, die Verwandte ersten Grades von denen aus meinem allerersten Blog-Post sein müssen:



Aus den MRT-Aufnahmen selbst ist ersichtlich, dass sich die Zyste in meinem Kopf weiterhin nicht verändert hat. Mein Kleinhirn ist im Direktvergleich zu den ersten digital gespeicherten Aufnahmen von 2006 aber doch weiter geschrumpft, wie wir gestern erfuhren – etwas, das bei den bisherigen Untersuchungen ebenfalls immer als »unverändert« bezeichnet wurde, was aber nicht zu meiner fortschreitend schlechter werdenden Motorik passte. Gut zu wissen, auch wenn die Information selbst nicht gut ist. Ich zweifle diese Aussage auch nicht im Geringsten an, es passt einfach zu den sonstigen Veränderungen, und die Ärztin, die gestern mit uns gesprochen hat (und die wir bislang nicht kannten) hat sich so viel Zeit für das abschließende Gespräch genommen und meine Fragen so ausführlich beantwortet, dass es für mich schlichtweg keinen Grund für Zweifel gibt.

Gegen die Degeneration des Kleinhirns kann nichts unternommen werden; dies ist etwas, was mir ja schon lange bekannt war, auch wenn ich nicht wusste, dass es seit 2006 weitere Verschlechterungen gegeben hat, wenn auch keine gigantischen. Solange die Zyste sich nicht verändert, steht aber zumindest auch da kein Eingriff im Raum. Endgültig besprochen wird der Befund dann bald in der Neurologie der Uniklinik.

Kurz bevor wir zu diesem Termin aufbrachen, gab es vor unserer Haustür eine Überraschung: Ein dicker Umschlag vom Verlag in Farbe und Bunt lehnte an der Hauswand. Ja, an der Hauswand. Den Klingelknopf zu drücken, weil der Umschlag nicht durch den Briefkastenschlitz passte, war dem TNT-Zusteller auch bei einem Wohnhaus mitten in der Stadt ohne Zaun etc. anscheinend zu viel.

Alex packte den Umschlag über den Zusteller fluchend in meinen Rucksack, weil der Taxifahrer schon da war und darauf wartete, meinen Rolli in den Kofferraum zu laden, und dann vergaßen wir ihn erst mal wieder. Erst kurz vor der MRT fiel er uns wieder ein, wir öffneten ihn – und fanden fünf Kataloge mit dem Verlagsprogramm 2015 sowie ein Belegexemplar der Audiobuch-CD von Die Einhornrakete darin vor. Der Katalog und die CD sehen total schön aus, »in Farbe und Bunt« ist wirklich Programm beim Verlag:


Und hier könnt ihr euch Alex’ Beiträge zum Verlagsprogramm anschauen, den Roman Schwester golden, Bruder aus Stein sowie die Kindergeschichte(n) rund um das kleine, pummelige Einhorn Rosa:



Als wir abends nach Hause kamen und Alex die Tür aufschloss, habe ich es zum krönenden Abschluss des Ausflugs noch geschafft, seitwärts aus dem Rolli zu fallen und dazu noch eine Rolle rückwärts auf dem Asphalt hinzulegen. Fragt mich nicht, wie das vor sich ging, ich habe leider keine Ahnung. Es ist mir aber zum Glück nichts passiert.

Vor dem Zähneputzen und Schlafengehen hörten wir uns noch das Einhorn-Audiobuch an und tranken ein paar Tassen Zimt-Tee, und damit waren wir fertig mit dem gestrigen Tag.