Montag, 29. Juni 2015

Im asozialen Tollhaus

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Fast jeder Mensch kommt einmal an einen Punkt in seinem Leben, an dem er die Welt mit einem Tollhaus vergleicht. Und wenn man es regelmäßig mit Behörden zu tun hat, ist es schwierig, über diesen Punkt jemals wieder hinauszukommen.

Georgs Oma väterlicherseits ist im April 2015 verstorben, darüber gab es hier bereits Einträge, und Georg ist von ihr in ihrem Testament bedacht worden. Er hat keine Reichtümer zu erwarten, die Rente seiner Oma war klein, aber ihm wurde unter anderem die Hälfte eines kleinen, verpachteten Grundstücks zugedacht, wodurch er pro Jahr ein Einkommen von etwa 100 Euro hätte, pro Monat also etwas über acht Euro.

Haha, dachte sich da das Sozialamt, das für Georg zuständig ist, sperren wir dem Kerl ab Juli doch gleich mal vorbeugend die Leistung. Von mir darauf hingewiesen, dass Gerichte derartige Entscheidungen in der Regel für ungültig erklären, solange nicht tatsächlich Geld fließt, wurde die zuständige, eigentlich ziemlich umgängliche Sachbearbeiterin gerade telefonisch recht pampig und meinte, Georg hätte ja wohl auch Rücklagen. Haha, ja, hat er. Mehr als 2.600 Euro darf man als Sozialhilfeempfänger aber gar nicht ansparen. Diese Rücklagen antasten, fragte ich die Sachbearbeiterin, obwohl eine womöglich falsche Entscheidung von ihr getroffen wurde? Sie werde das doch jetzt nicht mit mir diskutieren, meinte sie daraufhin hörbar erbost.

Unser persönliches Fazit ist daher mal wieder: Die Welt ist nicht bloß ein Tollhaus, sie ist ein asoziales Tollhaus. Und die Zentrale vermuten wir ohnehin schon lange in den Behörden, die für irgendwas mit »sozial« zuständig sind.

Was mir an solchen Gesprächen »gefällt« und mich zugleich nachdenklich macht: Ich bin dazu in der Lage, solche Leute nervös zu machen. Ihre subtile Aggression interpretiere ich so, dass es sie überfordert, wenn jemand ihnen direkt widerspricht oder ihnen gar mit Gegenmaßnahmen droht. Und das wiederum interpretiere ich so, dass sie direkten Widerspruch, der nicht über zig Anschreiben führt, nicht gewohnt sind. Dass jene, die wirklich dringend Hilfe brauchen und/oder auf Assistenz angewiesen sind, um diese durchzusetzen, allein selten die Kraft aufbringen, Widersprüche zu formulieren und/oder vorzutragen – oder aufgrund ihrer jeweiligen Behinderung eben gar nicht die Möglichkeit dazu haben, zum Beispiel bei einer massiven Sprachbehinderung. Wer mit Georg spricht, vor allem am Telefon, muss sich Zeit nehmen. Und diese Zeit haben insbesondere Sachbearbeiter diverser Ämter selten.

Wir haben in letzter Zeit oft darüber nachgedacht, ob es besser wäre, wenn Georg im Alltag eine andere Assistenzperson/andere Assistenzpersonen hätte als mich. Weil ich mich natürlich frage, was mit ihm passiert, wenn ich aus irgendeinem Grund plötzlich nicht mehr existiere. Da Georg aber halt nicht ausschließlich persönliche Assistenz, sondern auch klassische häusliche Pflege (und vor allem eben wegen der Aspirationsgefahr permanente Beaufsichtigung) braucht, ist das schwierig lückenlos umzusetzen. Das, was wir jetzt haben, gegen mehrere Angestellte einzutauschen, die sich in Schichten abwechseln müssten, um einen Notfall in einem potenziellen Irgendwann abzudecken, fühlt sich für uns nach wie vor nicht richtig an, ganz zu schweigen davon, dass Georg in unserer Ulm-Zeit bezüglich persönlichem Budget schon mal komplett abgeschmettert wurde. Dennoch, das Thema Assistenz wird für uns immer wichtig sein, weil es unser beider Leben mitbestimmt, wenn auch anders als in »klassischen« Fällen.

Deshalb möchte ich euch heute gern auch noch auf die Kampagne Für ein Recht auf Sparen und für ein gutes #Teilhabegesetz aufmerksam machen. Auch behinderte Menschen, die voll berufstätig sein können, dafür (und zum [Über-]Leben) aber Assistenz brauchen, befinden sich mitten im asozialen Tollhaus. Sie dürfen nicht sparen, keine Erbschaft annehmen, keinen Bausparvertrag abschließen – kurz, die selbstbestimmte Gestaltung ihres Lebens wird ihnen vorenthalten, und das einzig aus dem Grund, weil sie behindert sind und Assistenz benötigen.

Georg und ich haben die Petition unterschrieben, weil wir finden, dass das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben auch für Menschen mit Behinderung in vollem Umfang gelten muss. Assistenz ist für sie (über-)lebenswichtig. Ihnen deshalb zum Beispiel das Recht abzusprechen, für Notfälle oder die eigene Altersvorsorge zu sparen, widerspricht unserer Auffassung von Menschenwürde.

Bitte unterschreibt und helft mit, die Petition zu verbreiten! Es fehlen zur Sekunde noch 14.065 weitere Personen, um der Kampagne zum Erfolg zu verhelfen.

Donnerstag, 18. Juni 2015

Geburtstagsgeschenk

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Das diesjährige offizielle Älterwerden (ist schon über zwei Wochen her, kein Stress *gg*) brachte etwas extrem Tolles mit sich – das Geburtstagsgeschenk von Georg und meiner Mama:


Gestaltet hat dieses wundervolle Cover Irina Bolgert (Bookdresses Buchcoverdesign). Whee, ich liebe es! Und es passt. In vielerlei Hinsicht. Ich liebe, liebe, liebe Covers, die sich tatsächlich auf den Inhalt einer Geschichte beziehen.

Darüber, wie es mit der seit dem 1. Mai fertiggestellten Geschichte weitergeht, kommt hier natürlich im Laufe der Zeit noch etwas. Jetzt aber herze ich einfach erst mal weiter das Cover an.

Dienstag, 16. Juni 2015

Lotta auf Reisen

GA

Frisch zugelost hat Lesezeichen-Lotta sich heute mit lieben Grüßen von uns beiden auf die Reise zu ihrer neuen Besitzerin Kat_hArina gemacht. Alles Gute, lieber Giftzwerg – lass dich nicht zu lang vom Poststreik aufhalten und komm heil an! ♥

Montag, 15. Juni 2015

And the Winner is …

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Ich weiiiß, der Titel ist unkreativ. Aber ich habe in den letzten drei Tagen eine neue Geschichte komplett überarbeitet, und noch dazu hat mein hyperaktives Gehirn mir gestern mehr oder weniger eine Fortsetzung dazu aufgedrängt, nachdem ich das Lied King and Lionheart von Of Monsters and Men gehört hatte, zu der es auch direkt noch einen Titel ausgespuckt hat – und jetzt reicht die Kreativität wohl leider nicht mehr für diesen Blog-Post aus. Kopfchaos. Typisch.

Macht aber nichts, denn: Kreativ muss es hier gar nicht zugehen im Moment. Nur informativ. Gestern war nämlich der letzte Tag, an dem ihr an der SGBAS-Verlosung teilnehmen konntet – ganz lieben Dank an euch, die ihr das tatsächlich gemacht habt! ♥

Vier Teilnehmer sind objektiv betrachtet zwar nicht viele, aber ich hab mich über euch alle gefreut und hätte jetzt am liebsten vier Lotta-Lesezeichen zu verschenken. Da ich aber nach wie vor nur eines habe, habe ich gerade die Gewinnerin ausgelost. Und diese ist …


Zuallererst: Herzlichen Glückwunsch! ♥

Und als Nächstes: Waah, jetzt bin ich fast nervös, weil wir uns bislang ja ausschließlich über den Blog kennen. Wir haben inzwischen extra ein Kontaktformular eingerichtet, das du rechts in der Sidebar unter den ganzen Links zu uns findest – wenn du also immer noch magst, freu ich mich auf eine Nachricht von dir und schicke dir das Lesezeichen zu, sobald ich deine Adresse habe. (Meine schicke ich dir dann natürlich auch – ich habe mal jemandem, den bzw. die ich online schon eine Weile kannte, meine Adresse gegeben, weil sie mir etwas schicken wollte, umgekehrt wollte sie mir ihre Adresse dann aber nicht geben; das war eine meiner verstörendsten Online-Erfahrungen ever.)

Kann es sein, dass ich heute zu Monstersätzen neige? Ja. Und meine Fragen beantworte ich mir auch selbst, wie Herr Mon aus Paul Maars Sams-Büchern. Na ja, muss auch mal sein.

Nochmals vielen Dank fürs Mitmachen und euch allen eine gute Woche! ♥

Samstag, 13. Juni 2015

Krötenkindersorgen

GA


»Unsere Mama will uns nicht verraten, wer unser Vater ist. Man erzählt sich aber in der Nachbarschaft schon ganz komische Geschichten darüber, und wenn nur die Hälfte davon stimmt, haben wir schon mal ein prima Aufsatzthema für die Schule. Na ja, oder auch nicht. Mama ist wirklich sehr, sehr empfindlich, was das betrifft. Und wir können ja auch einfach darüber schreiben, dass uns ständig irgendwelche Leute fast platt trampeln. Solche Vollidioten!«

Donnerstag, 11. Juni 2015

Inçeption! (Bravo, Gehirn.)

GD

Hjaaa, jetzt ist es mal wieder so weit: Es gibt einen Traum von mir zu lesen. Und wie schon beim letzten Mal (so lange habe ich tatsächlich schon nichts mehr geträumt, an das ich mich bewusst erinnern konnte) habe ich danach versucht, einen möglichen Grund für den Traum zu jagen.

Für diesen ausgeflippten Traum fällt mir eigentlich nur folgende ereignisreiche Begebenheit ein: Beim Studieren des Fernsehprogramms, einer von mir geschätzten, gerne und sehr oft praktizierten Tätigkeit (…), ist mir in letzter Zeit diverse Male der Film From Dusk Till Dawn ins Auge gesprungen.

Ich habe den Film mit George Clooney und Quentin Tarantino vor Jahren gesehen, so manches daraus aber auch schon wieder vergessen. Gefallen hat er mir in jedem Fall, und diese Mischung aus Roadmovie und Vampir-Grusel-Splatter-Film handelt unter anderem auch von einer Flucht nach Mexiko. Womöglich ist mein Hirn aufgrund der Erinnerung auf den nun folgenden Traum gekommen:

Alex und ich waren in Mexiko. Keine Ahnung, wie wir dorthin gekommen sind, weil für uns zum einen kleinere Reisen schon schwierig zu bewerkstelligen sind und wir zum anderen keinen gesteigerten Drang empfinden, eine Flugreise zu unternehmen.

Dann verschwimmt meine Traum-Erinnerung einige Zeit lang, bis wir in einem Dorf waren, in dem scheinbar eine Feier stattfand. Urplötzlich konnte ich ganz frei und einfach »normal« laufen. Dann sind uns die grünlich schimmernden Getränke aufgefallen, die jeder um uns herum zu sich nahm. Wir sahen an den Gebäuden, dass es ein Cocktail namens Inçeption sein musste, denn jedes Gebäude hatte eine große, längliche Tafel auf der Frontseite mit ebendieser Aufschrift.

Inception auf Englisch bedeutet Beginn, auf Spanisch gibt es das Wort offenbar überhaupt nicht. Bravo, Gehirn.

Ich sagte jedenfalls im Traum zu Alex: »Ich mag auch so was!«, woraufhin sie nickte. »Ich auch, aber woher? Die Preise wechseln ja ständig. Da weiß man ja gar nicht, was die kosten!« Alex machte ein geknicktes Gesicht, und ich erwiderte: »An irgendeinem Stand müssen doch Festpreise sein!« Und so war es, am vorletzten Gebäude prangte der Preis: 7.30 $. Diese Aufschrift veränderte sich im Gegensatz zu der auf allen anderen Tafeln auch nicht, während wir sie betrachteten.

Ganz schon heftig, dachte ich, legte 15 $ auf den Tisch und sagte: »Dos Inçeption!«

Dieser Trank wurde statt in Cocktailgläsern in Henkelbechern ausgeschenkt. Alex erkannte zwar die seltsam gelblich-grüne Farbe, kippte aber doch den halben Becher vor geschmacklicher Neugier herunter, und rief dann verwundert und angeekelt: »Da pappt ja Käse im Becher!«

An dieser Stelle reißt der Traum ab. Beziehungsweise: Eine letzte Nachricht hätte ich noch, die Dame von der Bude am Gebäude sagte was von wegen Klo – womöglich war es ein Segen, dass der Traum (geträumt vom 8. auf den 9. Juni 2015) nicht weiterging.

Donnerstag, 4. Juni 2015

Verlosung!

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Erinnert sich noch jemand an die Lesezeichen, die ich 2013 zu Ostern verschenkt habe und auf denen unter anderem zwei meiner allerersten dilettantischen Charakter-Zeichnungen abgebildet waren, nämlich die von Lotta und Jurij?

Fuuh, damals war ich total stolz auf diese Zeichnungen und hätte nicht gedacht, dass ich mich diesbezüglich jemals steigern könnte. Familienmitglieder, Freunde – alle, die SGBAS und/oder die Schöpfertum-Geschichten (auch Guillaume durfte natürlich nicht fehlen) gelesen hatten, haben damals so ein Lesezeichen bekommen.

Natürlich habe ich auch damals, wie bei den Blumenwiese-Lesezeichen, Farbkopien verwendet. Und beim Basteln dieser Lesezeichen ist mir eine Idee gekommen: Nun, wo SGBAS tatsächlich gedruckt wurde, auch wenn es länger gedauert hat als gedacht … könnte ich doch das hier machen:












Die Zeichnungen auf diesen Lesezeichen … sind keine Farbkopien. Das sind Original-Lotta und Original-Jurij von 2013, in all ihrer Unvollkommenheit.

Das Jurij-Lesezeichen gehört bereits Georg – denn Jurij heißt deshalb Jurij, weil das die slawische Version von Georg ist, und ich könnte es niemand anderem schenken als ihm.

Das Lotta-Lesezeichen dagegen ist für eine_n von euch – falls es überhaupt jemand haben möchte. In dem Fall würde ich es sehr gern unter euch verlosen – wer es gern hätte, schreibt bitte einfach ein kurzes Piep (oder einen Laut/eine Wortfolge seiner_ihrer Wahl) unter diesen Post. Ich schreibe eure Namen dann jeweils auf ein Zettelchen, sammle diese zehn Tage lang, also bis einschließlich 14. Juni 2015, und ziehe dann einen davon. Ihr müsst nichts weiter tun – außer im Gewinnfall den Mut haben, mir eure Adresse zukommen zu lassen, falls ich sie nicht sowieso schon habe. (Es ist für die Verlosung aber weder nötig noch bringt es diesbezüglich einen Vorteil, mich persönlich zu kennen. Selbstverständlich ist das jedoch auch kein Hindernis. Also, es ist total egal, ob wir uns im realen Leben schon mal begegnet sind oder nicht.)

Mit dieser kleinen Aktion möchte ich mich gern für euer geduldiges Warten auf die Druckversion von SGBAS bedanken – es ist zwar ein bisschen doof, dass es nur ein einziges Lesezeichen zu gewinnen gibt, aber im Grunde ist das ja auch der Sinn und Zweck einer Verlosung.

Ich würde mich sehr über Teilnehmer freuen! ♥

Dienstag, 2. Juni 2015

Blumenwiese auf Lesezeichen

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In Poolys Kunst- und Schreibforum gibt es derzeit wieder eine tolle Aktion: die Lesezeichen-Bastel-und-Tausch-Aktion 2015.

Ich bin zwar wirklich kein Bastelgenie, aber da auch einfache Gestaltungsarten erlaubt sind, habe ich mich dafür angemeldet – und bin sogar schon fertig mit meinem Lesezeichen. Beziehungsweise meinen Lesezeichen, denn um sicherzugehen, dass es klappt, habe ich gleich zwei gebastelt: einen »Vorreiter« zum Ausprobieren und ein »Muss klappen«-Werk zum Einsenden.

Das ist das erste Lesezeichen:


Da hier bereits alles gut geklappt hat und ich persönlich es wirklich hübsch finde, habe ich es meiner Ma geschenkt, vor allem auch, weil die als Grundlage verwendete Zeichnung ihre liebste von mir ist. Die ist schon sehr alt, von 1996, und leider auch nur aus meinem damaligen Bio-Buch abgezeichnet, aber immerhin hab ich nicht abgepaust. *gg* (Natürlich habe ich für die Lesezeichen nicht das Original genommen, sondern eine Farbkopie.)

Und das hier ist mein Beitrag zur Aktion:


Ich hoffe, die Person, die es letztlich zugelost bekommt, freut sich darüber – es ist zwar wirklich etwas sehr Einfaches, aber ich hab mir Mühe gegeben und mag es persönlich sehr gern.

Falls ihr euch fragt, wonach ich entschieden habe, was Vorder- und Rückseite ist: »Mein Vorne« war einfach da, wo mehr drauf ist. *gg* Das kann aber natürlich auch jeder selbst entscheiden, und im Grunde bräuchte es diese Benennung auch gar nicht. Und falls ihr euch die einzelnen Arbeitsschritte anschauen möchtet, könnt ihr das in diesem Post machen – der Aktionsbereich in Poolys Forum ist auch für Gäste (fast) vollständig einsehbar.
 
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