Dienstag, 29. September 2015

COVER PORN!

AD

Zwei Blog-Posts an einem Tag, das gab’s hier schon lange nicht mehr, aber es muss sein. Ich hatte nämlich gerade eine Mail von der wundervollen Irina Bolgert von Bookdresses Buchcoverdesign im Postfach. Irina hat ja bereits das Cover für Sein Artist gestaltet, das ich von meiner Mama und Georg zum Geburtstag bekommen habe, und da ich ihre Arbeit wirklich großartig fand, habe ich vor einigen Wochen auch für Codewort: Puls ein Cover bei ihr in Auftrag gegeben.

Ich weiß noch nicht, was genau ich mit Codewort: Puls mache – das hängt mit davon ab, wie ich das neobooks-Experiment mit Sein Artist letztlich bewerten werde. Aber ich mache etwas mit Puls, weil ich diese Geschichte abgrundtief liebe. Weil sie mich als Autorin verändert hat, indem sie mich (noch) offener für Neues werden ließ. Und weil ihre Charaktere Kopf- und Herzbewohner gleichermaßen für mich sind. Und was immer ich letztlich auch für diese Geschichte will, dies ist ihr Cover, und es ist SO unfassbar großartig, dass ich es euch einfach jetzt schon zeigen mag:

Septemberzeilen

AD

Luft und Licht
Wind, der pfeift
Frierst du nicht?
Obst, das reift

Schatten, lang
Wolken, grau
Blätterklang
Raschelnd, rau

Schwerer Wein
Nebelwand
Hüllt es ein
Unser Land

Sonntag, 27. September 2015

Trauma, Baby!

AD

Blogideekasten-Thema 36: Erwartungen

Wer mir auf Twitter folgt, hat am Freitagabend womöglich schon mitbekommen, dass ich Sein Artist inzwischen auf neobooks eingestellt habe, wie ich es hier ja bereits angekündigt hatte. Und … uff, was soll ich sagen? Diese Aktion hat mich dezent traumatisiert, und das meine ich ehrlich.

Manche Eingaben musste ich bis zu sechsmal wiederholen, bis sie endlich angenommen wurden, obwohl ich beim Eintragen absolut paranoid-penibel war und definitiv das Richtige getippt hatte – und als endlich alles eingegeben und das E-Book generiert war, musste ich feststellen, dass meine zentrierten Kapitelüberschriften nur zum Teil auch zentriert übernommen worden waren. Auch das Gedicht, das der Geschichte voransteht, wollte ich zentriert darstellen, und auch das hat nicht vollständig geklappt – der erste Vers war und war nicht zentriert zu bekommen, nur der Rest. Zu allem Überfluss wurden auch die Leerzeilen zwischen den Kapitelüberschriften und dem Text selbst erst mal nicht übernommen. Ich dachte, ich dreh ab, ernsthaft – dagegen sind die Standardblähungen, die Blogger immer mal wieder hat, adelige Wohlstandsfürze oder so.

Zum Schluss habe ich dann ultragenervt entschieden, auf die Zentrierungen zu verzichten, die Kapitelüberschriften und das Gedicht sind nun also linksbündig – und so klappte es dann plötzlich auch mit dem Abstand zwischen Überschrift und Kapiteltext. Moah, und am Freitagvormittag und -nachmittag hatte ich Sein Artist auch noch einmal vollständig gelesen und geprüft, ich saß an dem Tag (mit Unterbrechungen natürlich) über zwölf Stunden am Laptop, und nur vier davon hab ich zum Lesen/Prüfen gebraucht, der Rest ging ernsthaft für den gesamten Hochladevorgang drauf, bis endlich ausnahmslos alles gepasst und geklappt hat – Trauma, Baby!

Falls ich das noch einmal mit einer anderen Geschichte mache – angedacht war es für Codewort: Puls, aber ich hab noch nichts fest beschlossen –, verzichte ich direkt auf jedwede Formatierung außer fett und kursiv. Am Schönsten wäre es natürlich, wenn ich vernünftige EPUP-Dateien erstellen könnte, aber … hmpf, lassen wir das. An sich ist es schon eine tolle Sache, dass man auf neobooks minimal formatierte Word-Dokumente hochladen und in EPUPS umwandeln lassen kann; dass die Zentrierung nicht hingehauen hat, nehme ich nun einfach so hin. Ich bin froh, dass nun alles einheitlich und ordentlich aussieht und all meine Angaben angenommen wurden – mehr Stress muss ich mir (hoffentlich) nicht machen.

Womit ich nicht so ganz glücklich bin, sind die voreingestellten Genres, die man auf neobooks auswählen kann – da passt einfach keines zu hundert Prozent zu Sein Artist. Aber mit den gewählten Begriffen kann man schon etwas anfangen, hoffe ich.

Hier könnt ihr euch die Leseprobe zum E-Book schon mal anschauen, wenn ihr mögt. Ich hab bislang den niedrigsten Preis gewählt – und Menschen, die ich kenne, würde ich das E-Book gern auch schenken, sobald es von neobooks überprüft wurde und endgültig bereit für die Shops ist. Bitte nicht über die Kürzestkapitel erschrecken – genau das war mein Ziel: in diese Miniaturkapitel alles an Emotion und nötiger Information reinzupacken, was ich sonst auf Hunderte von Seiten verteile(n muss). Und da sowohl meine Testleser als auch meine Lektorin dieses Experiment als gelungen betrachteten, bin ich umso glücklicher, es gewagt zu haben, auch wenn diese Erzählform definitiv nicht für jede Geschichte funktionieren würde.

Wie schon im letzten Post zum Thema gesagt: Große Erwartungen hab ich jetzt nicht. Aber ich freu mich, trotz des traumatischen Starts nun das Ding erfolgreich eingestellt zu haben – und indem ich hoffe, dass nun alles problemlos weiterverläuft, erwarte ich ja irgendwie doch etwas.

Samstag, 26. September 2015

Na, Kerlchen?

AD

Mal schauen, ob dich deine Autorin überhaupt erkennt ...

(Falls nicht: Dir sollte dringend jemand die Haare schneiden!)

Donnerstag, 24. September 2015

Praline!

GD

Vor meiner Operation am Gehirn 2007 sagte Alex zu mir, sie werde mir an jedem Krankenhaus-Tag eine andere Praline mitbringen, was sie dann tatsächlich auch gemacht hat. Die einzelnen Pralinen transportierte sie in einem kleinen braunen Schmuckkästchen, in dem sie normalerweise zwei goldene Ringe aufbewahrt, die sie von jeweils einer ihrer Tanten bekommen hat.

Als sie mich am Dienstag von der Neuro-KG abholte, brachte sie mich auf unseren Kirchhof, wo man bei Sonnenschein toll in der Sonne sitzen kann und bei fehlendem Sonnenschein … nun ja, zumindest an der frischen Luft sitzen kann. Am Dienstag war hier nur ein Frische-Luft-Tag, aber die Sonne ging trotzdem auf, denn schaut mal, was Alex mir schließlich überreichte:


Falls jemand wissen möchte, um welche Pralinensorte es sich hierbei handelte: Pistazienmarzipan!

Mittwoch, 23. September 2015

Erste Wege im Selfpublisher-Dschungel

AD

Die meisten mir bekannten Frauen würden, wenn sie eine Versicherungserstattung einer bereits bezahlten Rechnung bekämen, wahrscheinlich erst mal neue Herbstklamotten kaufen gehen. Ich … nicht. Stattdessen habe ich mir mit der Summe etwas geschenkt, was ich mir normalerweise nicht leisten könnte: ein Lektorat von Ka & Jott.

Hier habe ich ja schon erzählt, dass ich nach Schwester golden, Bruder aus Stein keine weiteren Geschichten aus dem Waidbronn-Kosmos mehr verlegen lassen, sondern in Bezug darauf lieber mal den Selfpublisher-Weg erkunden möchte. Und ich habe mich recht schnell entschieden, welches Projekt ich auf diese Reise mitnehmen will, auch wenn meine Wahl in Bezug auf die Verkäuflichkeit vermutlich die schlechteste ist, die ich treffen kann: Sein Artist.

Sein Artist ist eine Urban-Mystery-Novelle. Eine Novelle, die ich zuerst als Kurzroman bezeichnete, weil ihre Handlung theoretisch auch einen ganzen Roman füllen könnte. Einen ganzen Roman wollte ich für diese spezielle Geschichte aber nicht. Ich wollte Geschehnisse und Emotionen, die ich sonst auf mehrere hundert Seiten verteilen würde, so intensiv auf den Punkt bringen, dass die Geschichte auch in Kurzform wirkt. Deshalb erschien mir der Begriff Kurzroman anfangs als am passendsten. Durch die Zusammenarbeit mit Julia Kischkel von Ka & Jott bin ich aber zur Bezeichnung Novelle zurückgekehrt (über die ich natürlich auch schon nachgedacht hatte), weil diese eindeutiger ist und in Bezug auf die Länge der Geschichte keine falschen Erwartungen weckt. Sein Artist ist also eine Novelle mit etwas über 60 Seiten – die sich noch dazu mit einer Liebe zwischen den Generationen und anderen Nicht-Mainstream-Themen befasst. Verkäuflich? Ähm, nein, eher nicht.

Warum will ich Sein Artist trotzdem als erstes Selfpublishing-Projekt? Warum habe ich mir von all meinen speziellen Geschichten ausgerechnet die ultraspeziellste ausgesucht und kein Projekt, das zumindest ein ganz klein wenig angepasster an das ist, was allgemein gern gelesen und gekauft wird?

Ganz einfach: Diese Geschichte ist vollständig fertiggestellt und überarbeitet. Sie ist von allen Waidbronn-Geschichten jene, die zeitlich am dichtesten auf Schwester golden, Bruder aus Stein folgt. Sie ist aufgrund ihrer Kürze das perfekte Ausprobier-Projekt. Und sie besitzt bereits ein professionelles Cover, das ich von Georg und meiner Mama zum Geburtstag bekommen habe – im Juni, als noch keine Rede von Veröffentlichung war; das war ein absolutes Nur-für-mich-Geschenk. Und das alles reicht mir aus. Das sind perfekte Voraussetzungen für ein Experiment. Falls ich merken sollte, dass mir das Selfpublishing nicht liegt, habe ich nichts verloren und auch nicht übermäßig viel Zeit verschwendet. Bei einer Geschichte in Romanlänge sähe das anders aus.

Und für eine Geschichte in Romanlänge hätte ich mir auch kein professionelles Lektorat leisten können – eine Erfahrung, für die ich wahnsinnig dankbar bin und die ich nur jedem empfehlen kann, der sie sich leisten kann.

Dabei – und das hat mich wirklich umgehauen – hatte Frau Kischkel gar nicht viel an Sein Artist zu beanstanden. Es waren eher kleinere Schönheitskorrekturen, durch die wir dem Text gemeinsam den letzten Schliff verliehen: An einigen Stellen wurde der Ausdruck poliert, ganz zum Schluss gab es auch eine winzige inhaltliche Korrektur, aber das war alles nichts Dramatisches. Frau Kischkel nannte meinen kleinen Artisten den fehlerfreisten Text, der ihr bislang untergekommen sei, und sogar die Sexszene, derentwegen ich in Bezug aufs Lektorat Blut und Wasser geschwitzt hatte, mochte sie – Leute, ich wäre echt fast vom Stuhl gefallen.

Und im Hinblick darauf glaube ich, dass Selfpublishing vielleicht wirklich das Richtige für mich sein könnte. Dass es okay ist, dass ich mir nicht für jeden Text ein professionelles Lektorat leisten kann, weil ich tatsächlich kaum mehr Fehler zu machen scheine. Was wiederum der endgültige Beweis dafür ist, dass Georg ein großartiger Betaleser war – meine alten Texte hatten definitiv keine solche Qualität, er hat immer noch etwas gefunden, das gravierend verbessert werden musste und dann natürlich verbessert wurde. Auch bei SGBAS, das ja noch von Georg betagelesen worden war, lief das Lektorat ganz entspannt ab, es gab kaum etwas zu ändern – nur dass ich da ein bisschen Angst hatte, dass das womöglich auch auf die Unerfahrenheit der Lektoren des sehr, sehr jungen Verlags zurückzuführen sein könnte. Nun aber habe ich die Zusammenarbeit mit einer erfahrenen Lektorin erlebt, und erneut gab es keine dramatischen Änderungen. Stattdessen aber eine wirklich erfüllende Arbeit mit dem Text, der ich ein paar neue Kniffe verdanke, die ich auch in weitere Projekte werde mitnehmen können.

Was ich besonders hervorheben möchte und was, denke ich, gerade für Selfpublisher wichtig ist, welche in der Regel die volle inhaltliche Kontrolle über ihre Geschichten behalten wollen (wie ich ja auch): Frau Kischkel hat mir nie etwas aufgedrängt. Einzelne ihrer Vorschläge habe ich nicht oder nur zum Teil übernommen, weil mir die ursprüngliche Version besser gefiel, und diese Freiheit in der Zusammenarbeit schätze ich sehr.

Kurz: Ich fand das Lektorat großartig und kann Ka & Jott absolut weiterempfehlen.

Der nächste Schritt? Einen passenden Anbieter finden, über den ich das E-Book verkaufen möchte. (Haha, verkaufen. Ähm, in die Shops stellen lassen. Dings.) Auch hier habe ich meine Wahl schnell getroffen: Der für eine Technikniete wie mich übersichtlichste Anbieter ist neobooks. Zwar habe ich selbst da nicht von Anfang an durchgeblickt, aber ich kann euch jetzt schon sagen: Das neobooks-Team bietet einen tollen Service. Auf all meine bisherigen Fragen, die ich per E-Mail gestellt habe, habe ich innerhalb weniger Tage eine freundliche, aussagekräftige Antwort bekommen, verbunden mit dem Hinweis, dass ich mich jederzeit wieder melden kann, falls weitere Fragen auftreten sollten. Das hätte ich nicht erwartet, muss ich ehrlich gestehen; das hat mich richtig geflasht. Und ich bin mir ganz sicher, dass weitere Fragen auftreten werden, sobald ich mich ernsthaft daran mache, Sein Artist dort hochzuladen. Ich meine, wir sprechen hier von mir. Aber irgendwie wird das schon klappen.

Erwartungen habe ich, wie schon vor Kurzem gesagt, keine. Ich weiß, dass Geschichten wie meine keine Renner werden, und mein Alltag lässt mir weder Zeit noch Energie, mich als Marktschreier zu betätigen, der mit Werbe-Goodies zur Geschichte um sich wirft. Und das wäre wohl auch nicht mehr ich. Ich möchte meine Geschichten lieben und sie in die schönste Form bringen, zu der ich fähig bin, aber ich werde mich nicht in den Konkurrenzkampf mit anderen Autoren stürzen. Der Selfpublisher-Markt ist mindestens so umkämpft wie der reguläre Buchmarkt; jeder möchte gesehen und gelesen werden, und anders als in der Verlagswelt kann das auch jeder. Aber man muss gewaltiges Marketing betreiben, um dauerhaft sichtbar zu bleiben, weshalb ich lieber von Anfang an ehrlich sage: Das kann ich nicht leisten.

Was ich aber sehr, sehr hoffe: dass ich mich in das Ergebnis verliebe. Dass ich Sein Artist schließlich auf meinem E-Book-Reader habe, die Geschichte selbst noch einmal lese und finde: Das hat sich gelohnt, bitte mehr davon!

Sonntag, 20. September 2015

HELP!

GD

Vor wenigen Tagen ereilte uns der Schock: Nachdem wir die winzigen Macken, die unser neues Blog-Design mit sich brachte, der Schönheit zuliebe hingenommen hatten (und ja, ich wollte dieses Design wirklich unbedingt haben), haben wir eine größere Macke entdeckt, die wir nicht ganz so leicht (bzw. gar nicht) akzeptieren können: Und zwar ist nicht ausschließlich das direkte Antworten auf Kommentare nicht mehr möglich (das allein war okay für uns) – auch ehemals per Kommentar geführte Gespräche werden auseinandergerissen, indem sämtliche Kommentare einfach in der zeitlichen Reihenfolge angezeigt werden, sodass der Sinn verloren geht bzw. erst mühsam wieder zusammengeklaubt werden muss.

MIMIMI!

Alle anderen kleinen Macken waren wirklich okay, aber das nervt uns nun doch gewaltig, so sehr wir das Design auch mögen. Darum werden wir im Laufe des Tages ein neues einstellen, bei dem dieses Problem nicht auftritt (auf dem Test-Blog ausprobiert) und das uns ebenfalls sehr gut gefällt.

Zum Post-Titel passend noch eine kurze Anekdote von gestern Mittag, die sich an einer Supermarktkasse zugetragen hat. Dort musste ich erstmals seit langer Zeit wieder meine PIN beim Zahlen mit EC-Karte angeben, zuvor lief es monatelang über meine unvergleichlich schöne Unterschrift ab.

Ich zur Kassiererin: »Ist das jetzt so eine Art Glücksspiel, ob man unterschreiben oder die PIN eingeben muss?«

Kassiererin zu mir: »Jaaaaa, zum Bezaaaaahlen braucht man eine PIIIIIN.«

Stille an der Kasse. Außer der Kassiererin war offenbar jedem klar, dass nicht ich derjenige war, der sich merkwürdig verhielt. Früher haben Alex und ich auf solche Situationen noch reagiert, inzwischen schauen wir uns aber bloß noch resigniert an. Ich gab dann also meine PIIIIIN ein und war froh, dass die Kassiererin zumindest nicht Alex vorher gefragt hatte, ob ich denn wirklich alleine zahlen dürfe.

Samstag, 19. September 2015

Sie kritzelt und herzt

AD

Glaubt es oder nicht – theoretisch hab ich schon wieder eine Leseempfehlung für euch. Praktisch ist diese Empfehlung aber ausschließlich für jene von euch relevant, die einen Account in Poolys Kunst- und Schreibforum haben oder sich einen anlegen möchten, denn es handelt sich diesmal um eine Geschichte, die dort kostenlos online zu lesen ist und – wie alle Werke auf Poolys – nur von Mitgliedern eingesehen werden kann.

Und zwar geht es um Über die Kunst des Fliegens von Jule, deren Südafrika-Blog ich hier auch schon empfohlen hatte. Die Geschichte ist noch in Arbeit (sieben Kapitel sind bislang gepostet, ein leichter Einstieg ist also noch möglich) und ein Drama mit folgendem Inhalt:

Lisha Carter, aufgewachsen in einem Heim, hat sich schon immer eine Schwester gewünscht. Eines Tages kommt sie auf eine ungewöhnliche Idee und gibt eine Annonce in der Zeitung auf. Als jedoch kurze Zeit später zwei obdachlose Mädchen an ihre Tür klopfen, die zu allem Überfluss auch noch Schwestern sind, kommt alles ganz anders als erwartet.

Ich mag bislang alle drei Mädchen/jungen Frauen total gern – und finde es bestechend, dass dies eine Geschichte ist, in der kein einziger Kerl eine Hauptrolle hat, zumindest bisher nicht. Wirklich toll! In meinen Kopf spazieren (leider, denke ich manchmal) größtenteils männliche Charaktere, und meist kann ich mich auch in »fremden« Geschichten mit den Männern besser identifizieren – aber diese drei haben es mir angetan. Sie sind liebevoll ausgearbeitet, auch optisch gut beschrieben, und ich LIEBE es, dass Sara, mit neun Jahren die jüngste im Bunde, eine leicht schiefe Nase hat. So etwas liest man wirklich selten.

Und irgendwie musste ich versuuuuchen, Saras Gesichtchen einzufangen – dass die Nase leicht gekrümmt ist, hab ich aber nur minimal angedeutet, weil ich ja nicht weiß, wie stark die Krümmung in Jules Kopf ausgeprägt ist (ähm, das kann man jetzt auch falsch verstehen, also versteht es bitte richtig *gg*), und als auffällig wird sie in der Geschichte nicht beschrieben:


Ja. Ich kritzle und herze. Und irgendwie finde ich, dass meine Zeichnungen inzwischen meist relativ vorzeigbar sind, vor allem die von Mädchen und jungen Frauen. Was irgendwie wiederum doof ist, weil zu mir nun mal größtenteils Kerle kommen, aber ein paar Damen hab ich schon auch, und ansonsten – Fankunst ist ja auch schön.

Und falls ihr jetzt denken solltet: Die empfiehlt ja zurzeit alles, was sie liest!  – NAIÄN, tut sie nicht. Es ist allerdings inzwischen so, dass ich Sachen, die mir nicht gefallen, in der Regel gar nicht mehr zu Ende lese, weil mir dafür, so hart es klingen mag, meine Lebenszeit zu schade ist. Daher gibt es von mir eben insgesamt mehr Positives zu lesen als Negatives, und wenn ich etwas sehr mag, möchte ich es auch gern anderen empfehlen.

Freitag, 18. September 2015

Himmelsspiele

GA

Weshalb wir gestern Abend erst am Badfenster, dann auf dem Balkon klebten ...








Donnerstag, 17. September 2015

Fatal Lights

AD

Ihr Lieben, schon wieder möchte ich euch unbedingt eine Geschichte empfehlen – und zwar Fatal Lights von Marie Graßhoff, der Autorin, die neben Julia Mayer »schuld« daran ist, dass ich seit einiger Zeit darüber nachdenke, dem Selfpublishing ernsthaft eine Chance zu geben. Denn Fatal Lights ist eine selbstverlegte Kurzgeschichte, die in subtiler Verbindung zu Marie Graßhoffs Kernstaub-Trilogie steht – und obwohl ich Kernstaub aufgrund meiner unsäglichen Lesefaulheit in den letzten Monaten immer noch nicht kenne, hat diese kleine Geschichte (in Verbindung mit Marie Graßhoffs Blog, auf dem es ebenfalls zahlreiche tolle Texte zu lesen gibt) ausgereicht, um mir zu zeigen, dass diese Autorin eine wahre Wortkünstlerin ist.

Marie Graßhoffs Schreibstil ist … unglaublich. Wer mich schon ein Weilchen kennt, weiß, dass ich die Autorin Antonia Michaelis unendlich für ihren Stil bewundere. Und wer weiß, wie häufig ich über Stilpatzer in Büchern meckere, glaubt mir bestimmt, wenn ich sage: Marie Graßhoffs Stil bewundere ich ebenso sehr.

Fatal Lights hat kein professionelles Lektorat durchlaufen, liest sich aber so. Dasselbe kann ich über die ersten Seiten von Kernstaub sagen, die ich zumindest schon kenne, da ich eine wunderschöne Taschenbuch-Ausgabe des Romans besitze. Und in Kombination mit der Tatsache, dass Marie Graßhoff die Cover zu ihren Geschichten selbst gestaltet, kann ich sie einfach nur eine Allround-Künstlerin nennen, neben der ich mir vorkomme wie ein künstlerischer Einzeller.

Hier könnt ihr euch das Cover zu Fatal Lights anschauen, welches Marie mir extra für diesen Eintrag zur Verfügung gestellt hat – tausend Dank dafür!


Die Inhaltsangabe zur Kurzgeschichte, die ich von Amazon übernommen habe:

»An einigen Tagen kommt es mir vor, als bräche das Flimmern der Lichter mein Genick.«

Der Vierte Weltkrieg ist vorüber und auf einer Waldlichtung, in einer stillen Sommerhütte, fristen Ludvig und Samantha schon seit über einem Jahr ein ruhiges Leben. Ob es den Rest der Welt noch gibt, wissen sie nicht. Tag für Tag warten sie auf ein Zeichen von anderen Überlebenden. Aber Strahlung und Schadstoffe durchdringen alles und langsam läuft ihnen die Zeit davon.

»Fatal Lights« steht in hauchzarter Verbindung zum »Kernstaub«-Universum, kann aber vollkommen unabhängig davon gelesen und verstanden werden.

Und wisst ihr was? Viel mehr kann ich euch über den Inhalt gar nicht verraten, ohne furchtbar zu spoilern. Außer, dass es in dieser Kurzgeschichte um eine problematische, spannungsgeladene und doch innige zwischenmenschliche Beziehung geht – und um einen schwerwiegenden Gewissenskonflikt. All das stellt Marie Graßhoff glaubhaft, berührend und sprachgewaltig dar. Diese Kurzgeschichte lässt ein viel größeres Szenario im Kopf des Lesers entstehen, als es die eigentliche Handlung aufzeigt. Man kann sie tatsächlich komplett ohne Kernstaub-Vorwissen verstehen, denn wäre das nicht so, hätte auch ich sie nicht verstanden – und doch merkt man der Geschichte an, dass sie Teil von etwas Großem ist; dass da noch viel mehr in diesem Universum schlummert, als Fatal Lights dem Leser preiszugeben bereit ist.

Ich empfehle diese Kurzgeschichte jedem, der auf der Suche nach einem kleinen Juwel ist, das man ohne viel Zeitaufwand lesen kann – und auch jedem, der Lust hat, sich in eine größere Geschichtenwelt hineinziehen zu lassen. Diesbezüglich lässt Fatal Lights dem Leser wirklich die Wahl. Wunderschön!

Mittwoch, 16. September 2015

Keine Angst vorm Amtsgericht

Warum ein Betreuer hilfreich sein kann

AD


Wer unseren Blog regelmäßig liest, kennt unseren Lebensentwurf: Bei uns ist es so, dass ich Georg in Vollzeit pflege, und als häusliche Pflegeperson hat man weder ein Einkommen noch eine Krankenversicherung, sodass wir zum Überleben in der Regel auf soziale Leistungen angewiesen sind. Diese wurden uns nun aus verschiedenen Gründen vollständig gestrichen, sodass auch die Krankenversicherung wegfiel. Die habe ich natürlich lückenlos als freiwillig Versicherte neu abgeschlossen (Georg ist seit Jahren bei mir familienversichert), aber unsere Gesamtsituation ist derzeit ein riesengroßer Bürokratiehaufen.

Georgs »Anteil« an diesem Bürokratiehaufen ist weit größer und weitläufiger als meiner, aufgrund seiner krankheits- und behinderungsbedingten Defizite ist es ihm aber schon seit Langem nicht mehr möglich, solche Angelegenheiten selbstständig zu regeln. Das bedeutet, dass ich diese Dinge seit Jahren übernehme – nun allerdings bin ich an einem Punkt angelangt, der meine Kompetenz bei Weitem übersteigt. Das weiterhin auf eigene Faust zu handhaben, wäre nicht nur unendlich anstrengend, sondern schlichtweg fahrlässig, weil ich keine tiefergreifende Ahnung von den betreffenden Gebieten habe und Georg so nicht in gewohntem Umfang helfen kann.

Darum hat Georg in Rücksprache mit unserer Hausärztin vor einigen Wochen einen Berufsbetreuer beim Amtsgericht beantragt, welcher ihm nun zugestanden wurde und ab sofort sämtliche Behörden- und Finanzangelegenheiten für ihn regelt. Der Mann, der ihm nach verschiedenen Prüfungsstufen (ärztliches Gutachten, Gutachten der Betreuungsbehörde, Prüfung durch die zuständige Richterin) zugeteilt wurde, ist nicht wesentlich älter als wir, zum Glück extrem nett und Anwalt von Beruf – wir haben einen wirklich tollen ersten Eindruck von ihm gewonnen.

Was von uns zuerst gar nicht angedacht war, aber von der Betreuungsbehörde zusätzlich vorgeschlagen wurde: dass ich Georgs Betreuerin im Bereich Gesundheitsfürsorge werde. Das heißt, ich mache im Grunde das Gleiche wie seit Jahren ohnehin schon, nur habe ich einen Betreuerausweis, der medizinisches Personal grundsätzlich verpflichtet, mir jedwede Auskunft zu geben und mit mir zusammenzuarbeiten.

Jene Mediziner und deren Mitarbeiter, die mich kennen, machen das natürlich sowieso (ich durfte sogar schon regelmäßig durch den Personaleingang auf die Intensivstation einer Klinik kommen, ohne mich anzumelden, weil das Pflegepersonal mir da vertraute), insofern ändert sich erst mal nichts für uns, außer dass ich einmal jährlich einen Bericht ans Amtsgericht schicken muss, in dem steht, ob sich etwas an Georgs gesundheitlicher Situation verändert hat.

Heute Morgen hatte ich die endgültige Verpflichtung als Betreuerin. Wir glauben nach einiger Überlegung, dass das die richtige Entscheidung war, zumal wir ohnehin alles Gesundheitliche gemeinsam besprechen und entscheiden, jedweder (längere) Schriftverkehr sowie Telefonate aber von mir geführt werden (müssen).

Und was wir beide in Bezug auf den ganzen Vorgang hervorheben möchten, ist die extreme Freundlichkeit, die uns von sämtlichen Mitarbeitern des Amtsgerichts entgegengebracht wurde, mit denen wir bislang zu tun hatten. Ganz ehrlich, nach all der Ämter-Scheiße, die wir im Laufe der letzten Jahre schon mitgemacht haben, waren wir absolut geplättet, dass es auch ganz anders geht.

Und falls sich nun jemand Sorgen wegen des Schlagworts Betreuung macht: Eine Entmündigung, mit der viele diesen Begriff noch immer verbinden, ist in Deutschland nicht mehr möglich. Dass Georg nun sowohl von einem Berufsbetreuer als auch von mir offiziell vertreten wird, bedeutet natürlich nicht, dass irgendetwas über seinen Kopf hinweg entschieden werden kann; darüber haben wir uns vorher eingehend informiert. Das heißt im Klartext: Nein, ich kann nicht veranlassen, dass ein plastischer Chirurg Georg zwei Brüste verpasst, auch wenn ich ihn zehnmal pro Tag meine kleine Prinzessin nenne. Tut mir leid!

Samstag, 12. September 2015

Blümchen, Ziergras und Schneckensex

GA








 Achtung!


Das folgende Foto kann Spuren von Schleim enthalten und
ist nicht für Menschen mit empfindlichem Magen geeignet:

Freitag, 11. September 2015

Fassungslos

AD

Ich hatte gesagt, ich möchte nicht in der Öffentlichkeit breittreten, was genau bezüglich meiner Veröffentlichungen schiefgelaufen ist, ja? Ja. Das nehme ich hiermit zurück, zumindest in Bezug auf einen Punkt.

Ich habe dem Verlag von Anfang an offen gesagt, dass ich zwingend monatliche Honorarnachweise brauche. Zwingend. Nachdem ich das Honorar und die Abrechnung – zwei Monate zu spät – nun wohl endlich erhalte, wurde mir allerdings gesagt, dass es keine monatlichen Honorarnachweise gibt, und das könne ich »dem Amt ruhig auch so weitergeben.«

Ich … bin fassungslos. Und am Ende. Jeder Amokläufer auf der Welt, der von anderen Menschen in eine solche Scheiße geritten wird und dann einfach nicht mehr kann und durchdreht, hat mein Verständnis. Ich für meinen Teil bin ein zu beherrschter und verantwortungsbewusster Mensch für so etwas, keine Sorge – aber ganz ehrlich, ich kann nachvollziehen, warum es Menschen gibt, die keine andere Möglichkeit mehr sehen. All das angebliche Verständnis, all das »Wir kennen deine Situation, das kriegen wir schon hin« – und letztlich das.

Bis auf diese hier habe ich dafür keine Worte mehr.

Mittwoch, 9. September 2015

Wortdiamant für graue Tage

AD

Liebe Menschen? Falls ihr noch auf der Suche nach dem perfekten Lesestoff für die kalten, grauen Herbsttage seid, habe ich eine Empfehlung für euch, die mich so sehr begeistert hat wie seit langem kein anderes Buch. Auch deshalb, weil ich seit Monaten in einem absoluten Lesetief gesteckt habe und dieses Buch sich beinahe zufällig (Pathos!) erst in meine Hände und dann in mein Herz gestohlen hat.

Nachdem ich eine gefühlte Ewigkeit NICHTS von all dem gelesen habe, was ich mir – besonders durch Poolys Kunst- und Schreibforum – vorgenommen hatte, fiel mir vor vier Tagen beim Abstauben Die Keime: Old Souls I von Julia Mayer in die Hände. Und ich begann zu lesen, wie beiläufig eigentlich, so: Ach, jetzt hab ich es in der Hand, dann schau ich endlich auch mal rein.

Seit heute bin ich fertig – und ich LIEBE dieses Buch, wie man gestern ab hier auf Twitter schon lesen konnte. Wenn ich etwas sehr liebe, schaltet mein Gehirn irgendwann wohl automatisch auf debil um, und Old Souls liebe ich schon jetzt mehr als sehr. Da ist es gut für mich, dass diese Dystopie acht Bände haben wird und ich Die Brut: Old Souls II bereits besitze.

Worum also geht es?

Amerika im Jahr 2074 – auf einer Erde, die der unseren einerseits gleicht, auf der andererseits aber völlig andere Voraussetzungen herrschen. In Julia Mayers Dystopie herrscht das Prinzip der Wiedergeburt, und zwar nicht als Glaubensinhalt, sondern als unumstößliche Tatsache. Seit einiger Zeit gibt es in diesem Kreislauf jedoch genau diese Wiederkehr nicht mehr, die Menschen sterben endgültig – und dafür verantwortlich gemacht werden jene Seelen, die sich auf der geringsten Stufe der Bewusstseinsleiter befinden: die Keime, die durch einen schwarzen Ring um die Iris leicht identifizierbar sind und nun hemmungslos gejagt und getötet werden, um den angeblich wertvolleren Seelen den Weg zur Wiederkehr wieder freizumachen.

Auch die junge Avery, einst bessergestellt und behütet aufgewachsen, ist so ein Keim und muss vor ihrer eigenen Familie fliehen. Begleitet wird sie dabei seit einiger Zeit von Skar, einem verschlossenen Mann mittleren Alters, der einen Traum hatte, welcher ihn zu Avery führte. Solche wegweisenden Träume sind wichtig für Keime wie Avery und Skar: Folgen sie ihnen, besteht für sie die Chance, mehr über ihre früheren Leben herauszufinden und so endlich zu Splittern zu werden, das heißt, die nächste, vermeintlich sichere Bewusstseinsstufe zu erreichen.

Averys und Skars Weg ist voller Gefahren, und während Avery sich nach Nähe und Zuneigung sehnt, ist Skar ein Mensch, der sich überwiegend abweisend und spöttisch ihr gegenüber gibt. Dennoch hält er an ihr fest, dennoch ist sie der einzige Mensch, den er langfristig erträgt – denn im Gegensatz zu den meisten anderen Menschen, die in jenen hoffnungslosen Zeiten dem Alkohol oder diversen härteren Drogen verfallen, ist sie klar im Kopf und verliert ihr Ziel nie aus den Augen. Die beiden verbindet eine skurrile Mischung aus Abhängigkeit und Hassliebe, und in all der Hoffnungslosigkeit haben mich ihre Gespräche oft zum Schmunzeln gebracht.

Und ja, Hoffnungslosigkeit ist das vorherrschende Gefühl dieses Buches. Julia Mayers Dystopie ist hart, und sie beschränkt sich anders als viele bekannte Dystopien unserer Zeit nicht auf Teenager, was ich als extrem angenehm empfunden habe. Mayers Schreibstil enthält poetische Formulierungen und zugleich zutiefst abstoßende Beschreibungen von Dingen, die nun mal zutiefst abstoßend sind. Das gefällt mir sehr.

Am Ende ließ mich Die Keime verzaubert und verstört zugleich zurück. Wüsste ich nicht, dass die Geschichte noch weitergeht, wäre ich jetzt wohl ziemlich am Boden – so aber bin ich regelrecht euphorisch, noch weiterlesen zu können, und musste gestern meiner flirrenden Begeisterung unbedingt Ausdruck verleihen, indem ich Avery zeichnete, auch wenn das Bild ihr nicht wirklich gerecht werden kann:


Ich empfehle dieses Buch jedem, der außergewöhnliche Geschichten mag und nicht auf happy-pappy (danke, Jade, für dieses Wort *gg*) besteht, denn ein Wohlfühlbuch ist dieses definitiv nicht. Für mich ist es ein Wortdiamant für Tage, die so sind wie die vorherrschende Stimmung des Buches: grau. (Okay, bei uns scheint heute die Sonne, aber das war ein Notfall, ich MUSSTE ja schließlich weiterlesen, nachdem ich gestern schon fast fertiggeworden war.)

Und wisst ihr, was das Beste ist? Julia Mayer bietet Die Keime auf ihrem Blog vollkommen kostenlos als E-Book an, sowohl als ePub als auch als mobi. Hier geht’s zum Download, und vielleicht finden sich ja ein paar Menschen, die bald mit mir gemeinsam fangirlen wollen: Klick!

Sonntag, 6. September 2015

Menschen-Plan-Traum-Chaos

AD

Blogideekasten-Thema #28: Menschen und ihr Einfluss auf dein Leben


Vorwarnung: Das hier wird ein chaotischer Eintrag. Dabei dachte ich ursprünglich, diesmal hätte ich endlich einen Themenbereich für den Blogideekasten gefunden, der sich schnell und unkompliziert zusammenfassen lässt. Das Thema selbst ist natürlich extrem groß, aber der Teilbereich, über den ich schreiben wollte (und werde, es kommt nur noch was dazu), ist relativ überschaubar.

Und zwar geht es erst mal einfach bloß darum, wieso Georg und ich heute unter unseren Klarnamen im Internet unterwegs sind. Das hatte ich zwar schon mal kurz erklärt, aber es schadet (mir) nicht, mich noch einmal in überschaubarem Umfang damit auseinanderzusetzen.

Ich wollte früher niemals meinen realen Namen im Netz bekanntmachen. Und vor allem wollte ich früher niemals unter meinem realen Namen Geschichten veröffentlichen. Gedichte ja, das habe ich schon öfter gemacht und das ist etwas so unauffällig Winziges, dass das nie ein Problem für mich war. Aber Geschichten oder sonstige längeren Texte – nein. Dass es anders kam, verdanke ich Menschen, die mir online relativ übel mitgespielt haben – ich schreibe »relativ«, weil ich diesbezüglich von noch weit heftigeren Erlebnissen weiß, als die meinen es waren.

Menschen, die mich bezüglich ihrer Identität (ganz oder zum Teil) nach Strich und Faden belogen. Ehemalige Freunde, die mich öffentlich diffamierten. Und die aus diesen Erlebnissen erwachsende Frage: Was, wenn das an fragwürdigem Vergnügen irgendwann nicht mehr ausreicht? Was, wenn sich einer von diesen Menschen irgendwann einen Spaß daraus macht, auch meinen vollständigen Namen ins Netz zu stellen, einfach weil ihnen sonst nichts mehr einfällt? Natürlich hätte ich in so einem Fall dagegen vorgehen können, aber das hätte nichts besser gemacht.

Irgendwann – als Georgs Artikel in der WIR erschien –, haben wir uns dann dafür entschieden, einfach selbst öffentlich zu machen, wie wir heißen. Denn spätestens mit der SGBAS-Veröffentlichung hätte ich mit einem Pseudonym signalisiert, dass ich ausdrücklich nicht möchte, dass irgendwer meinen Klarnamen erfährt – und in diese Abhängigkeit wollte ich mich einfach nicht begeben. Nicht mal vorrangig in Bezug auf Menschen aus der Vergangenheit, sondern in Bezug auf jeden Menschen. Man weiß letztlich nie, was passiert, und es ist wesentlich leichter so. Unkomplizierter. Ich muss nicht mehr nachdenken bezüglich der Namensfrage, und Georg und ich sind beide inzwischen ganz zufrieden damit.

Hier haben Menschen meine Überlegungen und Entscheidungen maßgeblich mitbeeinflusst, und wenn es auch anfangs nicht zum Positiven war, bereue ich es nicht, gemeinsam mit Georg diese Entscheidung getroffen zu haben. War rückblickend betrachtet gut so, ehrlich.

Und ich werde das auch künftig so beibehalten, meinen realen Namen für Veröffentlichungen zu verwenden, es sei denn, ich schreibe mal aus Versehen was After-Mäßiges. Die Gefahr ist aber höchst gering.

So, und jetzt kommt das Chaos. Nein, ihr habt euch nicht verlesen neulich – ich möchte die Waidbronn-Geschichten definitiv nicht mehr verlegen lassen, nachdem im Rahmen von SGBAS einiges nicht so geklappt hat wie vereinbart. Aber ich habe inzwischen gründlich darüber nachgedacht, mir für mich selbst und ohne Erwartungen mal eine andere Art der Veröffentlichung anzuschauen: die des Selfpublishings. Nicht, weil ich unbedingt den Stempel »veröffentlicht« für meine Geschichten brauche – ich ticke da irgendwie anders als viele andere Autoren. Narina hat hier etwas geschrieben, was meine eigene Ansicht wunderbar zusammenfasst.

Was ich aber möchte und was mich reizt, ist der Aspekt, tatsächlich in Eigeninitiative ein Produkt zu entwerfen, von dem ich überzeugt bin – in meinem Rahmen. Und mein Rahmen, das ist auch unabhängig von meinen Erfahrungen mit SGBAS ein ganz anderer als der des Buchmarktes. Mein Rahmen, das sind immer auch fiktive Menschen, die ich fast so sehr liebe wie enge Freunde und für deren Leben ich mich verantwortlich fühle – und gerade für den Waidbronn-Kosmos eignet sich das Selbstverlegen darum einfach perfekt. Das ist eine inzwischen riesige, in sich schlüssige Welt, die mich noch lange begleiten wird (oder umgekehrt) – und da eine Geschichte nach der nächsten als wirklich schön gestaltetes E-Book zu besitzen (!) und anzubieten, während sämtliche Rechte bei mir verbleiben, fände ich toll. Und uff, ja, mir ist das Besitzen der E-Books wichtiger als das Verkaufen, aber ich glaube, mit so speziellen Geschichten, wie es jene aus dem Waidbronn-Kosmos sind, ist das auch eine recht akzeptable Einstellung für den Anfang.

Ich muss ganz offen beichten, dass Selfpublishing in meinem Kopf lange Zeit ein ziemliches Bäh-Image hatte, weil ich mehrfach über Geschichten jenseits von Gut und Böse gestolpert bin und dann erst mal echt bedient war. Geändert hat sich das erst, seit ich vereinzelte Selfpublisher kenne, die Geschichten veröffentlicht haben, für die es in meinen Augen kein anderes Wort gibt als Kunst. Und auch wenn das hier nun wirklich chaotisch und unkoordiniert klingt, habe ich sogar schon recht konkrete, durchdachte Pläne, wie ich vorgehen möchte. Ein Anfang ist bereits gemacht.

Mehr dazu kommt aber im Laufe der nächsten Tage und/oder Wochen. Heute soll nämlich noch ein total abgefreakter Traum Platz in diesem Post finden, den ich letzte Nacht von der lieben Lulu Wedekind hatte – und ich habe ehrlich keine Ahnung, wie mein Gehirn darauf gekommen ist.

Ich träumte, ich hätte einen Blog-Post hier hochgeladen, in welchem ich nach Gleichgesinnten bezüglich des Themas »Mal Selfpublishing ausprobieren« suchte, also erklärte, was ich soeben erklärte, und dann fragte, ob es jemanden gebe, der sich mit ähnlichen Gedanken trägt, ein fertiges oder fast fertiges Projekt hat und mein Selfpublishing-Discovery-Partner (oder so) werden möchte – »also so was Ähnliches wie ein Abnehm-Partner, nur cooler.«

Und in meinem Traum meldete sich Lulu darauf – fragt bitte wirklich nicht, wieso, auf jeden Fall planten wir dann das Ganze, suchten zig Selfpublishing-Anbieter raus, verglichen diese, und während ich erst mal ausschließlich E-Books ausprobieren wollte, entschied Lulu sich von Anfang an auch für eine Druckversion. Das alles zog sich im Traum total lang hin, und schließlich hatte sie nach mehreren Monaten ihren Probedruck bekommen und war, obwohl wir einander noch nie gesehen haben, mit einem Mal bei uns hier in der Wohnung, sodass ich das Buch anschauen konnte. Blöderweise erinnere ich mich nicht mehr daran, wie das Cover aussah, nur daran, dass es wahnsinnig schön war und ich irgendwie zig Fotos von dem Buch machte.

Ähm. An mehr erinnere ich mich nicht, aber im Traum vergingen schließlich mehrere Monate, da kann man ja nicht jedes Detail behalten, vor allem wenn man schon so alt ist wie ich. In jedem Fall finde ich es wahnsinnig schräg und faszinierend, wie auch Menschen, die man gar nicht näher kennt, einen so ausführlichen Weg in die eigenen Träume finden können (egal, wie seltsam diese sind), weshalb ich den Traum nun auch noch mit in diesen Eintrag packen wollte, statt ihn separat zu erzählen.

Und damit war ich in Bezug auf den Blogideekasten doch tatsächlich mal extrem schnell! Über die Qualität dieses Eintrags sprechen wir aber besser nicht.

Freitag, 4. September 2015

Schwind-Sucht

[Bitte beachten Sie das Wortspiel!]

GD

Blogideekasten-Thema #74: Suchtverhalten

Im Frühjahr 2007 war ich im ersten Ausbildungsjahr zum Bürokaufmann und gemeinsam mit einer guten Freundin und Kollegin, die ein Jahr später sogar meine Trauzeugin wurde, für die Azubi-Zeitung des Rehakrankenhauses zuständig. Einer unserer Artikel befasste sich mit dem Thema Internetsucht – ein Thema, welches ich heute differenzierter sehe als damals.

Ich stelle hier nun erst mal den persönlichen Abschnitt von mir ein, den es damals in diesem Artikel zu lesen gab, und hinterher füge ich hinzu, was ich heute anders sehe bzw. was ich heute über die Entwicklung dieser Art von Abhängigkeit denke.

Ich selbst war in gewissem Maße internet- oder viel eher chatabhängig. Das ständige Gefühl, in meinen favorisierten Chaträumen präsent sein zu müssen, um mich immer wieder aufs Neue in irrwitzigen Chat-Gesprächen zu verlieren und meist auch nur, um ziemlich inhaltslose Gespräche mit irgendwelchen Chattern zu führen, kam in mir immer wieder auf.

Und das Kuriose war, dass ich, wenn ich in den Chat-Portalen niemanden vorfand, nicht einfach sagen konnte: »Okay, ich geh raus«, sondern wartete. Ich brauchte mehrere Male am Tag den »Kick«, online zu sein. In meiner Hochphase war ich bis zu zwölf Stunden am Stück on.

Wenn ich auch noch so den Drang verspürte, etwas trinken zu müssen, verweilte ich dennoch vor dem Internet und führte weiterhin sinnlose Gespräche; oder ich verharrte einfach so vor dem PC und wartete darauf, dass im Chat etwas passierte. Schlussendlich war es dann sogar so weit, dass mein Bedürfnis, zur Toilette zu gehen, unterdrückt wurde, bis ich es gar nicht mehr aushalten konnte. Also ging ich schnell aufs Klo, aber immer mit dem Gedanken im Hinterkopf: »Ich verpasse was!«

Natürlich war dies nicht so. Ich gaukelte mir selbst irgendetwas vor, was die ganze Zeit, die ich im Netz verbrachte, rechtfertigen sollte. Ich verstrickte mich in Widersprüche, denn einerseits war mir klar: »Ich bin abhängig«, andererseits wollte ich es nicht wirklich wahrhaben.

Ich versuchte, mich selbst zu beschränken, indem ich mir das Ziel setzte, eine Woche lang nicht zu chatten, was auch funktionierte, aber dennoch war eher ein gegenteiliger Effekt zu beobachten.

Ein weiterer Versuch war, mit Einsetzen der Kursstufe (Klasse 12 und 13) meine Internetaktivitäten auf drei Tage (Montag, Mittwoch, Freitag) der Woche zu beschränken, jedoch ging dieser Versuch kräftig nach hinten los. Ich hielt mich nämlich nicht an diese selbst erstellte Auflage, sondern hing wieder viel zu lange im Netz.

Ein möglicher Grund für meine Internetsucht war das Fehlen einer Bezugsperson. Im Internet versuchte ich, über die »neue Kommunikation« geeignete Ansprechpartner zu finden.

Dies ist also etwas, das ich selbst erlebt habe und das sich auch nicht wegdiskutieren lässt, egal wie häufig das Thema Internetsucht belächelt wird. Was ich heute allerdings glaube, ist, dass die Art von Internetsucht, wie ich sie erlebt habe, eines Tages aussterben wird.

Denn: Meine Generation ist die letzte, die das Internet erst im späten Teenageralter kennenlernte. Für heutige junge Menschen ist das Online-Sein bereits größtenteils so selbstverständlich, wie es für mich als Kind das Haustelefon war. Wer das Internet erst als älterer Teenager oder Erwachsener kennenlernte, entdeckte erst mal eine neue Welt. Besonders für Menschen wie mich, die aufgrund von Äußerlichkeiten wie einer offensichtlichen Behinderung im Alltag ausgegrenzt wurden, war das eine überwältigende Erfahrung: Im Chat wurden sie z.B. nicht von vorneherein aufgrund von Äußerlichkeiten aussortiert, weil niemand sehen konnte, wie sie aussahen, weil niemand hören konnte, wie sie sprachen, weil auf einmal nur noch ausschlaggebend war, was sie schrieben, wenn es um die Frage ging, ob die anderen sich weiter mit ihnen unterhalten wollten oder nicht.

Ich denke, so ist überhaupt erst das Gefälle »Internet vs. Real Life« entstanden. Weil Menschen früher (und ältere Generationen [= auch ich] noch heute) aufgrund ihres Aufwachsens ohne Internet strikt trennten, was im Internet stattfand und was vor der Haustür. Ein Kind, das heute geboren wird, wird diese Trennung nicht mehr vornehmen, sobald es die virtuelle Welt kennenlernt, denke ich. Schon jetzt ist es ja so, dass viele Menschen durch ihr Smartphone nahezu daueronline sind – etwas, das ich mir niemals vorstellen könnte; weder Alex noch ich haben und wollen bis jetzt überhaupt ein Smartphone.

Die Möglichkeit, online zu verbergen, wer man ist, wie man aussieht, woher man kommt etc., wird im Laufe der Jahre vermutlich immer geringer werden. Und besonders auf diejenigen, die mit der absoluten Vernetzung von allem aufwachsen und für die das Online-Sein nichts Besonderes, sondern ein Teil des Alltags und der ganz normalen Kommunikation ist, wird diese Möglichkeit wahrscheinlich auch keine große Anziehungskraft ausüben.

Somit kann ich mir vorstellen, dass die Art von Internetsucht, wie ich sie persönlich erlebt habe, eher eine temporär existente Suchtart ist. Für viele Menschen hat sie gravierende Folgen, aber insgesamt kann ich mir heute nicht mehr vorstellen, dass sie langfristige Spuren im Suchtbereich hinterlassen wird. Denn die fast permanente Nutzung von etwas, das so fest im Alltag verankert ist wie das tägliche Zähneputzen, zählt meinem Verständnis nach nicht mehr zu den klassischen Suchterscheinungen. Abschließend möchte ich aber noch erwähnen, dass dies nur meine persönliche Ansicht ist und ich keine wissenschaftlichen Aussagen darüber treffen kann. Was ich hier außerdem bewusst ausgeklammert habe, ist das Faker-Thema, welches noch einmal ein ganz eigenes Problem darstellt. Nicht sofort zu thematisieren, dass man nicht dem Standard entspricht, und absichtliches Vortäuschen falscher Tatsachen sind zwei Themenfelder, die zwar leicht verschmelzen können, die für mich aber dennoch zwei unterschiedliche Paar Schuhe sind.

So! Nun habe ich diesen Blog-Post doch tatsächlich noch rechtzeitig vor Ablauf der Deadline heute fertigbekommen, was zeitweise mehr als auf der Kippe stand, und wünsche euch allen ein schönes Wochenende.

Donnerstag, 3. September 2015

Ist das eine Entschuldigung?

AD

Also … ja. Dieser Post ist ein winziges Stück weit eine Entschuldigung, irgendwie. An alle, die mich gefragt haben, ob es noch weitere Bücher von mir geben wird. An alle, die sagten, sie würden sich darüber freuen und sie kaufen.

Denn: Schon Ende letzter Woche habe ich entschieden, dass ich meine weiteren Waidbronn-Geschichten nicht verlegen lassen möchte. Die Gründe dafür sind vielfältig und für mich gravierend, aber ich möchte sie nicht allesamt im Detail in der Öffentlichkeit breittreten. Es reicht (hoffentlich) aus, zu sagen, dass in Bezug auf die SGBAS-Veröffentlichung einiges leider nicht so geklappt hat wie anfangs vereinbart, und dass das für mich als häusliche Pflegeperson, die zum Teil auf soziale Leistungen angewiesen ist, ziemlicher Stress war und ist.

Mir ist klar, dass dieser Aspekt vielen Autoren egal wäre. Dass es für viele Autoren mehr zählen würde, dass der eigene Name auf einem gedruckten Buch steht. Aber ich bin nicht so, und ich kann und darf es aufgrund der Verantwortung, die ich für Georg trage, auch gar nicht sein.

Ob der Verlag die neueren Waidbronn-Geschichten überhaupt angenommen hätte (inzwischen sind es insgesamt fünf, aber noch nicht alle fertiggestellt), weiß ich allerdings gar nicht, nicht dass da ein falscher Eindruck entsteht – das habe ich gar nicht mehr abgewartet.

Sorry an alle, die nun enttäuscht sind. Ich denk mir was anderes aus. ♥
 
Images by Freepik