Freitag, 29. April 2016

Schaukeln, saufen und überleben

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Nahe der Ulmer Karlstraße liegt der Karlsplatz. Dabei handelt es sich um einen kleinen Park, der einen merkwürdigen Mix aus Kinderspielplatz, Naherholungsraum und Trinkertreffpunkt in sich vereint. Es gibt einen Wasserlauf, zahlreiche Spielgeräte (unter anderem ein großes Piratenschiff inmitten eines riesigen Sandkastens), zwei Gartenschachfelder und jede Menge Grün. Im Frühjahr 2007, als Georg und ich noch nicht lange zusammenwohnten, hat sogar ein Entenpärchen seine Küken im Wasserlauf auf dem Karlsplatz großgezogen, die wir täglich bestaunen konnten.

Ein Dorn im Auge ist einigen Anwohnern dagegen die kleine Laube auf dem Karlsplatz, die seit Jahren als täglicher Treffpunkt für Trinker dient. Seit 2014 gab es vermehrt auch Aufregung um Fixer und ihre weggeworfenen Spritzen. Manche Anwohner fühlen sich bedroht durch die Trinker, deren Hunde und natürlich die Fixer, und gemessen daran, dass sich im Park auch täglich Kinder aufhalten, können Georg und ich besonders den letzten Punkt natürlich verstehen. Weggeworfene Heroinspritzen auf einem Kinderspielplatz sind wirklich nicht das, was man als »sicher« bezeichnen kann.

Was wir in unseren zweieinhalb Jahren als Anwohner so gar nicht teilen konnten, war die teilweise Aussage, von den Trinkern und ihren Tieren ginge irgendeine Gefahr aus. Ehrlich nicht. Man kann diesen Treffpunkt aus anderen Gründen kritisch sehen, aber wir haben uns bei Regen oft in dieser Laube untergestellt und sind kein einziges Mal auch nur dumm angestarrt oder gar angepöbelt worden – anders als von den Normalos auf dem Spielplatz, die Georg traditionsgemäß blöd begafften. Auch die Hunde, die teils mit unter der Laube waren, blieben bei ihren Besitzern; keiner der Anwesenden hatte irgendein Interesse, andere Nutzer des Parks auch nur anzusprechen.

Das ist unsere Erfahrung. Dass im Park ein Kommen und Gehen herrscht, dass es immer mal wieder auch Leute anderer Gesinnung geben wird, ist klar.

Georg und ich verbinden so viele persönliche Erinnerungen mit dem Karlsplatz, dass es mir unmöglich ist, in einem einzigen Eintrag alle ausführlich zu erzählen. Einmal erlebten wir dort auf dem Heimweg von der Berufsschule den unglaublichsten herbstlichen Blätterregen, den wir jemals gesehen haben. Sonnenschein, blauer Himmel, heftiger Wind und all diese wirbelnden Blätter in allen denkbaren Gelb-, Orange- und Rottönen – das werden wir niemals vergessen, und ich habe mich an diesem Tag richtig gefreut, dass ich zu Hause angekommen bemerkte, noch mal loszumüssen, um einen vergessenen Brief in den Briefkasten auf dem Karlsplatz zu werfen.

Viele Male saßen wir einfach nur auf irgendeiner Bank in der Sonne, manchmal zum Lernen, manchmal aber auch nur so. Einmal kamen wir vom Einkaufen, haben dort eine Pause gemacht und Schokoladeneier mit Nougatfüllung gegessen. Das ist so eine ganz lapidare Erinnerung, die trotzdem total lebendig ist.

Einmal fanden wir eine tote Ente auf dem Karlsplatz. Sie sah nicht so aus, als wäre sie auf natürliche Weise gestorben, und als hätten die anderen Enten ein Vorzeichen darin gesehen, gab es im Folgejahr dort keine Entenküken mehr.

Die bedeutsamste Erinnerung ist aber wohl die, wie Georg mir im Herbst 2006 auf einer Bank in diesem Park anvertraute, dass ihm ein Arzt auf seine direkte Nachfrage gesagt hatte, dass er ihm keine nennenswert über Mitte 20 reichende Lebenserwartung »versprechen« könne. Und das war der Moment, in dem mir klarwurde, dass Georg der ehrlichste und loyalste Mensch war, der mir je begegnet war. Denn das war die Zeit, in der wir einander erst näher kennenlernten – und erfahrungsgemäß sind die meisten Menschen nach so einer Aussage ganz schnell weg. Diese Möglichkeit wollte er mir geben: zu entscheiden, ob ich ihn trotzdem kennenlernen will. (Und er hat es dieser Vermutung so was von gezeigt. Okay, SO alt ist man mit 30 nun nicht, aber trotzdem.)

Nicht zuletzt befindet sich in unmittelbarer Karlsplatz-Nähe auch das bengalische Restaurant Anondo, in dem wir 2008 unsere Hochzeit gefeiert haben. Geht unbedingt dorthin, falls ihr jemals nach Ulm kommt! Ihr müsst!

In »Frei wie verkrüppelte Tauben« spielt der Karlsplatz als Schauplatz eine wichtige Rolle, weil er für Tick ein zuverlässiger Rückzugsort ist. Keiner, der ihm körperlich besonders gut bekommt, aber na ja – er ist Tick. *hust*

Der Karlsplatz in Bildern:

Blick ins Frühlingsgrün, links im Hintergrund die Laube.
 
Blick Richtung Wasserlauf und Spielplatz.

Der Briefkasten auf dem Karlsplatz.

Rückansicht von Georg im Rolli auf dem Fahrradweg durch den Karlsplatz. *hust*
Links im Hintergrund die Laube, rechts der Wasserlauf.

Blick auf die Laube und die öffentliche Toilette.

Blick auf den Gehweg durch den Karlsplatz.

Das Piratenschiff, darauf der Schriftzug »Karlsplatz-Piraten«.

Die Schachfelder und -tische auf dem Karlsplatz.

Mittwoch, 27. April 2016

Liebevoll und mitreißend: »Eisprinz und Herzbube« von Elena Losian

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Heute habe ich mal wieder eine Buchempfehlung für euch. Zumindest für diejenigen von euch, denen »Sein Artist« und »Codewort: Puls« gefallen haben und die das Genre Gay Romance auch insgesamt mögen.

Ein kurzer Vorabblick auf die Protagonisten:

Emilio ist fünfzehn und ein Hitzkopf ohnegleichen. Nicholas ist siebzehn und wirkt nach außen wie ein formvollendeter Schnösel und Alleskönner. Durch Missverständnisse und Kommunikationsprobleme geraten die beiden immer wieder aneinander – dabei haben sie mehr gemeinsam, als sie ahnen.

Der Roman »Eisprinz und Herzbube« von Elena Losian ist in der Polygon Noir Edition des MAIN Verlags erschienen und wird vom Verlag als Jugendbuch bezeichnet. Dazu, warum ich diese Einordnung nicht ganz teilen kann, komme ich später noch. Die Polygon Noir Edition insgesamt steht für »Gay Jugendbücher und New Adult«, und damit ist zumindest die Richtung schon mal passend, denn »Eisprinz und Herzbube« ist unter anderem auch ein Selbstfindungs- und Coming-out-Roman.

Losians Hauptcharaktere Emilio und Nicholas haben mich verzaubert. Was auf den ersten Blick wie eine eher oberflächliche, süße Gay Romance wirkt (und »süße Gay Romance« trifft es auf jeden Fall), entpuppt sich nach und nach als hochsensibles Porträt zweier Jungen, die in mehr als nur komplizierten Verhältnissen leben.

Achtung, leichte Spoiler:

Emilios Mutter, im Teenageralter schwanger geworden, wollte ihr Kind nicht haben und hat sich kurz nach seiner Geburt aus dem Staub gemacht. Aufgewachsen ist Emilio deshalb bei seinem Vater Julian – und dessen Lebensgefährten Phil. Mit Unterstützung ihrer Familien haben die beiden selbst noch sehr jungen Männer den Kleinen behalten und großgezogen, doch um die Umstände seiner Zeugung in totaler Zugedröhntheit und die Ablehnung von Emilios Mutter leider immer ein großes Geheimnis gemacht. Sie haben es gut gemeint und waren selbst überfordert, Emilio machen die Heimlichkeiten aber spätestens zu dem Zeitpunkt schwer zu schaffen, als seine Mutter plötzlich beschließt, ihn kennenlernen zu wollen, und seine beiden Väter darüber unterschiedlicher Meinung sind und sich zerstreiten.

Auch Nicholas’ Familie ist weit davon entfernt, heil zu sein. Seit dem Tod seiner kleinen Schwester hat seine Mutter schwerste psychische Probleme, die ihren Höhepunkt erreicht haben, als sie das Geschehene verdrängt und mehr und mehr aufhört, ihre Umwelt wahrzunehmen, ja sogar zum Teil ihren Sohn Nicholas gar nicht mehr wiedererkennt. Hier ist Losian so weise, der psychisch schwerkranken Frau keine namentlich benannte Diagnose aufzudrücken. Das Dunkel, das den genauen Verlauf der Erkrankung teils umgibt, macht sie glaubwürdig, während zu detaillierte Informationen womöglich für Risse gesorgt hätten. Nicholas in jedem Fall trägt eine Verantwortung, die zu schwer für sein Alter ist. Sein überforderter Vater stützt sich auf ihn, sein älterer Bruder ist ausgezogen, und Nicholas’ immerwährende Bemühungen, etwas zu leisten, sich zu beweisen, gesehen zu werden, bringen ihm zwar an der Schule Respekt und die Position als Schulsprecher ein, doch in seiner Familie ist er weiterhin nur derjenige, der übersehen wird, sich aber kümmern soll.

Emilio und Nicholas prallen mehrfach aufeinander, weil sie gemeinsam im Fußball-Team der Schule sind, und geraten fast permanent in Streit. Emilio wurde, seit er denken kann, wegen seiner schwulen Eltern gehänselt und hat nahezu panische Angst davor, ebenfalls »schwul zu werden« – Nicholas dagegen ist bekennender Homosexueller und versteht Emilios merkwürdige Reaktionen auf ihn vollkommen falsch, während Emilio Nicholas als arroganten Angeber verkennt.

Als die beiden sich einmal mehr zornentbrannt gegenüberstehen, kommt es zu einem überraschenden Kuss zwischen ihnen, der provokativ von Nicholas ausgeht. Ab diesem Zeitpunkt erleben beide eine Achterbahnfahrt der Gefühle, fassen aber in all dem Chaos dennoch zögerlich Vertrauen zueinander. Auch für ihre familiären Probleme scheinen sich Lösungen anzubahnen.

All das klingt nach einem dichten, tiefgründigen Jugendbuch – und in Bezug auf diesen Handlungsstrang und die jugendlichen Charaktere ist es das auch. Wie schon gesagt, Milo und Nick haben mich verzaubert. Losian beschreibt diese beiden Jungs SO glaubwürdig, lässt den Leser SO nah an sie heran – ich musste sie einfach lieben und mit ihnen bangen. Und zum Schmunzeln bringt mich im Nachhinein, dass Nick, der mir anfangs tatsächlich sehr schnöselig vorkam, sich zu meinem absoluten Lieblingscharakter des Buches entwickelt hat. Durch seine fragwürdige Rolle in seiner Familie konnte ich ihn ab einem bestimmten Zeitpunkt unglaublich gut verstehen und er kam mir so nah wie kein anderer Charakter, obwohl ich Milo ebenso liebhabe.

Auch Milos bester Freund Etienne war mir grundsympathisch, genau wie Milos Eltern, ganz besonders der nach außen oft ruppige Phil, der Milo gegenüber der zwar nervigste, anstrengendste, aber auch TOLLSTE Vater ist, den man sich vorstellen kann.

Warum dieses bezaubernde Buch auf Amazon (die Rezi ist dort bereits eingestellt, wird aber irgendwie noch nicht angezeigt) von mir dennoch keine vollen fünf Sterne bekommen hat, ist zum einen der oben schon angesprochene Punkt: Ein Jugendbuch ist der Roman für mich nicht. Nicht wirklich. Klar, Milo und Nick sind fünfzehn und siebzehn, und das Buch ist in Bezug auf sie sehr, sehr glaubwürdig. Aber es gibt auch Verhaltensweisen und Szenen im Roman, die ich als nicht gut genug durchdacht für ein Jugendbuch empfinde.

Einmal zum Beispiel kommt Phil an Julians Stelle zum Rektor, weil Milo mit einem anderen Schüler und ihrem gemeinsamen Fußballtrainer aneinandergeraten ist – und teilt dort erst mal eine kräftige Runde Beleidigungen aus, was vollkommen folgenlos bleibt. Auch wenn ich fluchende Charaktere liebe und Phils Zorn verstehen konnte: Eine solche Szene vor dem Rektor und dem Trainer könnte in der Realität nicht gänzlich folgenlos bleiben. Ich habe Phil gefeiert für sein Ausflippen, aber damit durchzukommen, suggeriert etwas für mich Falsches in einem realistischen Jugendbuch.

Auch ansonsten verhalten sich die Erwachsenen im Roman teils unreifer als die Jugendlichen. Das an sich ist keineswegs unglaubwürdig; es gibt mehr als genug Menschen, die so gravierend als Eltern versagen, obwohl sie es nur gut meinen. Aber all das bleibt weitgehend unreflektiert im Raum stehen, und das finde ich unglaublich schade, denn die Handlung an sich wäre problemlos ab etwa dreizehn Jahren verständlich und empfehlenswert. Als Milo dann doch endlich mal Erklärungen bekommt und Nicks Vater seine Fehler einsieht, geschieht das recht kurz und zusammenfassend, während die beiden jungen Charaktere (Milo mit seinen fünfzehn ist wirklich noch sehr jung) mehrere ausführliche Sexszenen durchleben, die für ein Verständnis der Handlung nicht nötig gewesen wären.

Natürlich, es ist Gay Romance. Und natürlich, da erwarten die meisten Leser, dass es auch mal sexuell zur Sache geht. Aber da hätte der Verlag sich meiner Meinung nach entscheiden müssen: Jugendbuch oder New Adult? Die Grundhandlung: unglaublich toll und anrührend, perfekt für ein Jugendbuch. Die unreflektierten Handlungen und der Sex: für meinen Geschmack zu extrem für ein Jugendbuch.

Bitte nicht falsch verstehen: Ich finde auf gar keinen Fall, dass ein Jugendbuch eine heile Pillepalle-Welt zeigen soll. Im Gegenteil, ich fand sämtliche Probleme und Milos und Nicks Kämpfe damit absolut glaubwürdig. Aber ein Buch für Jugendliche herauszugeben und es als solches zu bezeichnen, umfasst auch eine Verantwortung: nämlich die, dass den jungen Lesern die Möglichkeit gegeben wird, das Geschehen wirklich zu erfassen und zu reflektieren. Auch in Bezug auf Etiennes ebenfalls schwierige und sogar von Gewalt geprägte familiäre Lage habe ich mir das oft gedacht.

Da wäre ein gutes Lektorat gefragt gewesen. Denn die für mich unpassenden Szenen waren nicht so gravierend, dass man sie nicht mit einem geübten Auge hätte anpassen können, ohne den Charakter der Geschichte und die eigentliche Handlung zu verändern. Auch stilistisch sind mir einige Schwächen aufgefallen, bei denen ich mich fragte, wer um Himmels willen das lektoriert hat.

Das laste ich aber nicht Losian an, sondern dem Verlag, denn als Autor hat man es oft ziemlich schwer, die eigene Geschichte kritisch zu betrachten. Dafür GIBT es Lektoren, und dieser liebevolle, mitreißende Roman hätte ein besseres Lektorat verdient gehabt, als das, welches ihm letztlich zuteilwurde.

Liebevoll und mitreißend – das sind genau die Adjektive, die ich für »Eisprinz und Herzbube« als am passendsten empfinde. Milo und Nick, Etienne, Milos Eltern – in diesen Charakteren steckt unglaublich viel Herzblut, und das war für mich auf jeder Seite spürbar. Das hatte zur Folge, dass ich spätestens auf den letzten 150 Seiten unglaublich große Angst um die Charaktere hatte – als wären sie Freunde, keine Figuren, wie es mir mit meinen eigenen Charakteren ja auch nahezu immer geht. Und das ist auch der Grund dafür, warum ich dieses Buch absolut empfehle, trotz der unleugbaren Schwächen. Weil es wundervoll ist. Weil die Charaktere lebendig sind, so sehr, dass es mich nicht gewundert hätte, wären sie plötzlich aus dem Buch herausgeklettert und in meine Küche marschiert, um mal zu schauen, was noch so im Kühlschrank ist. Keine Pizza, sorry, Etienne. Wir bestellen welche, wenn du willst.

Ob ein Buch mich mitreißt, steht und fällt mit den Charakteren. Erst kürzlich habe ich einen hochgelobten Roman eines jungen deutschen Autors gelesen, bei dessen Besprechung sich Leser und Kritiker schier überschlagen vor Begeisterung – aber er hat mich nicht tiefergreifend berührt. Obwohl der Stil und die Ausarbeitung des Buches nahezu das Wort »Perfektion« provozieren: Die Figuren blieben für mich austauschbar und beliebig. Standardfiguren: der ewige Grübler, der Nerd, die Lebenshungrige. Da lebte nichts für mich, da waren nur Buchstaben.

Losians Buch dagegen hat bezüglich Stil und Ausarbeitung Schwächen, aber es LEBT. Als bewegten sich da tatsächlich Menschen zwischen den Buchdeckeln, die jederzeit aus dem Buch – Etienne, das ist Zitronenjoghurt, verflucht! Magst du so was überhaupt oder nimmst du mir den jetzt aus Trotz weg, weil du keine Pizza findest?

Und deshalb: Meine Fresse, ich will mehr von Losian lesen! Unbedingt!

Dienstag, 26. April 2016

»Dochhhhhhhhh.«

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Eine der heimeligen kleinen Gassen in der Fußgängerzone in der Ulmer Innenstadt ist die Platzgasse, in der Romy wohnt. Sie ist eine unserer allerliebsten Gassen mit ihren liebevollen kleinen Geschäften, früher gab es dort ein winziges Café namens Bohne, in dem wir nach der Berufsschule (oder in der Schul-Mittagspause) oft waren, mit vom Besitzer selbst gemachten gefüllten Donuts und unglaublich leckeren Kaffee-Variationen. Aber auch die kleine Tchibo-Filiale in der Platzgasse gehörte immer zu unseren Lieblingsläden, und in Bezug auf diese habe ich eine lustige Georg-Erinnerung deluxe.

Und zwar hat Georg dort 2009 eine schöne Weste entdeckt, die er UNBEDINGT haben wollte. Leider gab es sie jedoch nur noch in Größe M, während er L oder XL trägt. Georg war dennoch besessen von der Weste und bestand darauf, sie anzuprobieren. Ich musste ihm also helfen, sich in die Weste zu quetschen.

Ich: »Georg, die passt nicht.«

Georg, dezent luftlos: »Dochhhhhhhhh.«

Letzten Endes sah er aber doch ein, dass »Bauch einziehen und nie wieder atmen« keine SO tolle Lösung war und verzichtete auf die Weste, die es auch nicht mehr zu bestellen gab.

Und hier kommen zwei Einblicke in die Platzgasse, einmal vom Münsterplatz aus und einmal schon etwas weiter in der Gasse; das zweite ist das Bild mit der auffliegenden Taube, das es in bearbeiteter Form bereits als Eröffnungsfoto der sentimentalen Reise zu sehen gab:


Montag, 25. April 2016

Aufmerksamkeit

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Romy und Tick sind Menschen, deren Aussehen Aufmerksamkeit erregt. Zu Beginn von »Frei wie verkrüppelte Tauben« befindet sich Romy seit etwas über einem Jahr im Transitionsprozess, also im Wechsel ihres sozialen Geschlechts, und bekommt erst seit kurzer Zeit Hormone. Dass sie eine Frau ist, ganz egal wie sie aussieht, ist für Fremde und selbst für Tick schwer vorstellbar, und so wird sie häufig als »geschminkter Kerl« wahrgenommen:

Der Textausschnitt in barrierefrei:

Dann aber sitzen sie im Bus einer etwa vierzehnjährigen Göre gegenüber, die sie dämlich anglotzt. Okay – eigentlich glotzt sie vor allem Romy dämlich an. Tick sieht vielleicht halbwegs wild aus mit einem Meter fünfundachtzig, dem Lippenpiercing und den stacheligen, orange gefärbten Haaren. Aber ein geschminkter Kerl sorgt definitiv für mehr Aufmerksamkeit.
Romys braune Locken kringeln sich bis auf die Schultern, und seine schwarz umrandeten Augen tun so, als würden sie das Mädchen nicht bemerken. Tja, so ist Tick aber nicht gestrickt.
»Können wir dir irgendwie behilflich sein?«, fragt Tick die Göre.
Die guckt schneller auf den Boden, als er »Kippe« sagen könnte.

Die Szene ereignet sich auf dem Weg zu Ticks Wohnung, die eigentlich nur ein kleines Zimmer mit Dusche, Klo und Küchenzeile ist. Dieses befindet sich im dritten Stock eines großen, grauen Wohnhauses in der Ulmer Karlstraße – und damit in direkter Nachbarschaft zu Georgs und meiner ersten gemeinsamen Wohnung. Von Anfang 2007 bis Sommer 2009 haben wir in der Ulmer Bessererstraße gewohnt; zwei Gehminuten und wir befanden uns in der Karlstraße.

Aufgehalten haben wir uns dort aber so gut wie nie, wir sind die Karlstraße nur ab und an entlanggegangen, wenn wir zum Einkaufen zum Supermarkt Treff 3000 in der Frauenstraße gelaufen sind, oder fuhren mit dem Bus dort entlang, wenn Georg einen Kliniktermin hatte. Oh, und Pizza gekauft hat Georg sich dort auch ab und zu, als er im Rahmen unserer Reha-Ausbildung ein Praktikum beim Deutschen Roten Kreuz gemacht hat. Heute fühlt es sich unfassbar für uns an, dass er damals noch allein zu Fuß unterwegs sein konnte. Es gab auch damals schon relativ häufig Stürze, aber alles in allem kam er klar.

Für Georg war dies jedenfalls seine erste eigene Wohnung, wie das kleine Zimmer Ticks erste eigene Wohnung ist – das Internat in der Ausbildung zählt für Georg ebenso wenig wie für Tick das Kinder- und Jugendheim. Und ähnlich wie Romy und Tick war Georg es auch damals schon gewohnt, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, in seinem Fall wegen seiner Geh- und Sprachbehinderung.

Blick auf einige Häuser in der Karlstraße,
ein großes, graues ist auch dabei.

Blick in einen Hof mit Mülltonnen
– ja, die spielen tatsächlich eine Rolle. *gg*

Blick von der Karlstraße Richtung Karlsplatz,
der noch einen eigenen Eintrag bekommen wird.

Blick auf die stark befahrene Karlstraße
– links vorne bei dem hellblauen Haus geht es
in die Bessererstraße, wo Georg und ich wohnten.

Blick in die Bessererstraße
– im zweiten Haus von vorne rechts wohnten wir.

Sonntag, 24. April 2016

Leuchten bei Tchibo

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Es geht weiter mit unserer sentimentalen Reise – diesmal leuchtend und warm:

Die Fußgängerzone in der Innenstadt ist sowohl shoppingtechnisch als auch kulturell Ulms Zentrum. Es gibt eine große Einkaufspassage, die sich vom Hauptbahnhof bis zum Ulmer Münsterplatz zieht und die große Geschäfte wie C&A, Hugendubel oder die Galeria Kaufhof beherbergt, sowie viele kleine, heimelige Seitengassen, in denen es speziellere Geschäfte gibt. In einer dieser Seitengassen gibt es zum Beispiel ein Tattoo-Studio, in dem sich mein jüngerer Bruder das Tattoo hat stechen lassen, das er von mir zum 18. Geburtstag bekommen hat.

Auf dem Weg vom Hauptbahnhof zum Ulmer Münster gibt es in der Deutschhausgasse eine Tchibo-Filiale mit Kaffee-Bar, in der Georg und ich zusammen waren, kurz nachdem wir 2007 ein Paar geworden waren. Wir hatten Silvester und Neujahr (Neujahr ist ja unser Jahrestag) gemeinsam verbracht, es war einer der allerersten Januartage und insgesamt das erste Mal, dass wir als Paar in der Ulmer Innenstadt unterwegs waren. (Zuvor haben wir uns übrigens im Drogeriemarkt Müller gemeinsam Epiliergeräte gekauft, Georg ein lila-pinkes und ich ein grün-weißes, falls das irgendwen interessieren sollte. *gg*)

Es war schon dunkel, als wir an diesem Abend in die Tchibo-Filiale kamen, und irgendwie fühlte sich für uns alles an wie verzaubert. Wir hatten weder als Freunde noch als Paar jemals auch nur annähernd eine rosarote Brille auf, noch nicht mal in Bezug aufeinander, dazu waren unsere beiden Leben durchweg zu krass. Und dennoch lag ein Zauber auf diesem Abend, besser kann ich es nicht beschreiben. Die meisten Geschäfte waren noch weihnachtlich dekoriert und erleuchtet, wir haben im Tchibo Kaffee getrunken und Kuchen gegessen; ich meine mich zu erinnern, dass ich Russischen Zupfkuchen hatte und Georg sagt, er hatte eine Lütticher Waffel, aber ganz sicher sind wir uns da nicht mehr. In unserer Erinnerung hat dieser Tchibo-Besuch jedenfalls … geleuchtet. Das passt ebenso gut wie der Zauber.

Auch in »Frei wie verkrüppelte Tauben« spielt diese für uns so besondere Tchibo-Filiale eine Rolle: Dort führen Romy und Tick ihr erstes richtiges Gespräch mit dem dritten Hauptcharakter des Romans, nachdem er sie am Hauptbahnhof angesprochen hat. In der Platzgasse, wo Romy wohnt, gibt es zudem noch eine weitere, kleinere Tchibo-Filiale, in der insbesondere Romy und Tick regelmäßig ein und aus gehen.

Und hier die zugehörigen Fotos:

Blick auf das Ulmer Münster von der Hirschstraße (Einkaufspassage) aus

Blick auf die Tchibo-Filiale in der Deutschhausgasse

Samstag, 23. April 2016

Frühlingsdings

GA

Sagt nichts, wir wissen, dass euch unsere kreative Titelwahl vollkommen umhaut ...

Blühende Forsythie

Rosa blühender Magnolienbaum

Immergrün mit Blüte

Zartgrüne Knospen von Wir-wissen-es-nicht-genau

Schlehdornblüten

Noch mal Schlehdornblüten

Biene auf der Blütentraube eines Mahonie-Strauchs

Hummel auf demselben Mahonie-Strauch

Montag, 18. April 2016

Wo ich Tick zum ersten Mal traf

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Hallo und willkommen zum nächsten »Frei wie verkrüppelte Tauben«-Post! Die erste Station unserer sentimentalen Reise führt euch an einen Ort, der lange Zeit einer von wenigen war, die ich von der Stadt Ulm wirklich gut kannte: den Hauptbahnhof. Außerdem gibt es ein neues Zitat aus dem Roman, das auch schon auf dem Twitter-Account und der Facebook-Seite des Ka&Jott Verlags zu lesen ist.

Tick und ich kennen uns nun schon seit über zwölf Jahren. Oder besser: Ich kenne die erste vage Vorahnung von Ticks heutiger Persönlichkeit schon seit über zwölf Jahren. Doch während ich älter wurde und als Mensch und Autorin wuchs, blieb Tick immer achtzehn, bis seine Geschichte ihre absolut endgültige Form erreicht hatte. »Frei wie verkrüppelte Tauben« spielt im Jahr 2015 – mit der Veröffentlichung des Buches darf Tick in meinem Kopf also endlich älter werden, und ich hoffe, ihr werdet ihn mögen und ihm auch in euren Köpfen einen Platz zugestehen. :)

Tick ist ein Punk. Ein teils recht klischeehafter Punk mit orange gefärbten Stachelhaaren, Lippenpiercing, diversen Ramones-Shirts und einem ungesunden Hang zum Alkohol, teils aber auch einer, der keiner festen Ideologie hinterherläuft, der die Dinge hinterfragt und differenzieren kann. Vor Beginn der Handlung von »Frei wie verkrüppelte Tauben« war Tick ein typisches »Bahnhofskind«. Er hing regelmäßig mit Romy (vor ihrem Coming-out Roman) und anderen Freunden am Bahnhof rum, betrank sich, führte krude Diskussionen und ging erst spät nach Hause. Ein Zuhause, das hatte Tick allerdings immer, auch wenn man das Kinder- und Jugendheim, in dem er größtenteils aufwuchs, nicht mit der Sicherheit einer fürsorglichen Familie gleichsetzen kann. Er war nie obdachlos, und obwohl er nach Abschluss der Hauptschule keine Lehrstelle gefunden hat, hat er sich einen Job gesucht und ist berufstätig.

Wir sind uns nicht unähnlich, Tick und ich. Er ist zwar ein gutes Stück melodramatischer als ich, aber als er am Ulmer Hauptbahnhof erstmals in meinen Kopf stolperte, vage umrissen und noch ohne unumstößliche Gestalt, musste ich ihn einfach mögen und mit mir nehmen. Allerdings begann ich erst 2009 damit, ernsthaft an »Frei wie verkrüppelte Tauben« zu schreiben. Zuvor gab es nur kurz skizzierte Szenen, die aber allesamt ihren Platz in der endgültigen Version des Romans gefunden haben. (Versionen gab es insgesamt fünf, die Grundhandlung zwischen Tick und Romy blieb aber in allen immer bestehen.)

Der Ulmer Hauptbahnhof war werktags mein täglicher Anlaufpunkt zur Zeit meiner schulischen Ausbildung zur Erzieherin. Viel mehr als den Bahnhof, meinen Schulweg und die Innenstadt kannte ich damals nicht von Ulm, und ich kann verraten, dass auch ich dort ab und zu ein wenig mehr gemacht habe als auf Züge zu warten. (Ähm, Georg meint, das klänge missverständlich. Okay, ja, er hat recht. Also: Ich spreche von billigem Alkohol und kruden Diskussionen!)

Später, im Rahmen der Ausbildung zu Bürokaufleuten, die Georg und ich von 2006 bis 2009 zusammen absolvierten, wurden der Bahnhof und seine Umgebung aber auch zu einem gemeinsamen Platz von uns beiden. Denn Anfang 2007, als wir gerade frisch zusammengekommen waren, hatten wir sonst keinen Ort, an dem wir uns zu zweit aufhalten konnten, ohne irgendwen zu stören.

Über unseren allerliebsten gemeinsamen Ort in Bahnhofsnähe hat Georg im Dezember 2012 bereits inklusive Foto gebloggt:


Und hier gibt es nun noch ein paar Fotos vom letzten Mittwoch, die wir extra für diese Reise gemacht haben und die verschiedene Schauplätze von »Frei wie verkrüppelte Tauben« in Bahnhofsnähe zeigen:

Blick auf den Hauptbahnhof von der Ulmer Olgastraße aus.

Blick auf die Straßenbahnhaltestelle Hauptbahnhof.

Ein uraltes, klappriges Damenrad vor dem Hauptbahnhof – ich weiß ehrlich gesagt überhaupt nicht, ob Tick inzwischen ein Fahrrad hat, das spielte für den Roman nie eine Rolle; aber falls ja, dann in etwa so eines. Dass das alte Rad sorgfältig abgeschlossen an einem Fahrradständer steht, passt aber gut zu ihm, er ist (wenn er nicht gerade einen cholerischen Ausraster hat) sehr umsichtig mit seinem Hab und Gut. :D

Die Stufen zum Hauptbahnhof, links davon gibt es einen Burger King. Vor diesem hat Tick als Teenager einen Menschen kennengelernt, der ihm auf lange Sicht nicht guttat, während Georg und ich im Inneren des Ladens schon viele Milchshakes zusammen getrunken haben. Einmal, das muss Ende 2006 gewesen sein, hat Georg es ernsthaft gebracht, selbstgebackene Linzertorte von seiner Oma mit in den Burger King zu nehmen, die wir dann dort heimlich zu unseren Milchshakes gegessen haben. Wir fielen nicht annähernd auf, weil zur selben Zeit eine offenbar geistig verwirrte alte Dame mit einem Putzlappen (!) durch das Schnellrestaurant stürmte, lautstark »Dia Drecksei!« (schwäbisch für »Diese Drecksäue!«) brüllte und die zugegebenermaßen recht schmutzigen Tische abwischte. Wir wissen leider gar nicht mehr, wie das ausging – es war auch ein alter Herr dabei, der sie irgendwann dann wohl rausgebracht hat.

Seitlicher Blick auf die Bahnhofsunterführung, die in die Einkaufspassage führt.

Die Stufen (plus Rolltreppe) zur Bahnhofsunterführung.
Hierher flüchtet Tick sich im Roman einmal in einem Moment voller Selbsthass und Ratlosigkeit.

Blick auf das Theater Ulm – hier hat eine Figur aus »Frei wie verkrüppelte Tauben« früher gespielt, die keinen
einzigen persönlichen Auftritt hat, aber dennoch mitverantwortlich für die Handlung der Geschichte ist.

Ein Werbeschild am Theater mit der Aufschrift »VÖGEL!«
(bezieht sich auf den Ballettklassiker »Schwanensee«) – passt perfekt!

Eine alte Telefonzelle in Bahnhofsnähe – zu Ticks und Romys liebsten
gemeinsamen Hobbys gehören nämlich ausführliche Scherzanrufe.

Das Innenleben der Telefonzelle mit Kartenschlitz und Münzeinwurf.

Und hier folgt natürlich noch das Zitat, welches den zentralen Konflikt zwischen Tick und Romy aufzeigt – den barrierefreien Text gibt es wie bei den Fotos jetzt als direkte Bildunterschrift:

Der Text, wie immer auf weißem Hintergrund mit bunten Tropfen:

Romy verwandelt sich. Seit über einem Jahr. Früher hieß Romy Roman und war seit dem Kindergarten Ticks bester Freund. Na ja, sein bester Freund ist er immer noch. Nur dass er jetzt in Frauenklamotten rumläuft und massig Enthaarungscreme benutzt. […]
Ziemliche Scheiße, das alles. Für Tick ist Romy nach wie vor ein Er, keine Sie. Aber das kann er Romy nicht sagen. Wie auch? Du kannst nicht auf Demos gegen Diskriminierung mobilmachen und dann deinem besten Freund vor den Latz knallen, dass er deiner Meinung nach für alle Ewigkeit ein Mann bleiben soll, obwohl er der festen Überzeugung ist, transsexuell zu sein – oder transident, das Wort mag Romy lieber. Weil er kein besonderes Sexualverhalten hat, sondern eine besondere Identität, sagt er.

ALEXANDRA DICHTLER – FREI WIE VERKRÜPPELTE TAUBEN

www.kj-verlag.de

Falls ihr Fragen habt: Bitte jederzeit gerne stellen! ♥

Samstag, 16. April 2016

Kleine Änderungen und Neuerungen

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Vorgestern fragte mich eine liebe Leserin auf Twitter, ob ich die Bildbeschreibungen für mehr Barrierefreiheit etwas deutlicher vom restlichen Text abheben könnte, sodass sehende Leser gleich ohne die Beschreibung weiterlesen können. Auf meine erstaunte Erwiderung, dass der Beschreibungstext doch kursiv gesetzt sei, meinte sie, das werde bei ihr nicht angezeigt – und auf meine allgemeine Rückfrage auf Twitter stellte sich heraus, dass die Kursivschrift browserabhängig auch bei vielen anderen nicht angezeigt wird. Das bedeutet, auch unsere in Kursivschrift gesetzten Titel (von eigenen Geschichten und Gedichten, sonstigen Geschichten und Büchern, Filmen etc.) erscheinen bei vielen als ganz normaler Text.

Der Versuch einer Lösung: Ab jetzt sämtliche Titel konsequent in Anführungszeichen setzen, zum Beispiel eben »Frei wie verkrüppelte Tauben«, wie ich es ohnehin schon länger angedacht hatte, weil Blogger die kursiv gesetzten Stellen aus Papyrus Autor sowieso nicht übernimmt und ich sie jedes Mal nachbearbeiten muss. (Georg hat meist nicht so viele Titel in seinen Posts, daher stört ihn das nicht so.)

Leider ist es für mein Gehirn immer ein mittelschweres Drama, sich etwas Neues anzugewöhnen; ich vergesse das einfach immer wieder – darum die Bitte: Falls ihr hier einen Titel herumfliegen seht, der nicht in Anführungszeichen steht, bitte treten! Also, mich. Nicht den Titel, der kann nun wirklich nichts dafür. (Die Änderung wird natürlich auch Georg übernehmen, aber ihm macht so was weniger Schwierigkeiten und er wird vermutlich daran denken. ;))

Die Bildbeschreibungen selbst werden wir ab jetzt in das Feld direkt unter den Bildern setzen, diese Option gibt es ja extra bei Blogger und das hatten wir früher auch schon so – gefällt uns optisch nicht so besonders gut, was aber in dem Fall wirklich zweitrangig ist. Auch da eine Bitte: Falls blinde oder sehbehinderte Leser Probleme mit dem Text im Feld haben, bitte melden! In dem Fall denken wir uns noch mal etwas anderes aus; irgendeine ordentliche Lösung gibt es da ganz bestimmt.

Ein Test:
Hallo, ich bin ein Foto von Georg und Alex auf dem Ulmer Karlsplatz, wo euch ihre sentimentale Reise bald hinführen wird, weil dieser Platz ein wichtiger Schauplatz des Romans »Frei wie verkrüppelte Tauben« ist. Wirklich abgebildet sind auf dem Bild aber bloß Georgs und Alex’ Gesichter (und links im Bild ein bisschen Gras und Gebüsch sowie ein Stück Asphalt), und wie immer auf ihren glorreichen Selfie-Versuchen sind ihre Oberköpfe abgeschnitten. Sie sollten das lassen, aber sie sind stur.

Dann gibt es seit gestern noch etwas anderes Neues hier, das ihr vielleicht schon entdeckt habt: Rechts oben in der Sidebar findet ihr jetzt einen runden Button, auf dem die auffliegende Taube aus dem im letzten Eintrag geposteten Foto und ein paar rosa Häuser mit beerenfarbenen (ich bin lernfähig) Dächern abgebildet sind. Wenn ihr darauf klickt, gelangt ihr direkt zum Label »Frei wie verkrüppelte Tauben« – es werden euch dann also alle Posts zur Geschichte angezeigt, ohne durch andere Einträge unterbrochen zu werden. Für den Fall, dass jemand hierhergefunden hat, um sich über den Roman zu informieren, ohne auch gleich all unsere anderen Posts lesen zu wollen – oder falls jemand auf die Schnelle noch mal schauen will, was es dazu schon alles gab. :)

Das wäre es nun aber mit den Änderungen und Neuerungen; habt ein schönes Wochenende!

Donnerstag, 14. April 2016

Eine sentimentale Reise

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Heute habe ich gleich drei schöne Nachrichten für alle, die sich auf Frei wie verkrüppelte Tauben freuen.

Zum einen kann man den Roman schon seit Dienstag im Shop des Ka&Jott Verlags vorbestellen. Er kostet 10,90 € und Vorbesteller zahlen KEINE Versandkosten. Ich habe selbst bereits die Exemplare für meine Angehörigen bestellt und bin völlig begeistert, wie einfach und kundenfreundlich der Shop ist. Die Bestellung ist auf Rechnung möglich, geliefert wird nach Erscheinen des Buches im Mai. Und hier geht es lang, wenn ihr das Buch vorbestellen möchtet: Klick!

Dann gibt es heute endlich die erste kleine Leseprobe aus dem Roman für euch. Im Design des Covers (weiß mit bunten Tropfen darauf) werden der Verlag und ich euch nun bis zum Erscheinen von Frei wie verkrüppelte Tauben regelmäßig kleine Zitate zeigen. Den Anfang macht jene Stelle, die zugleich auch der Romananfang ist (die barrierefreie Version folgt direkt nach dem Zitatbild):


Der Text – wie gesagt auf weißem Hintergrund mit bunten Tropfen:

Sie konnte nicht atmen.
Das Jahr war erst ein paar Wochen alt, es hätte sich rein und weiß und unbefleckt anfühlen sollen, doch es fiel ihr mit der Wucht einer Bombe in den Weg, richtete sich vor ihr auf und legte ihr die Hände um den Hals, grob und eindeutig.
Eindeutig.
Alles war eindeutig. Sie stürzte zum Fenster, riss es auf und schnappte verzweifelt nach Luft. Der Körper, in dem sie lebte, sank nach minutenlangem Kampf erschöpft an der Wand entlang auf die weißen Fliesen.
Ihr Bad war klein.
Ihr Leben war klein.
Ihr Leben gehörte ihr noch nicht.
Ihr Leben gehörte Roman, und alle liebten Roman.

ALEXANDRA DICHTLER – FREI WIE VERKRÜPPELTE TAUBEN

www.kj-verlag.de

Mein Name und der Buchtitel sind in derselben Schriftart gehalten wie die Schrift auf dem Cover: Großbuchstaben in Schwarz, die an geradlinige Pinselstriche erinnern.

Und zuletzt gibt es heute ein Foto, das ich gestern nach einem Termin in Ulm aufgenommen habe. Wie ihr ja schon wisst, haben Georg und ich beide über fünf Jahre in Ulm an der Donau gewohnt, vier davon zusammen – in dieser Zeit ist die Urversion von Frei wie verkrüppelte Tauben entstanden, und genau dort, in unserer ersten gemeinsamen Heimat Ulm, spielt der Roman.

Deshalb möchten wir euch in den nächsten Wochen mit auf eine sentimentale Reise nehmen: eine Reise durch unser Ulm (und teils Neu-Ulm, wo der jüngste der wichtigen FWVT-Charaktere lebt). Ich werde euch Fotos von den Schauplätzen der Geschichte zeigen (mit kleinen Infos, wo ihr Platz im Roman ist; natürlich absolut spoilerfrei in Bezug auf die Handlung), die allesamt auch für Georg und mich eine persönliche Bedeutung haben und uns teils zurück in eine Zeit führen werden, in der Georg noch keine Pflegestufe hatte und weitgehend selbstständig leben konnte. Darum der Titel, der auch ein eigenes Label bekommt.

Wir haben ihn dem japanischen Starfotografen Nobuyoshi Araki »geklaut«, dessen legendärer Bildband Sentimental Journey seine Hochzeitsreise mit seiner früh verstorbenen Ehefrau zeigt. Der Titel wurde (teils noch vor Arakis Bildband) auch bereits für ein von mehreren Künstlern interpretiertes Lied sowie Alben verschiedener Musiker verwendet, sodass wir sicher sind, dass es in Ordnung geht, dass wir ihn eingedeutscht ebenfalls für unsere Reise benutzen.

Das Eröffnungsfoto lässt euch in die Ulmer Platzgasse blicken, wo Romy wohnt:


Eine kleine, aber belebte Einkaufspassage mit liebevoll und warm wirkenden Klein- und Kleinstläden. Mehrere Menschen, welche die Gasse entlangspazieren, sind von hinten zu sehen, links und rechts die Geschäfte, die ich etwas bearbeitet habe und deren Dächer darum in Pink (Georg: »Beere!«) erstrahlen. Einzelne Elemente der Häuser leuchten in Grün, andere in einem zuckrigen Rosa, im Hintergrund ein Stück blaugrauer Himmel – und dort oben eine auffliegende Taube mit ausgebreiteten Flügeln. Ein tolles Bild für den Roman, finde ich; ich wünschte, wir hätten eine hochwertigere Kamera. Aber auch so ist es okay. Und wenn die Platzgasse als Reisestation an der Reihe ist, gibt es das Foto natürlich auch noch einmal in den Originalfarben zu sehen.

Die erste Station der sentimentalen Reise führt euch zuvor aber an den Ort, an dem Tick und ich uns zum ersten Mal begegnet sind. Bis dahin! ♥

Dienstag, 12. April 2016

Frei wie verkrüppelte Tauben – Das Cover

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Und es ist da! So sieht das Cover zu Frei wie verkrüppelte Tauben aus – eine barrierefreie (hoffentlich brauchbare) Bildbeschreibung folgt im Anschluss:


Das Cover ist schlicht, aber bunt: Auf einem weißen Hintergrund sind bildübergreifend bunte Tropfen abgebildet, die von oben nach unten fallen. Die dominierenden Farben sind Pink (bzw. teils eher Beere, sagt Georg, er ist der Pink-Experte), Violett, Blau und Grün; auch einen orangegelben und einen grünbraunen Tropfen gibt es. Die Farben gehen in den meisten Tropfen ineinander über (zum Beispiel Blau in Grün, Violett in Blau oder Pink in Violett), nur wenige sind einfarbig.

Die Aufschrift ist ebenfalls schlicht, aber dennoch besonders: Ganz leicht schräg (von links unten nach rechts oben) verläuft in schwarzer Schrift, die an geradlinige Pinselstriche erinnert, folgender Text in Großbuchstaben:

FREI WIE
VERKRÜPPELTE
TAUBEN

ROMAN

ALEXANDRA DICHTLER

Whoa, ich merke gerade, dass es ziemlich schwierig ist, ein Cover wirklich barrierefrei zu beschreiben. Ich hoffe, es ist mir einigermaßen gelungen. :)

Der Klappentext:

An seinem achtzehnten Geburtstag will Tick alles Schlechte hinter sich lassen: seine Kindheit im Heim, seine heroinsüchtige Exfreundin und seine eigenen Drogenerfahrungen. Aber neue Probleme bahnen sich bereits an, allen voran, dass sein bester Freund Roman plötzlich als Frau lebt – mit allem, was dazugehört. Viel Zeit bleibt ihm nicht, sich daran zu gewöhnen, und es kommt der Tag, an dem er sich entscheiden muss. Ist er wirklich bereit, mit der Vergangenheit abzuschließen und Romy zu akzeptieren?

»Wir können uns entscheiden, Flügel im Kopf zu haben. Wir sind frei.«


Erscheinen wird der Roman voraussichtlich in der ersten Maiwoche, und bis dahin wird es sowohl auf der Facebook-Seite des Ka&Jott Verlags sowie hier auf dem Blog jede Menge Infos rund um FWVT geben. Auch auf Twitter werden wir natürlich darüber sprechen und die entsprechenden Posts verlinken. Es lohnt sich also, wachsam zu bleiben!

Sonntag, 10. April 2016

Facebook: Ein Fazit

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Nach knapp drei Monaten Facebook-Erfahrung habe ich mich heute dazu entschieden, meine Autorenseite dort stillzulegen, und über kurz oder lang werde ich sie wahrscheinlich auch löschen.

Der Grund: Sie bringt mich einfach nicht weiter. Wie schon ganz zu Anfang hier auf dem Blog gesagt, kann ich aus eigener Kraft nicht so ausdauernd präsent auf Facebook sein, wie es nötig wäre, um tatsächlich auch Leser zu gewinnen, die nicht ohnehin schon den Blog lesen. Das werde ich auch nie können; für eine solche Omnipräsenz habe ich einfach keinerlei Ressourcen. Da wäre ich tatsächlich auf die Aktivität anderer angewiesen gewesen, und es haben sich anfangs ja auch viele gemeldet, die meinten, sie würden dann meine Beiträge teilen und mich auf Facebook unterstützen – aber so richtig klappt das leider nicht, und so ganz für mich selbst und euch Beziehungstat-Leser ist die Seite einfach überflüssig.

Besonders deutlich zeigt das auch diese kleine Umfrage hier – wer mich liest, tut das lieber nicht auf Facebook, sondern auf dem Blog:


Was ja letztlich auch ein Kompliment für unseren Blog ist. Die (inzwischen mehr als) 100.000 Aufrufe haben uns umgehauen, und der Blog ist halt auch wesentlich vielseitiger, als es eine Fanpage sein kann.

Das war nun hoffentlich mein endgültig letzter Versuch, mir irgendeine Art von Webpräsenz aufzubauen, die sich ausschließlich mit dem Schreiben beschäftigt. Das funktioniert einfach nicht. Bei unserem Blog hier war mir das ja auch von Anfang an klar: Erst sollte es ein reiner Autorenblog werden, aber schon im Entstehen des Blogs habe ich zu Georg gesagt, dass es das nicht für mich ist. Dass ich den Blog gern mit ihm gemeinsam schreiben würde und dass hier mehr präsent sein muss als meine Geschichten. Und ich glaube, das ist der Grund, warum wir bis heute dranbleiben am Blog. Auch wenn wir hier nicht annähernd alles von uns preisgeben und es nie richtig tiefgreifend privat wird, sind wir hier doch vor allem Menschen, nicht nur Autoren. Warum ich trotzdem immer mal wieder versucht habe, meinem Schreiben einen eigenen Raum zu geben, verstehe ich selbst nicht vollständig. Aber ich verstehe nun endgültig, dass es nicht funktioniert. Selbst dann nicht, wenn es um ein absolutes Herzensprojekt geht.

Zurück zum Facebook-Fazit:

Ein sehr lieber Mensch, den ich via Twitter kenne, schrieb mir im Januar Folgendes:

Seit gut 1,5 Jahren habe ich nun kein Facebook mehr und es tut gar nicht weh. :-)

Ich hatte einen privaten kleinen Account nur mit echten Freunden, etwa 35 Personen. Zusätzlich habe ich fast ein Jahr eine Fanpage betrieben. Ich glaube nicht daran, dass man wirkliche Herzensangelegenheiten dort verbreiten kann, denn der Aufwand ist m.E. einfach zu groß. FB zeigt deine Posts nur, wenn du wirklich viele »Gefällt mir« Angaben auf deiner Seite hast und auch nur, wenn du sehr aktiv bist. Nicht alle werden sehen, was du postest, wenn sie nicht aktiv nachschauen auf deiner Seite. Du kannst es natürlich kaufen, immer oben in den TL´s zu erscheinen, aber das willst du sicher nicht.

Wenn du allerdings dort Freunde hast, die etabliert sind und dich pushen, magst du einiges erreichen. Meistens wollen die dann aber auch, dass man ihre Inhalte teilt oder bei ihren Seiten den »Gefällt mir Button« drückt ... Wenn das nicht geschieht, sind sie schnell wieder weg.


Das ist tatsächlich genau die Erfahrung, die ich in den vergangenen drei Monaten mit Facebook gemacht habe. Und diesen Aufwand kann ich nicht betreiben, dazu habe ich wirklich und wahrhaftig nicht die Kraft übrig. Ein bisschen enttäuscht bin ich über die ausbleibende Hilfe, die so viele an den unterschiedlichsten Stellen zugesagt hatten, aber ich glaube, gerade online darf man da nicht übermäßig viel erwarten. Und letztlich habe ich mich auf Facebook auch menschlich ziemlich unwohl gefühlt, sodass das die beste Lösung ist. Auch wenn viele Menschen mir sagten, ohne Facebook käme man als Autor_in nicht weiter: Meine Erfahrung sagt etwas anderes. Vermutlich liegt es auch stark mit am Genre (Science-Fiction geht gut, Gay-Romance geht gut und Codewort: Puls vereint halt beides), aber meine Puls-Verkaufszahlen sind für einen Autorenniemand wie mich unfassbar hoch, obwohl ich darüber fast ausschließlich hier auf Beziehungstat gebloggt habe.

Georg und ich freuen uns über alle, die nun schon seit Jahren treu diesen Blog lesen, und begrüßen auch immer gerne Zuwachs – mit dem Versprechen, dass hier kein Mensch nur ein Like-Klick ist. ♥

Freitag, 8. April 2016

Galaxy Threesome

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Hier zeige ich euch drei Lesezeichen, die ich für Lara gemacht habe – zur freien Verfügung, welche Threesome-Konstellation dann damit beglückt (?) wird. :D

Bildbeschreibung: Es sind drei cremefarbene Lesezeichen, oben mit ausgestanzten Sternen und verziert mit verschiedenen Sternenmotiven in Blau-, Gold-, Braun- und Silbertönen. Die verwendeten Anhänger und Bändchen in ähnlichen Farben habe ich diesmal sogar extra fürs Basteln gekauft, statt sie irgendwo schon gehortet zu haben oder zufällig zu bekommen – die coolen geometrischen Sternenmotive verdanke ich dagegen Tasha, das Georg und mir neulich einen total edlen Minze-Grüntee in einer tollen Schachtel geschickt hat, aus der ich die Motive ausgeschnitten habe. (Falls sich jemand wundert, warum ich »das« geschrieben habe statt »die«: Hier hat Tasha einen sehr lesenswerten Text zu den Themen Gender und Pronomen gepostet. Und da ich gerade beim Empfehlen bin: Hier findet ihr auch einen Text von Lara zu diesen Themen und hier einen von Lexi, beide ebenfalls sehr lesens- und teilenswert.)

Tasha! Georg LIEBT den Tee übrigens! Ich selber bin eher ein Minz-Muffel (um irgendwas mit Minze freiwillig zu trinken/essen/lutschen, muss ich ziemlich krank sein), aber ich liebe dafür das Koffeinpulver, das ebenfalls in dem Päckchen war. \o/

So, ähm, die Lesezeichen:



Donnerstag, 7. April 2016

Wir kommen nicht wieder

GD

Heute hatten wir nach zwei anderen Terminen auch einen Friseurtermin, und für uns persönlich wurde er zu einem Friseurbesuch des Grauens, der mit dem Entschluss endete, dass wir diesen Salon niemals wieder besuchen werden.

Der Grund waren braune Äußerungen vom Feinsten, die zwischen der dienstältesten Friseurin (Typ Barbie und um die vierzig Jahre alt, sicher sind wir uns da aber nicht) und einer schätzungsweise etwas jüngeren Kundin (ähnlicher Typ, aber fülliger) pingpongartig hin und her geschossen wurden, was die anderen anwesenden Angestellten des Salons stillschweigend hinnahmen. Der Vorfall entgleiste, als schließlich Alex die beiden unterbrach und ihren Äußerungen widersprach.

Unter anderem gab es von den zwei Frauen …

- Kritik daran, dass Geflüchteten Psychologen zugestanden werden – »das ist doch unser Geld.« Genau, es ist euer Geld, weil ihr das große Glück hattet, in einem privilegierten Land geboren zu werden. Euer Verdienst ist das allerdings nicht.

- die Aussage, dass man die Geflüchteten, die kürzlich auf einen Turm stiegen, um gegen ihre Unterbringung zu protestieren, lieber hätte abstürzen lassen sollen, anstatt sie von dort herunterzuholen.

- Beschwerden darüber, dass viele Geflüchtete hier Fahrräder besitzen und auf diesen durch die Stadt fahren (!!!) – »wer zahlt denen das und wer zahlt es uns, falls DIE einen Unfall bauen?« Es ging dann noch weiter, dass sie ja auf ihren Kosten sitzenblieben, sollte ihnen ein Geflüchteter mit dem Fahrrad ins Auto fahren. (Persönliche Meinung: Falls heute noch irgendjemand eine Versicherung hat, die nicht einspringt, wenn ein Unversicherter ihm_ihr Schaden zufügt, ist er_sie selber schuld.) Es ging dann noch weiter damit, dass in diesem Fall ja der Staat einspringen müsse, und wieder: »Das ist doch unser Geld.«

- die mehrfache Frage, ob DIE eigentlich ein Hotel erwarten, wenn sie die karge und unhygienische Unterbringung kritisieren. (Darüber, was für eine begrenzte Zeit zumutbar ist und was nicht, kann man natürlich streiten. Fakt ist aber dennoch, dass die Unterbringung vielerorts katastrophal ist und kaum ein Deutscher eine solche Unterbringung geduldig hinnehmen würde.)

- die Beschwerde, man dürfe so etwas ja nicht mehr frei sagen, ohne in die Nazi-Ecke abgeschoben zu werden (welch Wunder, wenn man Menschen abstürzen lassen will und sich bei einem Unfallszenario als Allererstes darum sorgt, wer einem den Schaden zahlt). Aussage der Friseurin: »Aber 95% aller Deutschen denken so wie wir.«

Hier unterbrach Alex das »Gespräch« und sagte, dass sie ganz sicher nicht so denke und es bei derartigen Äußerungen kein Wunder sei, dass Menschen für rechts gehalten werden, weil das rechtes Gedankengut IST und nichts anderes.

Daraufhin meinte die Kundin abfällig: »Das hab ich mir gedacht.«

Alex: »Was haben Sie sich gedacht?«

Die Kundin: »Dass Sie das nicht so sehen.«

Alex: »So? Woran haben Sie das denn erkannt?«

Die Kundin zögerte merklich, sagte nicht sofort etwas.

Alex etwas provokativ: »Sieht man mir vielleicht an, dass ich selbst aus einer Flüchtlingsfamilie komme?«

Dann fiel der Satz, der uns beide am meisten schockiert hat. Die Kundin druckste erst wieder etwas herum und meinte dann: »Das sieht man einfach, so sozial.«

Alex: »Ach, dann sehen Sie mir meine Meinung an, weil ich einen behinderten Mann habe?«

Dem widersprachen sowohl die Kundin als auch die Friseurin vehement und behaupteten, das sei eine Unterstellung. Gerade diese Vehemenz sprach meinem Empfinden nach aber für sich, und ebenso die Tatsache, dass »sozial« hier einen eindeutig negativ besetzten Geschmack bekam.

Letztlich behaupteten die Kundin und die Friseurin, sie hätten Alex’ Meinung über ihre Aussagen »an ihrem Gesichtsausdruck« erkannt. Alex wiederum sagte, dass eine weitere Diskussion wohl zwecklos sei. Zu der sie behandelnden Friseurin sagte sie zum Schluss, dass sie die Haare nicht geföhnt haben und nicht mehr länger als nötig im Salon bleiben wolle. Also gingen wir. Und wir kommen nicht wieder. (Und ich glaube es fast nicht, dass ich nach diesem Tag noch diesen Eintrag geschafft habe, aber das musste einfach sein.)

Mittwoch, 6. April 2016

Hochzeitstagsgeschenk

GA

Gestern war unser 8. Hochzeitstag, und da wir uns auf den Tag genau zwei Jahre vor unserer Heirat zum ersten Mal begegnet sind, auch unser 10. Kennenlerntag. (Was allerdings keine bewusste Entscheidung war. Erst Jahre nach unserer Hochzeit haben wir in alten Unterlagen aus der Ausbildung entdeckt, dass es sich bei unserem Kennenlerntag um den 5. April 2006 handelte; das war ein einzelner Tag, an dem wir uns vor dem Büro unseres Ausbildungsleiters begegnet sind und danach mehrere Monate lang nicht mehr, ehe im September die Ausbildung begann. Trotzdem cool!)

Zu diesem Anlass wollten wir uns gern gemeinsam etwas schenken: Ein leichtes Pimpen (gibt es dafür eigentlich ein deutsches Wort? *hust*) unseres Blogs, konkreter fiel die Entscheidung dann auf einen neuen Titel-Schriftzug und ein neues, dazu passendes Favicon. Erkennt ihr die Schriftart? Wenn ja, wisst ihr bestimmt auch schon, wer den Schriftzug und das dazugehörige Favicon für die Taskleiste gemacht hat – Irina Bolgert von Bookdresses Buchcoverdesign, die auch bereits die Covers zu »Sein Artist« und »Codewort: Puls« gestaltet hat. Allerdings wollte sie überhaupt kein Geld von uns haben, sondern hat uns die Gestaltung zum Hochzeitstag geschenkt. SO toll – vielen lieben Dank! ♥

Wir hoffen, dass euch die neue Gestaltung gefällt – das Design soll nun endlich einmal dauerhaft bleiben, zumindest für eine sehr lange Zeit. Unser Blätter-Design hatten wir ja immerhin über ein halbes Jahr, dann hatte das Galaxie-Design einen kurzen Auftritt, das wir des Headers wegen total lieben, das uns aber für »richtig lange« zu ausladend ist, vor allem für die Gedicht-Posts. Da dachten wir uns, lieber gleich was, das langfristig bleibt. Und Sterne mussten es einfach sein – ein bisschen wegen »Codewort: Puls«, ein bisschen wegen dem, was aus [Ex-]»AURA« und [Ex-]»Grenzwandler« wird, und ein bisschen, weil wir Sterne eben einfach beide sehr gern mögen.

Und zum Schluss kommt hier noch unser gestriger …

(Erdbeerkuchen/-torte und Nusskuchen/-torte; Erdbeere mochten wir beide lieber.)

Freitag, 1. April 2016

April

GD

Bin ich nicht pünktlich? Heute geht es weiter mit den Kalendergedichten meines Vaters. Was sich dahinter verbirgt und warum ich diese Gedichte hier poste, habe ich im ersten Eintrag dazu bereits erklärt. Zudem habe ich mir vorgenommen, ein Inhaltsverzeichnis zu erstellen, welches ich den jeweiligen Gedichten immer voranstelle, sodass ihr (und Alex und ich selbst später ebenfalls) bei Interesse immer auch die vorherigen Gedichte in der richtigen Reihenfolge wiederfinden könnt.

Viel Spaß! :-)


April – Ostermond

Spiele im Freien – April, April!

Länger werden Gras und Tage:
Frühling ist’s, gar keine Frage!
Forsythien, Tulpen und Narzissen,
Ostern naht (war), wie alle wissen.
Dreirad, Roller, Rollschuh, Rädchen,
Wasserbrunnen sind im Städtchen.
Aus dem kleinen Wetterhaus
schaun mal Mann, mal Frau heraus,
denn das Wetter im April
scherzt, so wie die Leut, recht viel!

Nikolaus S.