Sonntag, 31. Juli 2016

Das Vorzeigbare

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Hier kommen ein paar Eindrücke vom Wochenende, die vorzeigbar sind. Die gewissen Löwenherzen-Sexszenen gehören allerdings nicht dazu. *hust* (BB: Lexi mit ihren Löwenherzen-Schmuckstücken, Lexi und Georg in ihren Wurst T-Shirts ever, Georg und ich zusammen und einzeln und das Falko-Lesezeichen, das ich gestern für Lexi gemacht habe.) Die Bildqualität ist leider größtenteils unterirdisch, und mit dem Schwinden des Tageslichts wurde es alles andere als besser:












Freitag, 29. Juli 2016

Multi-Post – teils wichtig, teils nicht so …

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Einen Multi-Post hatten wir nun ja gefühlt ewig nicht mehr – da dachte ich, ich schreib einfach einen. Ich fange mit den wichtigen Dingen an und arbeite mich zielstrebig zu dem Blödsinn vor, den ich am liebsten von allem schreiben will. Georg und ich wünschen viel Vergnügen! :D

★ Die liebe Sally hat mich gefragt, ob es die »Löwenherzen 2580«-Kapitel auch als PDF zu lesen gibt. Da das womöglich auch andere Menschen interessieren könnte: Nein, derzeit nicht, tut mir leid. Dass ich diese Geschichte jetzt schon zugänglich mache, hat den Hintergrund, dass ich gemeinsam mit meinen Stammlesern entscheiden möchte, ob ich sie veröffentlichen werde oder nicht.

Wenn von diesem harten Kern also Menschen sagen: »Ja, diese Geschichte gefällt mir so gut, dass ich auch Geld dafür ausgeben würde«, wird ein Buch daraus – wenn nicht, dann nicht. Und ich denke/hoffe, dass die Mitlesenden da auch ehrlich sein werden. Kommerziell ist mit diesem Roman nicht viel zu holen, das ist mir klar. Aber da ich ihn für mich ohnehin drucken lassen werde und die Cover-Kosten bereits mit meinen »Codewort: Puls«-Einnahmen decken konnte, bestünde diesbezüglich kein hoher Mehraufwand.

★ Da wir gerade beim Thema sind, frage ich schon mal vorsichtig: Wie schätzt ihr, die ihr die »Löwenherzen 2580« mitlest, die Geschichte denn bislang ein? Könnt ihr schon ein ungefähres Statement abgeben, ob euch das Lesen dieses Romans (umgerechnet auf die letztliche Seitenzahl) in etwa so viel Geld wert wäre wie SGBAS oder »Codewort: Puls«?

Mir ist klar, wie befremdlich diese Vorgehensweise auf andere Autoren wirken muss. Aber ich mache halt nach wie vor in erster Linie häusliche Pflege und bin keine Berufsautorin. Die Veröffentlichung der »Löwenherzen 2580« ist etwas, das ich für die Menschen machen würde, die den Roman gern in Buchform hätten – und die Zielgruppe sind eigentlich »nur« jene, die alle bisherigen Waidbronn-Bücher gelesen haben. Da diese wiederum unterschiedliche Zielgruppen ansprechen und nur ein kleiner Kern alle drei Geschichten kennt, seid ihr gefragt. :)

★ Die liebe Julie hat eine unglaublich tolle, ausführliche Rezension zu »Frei wie verkrüppelte Tauben« verfasst, die ihr hier finden könnt. Vielen, vielen Dank; ich hab mich echt riesig darüber gefreut, dass dir das Buch so viel geben konnte! ♥

★ Ich pausiere gerade auf Twitter, habe sogar meinen geschützten Account gelöscht und glaube, dass ich mich in den nächsten Wochen dort wirklich nicht blicken lassen werde. Was ich da in den letzten Tagen alles gelesen habe, hat mir den Rest gegeben. Brrrr. Solche Entgleisungen kannte ich bislang nur im Rahmen von Foren-Zickereien, und alles, was nach Foren-Zickerei riecht, meide ich zu meinem eigenen mentalen/seelischen Schutz weitläufig.

Klar könnte ich auch nach Herzenslust entfolgen, blocken und muten. Aber ganz ehrlich, ein Freizeit-Ort, an dem ich abwägen muss, wen ich gerade noch ertrage und wen nicht – auf den verzichte ich lieber für eine Weile komplett.

★ Unsere neue Spülmaschine wurde heute schon eingebaut. Ihren Jungfernspülgang (…) hat sie allerdings noch vor sich; bislang können wir nur sagen, dass sie sehr nach neuem Gerät stinkt und zudem irgendwie, ähm, fischig. Wääh. Wir erinnern uns aber, dass das bei der ersten (gleiche Marke) ebenfalls so war, gerade dieser komische Fischgeruch. Mal schauen, wie lange sich der hält.

★ Mein jüngerer Bruder kam gestern Abend zu uns und hat auch hier geschlafen. Später haben wir unter anderem »Escape from Planet Earth« angeschaut, einen ultimativ herzigen und coolen Animationsfilm (Science-Fantasy), den ich hier rezensiert habe. Viel Liebe für diesen Film!

Was ich aber eigentlich erzählen wollte: Die Vorbereitung war wieder mal SO typisch für uns. Mein Bruder hatte für uns alle jeweils zwei Flaschen Bier mitgebracht. Ich, im Begriff, mir Wasser zu holen: »Moment, ich muss nur noch schnell was korrekturlesen.«

Mein Bruder: »Nein!! Du musst dein erstes Bier jetzt schon mit an den Laptop nehmen, sonst schaffst du nicht beide vor dem Essen!«

Diese Argumentation war natürlich schlüssig. Sobald wir irgendwas gegessen haben, werden mein Bruder und ich nicht mehr nennenswert betrunken, und selbstredend müssen wir uns betrinken, wenn wir Zeit miteinander verbringen. :'D

Wir tranken also unser Bier, kauften später Döner, tranken dann noch Kaffee und schauten uns besagten Film an. Mein Bruder fand ihn auch cool, guckt euch den an!

★ Morgen kommt Lexi zu uns, bringt ebenfalls Alkohol mit (ähm, ja), und sobald wir diesen getrunken haben, werden wir versuchen, ein paar ultimativ klischeehafte Sexszenen mit zwei gewissen »Löwenherzen 2580«-Charakteren zu schreiben. (Tipp: Alice, El'eym und Diego sind unbeteiligt, so etwas könnte ich El'eym niemals antun.) Warum? Ach, einfach so. Autoren tun so was manchmal. :D

Georg hat sogar extra den Kräuterlikör aufgehoben, den ich zur Feier des Erscheinens von FWVT vom Ka&Jott Verlag bekommen hatte, um ihn mit Lexi zu trinken. Kräuterlikör gehört zu den Dingen, die ich einfach nicht runterkriege (ebenso Sekt), aber die beiden mögen ihn. :D

★ Habt ein wunderschönes Wochenende! Und seid versichert, dass ich gerade absolut nüchtern bin.

Donnerstag, 28. Juli 2016

Kapitel 7 plus Fotos

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Kapitel 7 der »Löwenherzen 2580« und ein paar Fotos dazu. :)


– 7 –

2580 | Die Erde | Deutschland | Waidbronn


Sonntagmorgen, und Diegos Blick durchbohrte mich auf merkwürdig verletzte Weise. Ich fühlte mich grässlich dabei, ihn zu erpressen. Unser gemeinsames Sonntagsfrühstück war der einzige Termin, zu dem er regelmäßig pünktlich erschien, und heute hatte er auch noch ein Geschenk für mich. Diego machte mir selten Geschenke. Doch wenn ich jetzt nicht handelte, würden wir keinen Schritt weiterkommen.
»Das ist dein letztes Wort?«, fragte er und zog die Beine auf meinem Sofa in den Schneidersitz. Immerhin verließ er nicht entrüstet das Haus. »Du willst meine Überraschung erst sehen, wenn du mir Zeug über diese dämliche Eskorta erzählt hast? Und du hast sogar auch eine Überraschung für mich, die du mir erst danach zeigst? Wenn das die komische Romantik ist, die du immer von mir willst – ich weiß nicht, El'eym, das ist doch scheiße.«
»Nein.« Ich räusperte mich. »Das hat mit der Romantik, die ich mir wünsche, nichts zu tun. Aber was ich dir über Alice sagen muss, ist wichtig, Diego. Ich versuche, mich kurz zu fassen. Und dann verraten wir uns gegenseitig unsere Überraschungen. Wie ein mentales Dessert, okay?«
»Hff«, machte er.
»Du würdest es verstehen, wenn du mir zuhören würdest. Du willst wissen, warum sie mit dir sprechen wollte, oder? Und ich weiß es.«
Diego verdrehte die Augen. Er nahm einen Schluck Kaffee, hob seine violette Umhängetasche vom Boden auf und kramte die grellgelbe Schachtel mit seinen Joints hervor.
»Es wäre gut, wenn du dabei nüchtern bleiben könntest«, sagte ich leise.
»Ich bleib schon klar genug, weißt du doch«, antwortete er und zündete sich den ersten Joint an.
Ich unterdrückte ein Aufseufzen. Alice hatte mir gestern nicht glauben wollen, dass ich sie nicht mal als ernsthaft anstrengend empfunden hatte, als sie nach ihrem sechsten Wodka auf dem Weg zur Toilette die große Palmlilie im Flur umgeworfen hatte. Nachdem wir die Erde gemeinsam zurück in den Blumentopf verfrachtet hatten, war sie es gewesen, die uns den geplanten Spaziergang verordnet hatte.
Sie hatte mich auf die Wange geküsst zum Abschied, kurz vor Mitternacht, als ich restlos alles wusste. Eine Fremde, die mir innerhalb eines Tages zu einer Freundin geworden war. Jetzt saß Diego neben mir, der mein Wohnzimmer vollqualmte. Ich fühlte mich nach wie vor schrecklich ihm gegenüber, aber ihn – ihn empfand ich als anstrengend, wie er da hockte und demonstrativ Rauchkringel durch den Raum pustete. Genervt war ich nicht von ihm, nein. Doch Diegos Gesellschaft war mir im Augenblick alles andere als angenehm, und das war mir unheimlich.
»Du hörst mir also zu?«, hakte ich nach.
Er zuckte die Schultern. »Sicher.«
Ich ignorierte die Widersprüchlichkeit und begann. Zuerst schilderte ich ihm, warum Alice auf ihn aufmerksam geworden war. Der Zettel, ihre eigene Handschrift auf einem Stück Papier auf ihrem Nachttisch: Diego Kast, Waidbronn, Deutschland. Doch das war erst der Anfang – und mit stiller Erleichterung registrierte ich, dass Diego sich mir mit jedem Wort mehr zuwandte, das ich ihm anvertraute.

Seit ihrer frühen Kindheit hatte Alice Träume, die sich von gewöhnlichen Träumen unterschieden. Träume von den verschiedensten Personen, denen sie real niemals begegnet war. So sah sie im Schlaf zum Beispiel Tinxmenschen und Hybriden, die gemeinsam ein Fest feierten, ehe sie ein Bewusstsein für die Existenz dieser Menschengruppen entwickelt hatte. Ankara war seit Jahrhunderten kein beliebter Wohnort mehr.
Die meisten ihrer Träume traten einmalig auf. Drei jedoch begleiteten sie seit Jahren: die Träume von Max.
Im ersten Traum war Max dreizehn Jahre alt. Die Tochter wohlhabender, strenger Eltern, die sie mit überzogenen Leistungsansprüchen traktierten. Eines Abends, an dem sie sich heftig mit ihnen gestritten hatte, schlug sie ihren Kopf in eindeutig selbstverletzender Absicht gegen eine Wand ihres Zimmers – nur, dass er nicht dagegenprallte, sondern hindurchglitt. Als bestünde die Wand aus Pudding oder dem Hirsebrei, der im Märchen ins Schlaraffenland führt. Max zog den Kopf zurück, schwer atmend und verwirrt, und trat dann vollständig durch die Wand. Auf der anderen Seite gab es dürres Land und ein Meer, beides unüberblickbar weit. Max hatte keine Ahnung, was sie dort erwarten würde, doch sie schöpfte tief Atem und wanderte das Meer entlang, ohne sich umzudrehen.
Der zweite Traum zeigte eine erwachsene Max, die nun als einzige Weiße einer Gruppe schwarzer Gelehrter angehörte. Sie alle lebten in einer modernen Stadt inmitten des dürren Niemandslandes, einer hoch entwickelten Stadt, deren technische Grundausstattung die jeder uns bislang bekannten Welt übertraf. Doch Max’ neue Welt war keine friedliche. Es gab immer wieder Bombenanschläge auf die Stadt, und eines Tages wurde sie endgültig zerstört und die noch lebende Bevölkerung musste fliehen. Auch Max floh – in die Richtung, aus der sie einst gekommen war, obwohl keiner ihrer Freunde sie begleiten wollte. Nach langen Tagen der Flucht entlang des Meeres stürzte sie zurück in ihr altes Zimmer, das jetzt von fremden Kindern bewohnt wurde, die sie nicht verrieten – sie und ihren Sohn, der etwa acht Jahre alt war und weiß wie sie. Ihr glattes braunes Haar hatte er jedoch nicht geerbt, stattdessen besaß er kastanienfarbene Locken. Sein Vater ließ sich in keinem der Träume blicken, doch Alice vermutete, dass das Kind der Grund für den hässlichen Streit aus dem ersten Traum war.
Der dritte Traum zeigte Max und ihren Sohn am Rande einer Beerdigung. Sie standen hinter einem dichten Gebüsch, hielten sich an den Händen und spähten durch die Zweige. Es war Winter, das Gebüsch blattlos und nur von Schneeresten bedeckt. Da waren weiße Menschen, blaue Menschen und sehr viel Stille. Der Junge fragte Max, wer die Toten seien. Die Toten, keine Einzelperson. Max seufzte, blickte noch einmal durch die Zweige, drückte seine Hand und führte ihn fort, ohne ein Wort zu sprechen. Ihre Kleidung war zu dünn, zu leicht für diese Jahreszeit. Und schließlich lösten sie sich auf, verließen Alice’ Traumwelt wie Gespenster.
Es gab eine alte Bildergeschichte namens Max und Moritz, die aus der Feder des deutschen Schriftstellers Wilhelm Busch stammte. Daran hatte Alice denken müssen, als ich ihr von Moritz Keller erzählt hatte. Allerdings hatten wir es nicht mit zwei frechen Kindern zu tun, sondern mit Menschen, die beide fremde Dimensionen kennengelernt hatten. Ich bezweifelte nicht, dass Max’ Erlebnisse keine reinen Traumprodukte waren, sondern auf überirdische Weise ihren Weg aus der Realität in Alice’ Träume gefunden hatten. Zumal Alice auch auf anderen Ebenen Erfahrungen jenseits alles Irdischen machte.
Manchmal hörte sie wie aus dem Nichts Schreie im Kopf. Keine sprechenden Stimmen, sondern Schreie von Menschen in Todesangst. Die Schreie aus ihrem zweiten Traum, die Schreie der Ausgebombten, der Verbrennenden. Meist geschah das unmittelbar vor Situationen, in denen Alice selbst in Gefahr geriet, und in ihrem Job waren solche keine Seltenheit. Die Schreie hatten sich als zuverlässige Warnsignale erwiesen. In ihren drei Jahren als Eskorta war Alice erst ein einziges Mal ernsthaft verletzt worden und hatte jeden einzelnen ihrer Kunden wohlbehalten an sein Ziel gebracht.
Alice hatte das Gefühl, dass ihr die Schreie geschickt wurden. Von jemandem, den sie ihren stillen Beschützer nannte. Von einer Entität, deren Existenz sich nicht weiterführend offenbarte. Dafür sprachen aus ihrer Sicht auch Begebenheiten wie jene mit dem Zettel: kurze Eindrücke, die sie unterwegs auf Wege verwiesen, die sie von selbst nicht gegangen wäre. Zu einem späteren Zeitpunkt erfuhr sie nicht selten, dass es auf der ursprünglich geplanten Route Explosionen oder Überfälle gegeben hatte. Jemand passte auf sie auf, das stand für sie außer Frage. Und weil dieser Jemand sich väterlich für sie anfühlte, nannte sie ihn Beschützer statt Beschützerin.
Ich glaubte ihr. Ich glaubte ihr jedes Wort, wie sie umgekehrt mir all meine Ausführungen geglaubt hatte. Und wenn ich Diegos geplätteten Blick richtig deutete, glaubte er ihr ebenfalls.

»Vielleicht kommt das alles von Svai'kh«, sagte er prompt, nachdem ich ihm versichert hatte, jetzt mit sämtlichen Informationen durch zu sein. »Oder von den Ke'd-Ri. Ich meine, sie sind sowohl Svai'khs Boten als auch Wächter über die Menschen. Und Svai'kh ist der Retter, das würde alles hervorragend zusammenpassen.«
Erneut unterdrückte ich ein Seufzen. Dass ich weder an einen klassischen Gott noch an Engel glaubte, missfiel Diego zutiefst. Eine derart verneinende Haltung gehörte sich seiner Meinung nach nicht für einen Metaphysiker, und ich vermied es um des Friedens willen, ihn darauf hinzuweisen, dass eine derart überzeugte Haltung wie die seine auch nicht professioneller war.
»Ganz auszuschließen ist es nicht«, antwortete ich diplomatisch, und das war die Wahrheit. »Aber unabhängig vom Ursprung dieser Ereignisse verstehst du jetzt garantiert, warum du das alles erfahren musstest. Alice hat nichts Böses mit dir vor. Sie will dich kennenlernen, weil sie glaubt, dass jemand möchte, dass ihr euch kennenlernt.«
Diego nickte. »Ja, das hat sie richtig gemacht. Ich muss mit ihr reden, so schnell wie möglich. Und ich muss ihr Blut abzapfen. So eifrig, wie Gaspari sich durch die Weltgeschichte gebumst hat, sind wir ja vielleicht sogar verwandt. Halt, nein. Nein, sie ist eine Erdenfrau. Egal, trotzdem, wir haben schließlich noch andere Ahnen. Und die Allianz ist uns was schuldig.«
»Fakt ist leider, dass sie ihre Schuld mit der Finanzierung meines Anzugs und der Roboter als beglichen ansieht«, warf ich vorsichtig ein. Kein Thema, das wir gerne streiften. Wenn mein Exoskelettanzug, Sima und Paym eines Tages nicht mehr funktionsfähig waren, stand mir ein Leben bevor, das ich mir nicht einmal vorstellen wollte. »Das war zumindest der Deal, und es war ein guter.«
»Die sollen sich mal nicht so anstellen«, murrte Diego. »Meinetwegen bezahle ich den Test auch, aber die haben sämtliche Mittel.«
Unwillkürlich musste ich lächeln. »Danke fürs Zuhören. Jetzt hast du dir die Überraschung mehr als verdient. Und die hat auch was mit Mitteln zu tun.«
»Ja?« Diegos dritter Joint war aufgeraucht, und er war im Begriff gewesen, von seinem Brötchen mit Schokocreme und Bananenscheiben abzubeißen. Nun ließ er es sinken.
»Ja.« Ich griff nach seiner freien Hand. »Diego, ich hab einen Käufer für das freie Haus. Einen Eskorto aus Kempten, in dessen Wohnung Alice übernachtet, solange sie in der Gegend ist. Er will das Haus für seine Eltern. Und er hat nicht mal versucht, zu verhandeln – er bezahlt die vollen 100000 Ju'in, obwohl er von der prähistorischen Heizanlage weiß. Seine Eltern stört das nicht. Mit meinem bisherigen Ersparten fehlen mir jetzt nur noch 140000.«
»Whoa«, sagte er. »Und – 134000. Das, ähm. Das ist meine Überraschung. Und noch was anderes.«
»Was?« Man musste mir meine Verwirrung ansehen, auch wenn das keine Garantie dafür war, dass Diego sie bemerkte.
»Moment.« Diego stopfte sich das Brötchen vollständig in den Mund, kaute notdürftig und schlang es hinunter. »So«, meinte er und spülte mit einem Schluck Kaffee nach. »Eph hat da so einen komischen Typen aufgerissen. Also, nicht aufgerissen, er ist Ephraim Grün, aber er steht auf den, das ist total offensichtlich.«
Wenn es dir auffällt, ist es das wohl tatsächlich, dachte ich schmunzelnd und lauschte Diegos restlicher Erzählung mit Erstaunen. Ein Fremder hatte diese selbst gebastelte Kette kaufen wollen und allen Ernstes sechstausend Ju'in für sie bezahlt? Da stimmte was nicht, da hatte Diego recht. Ebenso damit, dass uns die Hintergründe nichts angingen und wir froh über das Geld sein sollten.
»Ich hab recherchiert, ein Sammlerstück oder so ist das definitiv nicht«, sagte er. »Hätte mich echt total angekotzt, wenn doch. Aber das Seltsamste kommt erst jetzt: Ich hab noch mehr kleine Wandfächer in meinem Haus gefunden. Ein paar davon musste ich aufbrechen. In den allermeisten waren halb zerfallene Zettel mit Bruchstücken von Formeln. Noch hab ich keine Ahnung, was das für Kram ist, aber das werd ich irgendwann schon rausfinden. Jedenfalls: In einem einzigen Fach war was anderes. Und das ist toll. Das hier.« Er löste seine Hand aus meiner, ergriff erneut seine Tasche und holte eine herzförmige rote Dose aus einem Seitenfach. Sie hatte die Größe seiner Handfläche und schimmerte, wo Licht auf ihre Oberfläche fiel. »Du musst sie aufmachen«, sagte er und hielt mir die Dose entgegen. »Und am besten zeigst du das, was drin ist, Siv'ik Rivera nicht, falls du ihm je begegnest. Ich bin zwar froh über das Geld, aber irgendwie denke ich trotzdem die ganze Zeit, ich hätte die Kette nicht weggeben sollen.«
Ich war sprachlos. Fasziniert hob ich den Deckel der Herzdose an und stellte fest, dass sie aus einer Art Keramik bestand. Der rote, schimmernde Lack war nicht überall gleich dick aufgetragen. Eine handgefertigte Dose in Herzform?
»Jetzt schau schon rein«, drängelte Diego.
Ich gehorchte, und beinahe erstarrte ich. In der Dose ruhte auf weißer, zerfledderter Watte ein Armband, und auch dieses war zweifellos selbst gestaltet. Blaue Perlen. Rote und petrolfarbene Glöckchen. Dazwischen silberne Elemente: Blumen, Sterne und ein Flügel, dessen einzelne Federn deutlich erkennbar waren. Auf der Innenseite des roten Deckels stand verwackelt und verblasst die Zahl 8, umrahmt von fünf ebenso wackeligen Herzen.
»El'eym, ich glaub, das alles hat ein Kind gemacht«, sagte Diego leise. »Für ein anderes Kind, zum achten Geburtstag. Vielleicht – vielleicht ein ziemlich trauriges Kind. Ein fröhliches Kind hat doch gar nicht so viel Zeit zum Basteln, oder? Für so viel Aufwand, meine ich.«
»Ich weiß nicht«, flüsterte ich. Diego war der Kinderexperte, nicht ich. Fasziniert hob ich das Armkettchen aus seinem Wattebett. Teils splitterte die silberfarbene Legierung von den einzelnen Gliedern ab, doch die Anhänger waren allesamt unversehrt.
»Und verstehst du? Der Flügel?«
»Das …« Ich stutzte. »Ist das möglich, Diego? Dass dieses Armband so uralt ist, dass es dem allerersten Hybriden gehört hat? Dafür sieht es fast zu gut aus.«
»Aber es war sicher in dem Fach. Die Wände sind nicht feucht, die Innenwände schon gar nicht.«
»Wow.« Wem auch immer dieses Schmuckstück gehört hatte, es rührte mich. Die Dose mit der wackeligen 8 im Deckel rührte mich. Und Diego rührte mich, er am allermeisten. »Und das möchtest du mir schenken? Bist du sicher?«
»Ja«, sagte er mit kindlich anmutendem Eifer. »Du bist mein Ke'd-Ri. Man soll sich zwar kein Bild von ihnen machen, aber ich glaube, wenn irgendein Sterblicher ihnen ähnlich sieht, dann musst du das sein.«
»Ach, du.« Ich schluckte schwer.
»El'eym?«
»Hm?«
»Ke'd-Ri ist ein schöner Name, finde ich.«
»Das stimmt.« Ich strich Diego durchs Haar.
»Und ich finde immer noch, dass wir Kinder haben sollten«, murmelte er. »Wirklich, El'eym.«
Ich dachte nicht nach. Konnte nicht nachdenken. Mein Mund stieß die Worte hervor, impulsiv und trocken: »Soll das heißen, du willst dich selbst befruchten?«
Diego stöhnte auf. »Ja, der Punkt ist ein Problem, ich weiß. Ich meine, ich bin natürlich nie davon ausgegangen, dass ich unsere Kinder austrage. Aber theoretisch wäre das eine Möglichkeit. Mein Verstand gepaart mit meinem Verstand – das Ergebnis wäre sicher top. Oder wir adoptieren ein oder zwei Kinder. Dann laufen wir zwar Gefahr, dass sie keine Genies werden, aber was soll’s.«
»Das sollten wir jetzt nicht entscheiden«, sagte ich mit schmerzender Kehle. »Genauso wenig, wie wir jetzt heiraten sollten. Das hatten wir doch geklärt.«
»Du hattest das geklärt.« Diego starrte auf seine Knie. »Ich versuche jetzt, es so zu sehen: Alle guten Dinge brauchen ihre Zeit. Es hat zum Beispiel fast zwei Jahrhunderte gedauert, bis die Quellenforschung so weit war, dass auch Pulsgehirne die Quelle langfristig vertragen haben. Selbst bei den Erdenmenschen gab es anfangs Probleme. Douglas Keller hatte seine Quelle nur ein halbes Jahr im Kopf. Abseits der medizinischen Risiken war die Quelle aber schon damals ein tolles Ding, und heute ist ihr Einsatz sicher. Okay, dafür kann sie sich kaum jemand mehr leisten. Egal, du weißt, was ich meine.«
»Mhm.« Ich nickte ihm zu. Ich war nicht in der Position, jetzt noch viel zu sagen. Und der Gedanke an die Anfänge der Quellenforschung deprimierte mich jedes Mal aufs Neue, obwohl Ar'tinx-I'disk und die Erde ohne dieses Drama niemals zusammengefunden hätten.
Su'e-Vid Ar'v-Enx, Diegos und mein Urahn, war als junger Mann mit einer Quelle im Kopf auf die Erde geschickt worden. Als Menschenopfer, dessen Überleben nicht vorgesehen war. Die Technologie hinter den kleinen Übersetzertentakeln für eine neue Heimat, das war der Deal der damaligen Regierung von Ar'tinx-I'disk mit der Erde gewesen. Su'e-Vid Ar'v-Enx hatte dank Douglas Keller überlebt, einem Nachfahren von Moritz Keller. Wir wussten viel zu wenig Konkretes aus dieser Zeit, doch diese Geschichte kannte jedes Kind.
»El'eym? Glaubst du, die machen Ernst mit der Universalregierung?«, fragte Diego plötzlich.
»Ich denke schon.« Ich rieb mir die Augen. Mit einem Mal war ich erschöpft. »Und ich hoffe, sie passen tatsächlich die Jahreszahlen an.«
»Das hoffe ich nicht«, sagte Diego erwartungsgemäß. »Man muss doch bloß 654935 Jahre von der jeweiligen Tinxjahreszahl abziehen, um zu wissen, welches Jahr gerade auf der Erde ist. Die Zeitrechnung ist Teil unserer Kultur, auf beiden Planeten. Ein bisschen Kopfarbeit kann man ja wohl von der Bevölkerung erwarten.«
»Wenn du meinst.«
»Tu ich. Und ich finde immer noch, dass Ek'h, Ek'hi und Ek'him wesentlich klingendere Wörter sind als Stunde, Minute und Sekunde.«
»Ich weiß.« Müde lächelte ich ihm zu. »Du bist ein kleiner Nostalgiker. Und keine Angst, diese Bezeichnungen auszuradieren, traut sich auch eine potenzielle Universalregierung nicht. Das wäre völliger Blödsinn.«
»So klein bin ich nicht«, behauptete Diego. Dann blickte er auf das Armband in meinen Händen. »Darf ich es dir anlegen? Oder – würdest du es überhaupt tragen? Es sieht schon irgendwie ziemlich kindlich aus.«
Mein Puls beschleunigte sich. »Das darfst du und das werde ich. Auch draußen. Und Siv'ik Rivera werde ich bei Bedarf erklären, dass das Armband unverkäuflich ist.«
»Uh, aber El'eym, der Typ ist seltsam. Total unheimlich. Ich hoffe, Eph stellt ihn dir gar nicht erst vor; er muss doch irgendwann merken, dass der Kerl gruselig ist.«
»Dasselbe hast du über Ephraim anfangs auch gesagt«, lachte ich. »Weißt du noch? Seltsam, unheimlich, gruselig – exakt so hast du ihn bezeichnet. Und dann hat er dir mit seiner neuen Fidelity geholfen, diese uralte Aufklärungsdrohne zu verfolgen, ihr habt euch die Solarzellen geteilt, und jetzt seid ihr die besten Freunde.«
Es hatte Ephraim beeindruckt, dass Diego sofort vorgeschlagen hatte, die Zellen aufzuteilen. Er wirkte nicht wie ein Mensch, der freiwillig irgendetwas teilt, und so kurz nach dem Krieg hatten selbst die rundum abgesicherten Grüns Schwierigkeiten mit der Stromversorgung.
»Das war was anderes.« Diego nahm mir das Kettchen aus der Hand, legte es mir um mein linkes Handgelenk und ließ den Verschluss vorsichtig einrasten.
Warum das Wristpad zwingend rechts sitzen musste, obwohl die meisten Menschen Rechtshänder waren und ihre Finger zum Tippen hätten gebrauchen können, hatte mir noch nie eingeleuchtet, doch linksseitig Schmuck zu tragen, empfand ich tatsächlich als hübscher. Teilweise verhakten sich die kleinen Anhänger ineinander. Ja, dies war das Werk eines Kindes, ich war mir sicher.
»Vielleicht sagst du das auch eines Tages über Siv'ik«, hauchte ich, beugte mich Diego entgegen und küsste ihn auf den Mundwinkel. »Danke.«


Und hier kommt noch das zweite Löwenherzen-Schmuckstück, das ich an dieser Stelle schon mal kurz erwähnt hatte, das allerdings wie in der Geschichte unverkäuflich (bzw. in diesem Fall ungewinnbar) ist und Lexi gehört. Sie kennt seinen Besitzer nämlich persönlich. ♥





Montag, 25. Juli 2016

Was ist ein Notfall?

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Vor nun elf Tagen ist unsere Spülmaschine kaputtgegangen. Sie pumpt noch Wasser nach innen, selbiges dann aber innerhalb von wenigen Minuten wieder ab. Wir haben sie 2009 gekauft, sie war nicht teuer, und es besteht kein Grund, sie als Schrott zu bezeichnen – länger hält heute kaum noch ein Elektrogerät, so zumindest unsere Erfahrung.

Wir haben natürlich ein bisschen Erspartes für Notfälle und sonstige nötige Ausgaben. Sonstige nötige Ausgaben, das sind zum Beispiel neue Schuhe, wenn die Sohlen der alten weitgehend abgewetzt sind, oder, seit ich Selfpublisherin bin, auch Veröffentlichungskosten. Ein Notfall wäre es, wenn unsere Waschmaschine kaputtginge – ist auch vor gar nicht allzu langer Zeit passiert, und die haben wir selbstredend umgehend mit diesem Geld ersetzt.

Aber eine Spülmaschine? Kann man eine kaputte Spülmaschine als Notfall bezeichnen, sollte man für ihren Ersatz dieses Ersparte antasten?

Ein Notfall, das wäre beispielsweise auch folgende (derzeit zum Glück nicht anstehende!) Situation für uns: Georg muss für einen längeren Zeitraum ins Krankenhaus. Die Krankenkasse streicht daraufhin nach 28 Tagen unsere Pflegegeldzahlungen, da ich ihn nun ja nicht mehr selbst häuslich pflege. Ich habe nach kurzer Zeit kein Geld mehr, um unsere Krankenversicherungsbeiträge zu bezahlen, und müsste mich an das Jobcenter wenden. (Über das ich bis vor einem Jahr krankenversichert war, was ich aus verschiedenen komplexen Gründen jetzt nicht mehr bin. [Uh, und ratet mal, wer bislang schon wieder keine Verlagsabrechnung fürs erste Halbjahr 2016 bekommen hat.]) Das Jobcenter ist in dem Fall zwar verpflichtet, mich erneut zu versichern, allerdings bin ich durch den Umstand, dass Georg im Krankenhaus ist, meinerseits verpflichtet, in dieser Zeit in Vollzeit zu arbeiten. Da mich keiner einstellt, wenn ich ehrlich angebe, dass ich nach Georgs KH-Aufenthalt sofort wieder häusliche Pflege mache, steckt das Jobcenter mich in eine unsinnige Vollzeitmaßnahme. Ungeachtet der Tatsache, dass Georg dann niemanden hat, der täglich für einen längeren Zeitraum zu ihm ins KH kommt und Aufgaben übernimmt, die das KH-Personal unserer bisherigen Erfahrung nach in der Regel schleifen lässt. Und wir wissen: Wirklich tiefergreifend kümmern würde es kaum jemanden. Zumindest nicht die Art von Kümmern, die über ein verbales »Das tut mir leid für Sie/euch« hinausgeht.

Das ist kein Fernsehdrama, das sind deutsche Bürokratie und menschliche Gleichgültigkeit. Und DAS wäre für uns ein tatsächlicher Notfall, einer, in dem gar nicht darüber nachgedacht werden muss, ob das Notfallgeld dafür eingesetzt wird oder nicht. Und so etwas muss man im Hinterkopf haben, wenn man in unserer Lebenssituation ist.

Nach elf Tagen sagen wir dennoch: Ja, auch die kaputte Spülmaschine rechtfertigt einen Zugriff auf das Geld. Ein existenzieller Notfall liegt natürlich nicht vor, aber klar ist, dass bei den momentanen Temperaturen täglich gespült werden muss. Sammeln, bis eine große Menge Geschirr auf einmal gespült werden kann, ist geruchstechnisch nicht drin (und auch »nur mal kurz vorher ausspülen und dann sammeln« verbraucht einiges an Wasser). Das bedeutet, wir verbrauchen gerade wesentlich mehr Wasser als mit (unserer recht sparsamen) Spülmaschine, und je länger dieser Zustand anhält, desto höher wird auch unsere Wasserpauschale fürs kommende Jahr ausfallen. Das sind Dauerkosten, die wir dann tragen müssen. Für Normalos vielleicht keine nennenswerte Erhöhung. Für Menschen wie uns schon.

Letztlich sind wir auch zu sehr »Es kann jeden Tag vorbei sein«-Menschen, um darauf zu pochen, dass das Geld nicht angetastet werden darf, weil eines Tages ein wesentlich größerer Notfall eintreten könnte. Der Preis der neuen Spülmaschine entspricht unseren Krankenversicherungskosten für knapp drei Monate. Das ist ein günstiges (aber sparsames) Modell und trotzdem krass. Aber derzeit kommen wir mit unserem Winzbudget ganz passabel zurecht, da wir ohnehin extrem sparsam sind, und das Jetzt ist uns wichtiger als das Vielleicht-eines-Tages.

Donnerstag, 21. Juli 2016

Löwenherzen-FanFiction!

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Aww, ich kann ein ganz kleines bisschen hellsehen: Direkt nach dem gestrigen Upload des Löwenherzen-Gewinnspiels schrieb ich Lexi in Skype, dass ich mir eigentlich gar nicht ernsthaft vorstellen kann, dass außer ihr jemand daran teilnimmt. Zumindest die Möglichkeit, mitzumachen, wollte ich aber natürlich auch anderen Lesern geben. Aber es kam, wie ich erwartet hatte: Lexi war tatsächlich die einzige Teilnehmerin, und damit ist das Kettchen ihres. ♥

Das finde ich jetzt irgendwie sehr cool, weil noch ein weiteres Löwenherzen-Schmuckstück existiert, das es aber nicht zu gewinnen gibt, weil ich es von Anfang an für sie gemacht hatte. Sie hat dann also eine kleine Löwenherzen-Kollektion. :D Zu sehen gibt es das, wenn das dazugehörige Kapitel online ist.

Oh, und auf der Kette steht das Wort »Italy«:


Und schaut, Lexi hat auch hart dafür gearbeitet, das alles zu bekommen, und mir vor Kurzem eine Löwenherzen-FanFiction (!) geschrieben. *gg* (Nein, in Wahrheit bin ich nicht bestechlich.) Wer Kapitel 5 gelesen hat, kann sich garantiert denken, wer an folgendem Szenario schuld ist – bitte nicht ganz ernst nehmen! (Und selbstredend erlaube ich mir, die FanFiction ins Inhaltsverzeichnis einzupflegen. :D)


Neue Münchner Tageszeitung, 115. Jahrgang, Ausgabe 176/2580

Alkohol in Waidbronn
wird bedrohlich knapp


Es sind Zustände, wie man sie sich in einer Zeit des Aufschwungs nach dem Krieg nicht wünscht: Kaum ein Gasthaus oder Hotel in der bayrischen Kleinstadt Waidbronn kann noch Alkohol servieren.
»Es ist entsetzlich«, sagt ein befragter Bürger dem Journalisten der NeMüTa, der sich selbst ein Bild der verzweifelten Situation vor Ort machte, »ich habe seit Tagen kein Bier mehr bekommen. Es ist, als seien jedes Mal, wenn eine neue Lieferung kommt, Hunderte unsichtbarer Gäste vor mir in den Kneipen.«
Die Knappheit von Bier und anderen Alkoholika betrifft jedoch nicht nur Kneipenbesitzer, auch Supermärkte können sich nicht erklären, wohin die ohnehin knappen Lieferungen binnen weniger Stunden verschwinden. »Sie sind so schnell weg, fast, als würde eine einzige Person allen Alkohol kaufen, der sich in den Regalen befindet«, gab eine verstörte Verkäuferin an.
Eine psychologische Notfallbetreuung für Waidbronns Bürger wurde inzwischen eingerichtet. Lokale Medien hoffen auf baldige Lieferungen größerer Händler, doch auch die müssen immer höheren Aufwand betreiben, um an die benötigten Mengen zu kommen. »In immer größerem Umkreis kann niemand mehr liefern. Es scheint sich ein schwarzes Loch in Waidbronn aufgetan zu haben, in dem aller Alkohol der Region verschwindet«, so ein Getränkegroßhändler.
Auch in den örtlichen Hotels ist der Mangel schmerzhaft spürbar. John Grün, Besitzer des angesehenen Hotels Grün, sagte im Interview: »Unsere Auswahl an alkoholischen Getränken ist üblicherweise sehr hochwertig. Egal ob Bier, Wein, Sekt oder Hochprozentiges, wir bieten nur das Beste und ich sorge dafür, dass unsere Gäste nicht auf dem Trockenen sitzen. Ich kann mir nicht erklären, was passiert. Es ist ein Drama.«
Ein Drama, das nicht endet – es muss die Ursache gefunden werden, das Leck, durch das der Alkohol verschwindet, aber die zündenden Ideen blieben bisher aus.
Gerüchten zufolge wurde von der Polizei bereits eine Sonderkommission, die »SoKo Promill«, eingerichtet. Mehrere Dutzend Polizisten sollen sich ausschließlich mit dem Fall beschäftigen, der so hoffentlich bald geklärt werden kann, bevor die Nachrichten aus Waidbronn noch dramatischer werden.
Auf Hinweise aus der Bevölkerung steht eine Belohnung.