Samstag, 26. November 2016

Ein bisschen unsterblich

AD

Andere schenken ihren Partnern Kleidung, Schmuck oder Parfums.

Ich schenke meinem – ähm, so was hier:

Mit gepressten Blüten gefüllte Schneekugel.
Vorderseite: Kornblume und Trichterwinde.

Mit gepressten Blüten gefüllte Schneekugel.
Rückseite: Rosenblüte mit Blütenknospen.

Die Kornblume und die Trichterwinde haben wir ultrakitschig bei einem gemeinsamen Picknick gepflückt, die Heckenrosenblüte mit ihren drei weiteren Blütenknospen dagegen lag ein paar Tage später abgerissen bei uns auf dem Gehsteig. Jetzt ist sie ein bisschen unsterblich.

Sonntag, 20. November 2016

Unsere letzte Gewinnerin

GA

Ihr Lieben,

zuallererst vielen, vielen Dank für eure Glückwünsche zum vierten Blog-Geburtstag! ♥

Wir waren bei der Durchführung der Verlosung ein bisschen überfordert, weil nicht aus allen Kommentaren eindeutig hervorging, ob eine Teilnahme am Gewinnspiel gewünscht ist oder nicht – darum waren wir so dreist, euch einfach alle in den Lostopf (aka Müslischüssel) zu werfen und zu hoffen, dass die gezogene Person das Büchlein dann haben möchte. :D
 
Und den Gedichtband gewonnen hat …


Jade! Da steht Jade, nicht Jack!
Hierzu hatten wir eine nette kleine Diskussion. :D

Herzlichen Glückwunsch! 
Damit bist du unsere letzte Gewinnerin. ♥

Weitere Verlosungen wird es hier aller Voraussicht nach nicht geben, denn wir möchten wirklich gern weitgehend zum »Normalo-Bloggen« zurückkehren, das nichts mit Buchveröffentlichungen und allem drum herum zu tun hat. Aber es war eine interessante Erfahrung, das mal knappe zwei Jahre lang erlebt zu haben – liebsten Dank an alle, die uns auf diesem Weg begleitet haben! ♥

Donnerstag, 17. November 2016

Vier Jahre Beziehungstat

GA

Hallo ihr Lieben!

Heute ist es so weit: Unser Blog feiert seinen vierten Geburtstag! Vielen lieben Dank an alle, die uns immer noch treu lesen, mit denen wir unser Leben und Schreiben teilen dürfen und die »Beziehungstat« dadurch auch in der Außenwelt lebendig machen. Unsere Innenwelt, die lebt natürlich immer. Doch erst der Austausch mit euch hat unseren Blog wachsen lassen und ihn zu dem gemacht, was er heute ist.

Und weil einer der zwei Gründe für das Herausbringen unseres Gedichtbandes das heutige Jubiläum war, möchten wir gern ein Exemplar des arschteuren (ähm) Hardcovers unter euch verlosen. Bitte macht ohne schlechtes Gewissen mit, falls ihr den Band gern haben möchtet – den haben wir für diese Aktion eingeplant, lange bevor wir erfahren haben, was das Amtsgericht vorhat. Er wartet hier darauf, verlost und verschickt zu werden, und würde garantiert weinen, wenn das nicht geschähe. Ja, unsere Bücher können so was! Und nach der Entscheidung gegen weitere Bücher wird dies voraussichtlich unsere letzte Buchverlosung sein. Also, wir freuen uns wirklich, wirklich über jeden Menschen, der mitmacht, und das verursacht uns auch keine Zusatzkosten, weil Buch und Versand längst organisiert sind.

Hier könnt ihr euch noch mal den allerersten Post auf diesem Blog anschauen, falls ihr das möchtet. Und wer an der Verlosung teilnehmen mag, piept bitte einfach ganz kurz ins Kommentarfeld. Zeit habt ihr dafür bis Sonntag, den 20. November, 12 Uhr. Am Nachmittag geben wir dann hier bekannt, wer den Band gewonnen hat. Versendet wird er in der nächsten Woche. :)

Und weil jede Party Luftballons braucht …


Ein Flötenspieler aus Bronze, an dessen Händen irgendjemand
zwei herzförmige Luftballons in Rot und Weiß festgebunden hat.
Wir können uns beim besten Willen nicht erklären, wer das gewesen sein könnte …

Mittwoch, 16. November 2016

Zwischenerfolge: Highway to the Dangerzone

GD

Zwei Zwischenerfolge gibt es zu vermelden:

Nach einem (subtil) angepissten Schreiben von mir ans Amtsgericht und einer (etwas weniger subtil) angepissten Mail von Alex an meinen Betreuer haben wir zumindest erreicht, dass ich das mir aufgezwungene Zusatzkonto bei unserer Hausbank erhalte. So habe ich wenigstens kein Mobilitätsproblem, wenn ich an mein Geld will, wobei noch immer nicht klar ist, wie viel Geld das Gericht selbst von mir fordern wird.

Heute Morgen hat mein Betreuer das Konto eingerichtet, und während er bei der Bank war, rief er bei uns an und fragte, ob ich auch an einem reinen Sparkonto für das Geld Interesse hätte. Dieses würde nichts kosten, jedoch wären keine Überweisungen meinerseits auf das Hauptkonto möglich, »also müssten Sie mir vertrauen, dass ich Ihnen das Geld überweise, wenn Sie mich anrufen.« Alex sagte ihm dann, nachdem ich dazu den Kopf geschüttelt hatte, wörtlich, dass er nicht zuverlässig sei und das daher nicht infrage komme, und noch ein paar andere Dinge. Zwar sachlich, aber doch so, dass der Mensch, mit dem ich während des Gesprächs am wenigsten hätte tauschen wollen, mein Betreuer war. Zu allem Überfluss lief währenddessen auch noch »Highway to the Dangerzone« im Radio; schade, dass er das wahrscheinlich durch das Telefon nicht hören konnte. :D Nein, im Ernst, wir mögen ihn als Menschen, aber so geht das nicht weiter. Das ist einfach katastrophal für uns.

Danach meinte Alex, jetzt sei sie in der richtigen Stimmung, um auch noch bei der Krankenkasse anzurufen und zu fragen, was denn aus ihrem Antrag auf eine Brems- und Schiebehilfe für meinen Rollstuhl geworden sei. Der Mitarbeiter am Telefon teilte ihr mit, dass es eine Ablehnung gebe und diese auch bereits postalisch unterwegs sei, weil angeblich die eingereichten Unterlagen nicht ausreichen würden. Nach einem für den Mitarbeiter auch nicht unbedingt erfreulichen Gespräch stellte er jedoch erst mal die Warteschleife an, und als er nach ewig scheinenden Minuten wieder ans Telefon kam, gab es eine Überraschung: Das Hilfsmittel wird doch bewilligt, da habe sich etwas mit Alex’ schriftlicher Stellungnahme überschnitten. Nun. Na dann. Hoffen wir, dass diese Jetzt-doch-Genehmigung auch schnell schriftlich bei uns eintrifft, das würde unser beider Laune beträchtlich heben.

Bitte drückt uns die Daumen! :-)

Freitag, 11. November 2016

Physalis!

AD

Gerade ereilte mich der Schock: Die ganze Woche tröstete ich mich schon damit, dass ich mich am 4. Dezember zusammen mit Lexi betrinken kann, und jetzt fiel mir ein, DASS DAS JA GAR NICHT GEHT, WEIL SIE NACH UNSEREM TREFFEN NOCH AUTO FAHREN MUSS! Danach war ich so schockiert und wusste nicht, wohin mit meinen verletzten Gefühlen, dass ich vor Schreck direkt die komplette Ablage der letzten Wochen gemacht habe. Daraufhin hat Georg mich angeschaut, als würde ER sich nun gern betrinken, doch als ich ihn fragte, ob wir schnell zusammen Lexis Jack Daniel’s kippen sollen, der hier vom letzten Mal noch rumsteht, wollte er nicht. Okay, ja, es ist Mittag, und Cola haben wir auch nicht, und eigentlich hätte ich sowieso lieber Bier, aber trotzdem, mein Herz.

Gut, jetzt muss ich mich weiterhin irgendwie ablenken und blogge mal meine Physalis-Karten, die ich eigentlich schon längst hatte zeigen wollen, was ich aber immer wieder vergessen habe. Zu viel Stress und zu wenig Alkohol. Tatsächlich bin ich nüchtern, seit ich Lexi im Juli (?) zum letzten Mal gesehen habe, wenn ich mich richtig erinnere; das ist nicht okay.

Also, zurück zu den Physalis-Karten. Als ich im Spätsommer mit dem Blütenpressen angefangen habe, habe ich ja erzählt, dass man die Lampionblumen (Physalis alkekengi) fast täglich umbetten muss, damit sie nicht schimmeln. Und mir ist tatsächlich keine einzige von ihnen kaputtgegangen, weder die bereits reifen, orangefarbenen noch die leicht grünlichen. Sehr cool, ich war entzückt. Daraus entstanden sind dann unter anderem diese Karten, die längst ihre Empfängerinnen erreicht haben – die zweite ist schon ein kleiner Vorgeschmack auf unsere diesjährige Weihnachtspost:


Donnerstag, 10. November 2016

Keine Bücher mehr

AD

Ihr Lieben,

leider habe ich heute die Nachricht für euch, dass es trotz zuletzt anders lautender Pläne doch keine Buchversion von »Löwenherzen 2580« geben wird. Meine Testleser von »Löwenherzen 2580« und jene, die sich im Sommer für ein Löwenherzen-Buch ausgesprochen haben, müssten alle jeweils eine Mail oder eine Twitter-DN im Postfach haben, weil ich es ihnen vor allen anderen sagen und erklären wollte.

Eine zusätzliche Info, die damit zusammenhängt: Es wird auch keine anderen Bücher mehr von mir geben. Meine Freundin und Schreibpartnerin Lexi und ich haben am 5. November gemeinsam beschlossen, dass wir unsere diesbezüglichen Pläne einstampfen und unser riesiges Gemeinschaftsprojekt nicht in Buchform veröffentlichen werden. Wir können weder finanziell noch zeitlich und persönlich so viel in Selfpublishing-Projekte investieren, wie es nötig wäre, um ernst zu nehmende Verkaufserfolge zu erzielen. Dauerhaft erfolgreiche Selfpublisher sind omnipräsent in den sozialen Medien; etwas, das uns unser Alltag zum einen nicht erlaubt, das wir aber auch gar nicht möchten. Das sind wir nicht. Da wären wir irgendwann genervt von uns selbst.

Auch emotional hätte das Veröffentlichen inzwischen keinen Mehrwert mehr für uns zu bieten. Wir hatten einmal eine treue Gruppe von Stammlesern, von denen sich heute kaum noch jemand ernstlich um unsere Sachen kümmert. Geschichtenbezogene Blog-Posts laufen meist ins Leere. Es ist kein lebendiger Austausch mehr möglich, kein Miteinander. Und rein für unser Ego brauchen wir beide das Veröffentlichen nicht. Nicht im Geringsten.

Ich weiß, dass ich vor einigen Monaten noch sagte, dass ich den Löwenherzen-Selfpublishing-Prozess auch für eine winzig kleine Anzahl von Lesern in Angriff nehmen würde. Hätte ich noch Energiereserven, würde ich das wahrscheinlich auch trotz dieser Erkenntnisse durchziehen. Aber in Georgs letztem Blog-Post könnt ihr lesen, wie es bei uns momentan aussieht, und daran wird sich in absehbarer Zeit nichts ändern. Diese Spirale wird sich weiter drehen, solange Georg Pflege in Vollzeit benötigt. Das ist unser Für-Immer.

Dennoch war und ist der Testleser-Einsatz nicht umsonst. Ich werde alle Anmerkungen in der finalen Überarbeitung berücksichtigen, und selbstverständlich bekommen alle Testleser die Geschichte in ihrer endgültigen Version kostenlos von mir als PDF zugesendet, wobei ich noch nicht weiß, wann das sein wird. Auch jene, die sich für das Buch ausgesprochen haben, bekommen sie natürlich.

Was ansonsten weiter mit »Löwenherzen 2580« und Lexis und meinem Gemeinschaftsprojekt passieren wird, dafür gibt es noch keine Pläne. Vielleicht sammeln wir die Geschichten irgendwo und machen sie öffentlich zugänglich, aber versprechen kann und möchte ich das im Augenblick nicht. Diese Entscheidung werden wir 2017 gemeinsam treffen.

Ich habe das Veröffentlichen ausprobiert, in Verlagen und als Selfpublisher, und – es hat sich für mich nicht gelohnt. Es ist natürlich schön, meine Geschichten gedruckt zu wissen, und ich hätte die Löwenherzen wahnsinnig gern auch noch drucken lassen, doch die Kosten-Nutzen-Rechnung geht nicht auf. Nicht einmal die Freude über das gedruckte Buch könnte den Stress und die finanziellen Investitionen mehr aufwiegen. Somit würden weitere Veröffentlichungen nirgendwohin führen, weshalb die einzig sinnvolle Entscheidung jene ist, es bleiben zu lassen.

Ich hoffe auf euer Verständnis, nehme es euch aber auch nicht krumm, wenn ihr keines habt. Auch ich bin traurig darüber, dass ich kein Löwenherzen-Printexemplar für mich haben werde, und muntere mich damit auf, dass ich immerhin das wunderschöne Cover habe, dessen Kauf ich nicht bereue (es geht ums HABEN!), das nun aber aus der Sidebar verschwindet.

Ganz wichtig zum Schluss: Bitte keine Umstimmungsversuche! Die Entscheidung steht fest, sowohl für mich als Solo-Autorin als auch für Lexi und mich als Autoren-Duo. Wir lieben unsere Geschichten und Charaktere, das steht ganz außer Frage. Die Veröffentlichungspläne stampfen wir dennoch oder gerade deswegen ein. Der Preis wäre einfach zu hoch, finanziell wie nervlich. Wünsche und Pläne ändern sich mit den Erfahrungen, die man macht, und für uns ist diese Entscheidung die richtige.

Liebe Grüße an euch alle!

Montag, 7. November 2016

Das bröckelnde Konzept »Leben«

GD

Im April 2015 starb meine Oma väterlicherseits. Sie vererbte mir sowohl etwas Geld (wenige Tausend Euro, für Normalverdiener nichts Großes, für mich dagegen schon) und die Hälfte eines Grundstücks. Da ich schon seit Langem aufgrund meiner Erkrankung und Schwerbehinderung nicht mehr arbeitsfähig bin, beziehe ich seit einigen Jahren Grundsicherungsleistungen (aka Sozialhilfe). Dem Landratsamt (aka Sozialamt) musste ich die Erbschaft natürlich melden. Daraufhin sperrte das Amt meine Leistungen und teilte mir mit, dass ich dazu verpflichtet sei, meine Grundstückshälfte zu verkaufen und von der gesamten Erbschaft zu leben.

Dass auch Alex, die als meine Vollzeit-Pflegeperson ALG-II-Leistungen vom Jobcenter erhielt, daraufhin die Bezüge gesperrt wurden, versteht sich vermutlich von selbst. Seit dem Sommer 2015 wären wir also nicht mehr krankenversichert, wenn wir die Kosten dafür nicht vollständig aus eigener Tasche tragen würden. Dies hätte nicht nur den Wegfall unseres Versicherungsschutzes, sondern auch den Wegfall meines Pflegegeldes zur Folge.

Aufgrund des unüberblickbaren Bürokratiewalls, der für mich durch das alles anfiel, habe ich nach einem Gespräch mit meiner Hausärztin selbst beim Amtsgericht einen Betreuer für Behörden- und Finanzangelegenheiten beantragt. Ich hatte allein keine Chance, an das gesamte mir zustehende Geld zu kommen, bekam aber auch vom Landratsamt keine Unterstützung mehr, eben weil mir dieses Geld zustand und ich daher nicht länger als hilfebedürftig galt.

Unsere ersten Erfahrungen und Begegnungen mit dem Amtsgericht und dessen Mitarbeitern waren, wie Alex hier schon einmal beschrieben hat, ausgesprochen positiv. Ich hatte das Gefühl, mit dem Amtsgericht, vertreten durch meinen Betreuer, einen starken Partner gewonnen zu haben, der mich in dem unüberschaubaren Ämter-und-Erbschafts-Chaos vertrat und auf meiner Seite stand.

Heute, gut ein Jahr später, muss ich diesen Eindruck in Bezug auf das Amtsgericht bzw. Betreuungsgericht selbst leider vollständig revidieren. Nachdem sich der Vorgang, meine Grundstückshälfte zu verkaufen und das Geld dafür zu erhalten, über einen so langen Zeitraum hingezogen hat, soll mir das Geld nun in Kürze überwiesen werden. (Sehr schwammig formuliert, ein konkretes Zuflussdatum wurde mir nach wie vor von niemandem mitgeteilt.)

Seit Beginn dieses ganzen Vorgangs leben wir noch sparsamer als zuvor, und das so organisiert und diszipliniert, dass wir gut mit unserem Geld zurechtkommen. Wir mussten keine Schulden machen, uns von niemandem etwas leihen, auch nicht kurzfristig, und haben es in all der Zeit trotzdem immer geschafft, uns auch etwas Geld zurückzuhalten, um uns gelegentlich etwas außer der Reihe zu kaufen oder für Notfälle vorzusorgen. Das könnte nicht jeder, daher meine ich, dass wir mit Recht stolz darauf sind.

Nun aber möchte das Betreuungsgericht diese Lebensweise unterbinden. Das Geld, das mir bald zufließen wird, darf nicht auf unserem gemeinschaftlichen Konto verbleiben, sondern soll auf ein extra für mich angelegtes Zweitkonto kommen. Dass von unserem gemeinsamen Konto ausnahmslos alle unsere Lebenshaltungskosten abgehen, scheint das Gericht nicht zu interessieren. Auch die Tatsache, dass ich dann eine zusätzliche Kontoführungsgebühr bezahlen muss, die nicht gering ist, kümmert das Gericht nicht. Zudem wird mir vorgeschrieben, auf welche Bank das Geld kommen soll; ich darf das Geld nicht bei meiner Hausbank anlegen, die sich schräg gegenüber unseres Wohnhauses befindet. Somit wird es mir bewusst extrem erschwert, überhaupt an mein eigenes Geld zu kommen, obwohl mir immer versichert wird, dass ich mündig sei und jederzeit auf mein Konto Zugriff habe.

Das getrennte Konto hat den Hintergrund, dass mein Betreuer die Vorgänge darauf einsehen kann, und es ja seine Aufgabe ist, darüber zu wachen, dass ich mit meiner finanziellen Situation dauerhaft zurechtkomme. Das wäre also trotz aller Umständlichkeit und der zusätzlichen Kontoführungsgebühren noch auf eine sehr bittere Art tolerierbar für mich gewesen.

Nun jedoch musste ich von meinem Betreuer erfahren, dass das Betreuungsgericht selbst Geld von mir fordern wird – für die Kosten des Betreuungsverfahrens. Und berechnet wird der von mir zu leistende Betrag nicht ausschließlich auf Grundlage der Summe, die ich bald erhalten werde. Nein, auch unser eisern für Notfälle zusammengehaltenes Geld wird bei dieser Berechnung berücksichtigt.

Hätten wir also nicht gespart, hätten wir die uns zur Verfügung stehende Summe jeden Monat vollständig verprasst, stünden wir jetzt finanziell zwar nicht besser da, hätten aber wenigstens etwas von unserem Geld gehabt. Mehr, als wir es so hatten. Und meine persönliche Schlussfolgerung ist: Wer ehrlich ist und versucht, mit dem zurechtzukommen, was ihm zur Verfügung steht, ist im Endeffekt der Dumme.

»Zum Glück« stehen bei uns in Kürze einige Instandhaltungen an. Um die 3.200 Euro »darf« (wie nett) ich für solche Dinge ausgeben, ohne dass das Gericht das verhindern kann. Allerdings muss ich bereits im Vorfeld eine Auflistung machen, was alles ansteht und was das kosten wird, und ich befürchte schon jetzt, dass mir vorgeschrieben wird, was als notwendig zu erachten ist und was nicht.

Mein Betreuer als Person kann rein gar nichts für diese Ungerechtigkeiten, da er an die Weisungen des Gerichts gebunden ist. Allerdings ist für mich sehr belastend, dass ich ihm bezüglich neuer Informationen weitgehend hinterherlaufen muss und er sich selten von sich aus mit Neuigkeiten bei mir meldet. So ist zum Beispiel die Information, dass das Gericht Kosten geltend machen will, schon vor einem Monat bei ihm eingegangen, erfahren habe ich das aber ausschließlich, weil Alex ihn für mich angerufen und nach dem neuesten Stand gefragt hat.

Da ich nicht zu jeder Zeit in der Lage bin, einen so langen Text wie zum Beispiel diesen zu tippen, und ich am Telefon oft nicht verstanden werde, bleibt das Dem-Betreuer-Nachlaufen meist an Alex hängen. Dies bedeutet wiederum, dass der Grund, warum ich von selbst einen Betreuer wollte, weitgehend wegfällt: Die Situation hilft mir nicht, unabhängiger zu sein, sondern bringt uns wieder in eine neue Situation, in der ich ohne Alex nicht weiterkäme. Das frustriert uns beide, denn wenn wir diese Angelegenheiten souverän selbst lösen könnten, hätte ich mich gar nicht erst um einen Betreuer bemüht.

Mein Betreuer hat nun ein Schreiben an das Gericht versendet, in dem unter anderem steht, dass er es für eine unzumutbare Härte hält, die Einnahmen aus der Erbschaft in Ansatz zu bringen. Das finde ich super, doch hätte ein solches Eingreifen viel früher stattfinden müssen. Eben direkt nach dem letzten Schreiben des Gerichts.

Er meinte zudem, dass er, wenn die aktuelle Situation endlich geklärt sei, so schnell wie möglich wieder Grundsicherungsleistungen für mich beantragen wolle. Dumm nur, dass das dafür zuständige Landratsamt ja der Ansicht ist, dass ich von meinem geerbten Geld LEBEN soll. Mittlerweile wissen Alex und ich nicht mehr, ob das Konzept »Leben« für uns noch funktioniert. Zumindest können wir sagen, dass wir jeden Menschen verstehen, der sich infolge solcher nie endenden Demütigungen das Leben nimmt.

Für mich war es sehr anstrengend, diesen Post zu tippen. Bitte seht es mir nach, wenn ich auf eventuelle Kommentare nur verzögert antworte.

Samstag, 5. November 2016

November

GD

Das November-Kalendergedicht meines Vaters ist das für mich traurigste. Es befasst sich mit dem Gedenken an »alle, die gegangen sind«, und als mein Vater diese Zeilen schrieb, konnte er sich wahrscheinlich auf keinen Fall vorstellen, dass er selbst bereits gegangen sein würde, wenn ich gerade mal dreißig Jahre alt bin. Natürlich war nie klar, wie es mit mir gesundheitlich weitergehen würde, aber hätte er wissen können, dass ich viele glückliche Jahre als Erwachsener verleben würde, hätte er sich bestimmt nicht ausgemalt, dann nicht mehr dabei zu sein.

Dennoch mag ich das Gedicht. Es ist so friedlich, wie meist sehr einfach gehalten und bezieht sich auf das Alltägliche, das für jeden Menschen erlebbar ist. Was mein Vater mit den Bindestrichen am Ende mancher Verse bezweckt hat, weiß ich nicht, doch wie immer lasse ich alles, was er schrieb, unangetastet. :-)


Inhalt






September

Oktober


November - Nebelung

Abschiedsgedanken

Blätter sind im Fallen.-
Menschen gedenken allen,
die gegangen sind.-
Im Nebel und im Wind
ist es recht kalt.-
Nacht wird es bald.-
Auch Kinder spüren Ferne
und schauen dabei gerne
hin zu Mond und Sternen…-
und auf ihre Laternen!

Nikolaus S.



Eine Bank in unserer Nähe,
darauf und drum herum Herbstlaub.
 
Images by Freepik